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Brot und Brät

Nach der Abkanzelung des Toast Hawaiis folgt in dieser Woche die Ehrenrettung der Brotspeisen.

Vor ein paar Wochen hab ich hier eine etwas unerwartete Toast-Hawaii-Diskussion ausgelöst. Dieses exotifizierte Croque Monsieur lehne ich zwar strikte ab, aber dafür möchte ich hier nun für Brotspeisen im Allgemeinen eine Lanze brechen.

Eine Mahlzeit auf Brotbasis hat zahlreiche überzeugende Vorteile: sie ist billig, kommt oft mit wenigen Zutaten aus und macht gute Laune.

Eine Apfelrösti (geröstete Brot-Scheibchen mit gekochten Apfelschnitzen, dazu Zimt, Zucker und Vanillecreme oder etwas Schlagrahm) ist ein leider ziemlich in Vergessenheit geratenes Gericht. Dabei haut man sie mit minimalem Einkauf- und Kochaufwand auf den Teller. Mit einer guten Tasse Tee oder Milchkaffee rettet sie jeden pflotschigen Sonntag. Und mit Birnen, Mandelstiften, Rosinen, Kardamom, Safran (beim Kochen der Äpfel) kann man den Klassiker ganz flott erweitern.

Auch die Fotzelschnitte kommt mit Zutaten aus, die meist schon da sind: Brotscheiben gut mit Milch beträufeln, in einer Mischung aus Eier, etwas Rahm und einer Prise Salz wenden und in der Bratpfanne backen. Sie können als salzige Variante zum Beispiel zu einer kalten Platte serviert werden oder klassisch mit Zimt und Zucker. Das passt super als Frühstück (dann heissts wohl French Toast), als Hauptmahlzeit oder als Dessert (am besten unter dem klingenderen Namen Pain Perdu).

Im grünen Notizheft meiner Grossmutter klebt ein hyperkurzes Rezept für eine feine salzige Brotspeise. Das Rezept ist gerade mal zwei Sätze lang, im Zeitschriftenartikel aber gleich in drei Landessprachen aufgeführt. Im Deutschen läuft es unter «Kräftige Brotschnitten»:

«In Rotwein getauchte Brotstücke mit Senf und dann mit Bratwurstbrät bestreichen. In einem dicken Omelettenteig wenden und im Fett beidseitig braten.»

Wenn das mal kein Convenience-Food ist! Als Tipp empfehle ich, das Brot mit Rotwein eher zu beträufeln als es darin zu tauchen, damit es nicht zu matschig wird, und das Brät natürlich gut zu würzen, z.B. mit Rosmarin. Wahrscheinlich wären Baguette-Scheiben hier am einfachsten in der Handhabung, aber darum geht es ja nicht. Machen Sie es mit dem, was Sie gerade haben.

Nicolette Kretz

Nicolette Kretz ist in Bern geboren, kehrte nach einigen Abstechern immer wieder hierhin zurück, arbeitet als Festivalleiterin und Autorin und kocht für den «Hauptstädter» Rezepte aus den Notizheften ihrer Grossmutter nach.


Publiziert am 6. Februar 2013