Das haben wir vom Rentenalter 65

Beide wissen, wie viel Arbeit vor ihnen liegt: Paar an einem Konzert im Letzigrund. Foto: Doris Fanconi

In den nächsten Tagen wird wieder besonders eifrig gerechnet im Bundeshaus: Die Parlamentarier werden episch um AHV-Zuschläge von 70 Franken oder um Zehntelsprozentpunkte bei der Mehrwertsteuer streiten. Doch die Zahl, um die sich im Grunde alles dreht, dürfte kaum zum Thema werden: 65.

So ist das Rentenalter. So ist es in den Köpfen. Im Rentenreform-Paket geistert dazu zwar noch ein Kommissionsvorschlag herum, die Pensionierungsgrenze bis 2031 schrittweise bis auf 67 zu erhöhen; aber der Vorschlag ist so schüchtern, dass er an sich schon spüren lässt, wie heikel es ist, an der Chiffre zu rütteln. Die Bevölkerung kann sich entwickeln, wie sie will, wir können so alt werden wie Methusalem, aber dieses 65 scheint betoniert.

Und nur ein paar wenige ahnen, dass das Pensionierungsalter, als es eingeführt wurde, noch eine völlig andere Bedeutung hatte.

Ein billiger Trick

Rentenalter 65: Wir haben es den Deutschen zu verdanken. Als das Kaiserreich im Jahr 1889 erstmals eine Rentenversicherung einführte, setzte Otto von Bismarck die Pensionierungsgrenze bei 70 Jahren an. Womit der eiserne Kanzler gleich klar machte, dass er überhaupt nicht im Sinn hatte, den Untertanen einen schönen Lebensabend zu gewähren. Denn die durchschnittliche Lebenserwartung betrug damals etwa 40 Jahre. Die neue Rente half also höchstens ein paar Glückspilzen, die ohnehin aus dem Raster fielen. Sie war ein (buchstäblich billiger) Trick, mit dem der Fürst den Sozialisten ein paar Anhänger abspenstig machen wollte.

«Mein Gedanke war, die arbeitenden Klassen zu gewinnen», verriet Bismarck in seinen Memoiren ganz offen, «oder soll ich sagen, zu bestechen, den Staat als soziale Einrichtung anzusehen.» Etwas Rente für ein paar da unten, Goodwill für die da oben.

Erst ein Verfassungsartikel, dann Pause

Aber mehr und mehr setzte sich die Idee in die Köpfe, dass der Staat auch eine soziale Verantwortung trage. Im Horror des Ersten Weltkriegs sah sich die Reichsregierung gezwungen, der geschundenen Bevölkerung etwas entgegenzukommen: Im Januar 1916 senkte der Reichstag das Pensionierungsalter auf 65. Damit wurde die Altersrente doch zu einer halbwegs greifbaren Sache, denn immerhin etwa drei von zehn Menschen erreichten in dieser Zeit die Grenze von 65 Jahren.

Auch in der Schweiz wurde die Alterssicherung nach Weltkrieg und Landesstreik virulent. 1925 stimmten die männlichen Bürger klar für einen Verfassungsartikel, der eine AHV verlangte. Es sollte danach noch über zwei Jahrzehnte dauern, bis das auch umgesetzt wurde (auf die Idee von «Durchsetzungsinitiativen» und Zeitguillotinen in Verfassungsartikeln war noch keiner gekommen). Zwar erarbeitete der Bundesrat rasch ein Pensionssystem; dabei schielte er in Sachen Altersgrenze über den Rhein, aber blieb vorsichtiger: Er wählte das Rentenalter 66 und erklärte diese Grenze mit der «gebotenen Rücksichtnahme auf die zur Verfügung stehenden Mittel». Das Volk lehnte das Anliegen 1931 trotzdem ab.

Im Jahr 2 nach Hitler

Und so kamen die Schweizerinnen und Schweizer, wie bekannt, erst nach dem nächsten Weltkrieg zu einer nationalen Rente – nach der berühmten AHV-Abstimmung von 1947. Und dabei kamen sie auch zum Rentenalter 65. Das deutsche Vorbild wurde im Jahr 2 nach Hitler zwar weder im Bundeshaus noch im Abstimmungskampf ausdrücklich genannt, doch die Zahl lag irgendwie in der Luft: Das Alter entspreche dem «sozialen Bedürfnis».

Wie sich in der Botschaft des Bundesrats vom Mai 1946 nachlesen lässt, hatte die Expertenkommission sogar eine tiefere Grenze geprüft, ja gewünscht. Aber eine Senkung des Pensionsalters um nur schon ein Jahr auf 64 hätte die jährlichen Kosten um 40 Millionen Franken erhöht: zu viel.

Allzu viele überlebten das nicht

Eifrig diskutiert wurde auch die Idee, eine tiefere Grenze für das sogenannt schwache Geschlecht einzusetzen: «Es trifft zweifellos zu, dass es physiologisch richtiger wäre, wenn für die Frauen der Beginn der Anspruchsberechtigung vorverlegt werden könnte», meinte der Bundesrat. «Da die rentenberechtigten Frauen zahlreicher sein werden als die rentenberechtigten Männer, hätte die Vorverlegung der Altersgrenze für die Frauen aber eine sehr grosse finanzielle Belastung zur Folge.» Auch zu viel: Die Zahl 65 galt anfangs noch für beide Geschlechter. Erst nach den fetten Jahren des Wirtschaftswunders gewährten die Männer den Frauen 1957 eine Senkung auf 63 Jahre und 1964 eine auf 62 Jahre.

Nun wird ja auch heute gern angemerkt, dass die Rentengrenze 65 zu Zeiten von Bundesrat Walther Stampfli etwas völlig anderes bedeutete. Tatsächlich: Als die AHV eingeführt wurde, lag die durchschnittliche Lebenserwartung bei knapp 63 Jahren für Männer und bei 67 Jahren für Frauen. Es war also nicht vorgesehen, dass allzu viele Menschen ihre Pensionierung allzu lange überlebten. Seither aber wuchs die durchschnittliche Lebenserwartung jedes Jahr um rund 100 Tage, sodass sie heute bei 83 Jahren liegt.

«Im Gleichschritt raus»

Dass zugleich die Zahl 65 versteinerte, hatte logischerweise schwere Nebenwirkungen. Damals, als die AHV entstand, erschien die Finanzierbarkeit ein Hauptkriterium zur Festlegung des Rentenalters. Heute ist das Rentenalter zu einem Hauptkriterium für die Organisation der Finanzierung geworden.

Ein weiterer kaum beachteter Nebeneffekt: Mit der Schaffung der staatlichen Altersrenten, ob in Deutschland oder in der Schweiz, setzte sich auch die Idee in die Köpfe, dass es eine feste Vorgabe dafür gibt, wann man fertiggearbeitet hat. Bis zu einem bestimmten Alter, und dann ist Schluss für alle: Über diese Idee hätten die Menschen jahrtausendelang nur den Kopf geschüttelt. «Erst das Industriezeitalter hat diese starren Grenzen gezogen: im Gleichschritt marsch in den Betrieb, im Gleichschritt raus» – so hat Norbert Blüm, der frühere deutsche Arbeitsminister, einmal über die besagte Nebenwirkung gespottet.

Dass es eine Zahl gibt, die uns sagt, wann das Erwerbsleben endet: Das ist vielleicht die stärkste Wirkung des Pensionsalters 65.

Sie wurde zum Fixpunkt. Eine repräsentative Umfrage im Auftrag des «SonntagsBlicks» ergab jetzt wieder, wie fest wir daran glauben, ein Menschenalter nach der AHV-Abstimmung. Nur 20 Prozent wären für eine Erhöhung des generellen Rentenalters. 79 Prozent sind dagegen.

34 Kommentare zu «Das haben wir vom Rentenalter 65»

  • Spaar Heinz sagt:

    Offizielles Rentenalter 65. Bei uns in der Grossbank werden fast alle zwangsfrühpensioniert. Ohne irgendwelche Überbrückungsleistungen versteht sich. Die Frühpensionierung schafft grosse Löcher. 7 Jahre vor AHV-Rente in Rente gehen mit einer halb so grossen Rente, wer verkraftet das schon? Ich kann mir nicht vorstellen dass KMU hier bessere Lösungen erarbeiten können.
    Das Rentenalter noch höher zu schrauben würde nun ein Problem lösen und dafür vier neue schaffen.
    Ich selbst habe aus heutiger Sicht nichts dagegen länger als bis 65 Jahren zu arbeiten. Und ich bin sicher bereit mich neu zu orientieren. Die Frage ist nur, ob das klappt? On verra…

  • Max Blatter sagt:

    „Der Vorschlag ist so schüchtern …“, schreibt Herr Pöhner zum „Rentenalter 67“. Einverstanden – doch leider bleibt besagter Herr Pöhner selbst genau so schüchtern. Seine Zahlen liefern die hieb- und stichfesten Argumente für die einzig angemessene Lösung: Rentenalter 72 für beide Geschlechter, verbunden mit einer automatischen Anpassung an die künftige Entwicklung der Lebenserwartung. Im Gegenzug: Signifikantes Erhöhen der Mindestrente bei voller Beitragsdauer, so dass diese das Existenzminimum endlich wieder wirklich deckt, wie ursprünglich vorgesehen. – Wer sich Sorgen betreffend der Vollbeschäftigung bis zum Alter 72 macht, dem oder der sage ich in Abwandlung eines Kennedy-Zitates: Frag‘ nicht, was die Wirtschaft für dich, sondern was du für die Wirtschaft tun kannst!

  • Dodimi sagt:

    Der BR soll eine Garantie abgeben, dass das Volk bis 70 einen Arbeitsplatz hat, dann stimme auch ich zu bis 67 zu arbeiten. Sonst ist es nichts anderes als ein respektloses Abschieben von Menschen in die Fürsorge…oder was anderes sind denn die gelebten Ergänzungsleistungen?!

    • Max Blatter sagt:

      Wie soll der BR eine solche Garantie abgeben? Soll man im Bedarfsfall einfach die Bundesämter um ein paar hunderttausend Beamte aufstocken?

  • Toni Müller sagt:

    Vielleicht wäre es sinnvoll eine dynamische Pensionsgrenze einzuführen. Jeweils in Abhängigkeit zum Durchschnitt der Alterserwartung.

  • Franziska sagt:

    Die historische Dimension kann man getrost vernachlässigen: Es ist für die Diskussion nicht so relevant, dass vor 100 Jahren die Leute viel weniger das Rentenalter erreichten. Inzwischen wurden auch die Arbeitszeiten massiv kürzer, die Produktion von Gütern unabhängiger von Manpower (wird noch steigen mit den Robotern). Was sollen die Leute also künftig bis 70 oder mehr arbeiten? Relativ frühe Pension (alle 65 finde ich als frau sogar ok) im Vergleich zum Lebensalter ist sozusagen umgerechnet eine Arbeitszeitreduzierung, die eigentlich drin liegen könnte mit den Produktionsfortschritten und Gewinnsteigerungen. Nicht natürlich, wenn man möglichst alles den Aktionären zuhalten muss. Dann lässt man die Alten (auf nicht vorhandenen Stellen …) bis 75 arbeiten …

    • Cybot sagt:

      So viel weniger arbeiten wir nicht. Klar, die Arbeitszeiten sind kürzer und manche Arbeiten werden automatisiert – und trotzdem haben heute mindestens 4 Mal so viele Menschen eine Arbeit als vor hundert Jahren. Einst waren wir alle Bauern, auch diese Arbeit ging für 98% der Leute verloren. Und trotzdem sind wir nicht alle arbeitslos.

    • Max Blatter sagt:

      „…auf nicht vorhandenen Stellen“? Zu tun gibt es genug – wenn ich nur schon an mein eigenes Fachgebiet denke (Energietechnik): Der Umbau der gesamten Energieversorgung in Richtung Nachhaltigkeit (konsequente Nutzung Erneuerbarer Ressourcen, Energieeffizienz, Klimaschutz, …) – da gibt es weiss Gott genug Arbeit, zumal man (leider) in diesem Bereich Jahrzehnte „verschlafen“ hat. Das Problem ist aus meiner Sicht eher, dass manche Kreise gerne noch weiter schlafen (oder auf den Golfplätzen flanieren?) würden und deshalb dringend benötigtes Geld „in den eigenen Reihen halten“… Und: Ich glaube nicht, dass die Verhältnisse in anderen Branchen wesentlich anders sind.

  • Stefan Bosshard sagt:

    Es dürfte historisch wohl einmalig sein, die Rente so lang und bei so guter Gesundheit geniessen zu können, wie die jetzigen Neurentner.
    Um das System auch in Zukunft einigermassen finanzieren zu können, braucht es eine neue Einnahmequelle. Die Lösung wäre eine minimale Finanztransaktionssteuer (Tobin-Tax). Durch den „Reibungseffekt“ würden nicht nur die Finanzmärkte passiv stabilisiert und das Hochfrequenztrading unterbunden, es kämen auch substantielle Einnahmen für den Staat zusammen. Und zwar diesmal bezahlt nicht von der arbeitenden Bevölkerung oder den KMU, die mit dem Kapital arbeiten, sondern von jenen Institutionen, die nur das „Geld arbeiten lassen“ und mit Anlagen spekulieren.

  • Gabriela Winkler sagt:

    Das Rentenalter der Frauen wurde in den 1957 und 1964 auf das heutige Niveau gesenkt, weil einige Herren National- und Ständeräte mit Partnerinnen, die 10 und mehr Jahre jünger waren, feststellten, dass sie über 10 Jahre mit einer Einzel- statt einer Ehepaarrente rechnen mussten. Die „fetten Wirtschaftsjahre“ waren nicht die Ursache, sondern standen lediglich den entstehenden Mehrkosten nicht entgegen. Die Befindlichkeit erwerbstätiger Frauen interessierte niemanden.

  • Kurmann sagt:

    Man zahlt im Idealfall 45 Jahre 10% (5% Firma 5% Selber), da sollte es doch ausreichen 15 Jahre Pension zu zahlen von 2000 CHF im Monat. Wenn nicht muss sich der Staat verschulden um die Babyboomer auszuzahlen für die Periode mit vielen Pensionierten. Später werden ja wieder weniger pensioniert.

  • Matthias Zürcher sagt:

    Das mit dem Durchschnittsalter 40 im Jahre 1889 und mit den drei von zehn Menschen, die 65 werden, im Jahr 1916 wäre dahingehend zu korrigieren, dass hier die damals sehr hohe Kindersterblichkeit mit eingerechnet ist. Hatte man diese Lebenszeit einmal hinter sich gebracht, war die Chance, das Pensionsalter zu erreichen, auch damals einiges grösser (wenn auch natürlich immer noch weit entfernt von den heutigen Verhältnissen).

    • Dominik Fitze sagt:

      Came here to say this. Das ist ein gängiger Fehler in jeglicher Diskussion der Sterblichkeit. Heute haben wir in Westeuropa eine Säuglingssterblichkeit von irgendwo bei 0.5 %, um 1890 waren es eher 25%. Dazu kommen noch verstorbene Teenager, plus Berufsunfälle in jungen Jahren.

  • Thomas Luder sagt:

    Ich verstehe warum diese Revision überhaupt stattfindet. In Zeiten wo wegen der Minuszinsen oder Nullzinsen der Staat allen Banken Geld nachschmeisst, Schulden zurückzahlt, sollen die zukünftigen Rentnerinnen sowohl weniger AHV in Form von kürzerer Bezugsdauer wie weniger Pensionskassenrente in Form von einer Senkung des Umwandlungssatzes bekommen. Lieber Staat, liebe Politiker, macht doch einfach mehr Gratisschulden, legt das Geld gut an (der AHV Fonds macht eine gute Rendite), die Arbeitgerber zahlen den Jungen Angestellten den vollen Lohnausgleich für die Erhöhung der Sozialversicherungsabgaben und dafür weniger Dividende. So kommt das Geld zu den Richtigen, wir klemmen den Konsum nicht ab und das System funktioniert weiter

  • JJ Keller sagt:

    „Im Jahr 2 nach Hitler?“: Wo ist dieser Mann zuhause?

  • Josef Marti sagt:

    Die Lösung ist banal und einfach: Die Pensionierung ist generell abzuschaffen, im Gegenzug gibt es Zwangskontingente für alle Betriebe für Ü60, Ü70 etc. Da praktisch alle Ü90 sowieso zumindest teilinvalid sind braucht es nur noch eine IV. Die 2. Säule wird überflüssig und das Joch der unsäglichen Pfründe der Versicherungslobby ist abgeschafft.
    Klar ist, dass eine Rentenaltererhöhung generell nur in Frage kommt wenn die Arbeitgeber sich verpflichten Ü60 einzustellen. Alles andere ist Gewinnprivatisierung und Sozialisierung von Kosten zulasten der Allgemeinheit über die Sozialhilfe der Gemeinden.

  • Sacha Maier sagt:

    Die Komfortrente für alle kann eigentlich als soziale Errungenschaft des industriellen Zeitalters mit seiner positiven volkswirtschaftlichen Wertschöpfung verstanden werden. Heute, im postindustriellen, volkswirtschaftlich negativ wertschöpfendem Konsumzeitalter, wo wir fast alle Güter des Alltags aus Asien von unseren steueroptimierten multinationalen Handelskonzernen (von Apple bis Zara) beziehen, ist das Rentensystem eigentlich obsolet geworden. Und zwar aus finanziellen Gründen. Rentenalter 67, später 70, mildert das Problem bloss. Ein weiterers Hinauszögern des Kollapses könnte eine Existenzminimum-Einheitsrente zu SKOS-Bedingungen (Vermögen kleiner als CHF 4’000) sein. Später werden wir wieder Sozialsystemen des Mittelalters (Armen-, und Siechenhäuser) neues Leben einhauchen müssen.

  • Nick sagt:

    Wie wäre es mit einer Regelung, dass die Firmen einen Beitrag an die Rentenversicherung leisten? Dieser darf keinesfalls von der Zahl der Mitarbeitenden und/oder deren Lohn abhängen, da sonst Anreize zur Personal-/Lohnreduktion geschaffen werden. Eine umsatzabhängige Regelung wäre m.E. ins Auge zu fassen. Ausserdem sollte er die Altersstruktur des Personals berücksichtigen, je älter im Durchschnitt, desto günstiger. Rauswurf (oder „freiwilliger Abgang“) von Ü50 müsste richtig teuer werden. Allerdings sollte es keine harten Altersgrenzen geben, sonst erfolgt der Abbau einfach knapp vor erreichen dieser Grenze.

    • Dani sagt:

      Das würde automatisch ein aus für viele neue Firmen bedeuten, oder für Firmen, die in der Entstehung sind. Es ist heute schon extrem schwer ein kostendeckendes Geschäft zu schaffen über die Jahre. Das Problem heute ist aber doch auch eher, dass viele Menschen (obwohl sie noch nach 65 arbeiten wollen), durch den Betrieb nicht mehr geduldet werden. Für mich ist eher der Hund da begraben, weil die alten Menschen sehr hohe Kosten verursachen und eben als Risikofaktor gelten. Vielleicht benötigt es auch das Umdenken der Gesellschaft, denn auch mit 65 ist man keinesfalls schon abgeschrieben.

    • Stefan Schmid sagt:

      Lieber Nick. Die Firmen bezahlen die halbe AHV und die halben Pensionskassenbeiträge. Wenn nun noch ein Kündigungsschutz dazu kommt, haben wir exakt französische Verhältnisse. Wollen wir das?

  • Margot Bryner sagt:

    Viele alleinstehende Frauen und Männer und vor allem ältere Arbeitslose Menschen erhalten heute keine Maximalrente von 2’350.– . Dies obwohl sie das ganze Leben gearbeitet haben. Für eine Maximalrente braucht es ein jährliches Einkommen von Fr. 84’600.–. Im Dienstleistungsbereich ohne Führungsposition kaum zu erreichen. Eine Möglichkeit die AHV zu stärken wäre auch: Millionäre, resp. Menschen ab einem sehr hohen Einkommen (Managerlöhne?) können keine AHV beziehen. Das wäre eine sozial verträglichere Lösung, als bei den unteren Einkommen und Witwen- oder Witwerrenten zu sparen.

    • René von Euw sagt:

      Wenn Grossverdiener keine AHV mehr bekommen wäre dies ein Verstoss gegen das Solidaritätsprinzip. Die Grossverdiener zahlen ja auch hohe Beiträge in die AHV.

      • j. allenspach sagt:

        genau! darum das BGE, dann kann auch jeder selber entscheiden, wie lange und VORALLEM für WAS er arbeitet 😉

    • Enrico sagt:

      Frauen mitbKinder bekommen zum Beispiel 20000 Franken gutgeschrieben, womit Frau schon etwas näher ist.

      • Patrick Le Cloarec sagt:

        @Enrico:Wie kommen Sie auf diese groteske Information, dass Frauen mit Kinder z.B. 20’000 Franken gutgeschrieben bekommen?
        .
        Auch Männer (insbesondere die Geschiedenen) Für die Jahre, in denen Sie Kinder unter 16 Jahren hatten, besteht ein Anspruch auf Erziehungsgutschriften. Während der Ehejahre wird die Gutschrift je zur Hälfte auf die Ehepartner aufgeteilt» und angerechnet wird!
        .
        Informieren Sie sich!

  • Alex Meier sagt:

    Gibt es dazu irgendwelche Quellen: „Damit wurde die Altersrente doch zu einer halbwegs greifbaren Sache, denn immerhin etwa drei von zehn Menschen erreichten in dieser Zeit die Grenze von 65 Jahren.“
    Ich war eigentlich der Meinung, dass die durchschnittliche Lebenserwartung wegen der extrem viel höheren Säuglings- und Kindersterblichkeit zustande kommt. Wer diese Jahre überlebt hat, hatte auch um 1900 doch schon gute Chancen sein siebzigstes Lebensjahr zu erreichen. Kann aber sein, dass ich damit komplett falsch liege.

    • Ralph Pöhner sagt:

      Tatsächlich, Sie liegen keineswegs komplett falsch: Der Kindersterblichkeits-Aspekt war natürlich sehr wichtig. Aber ein Alter von etwa 70 zu erreichen war halt immer noch schwierig, und eine Infektion konnte z.B. schon fatale Wirkungen haben (das Penicillin wurde ja z.B. erst 1928/29 entdeckt). Zu den Quellen: Unter diesem Link finden Sie eine Alterpyramide für Deutschland etwa zu jener Zeit (1910). http://www.obk.de/imperia/md/images/cms200/aemter/amt50/alterspyramide.png — Der Satz „drei von zehn“ bezieht sich dann aber ebenfalls auf die weitere Entwicklung (die Pyramide zeigt ja nur den Ist-Zustand).

  • Roland K. Moser sagt:

    Gibt es irgendwo Infos, wieso nach der Abstimmung 1925 die AHV nicht eingeführt wurde?

  • Tobias sagt:

    Als erstes muss die Nationalbank wieder mal eine vernünftige Zinspolitik einführen, damit die Pensionskassen, wie aber auch die AHV sich refinanzieren können und nicht nur mit Beträgen zu NULL Prozent. Und schreibe jetzt keiner das geht nicht. Das geht nur nicht weil Martullo und Co, die schon eh ständig versuchen dem kleinen Mittelstand und Arbeiter das Geld wegzunehmen, immer jammern. Da wird von Null Inflation gesprochen, dabei haben wir eine Inflation die niemand sehen will.
    Um flexiblere Lösungen zu bestreiten, braucht es wesentlich mehr Mut und Wahrheit.
    Wir werden diese nicht mehr bekommen, da wir über 55 zu teuer waren und das RAV nicht mal einen Besenstiel wert ist. Somit müssen wir uns selbst finanzieren.
    Ja und 65 mag ein Ziel sein, aber nicht für alle und jeden.

    • Franz Marke sagt:

      Wenn die Zinsen für den CHF angehoben werden, geht der durch die Decke, dann kann man die Industrie komplett abschreiben. Vor nicht allzu langer Zeit war der EUR bei 1.60 CHF, aktuell 1.06, entsprechend musste die Industrie effizienter werden (oder hat Aktivitäten ausgelagert). Eine ähnliche Effizienzsteigerung ist im öffentl. Dienst oder bei inlandsorientierten Dienstleistungen nicht zu beobachten.

  • Jonas Schmid sagt:

    Bis zur erreichung des aktuellen Rentenalters habe ich noch 33 Jahre Arbeitsleben vor mir. Ich glaube niemand in unserer Generation Y rechnet damit dann auch tatsächlich pensioniert zu werden wenn überhaupt. Die Probleme liegen doch eigentlich anderswo. Wer garantiert mir z.B einen Arbeitsplatz nach 50? Wer sagt dass ich mit 60 noch Arbeitsfähig bin, noch arbeiten mag? Es müssen flexiblere&individuelle Lösungen her. Die möglichkeit felxibler Altersteilzeit ab 55 z.B mit Unterstützung der Pensionskasse für den Einkommensausfall, dafür entsprechend längere Tätigkeit. Eine Frühpensionierung für physisch anspruchsvolle Berufe. Eine volle Pension bei unverschuldetem Arbeitsplatzverlust oder Krankheit nach 60. Eine steuerliche Begünstigung für das weiterarbeiten nach 65.

    • Tom sagt:

      Ich stimme Ihnen zu Herr Schmid. Bei mir sind es noch zehn Jahre bis dahin, aber ich habe nach fast vierzig Jahren Vollzeitarbeit auf eigene Kosten das Pensum freiwillig reduziert. Das wird mir zusätzlich eine Renteneinbusse bescheren. Ob ich dann mit 65 wirklich aufhören will, weiss ich nicht. Ausgedehnte Ferienreisen werden bei mir jedenfalls nicht drinliegen. Aber ich habe dank der freien Teilzeit viel neues dazugelernt, sodass mir im Alter auch ohne Konsum sicher nicht langweilig werden wird.
      Weit mehr Sorgen mache ich mir um Ihre Generation, welche nicht von den Hochzinsen der Vergangenheit profitieren konnte. Das fordert uns baldige ‚Alte‘ schon dazu auf, über ein freiwilliges gesellschaftliches Engagement nachzudenken, um die Jüngeren zu entlasten. Das wird aber nicht reichen.

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