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Wilder Enzian im Glas

Die Trendabteilung des «Hauptstädters» hat ihn auserkoren: den Sommerdrink 2015. Suze ist, anders als es der Name vermuten liesse, von bitterer Würzigkeit. Erfunden wurde er der Legende nach im Berner Jura. Zeit, ihn in die Hauptstadt zu holen.

Regelmässige Besucher Frankreichs und der Westschweiz werden jetzt in gelangweiltes Gähnen verfallen. Sie erhalten hiermit die Erlaubnis, diesen Text geflissentlich zu ignorieren und schon mal ins Apéritif gehen. Sie kennen ihn vermutlich längst, den Suze, jenen Drink, der einem heissen Sommertag die Konturen zurückgibt, wo diese in der Hitze zu verwabern drohen.

Für alle anderen: Das Trendressort der «Hauptstädter»-Redaktion hat wiederum keine Mühen gescheut, um den heurigen Sommerdrink ausfindig zu machen. Aperol Spritz und Hugo sind längst passé, Porttonic und Kaffee Tonic nur noch vage Erinnerungen. Etwas Neues muss her. Her mit dem Suze (sprich: Sy:sz).

Das Schöne am Suze ist: Er ist eigentlich gar nicht neu, er ist uralt. Hergestellt wird er seit 1889 in der Nähe von Paris. Der Legende nach soll ihn aber ursprünglich ein bernjurassischer Herr aus Sonvilier erfunden haben, der ihn aus der Wurzel des gelben Enzians gewann. Letzterer gedeiht auf jurassischen Wiesen vortrefflich, und das nicht nur entlang des Flüsschens Schüss (französisch: La Suze). Weil das alles hervorragend zusammenpasst (und nicht zuletzt aus Gründen des Lokalpatriotismus), wollen wir dieser Geschichte Glauben schenken.

Und wie schmeckt er nun, der Suze? Nun, richtig gut. Bitter und würzig, nach aufgeschnittenen Zitronen und Vespafahren auf dem Sozius. Lukas Hostettler, Geschäftsführer der Abflugbar in der Gerechtigkeitsgasse, empfiehlt folgendes Rezept für heisse Sommertage:

Suze

6 cl Suze
1 breite Zitronenzeste
1,2 dl Tonic Water

Den Suze in ein randvoll mit Eis gefülltes hohes Glas oder Weinglas geben. Die Zitronenzeste kurz über dem Eis zerdrehen, damit die Schale die ätherischen Öle freigibt. Mit eiskaltem Tonic Water auffüllen. Kurz umrühren, fertig. Wer etwas mehr Schuss mag, ersetzt die Hälfte des Suze durch Gin.

A la vôtre!

Hanna Jordi

Hanna Jordi lebt in Bern seit 1985. Etwas anderes hat sich bislang nicht aufgedrängt.


Publiziert am 8. Juni 2015