schliessen

Zum Morgen-Kaffee ins Lieblings-Café

Zuviel Altstadt macht müde – doch gerade in den Morgenstunden kann man sich mit dem Steinkoloss versöhnen.

Man hat auch mal genug von Sandsteinfassaden und Kopfsteinpflaster, von lustigen Touristen-Posen vor Brunnen und dem krähenden Zytglogge-Hahn: Die Altstadt macht es einem tatsächlich nicht immer einfach.

Es gibt aber Stunden, in der sich der Steinkoloss versöhnlich zeigt. Zugegeben: Es ist ein Privileg, morgens um neun nicht vor dem Computer, sondern vor dem Kaffee sitzen zu dürfen – auch wenn sich die Arbeit dann in die Abendstunden zieht. Dieser Beschnitt der Apérokultur lässt sich aber verkraften. Und die Morgenstimmung bringt es fertig, dass man sich auch mit ansonsten gemiedenen Lokalen versöhnt.

Wenn die ersten Sonnenstrahlen über die Dächer scheinen, lässt es sich auch in den Ausläufern der Gerechtigkeitsgasse aushalten. Das Fugu, da, wo sich sonst die Bärengraben-Touristen verköstigen, wird dann zu einem durchaus anpeilenswerten Ort. Nur etwas weiter die Gasse hinauf lässt sich am für einmal leeren grossen Tisch im Lirum Larum vorzüglich Zeitung lesen. Und hat nicht der Propeller einen eher zweifelhaften Ruf, der eigentlich dem Club im Keller geschuldet ist, aber halt doch auf das Café im oberen Stock abfärbt? Doch inmitten der reduzierten, routinierten Betriebsamkeit von Lieferwagen und Palletthubwagen (gemeinhin: «Pallettrollis») schmeckt der Café Crème vorzüglich.

Es müssen aber nicht zwingend zweifelhafte Orte sein, um den Morgen geniessen zu können: Helvetische Kaffee-Varianten gibt es im Cesary nicht – Espresso oder Cappuccino lautet die italienische Auswahl. Wenn dann nebenan im Pyri die Terrasse mit dem Schlauch abgespritzt wird, rückt der Tag noch ein wenig weiter in die Ferne. Und zur Gipfelizeit am goldenen Tresen im Lorenzini sind auch verregnete Morgen gute Morgen.

Sie haben Lieblings-Café für Ihren Morgen-Kaffee? Lassen Sie es uns in der Kommentarspalte wissen.

Christian Zellweger

Christian Zellweger geht seit 2010 unter den Lauben Berns und schaut, wer auch schaut.


Publiziert am 5. August 2015

Schlagworte

4 Kommentare

Alle Kommentare zeigen

Verbleibende Anzahl Zeichen:

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.