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Businesslunch im Traiteur-Spa

Die Cafébar Karl&Co an der Kramgasse ist Spezialitätenhändler und Restaurant in einem. Das Essen schmeckt, doch das Ambiente sendet falsche Signale aus.

Die «Hauptstädter»-Redaktion hat sich aufgemacht, die am Dienstag zur Tourismuszone erklärte Untere Altstadt zu erkunden. Wo könnte man dies besser tun als in der ebenfalls frisch eröffneten Cafébar Karl&Co an der Kramgasse 12?

Gestell
 

Frisch präsentiert sich dort auf jeden Fall die Auslage. Das Lokal ist nämlich nicht nur Bar, sondern auch Traiteur. Das bedeutet, dass es wie in einem Laden Käse, Fleisch und Pasta-Spezialitäten zu kaufen gibt. Etwas weniger frisch ist das Interieur. Der Innenraum liefert den Beweis dafür, dass schummrig nicht immer gemütlicher bedeutet. Es ist schlicht zu dunkel. «Ich kann die Speisekarte nicht lesen», fasst eine Dame in den Fünfzigern ihre Schwierigkeiten bei der Speiseauswahl zusammen.

Die gespielte Hintergrundmusik versetzt einen eher in den Wellnessbereich einer luxuriösen Hotelanlage als in ein hippes Restaurant. Diese Geschmacksunsicherheit erstaunt, bringt doch die das Lokal betreibende Ossobukko AG viel Erfahrung im Gastrobereich mit. Der Firma gehören etwa auch das Café Steinhalle und das Café Diagonal.

theke
 

Die Testesserin entscheidet sich für einen Blattsalat mit Bergkäse. Solide Salatsauce und eine gute Portion bei einem angebrachten Preis von 14.50 Franken: So lautet ihr Urteil nach dem Verzehr. Nicht ganz perfekt sind indes die leicht angewelkten Ränder des Schnittsalats.
Der Testesser lässt sich Ravioli mit Fleischfüllung und Tomatensauce servieren. Die Ravioli sind kleiner geraten, als man sich dies gemeinhin gewohnt ist. Dem Geschmack tut dies jedoch keinen Abbruch. Etwas hoch angesetzt der Preis: Dieser kratzt mit 19.50 Franken gefährlich an der magischen 20-Franken-Grenze für ein Lunch-Menu.
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Die Damen im Service sind sehr freundlich, wenn auch ein bisschen verwirrt. Die Brotbestellung geht zuerst vergessen und wird nach einer zweiten Erinnerung gleich doppelt geliefert. Satt machen sich die Testesser auf den Heimweg. Übrigens: Touristen waren, jeder Tourismuszone zum Trotz, im Karl&Co nicht anzutreffen. Freilich ist seine Erwähnung im Lonely Planet auch noch ausstehend.

Simon Preisig

Nach einem Ausflug nach Quito, Chur, Kopenhagen und Zürich wohnt Simon Preisig endlich wieder in Bern. Hier vermisst er manchmal die Berge, manchmal die Urbanität und ist trotzdem zufrieden.


Publiziert am 16. September 2015