So finden Sie die beste Vorsorgelösung für Ihr KMU

Wer als Unternehmen in der 2. Säule auf eine Vollversicherung setzt, bezahlt die hohe Sicherheit mit tieferen Renditechancen.

Jüngere Angestellte können mehr Risiko eingehen: Ein Mitarbeiter der Metallwarenfabrik Schätti in Schwanden GL montiert eine Kaffeemühle. Foto: Alessandro della Valle (Keystone)

2018 beantworteten Sie im Geldblog die Frage eines Lesers zu den Vor- und Nachteilen einer Vollversicherung im Vergleich zu einer teilautonomen Lösung bei der Pensionskasse. Heute sind wir mit der Coronavirus-Situation konfrontiert und ausgerechnet jetzt stellt sich für unser KMU die Frage, ob vom Vollversicherungsmodell ins teilautonome Modell gewechselt werden soll. Ist es ratsam, einen solchen Wechsel zum jetzigen Zeitpunkt zu vollziehen? M.B.

Wenn Sie jetzt mit Ihrem Unternehmen von einer Vollversicherung ins teilautonome Modell wechseln, haben Sie den Vorteil, dass Sie den Rückgang beim Deckungsgrad, wie wir ihn im Frühling gesehen haben, nicht mitmachen. Sie steigen auf tieferem Niveau ein.

Ein Nachteil hingegen ist die Tatsache, dass aufgrund der Turbulenzen an den Finanzmärkten auch die Wertschwankungsreserven der meisten Vorsorgeinstitutionen dahingeschmolzen sind und heute deutlich geringer sind als noch zum Jahresbeginn. Wenn Sie sich mit Ihren Mitarbeitenden für eine teilautonome PK-Variante entscheiden, tragen Sie das Anlagerisiko massgeblich mit. Dafür haben Sie die Chance, höhere Anlagerenditen mit ihrem Vorsorgegeld zu erwirtschaften.

Im Corona-Crash haben sich aus meiner Sicht selbst teilautonome Vorsorgelösungen wie sie vor allem die Axa favorisiert, die ganz aus dem Vollversicherungsmodell ausgestiegen ist, recht gut behauptet. Die Wertschwankungsreserven sind zwar gesunken, aber es gab keineswegs einen Totalabsturz.

Nun stellt sich aber die Frage, was passieren würde, wenn es erneut zu einem Crash käme – etwa, weil es zu einer zweiten Corona-Welle mit neuem Lockdown käme. Lassen Sie sich von Ihrer Versicherung entsprechende Szenarien konkret aufzeigen. Dann sehen Sie, was mit dem Deckungsgrad geschehen würde.

Gegen einen Crash wie im Frühling sprechen meines Erachtens die Milliarden an Stützungsgeldern, die von den internationalen Notenbanken und Regierungen ins Finanzsystem gepumpt wurden. Vorderhand werden diese Milliarden die Märkte wohl noch einige Zeit stützen. Auch die Zinsen bleiben aus diesem Grund tief. Das bedeutet indes nicht, dass es nicht wieder zu Turbulenzen kommt. Damit werden wir leben müssen. Aber immerhin stützt das viele spottbillige Geld die Märkte wenigstens teilweise.

Das Vollversicherungsmodell, wie es grosse Anbieter wie Swiss Life oder Helvetia weiter anbieten, gibt Ihnen und Ihren Mitarbeitenden mehr Sicherheit und Garantien. Dies erkaufen Sie sich aber in der Regel mit mickrigen Renditen. Kurzfristig neigen wohl viele Leute dazu, auf Sicherheit zu setzen – erst recht in der beruflichen Vorsorge. Mit Vorsorgegeld will niemand spekulieren. Das verstehe ich gut. Allerdings sollte man gerade beim Vorsorgegeld den Anlagehorizont vor Augen haben.

Gerade beim Vorsorgegeld sollte man den Anlagehorizont vor Augen haben.

Ich würde mal schauen, wie hoch das Durchschnittsalter Ihrer Mitarbeitenden ist. Oder besser gefragt: Wie viele Jahre bleiben den Mitarbeitenden noch bis zu ihrer Pensionierung? Bei einem jungen Mitarbeiterbestand bleiben vielleicht noch zwanzig oder mehr Jahre. Das würde bedeuten, dass die Vorsorgegelder ihrer Mitarbeitenden noch lange in der Vorsorgeeinrichtung bleiben. Sie könnten dann mehr Anlagerisiken übernehmen, weil sich die Kursschwankungen auf eine lange Frist von zehn, zwanzig oder dreissig Jahren eher relativieren.

Auf eine solch lange Frist steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Sie mit einem höheren Anlagerisiko eine deutlich höhere Durchschnittsrendite pro Jahr erzielen. Das Vorsorgegeld nimmt dank dem Zinseszinseffekt deutlich mehr zu. Sie können mit einer höheren Rente rechnen. Sie können eine einfache Rechnung machen: Wenn 100’000 Franken während 20 Jahren nur zu einem Prozent verzinst werden, werden daraus ohne Berücksichtigung der Inflation 122’000 Franken. Bei drei Prozent Rendite wären es nach der gleichen Zeit 180’600 Franken.

Falls Ihre Mitarbeitenden nur noch wenige Jahre bis zur Pensionierung haben, würde ich mich wohl eher für ein konservatives Vollversicherungsmodell entscheiden. Da der Anlagehorizont dann nur noch kurz ist, können sie weniger Anlagerisiken tragen und riskieren.

Bei einem tieferen Durchschnittsalter würde ich ein teilautonomes Modell vorziehen. Ich würde die Mitarbeitenden in diese wichtige Entscheidung miteinbeziehen.

2 Kommentare zu «So finden Sie die beste Vorsorgelösung für Ihr KMU»

  • Andrej Beuth sagt:

    Ich würde bei teilautonomen Lösungen u.a.
    unbedingt Arbeitgeber-Reserven äuffnen und die Mitarbeitenden ausführlich über die Unterschiede informieren:
    https://www.akad.ch/de-CH/Themen/Bildungsmagazin/berufliche-Vorsorge

  • Anonymer Vorsorgeexperte sagt:

    Einfach nicht vergessen: bei dem langen Anlagehorizont liegt auch mal ein grosser Crash drin. Und die Sanierungsmaßnahmen bei einer zu großen Unterdeckung werden richtig teuer.
    Picken sie von allen Aussagen des Autors am Besten diese heraus: mit dem Vorsorgegeld der Mitarbeiter wollen sie nicht spekulieren.
    Ich habe 20 Jahre Erfahrung in der beruflichen Vorsorge, arbeite aber nicht bei einem der genannten Anbieter, darum bleibe ich lieber anonym.

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