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Das Ende der neuen Religiosität

Hugo Stamm am Mittwoch den 30. Dezember 2009

Christliche Kreise beschwören seit Jahren das Erwachen der neuen Religiosität im neuen Jahrhundert. Sie erhoffen sich das „Wassermann-Zeitalter“ der christlichen Kultur, eine sanfte Revolution der Religion, die Jesus Christus vor 2000 Jahren in die Welt gebracht hat. Und fleissig suchen sie alle Anzeichen und Signale, die ihre von Hoffnung genährte Erwartung stützt.

Die Ausbreitung des Islams in Mitteleuropa hat ihren Optimismus in letzter Zeit arg gedämpft. Der Enthusiasmus eines Grossteils der Moslems für ihren Glauben steht in starkem Kontrast zum lauwarmen Engagement vieler Christen. Einzig die Freikirchen halten noch das Fähnchen der Aufrechten hoch und setzen sich mit Verve für ihre Glaubensüberzeugungen ein.

Dann kam die dicke Überraschung zum Ende des ersten Jahrzehnts des neuen Jahrtausends: Die Schweizer Christen sind aufgestanden und haben die Expansionsgelüste der Moslems jäh gestoppt. Keine Minarette in unserem christlichen Hoheitsgebiet, entschieden sie zur Überraschung der Politiker. Viele Freikirchen reduzierten die Abstimmung auf die Formel: Christen gegen Moslems. Und rasch wurde die Initiative als Aufstand der schlafenden Christen interpretiert. Und als Wiedererstarken der christlichen Leitkultur. Endlich ein kräftiges Zeichen der neuen Religiosität! Und flugs denkt die EVP darüber nach, die christliche Leitkultur in der Verfassung zu verankern.

In Wirklichkeit ist das alles Wunschdenken. Die Schweizerische Evangelische Allianz, der grösste Verband freikirchlich orientierter Gläubiger und Gemeinden, war – vermutlich aus taktischen Überlegungen – entschieden gegen die Initiative. Sie fand dabei allerdings wenig Rückhalt bei ihren Gläubigen: Die meisten Freikirchler waren entschieden für die Initiative. Da sie konservativ denken, spielten bei ihnen politische Überlegungen eine grössere Rolle als religiöse Motive.

Es ist deshalb falsch, die Abstimmung als Erstarken der christlichen Leitkultur zu interpretieren. Auch für die Freikirchler war die Minarett-Initiative ein politisches Plebiszit zur Überfremdungsfrage. Das Abstimmungsresultat ist vor allem Ausdruck einer Identitätskrise.

Die neue Religiosität bleibt also Wunschdenken. Die Landeskirchen werden weiter schrumpfen. Das christliche Credo von Hoffen und Glauben ist im Zeitalter des Wohlstands und der Individualisierung ein Auslaufmodell. Wir haben die Mentalität der Versicherten verinnerlicht. Auf Erlösung nach dem Tod zu hoffen, ist nicht mehr unser Ding. Wir leben im Hier und Jetzt und wollen den Mehrwert sofort abschöpfen.

Ich behaupte nicht, dass dies eine kulturelle Errungenschaft ist. Aber es entspricht einer anthropologischen Tatsache. Da entspricht die moderne Esoterik weit mehr dem Zeitgeist. Sie bietet die Selbsterlösung und Vergottung des Menschen an. Da wäre mir dann eine christliche Mentalität doch noch lieber.

Ich wünsche allen Bloggerinnen und Bloggern ein erspriessliches 2010. Auf dass viele Wünsche in Erfüllung gehen. Gleichzeitig möchte ich allen für Ihr Engagement in diesem Forum danken. Das 2009 war der beste Jahrgang. Und bald gehen wir ins 5. Blog-Jahr. Das zeigt, dass religiöse Fragen die Menschen immer noch bewegen.

(Ich war in den letzten Wochen abwesend, weshalb meine Präsenz im Blog gering war. Nun bin ich zurück und werde mich wieder aktiver einbringen.)

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1.522 Kommentare zu “Das Ende der neuen Religiosität”

  1. Emeli sagt:

    Meine Erfahrungen mit den Zeugen Jehovas

    Die Eltern meiner Schulfreundin waren bei den Zeugen. Meine Freundin wollte das nicht und das wurde auch respektiert.
    Mein Vater hat den Eltern einfach klar gemacht, dass er nicht möchte, dass sie mich Missionieren.
    Das hat geklappt. Sie durfte mit uns Weihnachtern feiern.
    Wir respektierten uns gegenseitig. Ab und zu haben wir diskutiert aber das verlief genau gleich wie
    im Konfirmationsuntericht mit dem Pfarrer. Muss sagen mein Vater empfand die Biebel als Geschichtsbuch (nicht Geschichten).

  2. b sagt:

    was “geblieben” ist? Mißtrauen. Ent – Täuschung. Aufklärungswille. Askese sowieso. Ernüchterung, da ich schon immer einen eher nüchternen Weg gegangen bin und nie nach dem Wahnsinn oder Wundern strebte, sowohl Ängstlichkeit/Vorsicht als auch Selbsterkenntnis und Selbstvertrauen! Aber kein Gottvertrauen!

  3. . sagt:

    ansonsten gibt es desweiteren genügend Stoff zum selber Recherchieren auf der bekannten Seite von Irrglaube und Wahrheit…das ganze Spektrum! Man muß die Teilnehmer und Betreiber weder mögen noch lieben, es “lohnt” das Körnchen Info, welches man sich einholen kann.
    in dem Sinne
    troll ich mich dann mal

  4. . sagt:

    frage mich noch: was ist das für ein Gott? “Gott der Trainer”? (deudeutsch: der Personal-Trainer..ist ja auchein persönlicher Gott) Der seine geliebten Kinder absichtlich in die Irre führt, um ihnen hinterrücks ein Muskelpaket anzutrainieren? Damit sie die Gesiter unterscheiden können? Um sie dann in einen neuen Zusammenhang zu stellen? Alles s e h r diffus! Sehr suspekt!

  5. b sagt:

    @ Hugo Stamm

    eine meiner seltenen Ditrektanfragen (bisher stets unbeantwortet) würde Sie, Herr Stamm, abschließend doch einmal konkret um Stellungnahme bitten, ob Sie diese Gedankengänge nachvollziehen können? 🙂

  6. Niemand sagt:

    und, Nada, ist es nicht so? Manch ein Partner wird ja auch vom Heiligen Geist nach Gebetserhörung gesendet. 😉

    Damit solte man sich allerdings nicht zur Ruhe setzen. Erst dann fängt Entwicklung an. Und Partner können sich unterschiedlich entwickeln.

  7. Niemand sagt:

    @ Schönredner
    taz.de/1/debatte/kommentar/artikel/1/pflugscharen-zu-schwertern/

  8. Moria sagt:

    b:
    betreffend Direktanfrage @ H. Stamm
    Er wird wohl kaum jeden einzelnen Beitrag lesen koennen > wird ihm unmoeglich sein….
    Deshalb waere ein gerafftes, spezifisches, praezises Statement – auf welches Du seine Stellungnahme erwartest – eher dazu geeignet, eine Antwort von ihm zu erhalten.
    Ich kann mir vorstellen, dass er dazu problemlos seine Meinung aeussert. Aber wahrscheinlich will und kann er Deine gewandten Einstreuungen (zeitbedingt) kaum wahrnehmen.
    Nur so eine Ueberlegung von mir. Probier’s doch mal: kurz, buendig, gezielt…!

  9. Der inverse Goliath sagt:

    @ vietcong: (14.01.2010 um 09:08)

    “was ich etwas störend finde ist, und das passiert mir hier des öfteren, dass wenn ich mal eine behauptung oder eine frage aufstelle, die etwas aneckt, ich mich gleich zeilenweise rechtfertigen muss”

    Das wollen wir doch hoffen, werter vietcong! Wo wären wir denn, wer wären wir denn, wenn wir aneckende Aussagen einfach mal so hinnehmen würden. ;o) Ist auch gut so finde ich…

    @ Felix: (13.01.2010 um 23:24)

    “Wer an Gottes Allmacht glaubt und zugleich weiss, dass Gott soviel Leid geschehen lässt, kann eigentlich nur zum Schluss kommen, dass Gott durch die Opferung seines Sohnes den Menschen ein Zeichen gegeben hat, das ihnen bedeuten soll: Weil ich allmächtig bin, gebe ich euch einen Teil meiner Macht aufgrund der Freiheit meines Willens, auf dass ihr euch dafür verantwortet, euch und euresgleichen zum Guten oder zum Schlechten zu führen, und dass ich euch dies aus freiem Willen zugeteilt habe, bedeutet auch, dass ihr letztlich euer Tun und Lassen als mein Geschenk an euch auffassen sollt, oder eben nicht, sodass ich an euch erkennen werde, wer mir zugetan ist und wer nicht.

    Ein langer Satz. Gott will Deiner Aussage nach also das Leid in der Welt haben, um zu sehen, wer “Manns” genug ist, damit umzugehen und nicht abtrünnig wird. Jeder ein Hiob, also. Zwei Sachen – ich mag diese Leidensdisziplin nicht. Aus Leiden eine Tugend machen ist mir völlig fremd. Und zweitens, ein Gott, der allmächtig ist, sich aber nur einen Teil der Menschheit zu eigen machen will und den Rest verderben lässt, ist kein guter Gott. Umso weniger, wenn er, wie im NT noch so Sachen sagt wie “Ich bin die Liebe”.

    “Darin, in diesen gottgebenen Alternative ist der Mensch frei. – Das heisst, Gottes Gabe ist die menschliche Freiheit, dadurch er sich selbst ein gutes Stück weit verschenkt, verschwendet an den Menschen.”

    Es macht für mich keinen Sinn, dass wir “die menschliche Freiheit” haben, wenn es am Ende darum geht, die Freiheit wieder aufzugeben (Himmelreich). Was soll das? Ist der Himmel zu klein gebaut um alle Menschen aufnehmen zu können und Gott muss selektieren? Wieso diese Selektion? Wieso nur, hat Gott nicht einen Menschen erschaffen, der das “Gott”-Gen in sich trägt?

    @ Anna

    Danke für den Chagall. Vielleicht wars doch ein Engel? ;o)

    Ich mag der gefallene Engel von Gustave Doré: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/9/9d/Paradise_Lost_12.jpg/250px-Paradise_Lost_12.jpg

  10. tgm sagt:

    Alltägliches o)

    Wenn Frauen sich selbst und anderen Frauen ins eigene Fleisch schneiden.

    Alice Schwarzer

    @ Iman

    Iman, wenn SIe nicht erkennen, dass die Afrikanerinnen im Zuge der Patriarchalisierung einem Assimilierungsprozeß unterlagen und sich instrumentalisieren ließen, dann müßten Sie doch aud die Hexen als Hexen festschreiben?

    So ist das analog mit dem Assimiliationsfeminismus hier zu Lande… (den die Töchtergeneration noch weniger blickt!)

  11. "Querelle des Femmes" sagt:

    Geschichtliches und Kunst-Geschichtliches…(der Blog geht auf Exkursion), das nicht nur immer Engel bereit hält…

    wikipedia.org/wiki/Querelle_des_femmes

    google
    Artemisia Querelle des Femmes

    —–
    oder die Ja-Sager einer auslaufenden Religion

    ppfi.de/buchbesp/eisler1989.htm

    ——

    nach wie vor bei uns unbekannt: die befreienden Botshaften unterworfener Kulturen wie z.B. im Museum von Lima

  12. vietcong sagt:

    @ Der inverse Goliath

    “Das wollen wir doch hoffen, werter vietcong! Wo wären wir denn, wer wären wir denn, wenn wir aneckende Aussagen einfach mal so hinnehmen würden. ;o) Ist auch gut so finde ich…”

    ok, da hast du wohl recht 🙂

  13. ! sagt:

    der lange Sermon diente der Reflexion, dass die Entscheidung, sich von der evangelikalen Schwert-Ideologie/Theologie getrennt zu haben, für mich die richtige war! Und dass es da nichts zu bereuen gibt.
    Für andere sind andere Entscheidungen richtig.
    Evangelikal ist dies:
    http://www.Evangelikal.de

    Da werden weiter Brunnen vergiftet. (Ganz frei von “reaktivem Haß”?) Da ist man siegesreich, wenn eine ehemalige Professorin (Bultmann-Schülerin) die historisch-kritische Theologie verläßt und sich bei den Baptisten bekehrt. Und dort zu den glühendsten Verfechtern der Bibeltreue wird (welche sonstige Insider längst verlassen haben und publizieren, dass dieser Begriff als Kampfbegriff geführt würde) Auf dem Weg zum Southern Baptismus. Weg vom abgefallenen Laschen Euro-Baptismus….Recht so! Ihr Rechtgläubigen!
    Was mir ziemlich egal ist, wer sich wo die Köpfe einschlägt und wie viele Pädophile nun die kathol. Kirche produziert. Das alles wäre für mich der falsche Weg! Keinesfalls mehr überzeugend!

  14. ! sagt:

    Das Ende meiner Religion

    diese Spielart des Protestantismus wie hier seziert
    http://www.spiegel.de/kultur/kino/0,1518,654825,00.html
    ist wohl doch nicht geeignet,

    weder um die Hinrichtung eines Systems zu bekräftigen (eine zu sehr verstiegene Nische; es gibt so viele schreckliche Gedankengebäude nebeneinander)
    noch um den letzten Grund zu finden

  15. […] Das Ende der neuen Religiosität | Hugo Stamm […]

  16. erna sagt:

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