So investieren Sie weltweit

Wer den globalen Aktienmarkt abdecken will, kann dafür kostengünstige ETFs nutzen, die an einen Weltaktienindex gekoppelt sind.

Weltweites Risikomanagement: Der ausschliessliche Fokus auf Aktien macht ETFs riskant. Foto: iStock

Ich habe bereits ETFs im Depot, mit denen ich den Europäischen und den Schweizer Aktienmarkt abdecke. Nun beabsichtige ich, einen ETF World zu erwerben, für einen Betrag zwischen 10’000 und 15’000 Franken. Ich habe an den UBS ETF (LU) MSCI World UCITS, UBS ETF (IE) MSCI World, ComStage MSCI World UCITS oder den HSBC MSCI World UCITS gedacht. Zusätzlich würde ich je 10’000 Franken in den UBS ETF (LU) MSCI Canada UCITS und den Amundi ETF JPX-Nikkei 400 UCITS investieren. Was ist Ihre Meinung? R.A.

Dank Exchange Traded Funds (ETF) kann man auch mit relativ wenig Geld ein breit diversifiziertes Weltaktien-Portfolio abbilden. Global in Aktien investieren kann man leicht mit einem Produkt, das an den Weltaktienindex MSCI World gekoppelt ist. Der MSCI World spiegelt die Kurswerte von über 1600 internationalen Aktien aus verschiedenen Branchen und den global 23 wichtigsten Industrieländern.

Obwohl der Index weltweit breit diversifiziert ist, sind in dem Index besonders viele bekannte und grosse US-Unternehmen vertreten, was auch damit zu tun hat, dass die USA nach wie vor die grösste Volkswirtschaft der Welt sind. Nicht gewichtet wird in dem Index indes China als zweitwichtigste Volkswirtschaft der Welt. Gut vertreten sind aber Japan und Kanada.

Die von Ihnen ins Auge gefassten ETFs, die an den Weltaktienindex MSCI World gekoppelt sind, haben grosse Ähnlichkeiten. Unterschiede bestehen etwa im Domizilland der Fonds wie Luxemburg oder Irland oder bei Volumen und Gebühren der Vehikel. Zu beachten ist auch, ob ein ETF ausschüttend ist oder die Erträge gleich wieder reinvestiert werden.

Auch bei der Umsetzung gibt es Unterschiede: Während etwa der UBS ETF (LU) MSCI World UCITS eine vollständige Replikation des MSCI bietet, verfügt der UBS ETF (IE) MSCI World nur über ein optimiertes Sampling. Bei der physischen Nachbildung wie es der erste Fonds macht, bildet der ETF den Index durch den direkten Kauf der jeweiligen Indextitel nach.

Sie benötigen einen langen Anlagehorizont und sollten Ihr Geld auch in andere Anlageklassen diversifizieren.

Bei der Sampling-Methode werden nicht alle Titel gekauft, sondern zum Beispiel nur die wichtigsten oder liquidesten, die den Index am Meisten beeinflussen. Mit einem Optimierungsverfahren wie es das zweite UBS-Produkt tut, nähert sich der ETF noch näher an den Index an. Wenn ein ETF Sampling-Methoden nutzt, kann er Transaktions- und Verwaltungskosten in der Regel tiefer halten. Bei den erwähnten Produkten sind die in der Total Expense Ratio TER ausgewiesenen Kosten mit 0,3 Prozent allerdings gleich.

Persönlich würde ich für die Abdeckung des weltweiten Aktienmarktes eher den iShares Core MSCI World UCITS ETF USD (Acc) ISIN IE00B4L5Y983 nutzen, der über ein sehr hohes Volumen verfügt und mit einer TER von 0,2 Prozent günstiger ist. Aus Quellensteuerüberlegungen am vorteilhaftesten sind bei Investitionen im US-Aktienmarkt ETFs mit Domizil Irland. Aufgrund des Doppelbesteuerungsabkommens zwischen Irland und den USA, kann der Fonds die Hälfte des Quellensteuerabzuges von 30 Prozent, also 15 Prozent, direkt zurückfordern.

Nicht klar ist für mich, warum Sie separat je noch einen ETF für den Aktienmarkt Kanada und Japan erwerben möchten. Beide Märkte sind anders als China bereits im Weltaktienindex MSCI vertreten. Ich würde als Ergänzung Ihrer Positionen eher noch einen ETF nutzen, der an einen China-Index oder an einen Emerging-Markets-Index gekoppelt ist. Möglich ist dies etwa über den MSCI Emerging Markets Index, der die Wertentwicklung von über 1400 Unternehmen in 26 Schwellenländern abbildet und rund 85 Prozent der Marktkapitalisierung in den Emerging Marktes abdeckt. Kostengünstig in den Index investieren können Sie beispielsweise über den UBS ETF (LU) MSCI Emerging Markets UCITS ETF (USD) A-acc, der eine TER von 0,22 Prozent aufweist.

Bei all diesen Instrumenten tragen Sie allerdings ein hohes Anlagerisiko, da Sie damit ausschliesslich in Aktien investieren und die Märkte angesichts der Corona-Krise und der erwarteten Konjunkturabschwächung noch längere Zeit mit Turbulenzen konfrontiert sind. Sie benötigen einen langen Anlagehorizont von zehn oder mehr Jahren und sollten Ihr Geld auch in andere Anlageklassen wie Anleihen, Immobilien oder Rohstoffe diversifizieren, um ein Klumpenrisiko zu vermeiden.

5 Kommentare zu «So investieren Sie weltweit»

  • Panja Flöte sagt:

    Gute Antwort von Martin Spieler. — Ich selbst finde auch noch den ETF „FTSE All-World“ von Vanguard attraktiv (Kürzel VWRL, TER 0.22%). Er investiert weltweit in die Industriestaaten (90%) und in die Emerging Markets (10%).

    Für ETF-Vergleiche unbedingt immer die Suchmaschine von „justETF.com“ verwenden.

  • Leser HE sagt:

    Müsste man bei seinen Anlageentscheiden nicht auch politische Risiken mit einbeziehen?

    Die USA stehen in einem Handelskrieg mit China, es droht sogar ein Krieg der unterschiedlichen Systeme.
    China tritt dominanter und agressiver auf, siehe HongKong und Taiwan. Auch Europa wird sich entscheiden müssen und ev. sind dann China-ETF’s nicht mehr so „risikolos“ wie bisher gedacht.

    Interessant wäre übrigens zu wissen, wie lohnend waren denn China-Anlagen in den letzten 10 Jahren für Schweizer Anleger mit unserem Schweizer Franken (Börsenschwankungen, Währungsrisiko)?

    • Peter Rohner sagt:

      Bei „justetf“ können China-ETFs analysiert werden (z.B. Xtrackers MSCI China UCITS ETF 1C). Performance kann in CHF, EUR und USD angeschaut werden.

    • Jürg Bühler sagt:

      „Politische Risiken“ sind meist nur sehr kurzfristig. Oder sehen Sie in den Märkten, dass sich noch irgendjemand um diesen Handelskrieg sorgt? Auf jeden Fall nicht bei den US Aktien.
      Wenn schon sollten Sie Sich eher über die wirtschaftliche Entwicklung Gedanken machen. Wobei dies auch niemand über längere Zeit erfolgreich voraussagen kann.
      Insofern sollte man in der Tat einfach ein diversifiziertes Portfolio haben. Ob Rohstoffe was bringen, sei dahingestellt, aber Anleihen helfen schon mit Schwankungen zu reduzieren, Immobilien auch. Auf jeden Fall sollte man über die Zeit immer in Aktien investiert sein, rentieren sie doch langfristig am Besten.
      Und regelmässiges Re-Balancing der einzelnen Anlagen nicht vergessen, dann kann nicht mehr viel schief gehen.

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