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Festival-Glossar

Die Festival-Saison hat begonnen. Die Hauptstädter-Redaktion war am Greenfield-Festival und hat herausgefunden, was es braucht, um einen Freiluft-Anlass geniessen zu können und schmerzhaft feststellen müssen, was schwer aufs Gemüt schlagen kann.

Autogrammkarten: Sie sind okay, wenn man zwölf ist und Marc Sway am Zibelemärit auftritt. An Festivals unterschreibt man auf nackter Haut oder gar nicht.

Bierranzen: Der Winter ist hart – sich fit zu halten auch. Das realisiert man spätestens am Open Air, wenn Pseudo-Machos ihren Oberkörper entblössen – weil es angeblich zu heiss ist – und ihre Wampen zeigen wollen.

Chuchichäschtli: In kaum einem anderen Land ist die Dichte an Festivals – bezogen auf die Bevölkerungszahl – höher als in der Schweiz. Das lockt natürlich viele ausländische Fans an. Diese wollen von uns gerne typische Schweizer Wörter lernen. Das kann einerseits nerven, aber andererseits ist es puppenlustig, einem betrunken Engländer zuzuhören, wie er «Chuchichäschtli» versucht zu verbalisieren.

Drogen: Die verbotenen Wahrnehmungsveränderer sind an solchen Anlässen omnipräsent. Seien Sie aber unbesorgt: Es herrscht keine Konsumpflicht. Aber falls sie jemanden einen Baum abknutschen sehen sollten: einfach machen lassen!

Emotionen: Soziale Konventionen wie Hemmungen gibt es an Festivals nicht. Wenn eine Band gefällt, dann darf das laut kommuniziert werden. Auch eine Gegenbehauptung ist erlaubt.

Fussballtrikot: Ja, es ist WM und natürlich wünschen wir Shaqiri, Mehmedi und Costa Rica alles Gute. Als Festival-Accessoire befindet sich das Trikot trotzdem ein paar Stufen unter Hawaii-Hemd und Muskelshirt.

Gesund: Wer sich vor Ort gesund ernähren will, soll es gleich sein lassen. Es ist okay, wenn der Besucher zu Tode frittierten Fisch verzehrt und sich zum Dessert einen Mega-Donut gönnt.

Hosenträger: Angeblich sind sie wieder in Mode. Die Wahrheit ist aber, dass niemand Menschen vertraut, die ihren Hosen nicht vertrauen.

Imprägnier-Spray: Der Hauptstädter hat dieses wichtige Utensil leider zu Hause vergessen und wurde prompt mit einem Hagelsturm abgestraft. Der Sturm hinterliess ein beschädigtes Zelt – inklusive einer Miniatur-Version des nahegelegenen Thunersees im Innenbereich.

Jassen: Wenn man früh wach ist, ist viel Zeit für Gesellschaft-Spiele übrig. Wie wäre es mit einer Runde Jassen? Falls das zu unspektakulär ist, kann es auch in ein Trinkspiel umgewandelt werden.

Kacken: Entschuldigen sie diesen Fäkal-Ausdruck, aber wenn man sein Gesäss im ToiToi über einem Plumpsklo positioniert und dabei hofft, dass das Häuschen nicht von Betrunkenen umgestossen wird, ist es nichts anderes als genau das.

Liegen: Was neben dem Klo am meisten vermisst wird, ist das eigene Bett. Egal, ob man eine Camping-Matte oder gar eine Luftmatratze dabei hat: Rückenschmerzen hat man trotzdem.

Muscheln: Theoretisch kann alles gegessen werden – da sowieso alles frittiert ist. Aber um Muscheln muss ein grosser Bogen gemacht werden. Sonst siehe «K».

Nickerchen: Die Sonne ist zwar toll und weckt die Lebensgeister. Aber wenn sie frühmorgens um 07:30 Uhr aufs Zelt scheint, kann sie schnell zur Nemesis des Besuchers werden. Deswegen schlägt der Hauptstädter ein Nickerchen am späten Nachmittag vor. Die Sonne ist etwas schwächer, die meisten Bands, die um diese Zeit spielen, sind uninteressant und man ist am Abend fitter. Vielleicht schafft man es so sogar bis 02:00 Uhr nachts durchzuhalten.

Osterhase: Wenn sie Mühe haben, sich in breiter Öffentlichkeit volllaufen zu lassen, weil sie dabei erkannt werden könnten, ziehen sie einfach ein Hasenkostüm an. Die Hemmschwelle sinkt augenblicklich.

Prost: Die Haupteinnahmesubstanz für mehrere Tage ist Bier. Um den Abend vorher zu vergessen, den Kater zu bekämpfen oder das Anstehen bei den Dusch-Kabinen zu erleichtern, empfiehlt es sich, schon am Morgen das blonde Getränk einzunehmen.

Qual: Gequält wird der Besucher in einigen Situationen. Die schlimmste Qual wartet beim Anstehen vor dem ToiToi… und gleichzeitig auch im ToiToi.

Rauchen: Im Freien ist Rauchen erlaubt – dann nützen Sie die Gelegenheit aus! Der Auftritt der Lieblingsband wird mit einer feinen Gauloises-Zigarette nur besser.

Sexpuppe: Schon der Kauf ist irre witzig. Dann das Reinschmuggeln, Aufblasen und Crowdsurfenlassen. So lernt Mann bestimmt seine Traumfrau kennen – oder auch nicht.

Taschenlampe: Das Zelt wird mit dem Halogen-Kompass einfacher gefunden. Man kommt zwar rüber wie ein Oberförster, aber das ist egal.

Urin: Der Geruch des Natursekts ist unvermeidlich. Da die Organisatoren jedes Jahr zu wenige Pinkelmöglichkeiten aufstellen, wird das Wild-Urinieren regelrecht provoziert.

V.I.P: Das sind die wichtigsten Menschen auf dem Gelände. Sie geben oftmals mit ihrem um den Hals gehängten Pass an. Ausserdem verfügen sie über eigene Klos, die alle zwei Stunden gereinigt werden.

Wasser: Ist oftmals ein Fremdwort am Festival. Wieso Wasser trinken, wenn man Bier hat?

X-Chromosom: Für viele Singles sind solche Veranstaltungen regelrechte Paarungs-Marathons. Selten ist das andere Geschlecht interessanter als bei lauter Musik im Baccardi Dome.

Yolo: Siehe Buchstaben «D / P / R / X».

Zeltplatzgraffiti: Über Nacht hat irgend eine Crew euer Zelt mit folgenden Worten getaggt: «Marc, du Hartgeldnutte!» Das ist eine Information, ohne die man eigentlich leben könnte… Oder?

Ragulan Vivekananthan

Ragulan Vivekananthan ist offiziell Oberaargauer, aber das Herz gehörte schon immer der Stadt. Er ist weiterhin auf der Suche nach dem besten Cordon Bleu der Stadt. Tipps sind herzlich willkommen.


Publiziert am 18. Juni 2014

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