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Das Klassentreffen der unheimlichen Patrioten

Hugo Stamm am Samstag den 31. Oktober 2009

Krise und Klima der Verunsicherung fördern den Aberglauben und sind Wasser auf die Mühlen von Sektierern und Weltverschwörern. Diese nutzen die Gunst der Stunde und rotten sich immer mehr zusammen. Ausserdem wagen sie zunehmend den Schritt an die Öffentlichkeit. Wohin dies führt, habe ich in einem Artikel im Tages-Anzeiger vom 31. Oktober aufgezeigt:

Grosser Empfang für Weltverschwörer und Sektierer in der Olma-Halle: Stargast beim Anti-Zensur-Koalitions-Kongress ist Scientology-Boss Jürg Stettler.

Zum Kongress der Anti-Zensur-Koalition (AZK) von heute Samstag in St. Gallen hat der 53-jährige «Apostel» Ivo Sasek eingeladen. Der ehemalige Zürcher Automechaniker verbreitet mit seiner grossen, international tätigen Sekte Organische Christusgeneration (OCG) seit vielen Jahren Drohbotschaften. Nach biblischer Doktrin propagiert er beispielsweise die Züchtigung der Kinder mit der Rute. «Du errettest sein Leben», behauptet Sasek, «blutige Striemen schützen vor der Hölle.»

Sasek wurmt es seit langem, dass seine Gemeinschaft mit Sitz in Walzenhausen AR in der Öffentlichkeit als Sekte wahrgenommen wird und seine Anliegen in den Medien kaum Gehör finden. Deshalb startete er zusammen mit seiner Frau politische Aktionen und gründete die AZK. Aus dem Sektenumfeld stammt auch die Anti-Genozid-Partei (AGP), die gegen die staatliche Überwachung kämpft. Die AGP hatte Unterschriften für das Referendum gegen die biometrischen Pässe gesammelt. Die Partei ist überzeugt, dass die Bevölkerung bald mit implantierten Chips überwacht wird.

Die Anti-Zensur-Koalition hat sich in kurzer Zeit zu einem Forum für Sektierer entwickelt. Sasek organisiert regelmässig Konferenzen, die Hunderte Besucher anlocken. Die Stossrichtung lässt sich aus den Artikeln der «Anti-Zensur-Zeitung» ablesen. Es geht um die «tödlichen Mobilfunkstrahlungen», die «Nebenwirkungen der Homosexualität» («hohe Suizidrate, Depressionen, Ekel vor sich selber»), den Schwindel über die Klimaerwärmung, die neue Weltordnung und die Unfruchtbarkeit durch Gennahrung. In dieses Themenfeld passen auch antisemitische Töne. Die AZK-Zeitung zitiert einen Artikel der «Basler Nachrichten» vom 13. Juni 1946, wonach sich die Zahl der jüdischen Opfer im Zweiten Weltkrieg lediglich zwischen 1 und 1,5 Millionen bewegt habe. Ausserdem äussert das Blatt die Vermutung, dass die Schweinegrippe mithilfe der Gentechnik hergestellt worden sei und nun als militärische Waffe für biologische Kriegsführung diene.

Aufschlussreich ist auch die aktuelle Referentenliste. In der Olma-Halle wird Scientology-Chef Jürg Stettler erklären, «was Scientology wirklich ist». Weitere Redner werden den «Impf-Terrorismus» anprangern und gegen die Klimalügen wettern.
Warnung vor den Illuminaten

Bei einer früheren Konferenz in Chur propagierte Harald Baumann die «Germanische Neue Medizin» des Scharlatans Geerd Hamer, ein anderer Referent beschwor die drohende Eugenik und die neue Weltordnung, und die Impf-Kritikerin Anita Petek Dimmer vom Verein Aegis warnte vor den Impf-Gefahren. In einem weiteren Vortrag wurde die Gefahr der Illuminati, der geheimen Weltregierung, thematisiert.

Obwohl der Eintritt in die Olma-Halle gratis ist, zieht die AZK die Konferenz professionell auf. Die Referenten werden auf mehrere Leinwände projiziert und ihre Vorträge in verschiedene Sprachen übersetzt. Ein grosser Kamerakran kann Publikum und Vortragende effektvoll ins Bild rücken. Selbst die Verpflegung in den Pausen ist kostenlos. Moderiert werden die Grossveranstaltungen von Sektengründer Sasek persönlich. Ein grosses Orchester sorgt für einen würdigen Rahmen. Die eigens komponierte AZK-Hymne wird von sechs seiner zehn Kinder gesungen, wobei die Töchter in züchtigen langen Röcken auftreten.

Ralph Engel, Abteilungsleiter bei den Olma-Messen St. Gallen, stützt sich auf den Entscheid der Gewerbepolizei ab, die den Kongress bewilligt hat. «Wir halten uns aus der politischen und gesellschaftlichen Diskussion heraus», erklärt er. Er werde aber genau prüfen, ob die Veranstalter sektiererisch auftreten oder gegen Sitten und Gebräuche verstossen werden.

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1.020 Kommentare zu “Das Klassentreffen der unheimlichen Patrioten”

  1. erna sagt:

    @ pufendorf

    Na ja…….eben…….hätte mich auch interessiert.

  2. erna sagt:

    @ pufendorf

    …und ich war grosszügig. Tipppfehler passieren mir zu Hauf, wenn ich nicht genau nachlese – möglicherweise funkt manchmal Autokorrektur unangemessen dazwischen obwohl ich glaubte sie bereinigt zu haben – um wieviel mehr Mühe hat da der “earthworm” gehabt. Wenngleich er einige eher seltsame Behauptungen aufgestellt hat. Da er sich im Nichts verloren hat, wird uns “die Wahrheit” wohl vorenthalten bleiben!

  3. erna sagt:

    @ pufendorf

    ..und warum sollte ich micht nicht mit Würmern unterhalten, hier schreiben schliesslich auch verschiedene Vögel, Drachen und andere Tiere…..wen wunderts?

  4. gleichgesinnt sagt:

    @mawi
    ich möchte über den glauben selbst austauschen. DAS scheint mir hier nicht ungestört möglich.
    wenn du aber anonym bleiben willst. hast einen besseren blog oder forum dafür?

  5. Morgenstern sagt:

    @ Steinlaus: “Und ich konnte nicht verstehen, dass das Wunderbare in diesem Blog oft mit Füssen getreten wird.

    Ja, tatsächlich. Ganz wunderlich finde ich, dass dies meist auch noch im Namen der Humanität getan wird.

    Steinlaus: “denn ich bin nicht hier, um Krieg zu führen und gegen jemand oder etwas zu kämpfen. Meine Motivation, hier zu schreiben, steht dem diametral gegenüber: Ich möchte aufbauen, nicht niederreissen.

    Was wird in diesem Blog den nützliches aufgebaut?

    @ deeps: “Einige hier z.B. Morgenstern meinen, man könne den Glauben, den man als Kind aufgebürdet bekam, zu gegebener Zeit problemlos abschütteln.

    Nicht ganz. Ich wehre mich nur dagegen, dass hier christlicher Glauben (Glauben generell) als grundsätzlich Schädlich hingestellt wird. Lesen Sie die Anwürfe von Vietcong, uns Sie werden meine Worte besser verstehen.

    deeps: “Das entspricht nicht meiner Erfahrung, denn es geht um viel mehr als glauben oder nicht-glauben. Es handelt sich ja oft um ein ganzes System, das sich in vielen Bereichen des Lebens bemerkbar macht.

    Genau, es sind ganze Denkwelten, die im Übermass und Absolutheit schaden können. Ich finde das gottlose “Universum” per se noch gefährlicher, weil es den Irrungen des Individuums überhaupt nichts mehr entgegenstellen kann.

    deeps: “Ich kann es nicht oft genug betonen, dass sich vor allem bei Katholiken, z.B. ein tiefes Schuldgefühl einnisten kann, das sich gewissermassen verselbständigt und man sich aus Prinzip einfach mal schuldig fühlt.

    Genau so, wie in der atheistischen Denkwelt die Hybris überhand nehmen kann. Alles machbar, alles erlaubt.
    
deeps: “Heutzutage ist das ja hoffentlich nicht mehr so extrem mit dem “Schuld sein” und “zur Beichte gehn” und dem unvermeidlichen “im Fegefeuer braten”. Und ich hoffe, dass moderne Gläubige darauf verzichten, ihren Kindern solchen Unsinn einzutrichtern.

    Davon gehe ich auch aus. Die modernen Probleme sind eben meist atheistischer Art. Komasäufer und Grundlosschläger sind meiner Meinung nach schon ein Indikator für einen generellen Sinnverlust. Es will sich noch lange nicht jeder irgend einen Sinn einreden, wie es die evolutionären Humanisten propagieren. Solche Sinngebungen vermögen einfach nicht genug zu tragen.

    deeps: “Naturheilkunde: Noch so ein Thema, wo ich viel Schwarz-Weiss-Denken ausmache. Z.B. “Alle Naturheiler sind Scharlatane”. Was für ein Unsinn!

    Genau. Und wenn man die vermeintlichen Rabbis hier darauf hinweist, wird gleich scheinheilig-ignorant eine Niveau-Debatte losgetreten. Solches meinte wohl der Solochrist mit seinen “Bomben” – Sie scheinen dem Solo da ja nicht folgen zu können.

  6. Felix sagt:

    Moria

    “Sind es nicht wir alle….. > an vorderster Front die Staatengemeinschaft, die sehr viel Schuld an diesem Elend traegt? Trotz Rekordernten steigt die Zahl der Unterernaehrten und Hungernden staendig.
    Der verheerende Hunger, vorallem im Sueden, ist nicht auf ein unzureichendes Angebot zurueckfuehren, sondern auf die Misswirtschaft resp. das Versagen und die Gier gewisser Wirtschaftsbosse und Banker > Wirtschafts- und Finanzkrise, die diese Entwicklungsstaaten am haertesten trifft. Sie fuehrt in noch hoeherem Masse zu Arbeitslosigkeit, erhoehten Lebensmittelpreisen, ruecklaeufigen Auftraegen und sinkenden Rohstoffpreise.”

    Ganz abgesehen von der Schuldfrage, der ich sicher einiges abgewinnen kann, obwohl, wenn ich in die Details gehen wollte, ganz bestimmte Personen dafür verantwortlich machen müsste, und nicht pauschal “wir alle..”, so finde ich es doch völlig überspannt, hier von “Völkermord” zu sprechen. Mord ist eine aktive absichtliche Handlung, die zur Tötung eines oder mehrerer Menschen führt. Wird diese Handlung systematisch auf eine ganze Volksgruppe ausgedehnt, so kann man zurecht von Völkermord reden. Bei den Hungernden kann man den Gesättigten allerhöchstens den Vorwurf der Fahrlässigkeit im Umgang mit Lebensmitteln und Rohstoffen machen, die unbeabsichtigerweise zur Folge haben kann, dass Menschen sterben.

  7. Olive sagt:

    @deeps

    genau Naturheilpraktiker verstehen oft nicht viel von Krankheiten und die Ausbildung ist ziemlich bescheiden. Homöopathie sucht nur in den Symptomen, von ganzheitlich keine Spur, obwohl viele Leute das glauben, weil sie der Homöopath z.B. nach Vorlieben fragt, ob sie lieber süss oder sauer haben etc und weil er evt. länger mit ihnen spricht.Dieses Problem ist übrigens bei selbstkritischen Medizinern erkannt.
    Ein guter Hausarzt behandelt ganzheitlich.
    Es wundert mich einfach, wie angeblich kritische Zeitgenossen sich voller Vertrauen in die Hände von allen möglichen Leuten begeben, die von sich behaupten, heilen zu können, aber wenn sie das Wort Schulmedizin nur hören, rot sehen.
    Darum fragte ich, ob es wohl ein Autoritätsproblem sei.
    (nicht dich!)

  8. Steinlaus sagt:

    @ herr jott

    Schön, dich zu lesen – hab’ dich vermisst! Vielen Dank dafür, dass und wie du mich wiedererkennst.

    @ das tier in mir

    “eine krätzemilbe pöbelt einen stern an, und der stern leuchtet einfach weiter.”

    Ich weiss nicht, was mich tiefer berührt: Diese leuchtende Zusage an mich oder deine blumige, leidenschaftlich-lebendige Ausdrucksweise betreffend der Situation. Ich danke dir!

    “während ich eigentlich bei jedem beitrag dieses durchgeknallen spüre wie in mir das bedürfnis wächst, ihn vor dem ersten schnee noch schnell durch den mistzetter zu lassen, reichst du immer noch eine hand.”

    Meine Seele will es so. Es ist nicht mein Verdienst, es ist mir geschenkt. Es macht mich zutiefst dankbar und glücklich, dass es so ist. Es ist ein Weg von vielen möglichen. Ich kann auch andere Wege verstehen und nachvollziehen. Gehen aber muss ich den meinen, damit der Stern leuchten kann.

    @ Moria

    Herzlichen Dank für dein schönes Feedback!

    “Immer wieder staune ich auch, wie Du Geduld mit den Fundis aufbringst, auch etwas, das ich nicht wie Du imstande bin.”

    Geduld ist nicht meine Stärke, Moria. Aber ich musste sie in einem oft kaum aushaltbaren Mass aufbringen auf meinem persönlichen Lebensweg. Ich habe sie sozusagen an mir selber geübt und das kommt nun auch meinen Mitmenschen zugute.

    “Unser damaliger Wortwechsel ist ja geradezu Beweis dafuer, dass man verschiedener Ansicht sein kann, und dies einander auch auf anstaendig skeptische Art und Weise uebermitteln kann.”

    Absolut einverstanden! Und genau auf einer solchen Basis vermögen Vertrauen, Menschlichkeit und Wahrhaftigkeit zu wachsen.

    @deeps

    🙂

    @ b

    Danke für die Differenzierungen betreffend Ärzte und kollektiver Instrumentalisierung! Gehe damit absolut einig und habe selber diesbezüglich trotz adäquater und übereinstimmender Wahrnehmung falsch formuliert. So bin ich nun froh um Ihre Richtigstellung.

    “aber Sie und ich kennen ja auch die “heiligen Räume”…”

    Oh ja! Und diese sind weit und frei und duften nach Erde, nach ungestutzem Wachstum, nach Magnolienblüten. 🙂

    “habe nur etwas Probleme jetzt nach den Leer-Räumen, auf meine “alten Tage” (und so ohne Enkelkinder *lol* ) wieder auf einen Sinn zu kommen!”

    Das wundert mich nicht – ist doch absolut verständlich! Hingegen bin ich mir nicht so sicher, ob Enkelkinder gerade jetzt, wo der EIGEN-SINN noch so filigran dahindümpelt und SINNIGERWEISE noch am Seilziehen ist mit der SINNLOGISGKEIT vergangener Zeiten, wirklich SINNSTIFTEND wäre oder eben eher UNSINNIG, weil Sie, liebe b, wieder für andere und nicht für sich selber leben und sorgen würden. Verwerfen Sie aber bitte meine Idee ohne SINNLICH mit der Wimper zu zucken, falls meine Worten SINNLOS ins Leere zielen. Innig SINNIG, nicht?

    “Schwellen und Übergänge sind gefährlich und brauchen andererseits Geduld.”

    Wem sagen Sie das? Gute Güte, was musste und muss ich ungeduldiger Mensch selber Geduld aufbringen! Damit wird uns manchmal viel zugemutet. Und das Wort “zugemutet” spricht darüber hinaus ein Zweites an: Den Mut, den es braucht, um sich Schwellen zu nähern, sie zu begehen.

    “Schön wärs halt jetzt, frau hätte weitere Rückendeckung. hat aber nicht…. (aus den besagten Gründen) Aber “es” geht auch so!”
    Ja, die Kollateralschäden nagen überall. Aber richtig, es geht auch so! 🙂

    @ erna

    Herzlichen Dank für die vielen guten, stimmigen und interessanten Beiträge von Ihrer Seite!

    “Für mich ist Glaube und Religion etwas, was eine gewisse Eigenverantwortung erfordert; etwas was ich zwar vermittelt bekommen habe aber selber leben muss. Nichts Lautes mit vielen Lippenbekenntnissen sondern ein möglicher Lebensweg. Dabei schliesse ich keinesfalls aus, dass andere Leute sich anders orientieren.”

    Genau um diese Eigenverantwortung geht es mir – nur konnte ich dies nicht so treffend auf den Punkt bringen! Dankeschön.

    @ Morgenstern

    “Was wird in diesem Blog denn nützliches aufgebaut?”

    Aufgebaut werden (manchmal mehr, manchmal weniger) hier zum Beispiel:

    – der Zugang zu nützlichen, weiterführenden, klärenden Informationen
    – wertvolle, inspirierende Diskussionen (die unbestritten oft schwierig und nicht aussschliesslich konstruktiv sind)
    – die Einsicht, dass ohne Kritikfähigkeit / – willigkeit keine Diskussionen geführt werden können und kein friedliches Zusammenleben möglich ist
    – das Bewusstsein für Zusammenhänge, für’s Geschehen
    – vertiefte Klarheit der eigenen Position / Weltanschauung
    – der Wille, die Dinge zu beleuchten, zu hinterfragen
    – zwischenmenschliche Kontakte
    – Situationen zur Überprüfung der eigenen Weltanschauung
    – Formen des zwischenmenschlichen Umgangs
    – private Kontakte, Freundschaften, Verbindungen
    – die Lust an der thematischen Auseinandersetzung
    – Perspektiven, die ein lebbares, konstruktives Miteinander erlauben
    – Fragestellungen, die uns dazu auffordern, über den eigenen Tellerrand hinaus zu blicken
    – Flexibilität und Differenzierungsvermögen im Denken, Fühlen, Handeln
    – Räume verschiedenster Art, in denen wir uns bewegen lernen
    – Brücken, mit Hilfe derer wir Abgründe überwinden können
    – vertieftes Verständnis für die menschliche Existenz, was natürlich weitere Fragen aufwirft…
    – Einsicht über die Notwendigkeit, Verantwortung zu übernehmen
    – die Fähigkeit zum Denken

    Und das ist doch schon unglaublich viel, nicht wahr? Haben Sie mehr erwartet? Was?

  9. Anna sagt:

    Nur kurz.
    @ Moria + Felix
    Erstens, in Lateinamerika steigt die Zahl der Hungernden und Unterernährten nicht ständig (@ Moria 14:07), sondern sie nimmt ständig ab (können Sie überprüfen).
    Zweitens, Sie haben zwei Hauptursachen von Hunger nicht erwähnt: Korruption und mangelnde Infrastruktur.
    Wie soll die Bevölkerung einer abgelegenen Wüstenregion ernährt werden, wenn es keine Strassen gibt für Transporte? Oft scheitert es ganz banal daran. Diese beiden Probleme, mangelhafte Infrastruktur und Korruption, bestehen sowohl in kapitalistischen, wie auch in sozialistischen Ländern.

    In den kapitalistischen Ländern ist man diesbezüglich vielleicht ein wenig ehrlicher und selbstkritischer, während in sozialistischen Ländern Gleichheit und Brüderlichkeit gepredigt und von der Bevölkerung (wie nun in Venezuela) verlangt wird, nur 3 Minuten lang zu duschen (weil die verstaatlichten Kraftwerke nicht mehr produktiv sind), nachts mit der Taschenlampe aufs Klo zu gehen, auf Coca-Cola und andere “imperalistische Produkue” zu verzichten, während Chávez’ Minister selbst ungeniert Hermès-Kravatten tragen (das können Sie auf youtube überprüfen).

  10. Olive sagt:

    @Steinlaus:
    08.11.2009 um 14:38
    @Morgenstern

    deine positive Einstellung und Art ist einfach unglaublich, Steinlaus!

  11. Anna sagt:

    Nachtrag @ Moria und Felix
    Wieso muss das Hungerproblem immer so ideologisch diskutiert und aufgeladen werden? Genau das stört mich auch an den Büchern zu diesem Thema (Recht auf Nahrung) von Herrn Ziegler.

    @ Drache
    Hugo Chávez als Witzfigur zu bezeichnen, ist direkt zynisch. So ein Spruch kann nur von jemandem kommen, der weit weg und nicht selbst betroffen ist. Bugs Bunny ist eine Witzfigur, Sponge Bob und Johnny Bravo.
    Den brisanten Teil meines Beitrags liessen Sie leider unkommentiert.

  12. deeps sagt:

    @ Morgenstern

    Die modernen Probleme sind eben meist atheistischer Art. Komasäufer und Grundlosschläger sind meiner Meinung nach schon ein Indikator für einen generellen Sinnverlust.

    Ist das nur deine persönliche Meinung oder gibt’s dazu stichhaltige Hinweise? Denn siehst du, wir sollten doch endlich damit aufhören, uns gegenseitig den “Schwarzen Peter” zuspielen zu wollen. So geht das doch nicht. Probleme gibt’s auf allen Seiten. Wenn du schon den Alkohol ins Spiel bringst, so weiss ich ganz gewiss, dass auch früher viele Menschen unter Alkoholismus litten, Menschen, die mehrheitlich gläubig waren, Familienväter.

    Ich glaube nun mal nicht, dass das Grundverhalten eines Menschen unbedingt von der Lebensphilosophie bzw. von Glauben/Nicht-Glauben abhängt. Genausowenig wie es von der Herkunft, Hautfarbe usw. abhängt. Massgebend ist doch vielmehr, ob sich jemand wohl fühlt in seiner Haut, ob er/sie sich akzeptiert fühlt. Ob jemand angstfrei leben kann, Raum hat sich zu entwickeln, in Freiheit, ohne äusseren Druck.

    Wir müssen einfach von diesen ewigen Pauschaliesierungen wegkommen. Wie sonst können wir einen gemeinsamen Nenner finden? Hast du eine bessere Idee?

  13. poi sagt:

    @deeps
    @erna
    Der Begriff Ganzheitlich ist mir im Zusammenhang mit Behandlung von Störungen und Krankheiten durch Magiere und praktische Heiler nicht klar. Ein unscharfer Begriff, der sicher in der astrologisch-psychologischen fundierten Heilpraktik viel Cash bringen wird.
    Unterstelle mal, dass damit die konventionellen wissenschaftlich fundierten und staatlich akkreditierten Behandlern (Ärzte, Chiropraktiker, Apotheker, Physiotherapeuten, etc.) in den Dunstkreis von Fachidioten gestellt werden sollen.
    Eine andere Unterstellung: Feinstofflich und bizarr-stofflich angehauchte Heiler (Homöopathen, Bachblüttler eingeschlossen, Chinamediziner, Punkteure, Hundescheissepürierer) behandeln Krankheiten angeblich „ganzheitlich“ mit sanften Methoden, ohne Nebenwirkungen und Überdosierungen. So können sie jahrelang ihre Heilsversprechungen aufrechterhalten. Sanft Chronifizieren, nenn ich sowas. Beeindruckende Gespräche über aktuelle und vergangene Befindlichkeitsstörungen mit dem meist gutsituierten und akademisch gebildete Kranken, manchmal auch mit deren Haustieren (auch Hunde übrigens), sind auch nach Jahren noch möglich. (Für Blut und Eiter ist dann zwischendurch die schmerzhafte konventionelle Medizin oder der Veterinär zuständig).
    Finanziell mittelose oder Menschen aus niederen Bildungsschichten werden natürlich von den Heilpraktikern gemieden, die wollen Resultate und nicht Pseudopsychogespräche. (So verdankte auch Hahnemann im 18 J.h. seine fulminante Karriere vor allem dem damaligen Adelsstand. Schmerzlose Behandlung war natürlich damals schon ein Mega-Hit).
    Meine letzte Unterstellung zielt auf dem Umstand, dass unlautere und betrügerische Heilsverfahren die Definition von therapeutischen Zielen weit von sich weisen. (Diagnosen und Therapie sind ja etwas für „Schul (buben)mediziner“).
    Deshalb auch mein Tipp für Stifter von Vodoo Heilungsmethoden: Genau so verfahren wie bisher. Immer schauen, dass ausser dem Bankkonto des Hilfesuchenden alles so unsinnnig, so unscharf, so mehrdeutig und so esoterisch wie möglich dokumentiert wird. Weil, es könnte ja sein, dass in Zukunft mal die Bevölkerung, die politischen Vertreter oder die Regierung wissen möchten, für was da Geld ausgegeben worden ist. Sie werden sehen, da droht keine Gefahr – im Gegenteil.
    Damit würde eigentlich ein anderes Kapitel beginnen: Mitglieder von Untersuchungsgremien, welche die Wirksamkeit der Methoden von Voodoo-Heiler und Magieren mit anerkannten Methoden untersuchen sollen, sind in grösster Gefahr, selbst den Verstand zu verlieren.

  14. deeps sagt:

    @ Olive
    Du meinst: “genau Naturheilpraktiker verstehen oft nicht viel von Krankheiten und die Ausbildung ist ziemlich bescheiden.
    Dem muss ich einfach widersprechen. Google doch selber mal, was so eine Naturheilpraktiker-Ausbildung alles beinhaltet bzw. beinhalten kann. Vielleicht hast du ja schlechte Erfahrungen gemacht und das täte mir leid, denn es gibt sicher den einen oder andern Scharlatan. Auch ist die Homöopathie nur ein kleiner Teil dessen, was unter den Sammelbegriff Naturheilkunde fällt. Aber bitte, man muss einfach differenzieren!

    Der Grund, warum ich auf meiner Darstellung beharre ist der, dass ich einige Naturheilpraktiker kenne, die ihr Handwerk sehr gewissenhaft und kompetent ausüben. Sie haben Jahre gelernt und kennen sich u.a. auch sehr gut aus in Anatomie, Pathologie usw. Ich kenne genügend Menschen, die dort Hilfe gefunden haben, vor allem auch im Bereich der chronischen Krankheiten.

    Abschliessend möchte ich einfach noch dazu sagen, dass ich persönlich es sehr schätze, die Wahl zu haben. Ich kenne meinen Körper ziemlich gut und weiss mehr oder weniger sehr genau, wer wann am besten helfen kann.

  15. Olive sagt:

    @deeps

    nein, ich persönlich nicht, aber ich kenne Leute, die welche gemacht haben, ich kenne aber auch Leute, die zufrieden sind, weil sie auf irgendeine Weise wieder gesund geworden sind und ihnen die vermehrte Zuwendung ( die übrigens nicht bei allen Alternativheilern gegeben ist, dafür aber ab und zu auch bei ganz kommunen Medizinern) gut getan hat. Ich kenne auch solche, die einfach jahrelang hingehen, damit sie wenigstens dort Zuwendung erhalten.
    Was die Ausbildung anbelangt, bin ich skeptisch, denn wenn ich an Homöopathie und Bachblüten denke und die Theorie dahinter, dann kommt mir nur eines in den Sinn:
    “des Kaisers neue Kleider”.
    Aber wenn du damit zufrieden bist, ist es ja okay.

  16. deeps sagt:

    @ poi
    Mit Verlaub, ein undifferenzierter Rundumschlag!
    Hast du vielleicht auch schlechte Erfahrungen gemacht?
    Aus konkreten Beispielen könnte man evtl. noch etwas neues lernen, aber so? Was erwartest du denn?

  17. erna sagt:

    @ pufendorf

    Wie sich alles so plötzlich, oh Gott, alles verändert hat, du warst meine Freude, jetzt bist du mein Schrecken.

    Das in italienischer Sprache als Gesangsvortrag tönt fast ein wenig wie Mozarts ist aber von einem Hern Carl Heinrich Graun komponiert, der im 18. Jh. lebte. Nur so als Zwischenbemerkung.

  18. deeps sagt:

    @ Olive
    Es geht doch nicht darum, ob ich damit zufrieden bin, sondern darum, dass du mit deinem Pauschalurteil den Naturheilpraktikern unterstellst, nicht viel von Krankheiten zu verstehen. Dem widerspreche ich.

  19. erna sagt:

    Zur Diskussion von poi, deeps und olive

    Persönlich ziehe ich Schulmedizin vor, weil Symptome Auswirkungen einer zugrunde liegenden Erkrankung sein können die mit Homöopathie nicht behandelt werden kann. Davon gibt es einige und da habe ich Zweifel, ob jemand der nicht Medizin studiert hat, sie erkennen und zuordnen kann.

    Mit Kindern Heiler oder so aufzusuchen erachte ich als nicht sinnvoll, als sie, wie ich schon erwähnte, im Wachstum sind und z.B. Stoffwechselstörungen auftreten können – mit diffusen Symptomen – die, unerkannt, wirklich nachteilige Auswirkungen auf ihr gesamtes Leben haben können. ich hätte jedenfalls grösste Skrupel.

    Wir Erwachsenen können zwischen Sinn und Unsinn unterscheiden, Kinder sind immer ein wenig mehr ausgeliefert.

  20. Fräulein Melanie sagt:

    @ Noch etwas Anregendes für unsere Gegner der Homöopahtie.

    Mir wurde von einem Fall berichtet, wo es während einer Operation zu einer unstillbaren Blutung kam.
    Die Schulmediziner transfundierten und transfundierten,

    holten dann in ihrer grossen Not einen Homöopathen.

    Nach Gabe des homöopathischen Mittels sistierte die Blutung nach wenigen Minuten.

    Ich kenne diesen Homöopathen persönlich.
    Werde aber nichts mehr weiter dazu sagen.

    Ist nur so als kleiner Gedankenimpuls gedacht.

  21. Fräulein Melanie sagt:

    @ poi

    aus welchem Erdloch kommen denn Sie nun plötzlich gekrochen?

  22. Fräulein Melanie sagt:

    Und noch was
    ein grosser CEO der SchweizerPharmaindustrie aus der Aera vor Vassella
    ( Bin mir fast sicher, dass es Felix Krauer war ) hatte seinerzeit im Fernsehen erklärt,
    er hätte im Prinzip nichts gegen Homöopathische Heilmittel, aber damit könne man kein Geld verdienen.

  23. Olive sagt:

    @Erna

    es gibt auch noch den Aspekt, dass Kinder von Müttern, die es lieben, die ganze Familie mit Kügelchen o.ä. zu behandeln ( da diese ja so sanft sind und keine Nebenwirkungen haben) sich früh daran gewöhnen, immer gleich irgendwas zu nehmen ohne triftigen Grund.

    @Fräulein Melanie:
    08.11.2009 um 16:30
    eine weitere wunderbare Geschichte.

  24. erna sagt:

    @ olive, deeps, melanie, poi

    An dieser Stelle möchte ich feststellen, dass ich nicht die einen gegen die anderen ausspielen möchte, sondern dass ich ganz einfach meiner Haltung Ausdruck verliehen habe. Ich persönlich ziehe Schulmedizin vor und einen vertrauenswürdigen Hausarzt / Hausärztin, der / die mich als mündige Patientin ernst nimmt, auf den / die ich mich im Ernstfall verlassen kann. Heilern aller Art gegenüber habe ich Skrupel.

  25. Nada sagt:

    @Erna: Und da meine ich, es sei eine Fehlüberlegung zu glauben, dass die Freikirche ein Kunststück vollbringt, das andere nicht können.

    Wo habe ich das behauptet? Zweifler hat behauptet, dass es besser wäre in einer extremen Freikirche aufzuwachsen als in einer Familie, die ihre Kinder extrem vernachlässigt. Darauf hat Steinlaus geantwortet, dass man Begriffe wie “schlimmer” zu- erst definieren müsse. Meine Meinung dazu war schlicht, dass man Unglück nicht aufrechnen kann. Gerade weil es “schlimmere” Misshandlungen (körperliche/sexuelle) gibt, werden Menschen die psychisch misshandelt, indoktriniert oder extrem vernachlässigt wurden oft nicht ernst genommen. Deshalb bin ich gegen irgendwelchen Vergleiche/Messlatten, was nun schlimmer ist. Übrigens, wer nur irgendeine kleine Ahnung von Suchtkrankheit hat, weiss, dass es keinen Königsweg gibt für die Behandlung. Entscheidend für einen Ausstieg ist tatsächlich der eigene Wille. Ich wäre ihnen dankbar, wenn sie meine Beiträge in Zukunft ein bisschen genauer lesen würden. Ich stelle fest, dass es in diesem Land nicht nur eine sich immer weiter öffnende Lohnschere gibt, sondern auch eine Bildungsschere. Ich drücke mich als ungebildete Person oft missverständlich aus, dass ich aber so missverstanden werde, ist etwas schmerzlich.

  26. deeps sagt:

    @ Erna
    An dieser Stelle möchte ich feststellen, dass ich nicht die einen gegen die anderen ausspielen möchte, sondern dass ich ganz einfach meiner Haltung Ausdruck verliehen habe.
    Danke für diese Klarstellung. Dem kann ich mich nur anschliessen.

  27. Fräulein Melanie sagt:

    @ Nada cc: Erna

    “Ich drücke mich als ungebildete Person oft missverständlich aus, dass ich aber so missverstanden werde, ist etwas schmerzlich.”

    Machen Sie sich nichts draus, ich bin gebildet, und erna versteht mich noch viel weniger.
    Wahrscheinlich sind Sie einfach nicht ungebildet genug.

    Ich jedenfalls habe Sie von Anfang an richtig verstanden.

  28. deeps sagt:

    @ Nada
    Ich habe auch oft Mühe damit, meine Standpunkte präzise genug zu formulieren, würde mich aber deswegen nicht als ungebildet betrachten. Man wird einfach oft missverstanden im Leben. Zu versuchen, sich so klar wie möglich auszudrücken kann aber zumindest dabei helfen, für sich selbst klarer zu werden.

    Es gibt jedoch schon Menschen, die eine spezielle Gabe haben mit Worten, die sich virtuos und trotzdem klar ausdrücken können – beneidenswert.

  29. Fräulein Melanie sagt:

    @ Nada cc: Erna

    Gestern zum Beispiel sollte ich mir das Basler Apothekenmuseum anschauen, um meinen Horiziont zu erweitern.

    Nachdem ich daraufhin erwähnt habe, dass ich dort schon gewesen sei, und dies keinen Einfluss gezeigt hatte auf meine Erna nicht genehme Meinung,
    soll ich dort nunmehr ständig ein und ausgehen, bis das Museum die von Erna gewünschte Wirklung zeigt, oder aber, bis ich bewusstlos zusammenbreche
    Und dabei benötigt man wirklich maximal zwei Nachmittage, um alles gesehen UND GELESEN zu haben, was dort ausgestellt ist.

  30. erna sagt:

    @ nada

    Es liegt mir fern zu werten und bedaure, Sie verletzt zu haben, bitte entschuldigen Sie mich. Ich habe mich wohl ein wenig zu sehr ereifert weil “Zweiflers” Beispiel auf Realität übertragen werden könnte und und Unbeteiligten Schaden daraus erwachsen könnte.

    Zudem meine ich nicht etwa “Reich sein” bedeute Glück und “Armut” automatisch das Gegenteil. Aber ich sträube mich innerlich gegen Bilder wie “Zweifler” sie vorgab. Akademisch gebildete Eltern, die sich einen gewissen Wohlstand leisten sind nicht einfach mit “schlecht” gleichzustellen. Wenn Kinder resp. junge Erwachsene in “Zweiflers” geschilderten Form auffällig werden, tragen auch sie selbst Verantwortung. Ich wiederhole mich vielleicht aber wer wegen Delinquenz in Untersuchungshaft ist tut m.E. gut daran Innenschau zu halten und sich zu überlegen wie er sein weiteres Leben gestalten möchte. Dass Änderung nötig wäre ist offensichtlich und die kommt nicht von selbst. Junge Frauen, die von einem Bett zum nächsten pilgern, sollten sich möglicherweise ebenfalls ein paar Gedanken zu ihrem Lebensstil machen. Wenn sie das nicht tun, stimmt mit ihnen was Grundsätzliches nicht, ganz abgesehen davon, dass ich annehme, dass das mit dem Selbstwertgefühl auf der Strecke bleibt, nicht der Eltern wegen. In solchen Verhältnissen kann zuviel und zu leicht verfügbares Geld und andere materielle Güter und zu wenig Forderungen an junge Menschen eine Rolle spielen. Das nennt man nun einmal Wohlstandsverwahrlosung, ein trauriges Kapitel.

    Ich kann Ihre Aussage, dass da andere Verletzungen stattgefunden haben könnte, durchaus nachvollziehen. Die können aber gerade bei besonders frommen Menschen, die sich z.B. selbst überfordern, genauso passieren. Es gibt sie nicht, die heile Welt, die wir uns manchmal wünschen würden.

    Verstehen Sie mich bitte richtig, ich will weder Sie massregeln noch irgend in einer Form in Frage stellen, geschweige denn verletzen, das läge mir wirklich fern.

  31. erna sagt:

    @ nada

    Im übrigen nehme ich Aussagen über Titel und Ehren mit einer gewissen Vorsicht zur Kenntnis. Der eine oder andere erlaubt sich da gelegentlich zu scherzen und ab und zu erscheinen welche, die ein wenig hochstapeln. Andere sind im Gegensatz dazu wirklich gebildet und klug und man kann von ihnen so einiges lernen.

  32. Edi Brugger sagt:

    @mawi: 05.11.2009 um 21:40

    Ich war etwas anderweitig beschäftigt, entschuldigen Sie die längere Pause. Ich hoffe, Sie haben die vermutete Grippe schon überstanden.

    Sie haben meine Fragen immer noch nicht beantwortet. Ich wiederhole:

    „Können sie mir ein historisch anerkanntes Dokument nennen, vor dem Paulusbrief an die Römer, in dem dieser Rabbi Jeshua erwähnt wird?“ Damit dürfte für jedermann klar sein, dass es sich nicht um Texte aus dem AT handeln kann. Ich frage nach einem historisch anerkannten Dokument aus den Jahren 0 bis 60.“

    Ich vermute, dass wohl jede alte Religion irgendwelche Behauptungen (Heilsversprechen, Orakel etc.) in die Zukunft konstruiert, das gehört zur Machtstellung. Diese Prophezeiungen sind zwangsläufig nebulös und können nachträglich nach Belieben uminterpretiert werden. Das passiert ja auch in unserer Zeit, in der noch laufend von obskuren Sekten Weltuntergangsszenen „geweissagt“ werden, die bisher noch nie eingetreten sind. Ich bezweifle nicht, dass in diesem Tanach auch Prophetien enthalten sind.

    Angenommen, der grosse Gott der Juden hat „seine Verheissung“ in der Person dieses Jesus erfüllt, dann war es aber eine mehr als klägliche Inszenierung, Wer, im Vollbesitz seines Verstandes und mit normaler Bildung, glaubt denn heute noch an die „unbefleckte“ Schwängerung der Maria, die Geburtsgeschichte mit den „heiligen“ Weisen, den Weihnachtsstern, der astronomisch so nie stattgefunden hat?

    Stellen sie sich folgendes vor. Da schickt die „Universale Allmacht“ ihren „Sohn“, eine Tochter wäre sowieso unter ihrer Würde, auf diesen unbedeutenden Planeten Erde, als „König der Juden, als Messias, als Erlöser der Menschheit“. Ein Vorgang in einer Grösse und Bedeutung, die der gesamten Menschheit signalisiert werden müsste, und kein Hahn nimmt davon Notiz. Keiner dieser faulen Säcke von Schriftgelehrten fühlt sich bemüssigt, auch nur eine Zeile zu notieren. Nie, während seiner ganzen Lebenszeit, wurde er schriftlich registriert, nicht von den Juden und nicht von den Römern. Keine seiner „weltbewegenden“ Reden oder „Wundertaten“ wurde schriftlich festgehalten.

    Sechzig Jahre nach der Inszenierung merkt dieser Gott endlich, dass das ganze Theater kläglich am versanden ist und beauftragt diesen Paulus von Tharsos im weit entfernten Kleinasien mit einer ersten PR-Aktion. Es ist nicht auszuschliessen, dass Paulus Jesus als Kunstfigur erfunden hat. Wahrscheinlicher ist, dass ein geschickter Wanderprediger, vielleicht sogar mit einigen guten Ideen, mit einem sozialen Engagement, der Anstoss war zu einer phantastischen Story. Vielleicht war er ein Rebell gegen die römische Besatzungsmacht als Rache für einen Seitensprung mit oder eine Vergewaltigung seiner Mutter durch einen Soldaten, was auch die „Jungfernzeugung“ erklären könnte. Diese Ausrede zur Tilgung einer „Blutschande“ wurde nicht nur den griechischen Göttern unterschoben.

    Paulus verstand es offenbar sehr geschickt, eine politische Bewegung aufzubauen und sich damit eine beachtliche Position in der Geschichte zu erarbeiten. Weitere PR-Agenturen unter den Namen Markus, Lukas und Johannes sprangen auf den Zug auf, mit neuen Geschichten über Wundertaten und Reden. Wohlverstanden, keiner dieser „Viererbande“ hat diesen Jesus persönlich gekannt. Ein Teil der Geschichten wurden ihnen sogar nachträglich noch unterstellt.

    „Die Tatsache, dass im Gegensatz zu der historischen Zeitspanne der Tenach,
    in der nur die Juden das von Gott erwählte Volk waren, jetzt, in der Vereinigung
    mit dem Messias Israels, gläubige Heiden und Juden im Hinblick auf die Rettung
    gleichwertige Glieder des Gottesvolkes sind, ist der rote Faden, der sich durch
    den ganzen Brief zieht, ja vielleicht sogar seine Kernaussage bildet.“

    Im Hinblick auf die Rettung von was? Die ganzen Untaten der Kirche mit Kreuzzügen, Inquisition, Mission in Südamerika und Afrika, der Sklavenhandel usw. fanden nach dieser „Rettungsaktion“ statt, immer schön im Namen Gottes des Allmächtigen. Es schon merkwürdig genug, dass sich Gott vorher nur immer den Juden „offenbart“ hat. Hatte er plötzlich ein schlechtes Gewissen?

    Mawi lassen sie sich nicht von mir in ihrem festen Glauben beirren. Es lebt sich leichter, andere für sich denken zu lassen als mit kritischem Verstand die von den Religionen aufgetischten oder verschwiegenen „Tatsachen“ zu hinterfragen.

    Noch eine Kleinigkeit. Ethik ist eine Frage des Verstandes und nicht des Glaubens, obwohl auch dies von den Kirchen immer wieder suggeriert wird.

  33. Effi sagt:

    “Machen Sie sich nichts draus, ich bin gebildet, und erna versteht mich noch viel weniger.
    Wahrscheinlich sind Sie einfach nicht ungebildet genug.”

    Liebes Fräulein Melanie
    Sie hätten kein Talent, witzig zu sein, behaupten Sie, aber das war doch witzig.
    Ich jedenfalls habe gelacht.
    Vielleicht sind Sie einfach nicht untalentiert genug.

    Übrigens: Ihre Beiträge an Eric Berne erinnern mich an ein Gemälde, welches ich vor vielen Jahren einmal im Museum für Moderne Kunst in Brüssel gesehen und seither nie vergessen habe. Leider erinnere ich mich weder an den Namen des Gemäldes, noch an den Künstler, ich weiss nur noch, dass es entweder von Magritte oder von Delvaux war. Das Bild zeigte drei Personen. Person 1 schaute Person 2 an, und Person 2 schaute Person 3 an. Etwa so wie Sie Eric Berne therapieren während Eric Berne Heidi Reiff therapiert. Mein Vorschlag wäre, die Sitzordnung kreisförmig zu gestalten, sodass alle einander sehen können.

  34. Der Drache sagt:

    Anna schreibt: Hugo Chávez als Witzfigur zu bezeichnen, ist direkt zynisch. So ein Spruch kann nur von jemandem kommen, der weit weg und nicht selbst betroffen ist.

    Exakt. Und genau das hatte ich auch geschrieben. Sie hatten geschrieben, wie Chaves in Europa wahrgenommen wird und dabei unterstellt, dass politisch links stehende Menschen in Europa diesbezüglich einer schwärmerischen Gleichmacherei verfallen seien. Ich widersprach und schilderte die Auftritte des Herrn Chaves in den europäischen Medien als die einer Witzfigur. Wie anders als durch Massenmedien vermittelt kann das Bild eines Südamerikanischen Herrschers in Europa sein? Als Witzfigur tritt Chaves etwa einmal die Woche auf. Als ernsthaftes Thema spielt Venezuela auf dem alten Kontinent eigentlich kaum eine Rolle.

    Mit dem brisanten Teil Ihres Beitrags meinten Sie vermutlich die ansatzweise Verstrickung Venezuelas in terroristische Umtriebe. Das hat so ungefähr jeder Staat. Es wird einfach mehr oder weniger öffentlich und mehr oder weniger als Freiheitskampf verbrämt. Gerade gestern kam heraus, dass die Schweiz Kriegsmaterial an Kindersoldaten geliefert hat. Nur so als Beispiel. Wenn man aufzählen wollte, welche Terroristen die USA schon alles unterstützt haben, dann bricht wohl der Server zusammen.

  35. poi sagt:

    @ Fräulein Melanie
    Wie ich sehe lieben sie die bildhafte Sprache der Märchen, der Welt von Feen und Kobolden “..aus dem Erdloch kriechen… ” ” .. dann holten sie in ihrer grossen Not den Homöopathen… “. Vilellecht sind sie Kindergärtnerin,Grossmutter, Tante oder Mutter, dann würde ich Sie bei meinen folgenden Gedanken auch miteinschliessen.

    @ Olive @ Erna
    Mütter und Väter die ihren Kindern bei Krankheit mit Hausmittelchen versorgen, machen es m. E. eigentlich richtig. Da können auch Kügelchen dabei sein, die wir ja wie Kamillentee, Salbeiblätter, Propoli etc. auch günstig in der Drogerie/Apotheke kaufen können. Die Wirkung von körperlicher Zuwendung und besänftigenden Sprüchen funktioniert ja meistens, weil Kinder je nach Stufe noch ein sehr magisch-animistisch fundiertes Weltbild besitzen. Da Wirken die Eltern “ganzheitlich” als heilendes Agens. Vorallem nehmen Kinder dann ihre Eltern als kompetent und wirksam wahr. Was wiederum den Stress reduziert.

    Wenn Kinder aber erleben, dass ihre Eltern beim kleinsten Wehwehchen sofort zum Homöopathen rennen, oder verängstigt mit ihm telefonieren, wird das Kind unnötigt verängstigt, es wird seine Eltern als schwach und inkompetent erleben.

  36. Olive sagt:

    @poi

    Bei Tees, Brustwickel, Essigsocken etc. bin ich ganz einverstanden, die sind wirksam und erfüllen den von Ihnen erwähnten Zweck. ( Kompetente Eltern) Kügelchen finde ich überflüssig.

  37. poi sagt:

    @ deeps
    Ich habe ein paar Unterstellungen (Hypothesen) aufgeführt, auf die Sie (mit Verlaub) unqualifiziert/pauschalisierend geantwortet haben, resp. gar nicht darauf eingegangen sind..(“Rundumschlag”, “Haben Sie schlechte Erfahrungen gemacht ?”).
    Meine Unterstellungen beruhen auf miittelbaren Erfahrungen mit dem Gegestand im privaten und im beruflichen Umfeld.
    Was mich interssieren würde, wie habens Sie mit dem Begriff “Ganzheitlich” ?

  38. poi sagt:

    @deeps
    Genau. hab ich wieder gefunden. was ist mit dem ganzheitlichen Ansatz ?
    Gruss poi

    deeps:
    08.11.2009 um 12:30
    @ Olive
    Ich sprach ja auch nicht von Magieren, sondern von Naturheilpraktikern.
    Was ich in diesem Zusammenhang übrigens noch erwähnenswert finde ist der ganzheitliche Ansatz.

  39. Moria sagt:

    b: @ Vaterata
    Betreffend > Fussmatte…..
    Vielleicht schuetzt diese Vaterata vor dem Leid seiner Minderwertigkeitsgefuehle…..oder seiner Verblendung?

    Melania
    ……fuer welchen Weg haben Sie sich jetzt entschieden?

    Zweifler
    Die couragierte Nischen-Outerin bin nicht ich, sondern die authentische FreieFrau b: !

    Wegen meiner Blogneigung der ’leichten’ Uebertreibung muss ich Ihnen sogar recht geben, so ganz Reich-Ranicki im Ohr: Erst in der Uebertreibung der Dinge werden sie klar und einsichtig. Natuerlich muss man in der richtigen Richtung uebertreiben…….

    Nada
    Verstehe es nicht – wie man/frau Dich nicht verstehen kann……
    Deinen Ausfuehrungen kann ich meist voll und ganz zustimmen – deshalb nochmals auch zu diesem Punkt:
    „Ist es nicht bereits verfehlt darüber zu diskutieren, wie man dieses Verbrechen benennen soll. Besser wäre sich zu überlegen, welche Massnahmen ergriffen werden müssen, um diesem Töten ein Ende zu setzen. Die Schweizer haben die Chance einen winzig kleinen Schritt zu machen, in dem sie der Initiative “Für ein Verbot von Kriegsmaterial-Exporten” zustimmen. Schuld am Hunger in dieser Welt ist zudem nicht nur die Gier der Banker und Wirtschaftsbosse. Wir alle wollen immer mehr und mehr. Würden nur Banker und Wirtschaftsbosse diese neoliberalen Parteien wählen, hätten die kaum so einen grossen Wähleranteil. Auch Vertreter von linken Parteien nahmen gerne die Steuern der Banken entgegen um den Sozialstaat auszubauen.“
    Mit anderen Worten vorerst mal ein riesengrosses JA zum Verbot von Kriegsmaterialexporten am 29.11.2009!

    FELIX
    Da haben wir offensichtlich ein verschiedenes Empfinden – fuer mich bedeutet Mord auch, den schwaechsten Gliedern der Menscheit ihre Lebensgrundlagen zu entziehen….
    Ist nicht jede auch mittelbare oder fakultative ‚Toetung’ > Mord?

    ANNA
    Ich sprach – fuer einmal @ Felix – NICHT von Suedamerika sondern von Afrika!
    Wer verteidigt denn eigentlich das Regime von Hugo Chávez?
    Mit Witzfigur liegt der Drache ueberhaupt nicht derart falsch….. er wird fuer manchen Gag benutzt, so z.B. auch von einem evangelikanen (!!) Radiosender auf den Niederlaendischen Antillen. Die strahlte eine fingierte Reportage aus, bei der so getan wurde, als ob Hugo Chavez tatsaechlich die 50 Kilometer vor der Küste Venezuelas liegenden Antillen eingenommen haette. Dies aufgrund von wiederholten Vermutungen in Niederlaendischen Medien, dass der sich wie ein Diktator auffuehrende Populist Chavez alle Gebiete innerhalb der 200 Meilen-Zone beanspruchen wuerde……. In der Reportage wurde der Angriff Venezuelas als Fakt praesentiert, von 4 Toten gesprochen und so getan, als ob der Verteidigungsminister der NL-Antillen den Angriff bestaetigt haette. Dass es den Evangelikanen an beschaemender Fantasie nicht fehlt, das ist uns ja unterdessen nicht neu, der lebende Blogbeweis dazu > Janalaia! – Dies nur am Rande zur Witzfigur Chávez!

    STEINLAUS
    Neben Dir und Deinen Ausfuehrungen @ Morgenstern ist dieser durch den Steinlaus-STERN beinahe nur noch am Vergluehen………..am ausfunkeln…..durch das erhellende Licht eines andern!

  40. Felix sagt:

    Moria

    Du machst also das Zitierte doch zu deiner eigenen Meinung. Wie ich ja anfangs schon vermutet habe und deshalb das Zitierte als dein Gedachtes widergab.

    Mit dem gleichen “Recht”, dass du dein Empfinden nennst, argumentieren auch Abtreibungsgegner. Auch sie rekurieren auf ihr Gefühl und verurteilen.

    – Muss ich mich verantwortlich fühlen, was zB in Dafour geschieht, – in Ruanda, – in Simbabwe? Gleicht es nicht einem verwegenen Hochmut, sich in Dinge einzumischen, die die meinigen nicht sind?

    – Ist diese “Mitschuld” am Tod hundertausender Verhungernder getilgt, wenn ich Geld an Aufbauorganisationen spende? Und wenn nicht, was kann ich dagegen tun? Ein Kind adoptieren? Einer Familie ganz konkret helfen? Aber warum dann DIESES KIND? DIESE FAMILIE? – und die andere nicht? Und ist das wirklich Helfen, wenn man die Hungernden an fremden Trogen laben lässt?

    – Dein Mitgefühl in Ehren, aber als Mörder lasse ich mich nicht bezeichnen. Ich lehne es ab, dafür verantwortlich zu sein, und ich lehne es ab, in diesem Zusammenhang von “Völkermord” zu sprechen.

    Ist es nicht entmündigend und gar verachtend, Menschen ihrer Eigenverantwortung zu berauben, indem man ihnen unser Fremdmitleid und Fremdverantwortung unterschiebt?

    Da deine Meinung offenbar emotional begründet ist, – darf ich dich fragen, wie’s dir geht? –

  41. Felix sagt:

    Edi Brugger

    “Ethik ist eine Frage des Verstandes und nicht des Glaubens”

    Das ist zunächst einmal eine schlichte Behauptung und mehr nicht. Wie wär’s, wenn du für einmal nicht den Ankläger spielst sondern diese These mit Argumenten untermauern würdest? – Ich denke, es liegt für einmal bei dir, rational zu überzeugen, falls du dazu überhaupt in der Lage bist und nicht wieder und wieder auf andere verweist.

    Nun also, argumentiere!

  42. solochrist sagt:

    @ erna, 08.11.2009 um 01:19

    schreib @ solochrist:

    ‘…(es handelt sich wohl eher um junge Erwachsene, die noch zuhause leben) bei ihren Aktivitäten unterstützen sollten?’

    und 08.11.2009 um 01:47
    ‘…Da halte ich’s für angebracht gelegentlich zu reagieren und in Kauf zu nehmen, dass man mich vielleicht für ein bisschen doof hält.’

    nur eltern die auch mal ‘doof’ sind, sind gute eltern 😉
    also bei einer hausbesetzung oder beim kiffen, denke ich nicht, dass wir unsere kinder unterstützen sollten. aber wollen wir solches verhindern, so kann ein begleiten der kids in ‘ihre’ welt (an ein überlautes konzert, einen fussballmatch ihres lieblingsclubs, an ein konzert in dem sie auftreten…) wunder wirken. überlassen wir unsere kinder sich selbst oder zwingen wir sie unser leben zu leben, können wir die resultate ja kaum übersehen…

    dä solochrischt
    wo gmerkt hät, dass sinä söhn guät tuät, wänn er ihnä zäigäd, dass er stolz uf si isch. aber ebä,
    das isch äini vo dä schwierigschtä ufgobä vomä vatär…
    und, vo mäitli und müätärä hani halt kä grossi ahnig.

  43. solochrist sagt:

    @ Steinlaus, 08.11.2009 um 14:38

    schrieb: ‘… Und das ist doch schon unglaublich viel, nicht wahr? …’

    viel ja, unglaublich viel? na ja…

    und einiges fehlt doch auch noch, oder etwa nicht?

    der geiger mag sein instrument beherrschen aber kann er auch schreiben?

    eine steinlaus kann schöne texte schreiben. kann sie aber beim fussballspiel den gegner richtig einschätzen und erkennen, dass es ein spiel ist? kann sie diesen satz verstehen oder nimmt sie ihn persönlich?

    wie sehen wohl die menschen in der steinlausen umgebung die steinlaus war, wenn sie nicht ihre texte lesen sondern mit ihr zusammenleben, als nachbarn, in der schulbehörde…

    dä solochrischt
    nüd nu im blog än schrägä vogäl…
    😉

  44. solochrist sagt:

    @ Olive, 08.11.2009 um 19:27

    schrieb @poi:

    ‘…Kügelchen finde ich überflüssig.’

    dä solochrischt
    wo olivä gern hät;)

  45. Pufendorf sagt:

    @ Erna

    Graut es Ihnen vor mir?

    @ Edi Brugger

    Lieber Edi, ich weiss ja, dass Sie ein anständiger Mensch sind und mag Sie persönlich sehr, aber das Argument mit “Jesus blieb zu Lebzeiten unbeachtet” scheint mir doch mehr als schwach zu sein. Ich habe zwar ein ähnliches Argument verwendet, indem ich sagte, als jüdischer Messias müsste er auch eine gewisse Machstellung im jüdischen Volk gehabt haben, das ist aber etwas ganz anderes. Wenn es für die Wahrhaftigkeit einer Offenbarung auf die Wirkung in der Welt ankommt, dann müsste man doch sagen, ja Jesus blieb von den augusteischen Geschichtsschreibern unbeachtet, nachher aber waren es Milliarden und Milliarden (heute immer noch zwei Milliarden oder fast ein Drittel der Erdenbürger), die an seine Erlösertat glaubten, also wenn Wirkung in der Welt die Erlösertat legitimiert, ist Jesus nicht schlecht legitimiert. So wichtig ist das nicht, was Plinius über die Welt geschrieben hat, wenn nur die rämische Historienschreibung massgebend wäre für das, was wichtig ist, dann hätte es zu Beginn des ersten Jahrtausends auch kein chinesisches Reich von Bedeutung gegeben.

    Ob Ethik eine Frage des Verstandes ist, Felix hat seine Zweifel, ich auch. Verstand ist sicher wichtig, wenn Menschnrechtskonventionen und Strafgesetzbücher geschrieben werden. Aber Ethik ist auch eine Frage des Handels und dort der Empathie und die empathischen Fähigkeiten sind wohl in einer anderen Hirnregion angesiedelt. Leute mit sehr hohem Verstand können sehr asoziale (unethische) Handlungen unternehmen, die, wenn alle so handelten, den Fortbestand der Menschheit (wohl eines der wichtigeren ethischen Postulate) gefährden würden, weil sie damit rechnen, dass ihre Mitmenschen eben nicht so wie sie handeln werden und sie deshalb ein comparative edge haben.

    Ich denke da an das Insider Trading, den einzig sicheren Weg um an der Börse reich zu werden. Wer Insider Informationen hat und diese nutzt, benutzt durchaus seinen Verstand und handelt unethisch. Offensichtlich ist Verstand vielleicht eine notwendige (ich glaube nicht einmal das, weil es sehr viele “dumme” Leute gibt, die sich vorbildlich verhalten) sicher aber keine hinreichende Bedingung für ethisches Verhalten.

    Das Verhältnis von Glauben zu Ethik wird auf diesem Blog so polemisch und manchmal auch vergiftet diskutiert, dass es schwer ist, eine positive Korrelation zwischen Glauben und Ethik zu postulieren, ohne gleich niedergehackt zu werden. Ich denke auch, dass man diese Frage einmal auch mit Feldstudien untersuchen müsste und dann eben die “Gläubigen” auch klassifizieren müsste, Glaube ist nicht gleich Glaube. Wir hören hier immer Zeugnisse von Ex-Katholiken, die offenbar von Priestern gequält worden sind, von freikirchlichen Ehemännern und Eltern, die ihre Kinder an der Entfaltung gehindert haben. Ich lasse für einmal solche Zeugnisse einfach stehen, weil ich nicht wieder die alten polemischen Fronten aufrichten will. Die Frage stellt sich dann aber doch, ob es neben solchen Ehemännern und Eltern, die offensichtlich als “Gläubige” einzustufen sind, weil sonst der Begriff “Glaube” gar keinen Inhalt mehr hat, nicht eine andere weniger machtversessene Art des Glaubens geben kann und gibt, die mit Ethik positiv korreliert.

  46. solochrist sagt:

    @ deeps, 08.11.2009 um 18:05

    schrieb @ Nada:
    ‘…die eine spezielle Gabe haben mit Worten, die sich virtuos und trotzdem klar ausdrücken können – beneidenswert.’

    und wie unterscheidest du das ausgedrückte? ist es ein schloss oder ein kartenhaus?

    dä solochrischt
    wo zur vorsicht mahnt…

  47. mawi sagt:

    @ Edi Brugger
    So einigermassen erholt habe ich mich schon, danke der Nachfrage.

    Woher Sie wohl diesen Frust haben? Ich kann Ihnen den Glauben an ‘Gott’ nicht vermitteln, das ist eine Sache zwischen Ihnen und Ihm.
    Gegenfrage: Wenn ich Ihnen denn ein ‘historisch anerkanntes Dokument’ liefern würde, wie stünde es dann um Ihre Einstellung dazu? Wären Sie dann bereit, sich in Ihrem ganz innersten Kern davon ansprechen zu lassen?

    Folgende Schriften könnten vielleicht etwas Klarheit in Ihre Fragen bringen.

    http://www.chai.ch/jmg/dokumente/verlag/rundbriefe/0701-philosophie-und-leerer-trug.pdf
    http://www.chai.ch/jmg/dokumente/verlag/rundbriefe/Vorworte/0702-koenig-der-juden-d-seidenberg.pdf

    Edi Brugger, ich werde mich von Ihnen in meinem Glauben nicht beirren lassen, für das habe ich schon zuviel erlebt. Ich würde aber auch nicht unbedingt behaupten, ‘ nur’ andere täten für mich denken . Vielleicht reden andere aber für mich, da ich meine Stärke nicht zwingend über die Tastatur leben kann……

    Und noch einmal ganz deutlich, ich identifiziere mich n i c h t mit der Kirche, auch nicht mit der reformierten Landeskirche.

  48. mawi sagt:

    @ Hugo Stamm
    zensieren Sie gerade meine Nachricht an Edi Brugger?
    Steht nichts Schlimmes in diesen zwei Links, bin übrigens auch nicht Mitglied
    dieser Gemeinschaft, habe ja schon einmal betont dass ich keiner Gruppierung angehöre.
    Finde halt einfach die Info hilfreich…. also, schalten Sie es doch bitte frei.

  49. Anna sagt:

    @ Moria und Drache
    Ich glaube ich verstehe, was Sie meinen. Vielleicht (hoffentlich) werde ich in ein paar Jahren ebenfalls über Nachbar Chávez lachen und ihn als Witzfigur betrachten können. Im Moment bin ich leider noch nicht so weit. Saludos.

  50. Anna sagt:

    @ mawi
    schreiben Sie den link ohne http://www., dann sollte es funktionieren