Zu hoher Zins, um wahr zu sein

Oder: Was nützt ein hoher Zins, wenn plötzlich die ganze Einlage weg ist? Unser Geldberater warnt vor überhöhten Erwartungen. 

Alarmzeichen hoher Zins: Im aktuellen Zinsumfeld sollten Zinsversprechen kritisch hinterfragt werden. Foto: iStock

Ich habe mein Altersguthaben bezogen und bin daran, das Geld anzulegen: Zu zwei Dritteln in einer sicheren Lebensversicherung, für den Rest – 200’000 Franken – suche ich eine zinsgünstigere Möglichkeit. Ein privater Berater empfiehlt mir dafür eine Festgeldinvestition über fünf Jahre einer Firma Multitalent AG mit Sitz in Vaduz mit Investitionen in eine Immobiliengesellschaft Vivat in Deutschland, Zins 6, 8 oder 10 Prozent pro Jahr, je nach Produkt. Was halten Sie davon? Wie schneidet eine ETF-Investition punkto Sicherheit und Rendite dazu im Vergleich ab? F.M.

Ich kenne die erwähnten Firmen nicht und kann mich zu diesen auch nicht äussern. Fest steht allerdings, dass Sie hohe Risiken eingehen, wenn Ihnen im aktuellen Tiefzinsumfeld jemand eine Anlage mit bis zu 10 Prozent pro Jahr anbietet. Das ist ein traumhafter Zins.

Nur ist es in der Finanzwelt nun mal so, dass es nie etwas gratis gibt. Bei solchen Renditen zahlen Sie den Preis über ein deutlich erhöhtes Risiko. Zum Vergleich: Wenn Sie für Ihr Geld höchste Sicherheit suchen und deshalb in Obligationen der Schweizerischen Eidgenossenschaft investieren würden, wären Sie mit einem Minuszins konfrontiert.

Dennoch gibt es Anleger, die diese Anleihen nutzen, weil sie vom höchsten Triple-A-Rating der Schweiz profitieren und sicher sein möchten, dass sie ihr Geld nach Jahren wieder zurückbezahlt bekommen. Auch Frankenanleihen von sehr sicheren Unternehmensschuldnern werfen derzeit je nach Laufzeit deutlich weniger als ein Prozent ab.

Je mehr Kompromisse Sie nun bei der Schuldnerqualität machen, desto mehr steigt der Ihnen gebotene Zins. Denn die Regel ist nachvollziehbar: Ein Schuldner bezahlt nie freiwillig einen höheren Zins, sondern nur dann, wenn er nicht günstiger einen Kredit bekommt. Ein sehr hoher Zins ist denn auch aus meiner Sicht ein Alarmzeichen. Das bedeutet, dass der Schuldner trotz aktuell historisch tiefen Zinsen nicht zu besseren Konditionen auf dem Markt einen Kredit bekommt.

Natürlich ist es verlockend, wenn man sich vorstellt, dass man von einer Firma 8 bis 10 Prozent Zins ausbezahlt bekommt, während man auf dem Sparkonto bei der Bank kaum mehr einen Zins hat. Allerdings sollte man nie nur auf den Zins achten. Noch wichtiger sind die Sicherheit des Geldes und die Bonität der Schuldner.

Nutzen Sie nur Instrumente, die Ihrer persönlichen Risikobereitschaft entsprechen.

Was nützt es Ihnen, wenn Sie vielleicht tatsächlich ein paar Jahre einen attraktiven Zins haben, die Firma aber plötzlich in Konkurs geht und Sie Ihr Kapital teilweise oder ganz abschreiben müssen?

In Ihrem konkreten Fall würde ich genau prüfen, welche Sicherheit Sie für Ihr investiertes Geld haben. Welche Bonität bieten die Firmen, in und über die Sie investieren? Wer genau haftet, wenn etwas schiefgeht? Und was sind die allenfalls gebotenen Sicherheiten wirklich wert? Ist der Zins wirklich garantiert? Von wem werden die Firmen beaufsichtigt? Wo und in welchem Land müssen Sie Ihre Rechte verteidigen, falls entgegen aller Versprechungen und angeblicher Garantien sich das Geschäft nicht so entwickelt wie erhofft?

Wenn Sie nach der Beantwortung dieser Fragen nicht verlässliche Belege für die Sicherheit Ihres Geldes haben, würde ich von einer Anlage die Finger lassen. Geld anlegen beinhaltet immer Risiken – je nach Art der Anlage und den Renditeerwartungen sind es mehr oder weniger Risiken.

Wenn Sie beispielsweise in Aktien investieren, haben Sie zwar höhere Renditechancen, tragen dafür aber auch ein deutlich erhöhtes Kursschwankungsrisiko, wie sich gerade wieder in der Corona-Krise deutlich zeigt.

Die von Ihnen ebenfalls erwähnten Exchange Traded Funds (ETF) sind an der Börse gehandelte Fonds, die an einen Index gekoppelt sind. Es gibt eine Vielzahl sehr unterschiedlicher ETFs. Wenn Sie einen ETF nutzen, der an einen Aktienindex wie den SMI gebunden ist, sind die von Ihnen eingegangenen Risiken deutlich höher, als wenn Sie einen ETF wählen, der an einen Staatsanleihen-Index gekoppelt ist.

Lassen Sie sich diesbezüglich von Ihrer Bank beraten und nutzen Sie nur Instrumente, die Ihrer persönlichen Risikobereitschaft entsprechen. Gerade mit dem Altersgeld sollte man meines Erachtens nicht zu grosse Risiken eingehen. Denn Sie brauchen es zur Finanzierung Ihres Alters.

5 Kommentare zu «Zu hoher Zins, um wahr zu sein»

  • Rolf Rothacher sagt:

    Man braucht ca. 30 Sekunden, um über Google und oera.li herauszufinden, dass die Multitalent AG nur eine Repräsentanz/Zustelladresse in Vaduz besitzt bei einer Firma „CSC‘ Company Structure Consulting AG“.
    Noch unseriöser geht gar nicht.
    Wer nicht mal 30 Sekunden aufbringt, um grundsätzliches zu prüfen (wie viel Eigenkapital hat eine solche Firma oder wo ist sie „zu Hause“), ist ein Hornochse.

    • Panja Flöte sagt:

      Ja! — Wer solche „private Berater“ wie der Fragesteller „F.M.“ hat, der braucht keine Feinde mehr, denn die hat er schon.

    • Martin sagt:

      An der gleichen c/o-Adresse gibt es noch die Multitalent II AG, ein VR gleichen namens, die haben 50’000 CHF EK einbezahlt. Kein Kommentar.

      Es ist absolut inakzeptabel, dass Leute ihr PK-Geld abzügeln können und Harakiri-Investments begehen. F.M. hat 600 kCHF, wenn er 100′ abzügelt als Cash für die nächsten 10 Jahre und den Rest als Rente bezieht ist das Alter finanziert, inklusive Altersheim und später 2-3 Jahre Pflege (die AHV hat er ja auch noch).

      Die zügeln ihre Kohle ab, verprassen und verdummen es mit bescheuerten Investments und dann muss die Allgemeinheit blechen. Da muss man endlich einen Riegel schieben.

  • Haiko Reuter sagt:

    Ist es sinnvoll Kredite fuer Immobilie mit 1,9% Zins 2015-2025 umzuwandelt in heutige Kredite im Minuszins jetzt oder spaeter?

    Freundliche Gruesse

    Haiko Reuter in D und CH

  • Markus sagt:

    Jeder weiss es besser, aber nur 60% für die Frau im Todesfall ist auch für alle schlecht, vor allem für die Nachkommen.
    Man wird ja verleitet mit unserem System das Geld selber zu verwalten.

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