Was bringt eine Lebensversicherung für Junge?

Frühzeitig mit der Vorsorge zu beginnen, ist wichtig. Doch das ausgewählte Instrument sollte auf die aktuelle Lebenssituation passen.

Als Student oder junger Berufstätiger braucht man im Normalfall noch keine Lebensversicherung. Foto: iStock

Was halten Sie vom Versicherungsprodukt Fortuna Invest Risk Control 5 und 6 der Generali Versicherung? Unserem Sohn, Anfang 20, noch ohne regelmässiges Einkommen, wurde dieses Produkt verkauft. Jahresprämie: 1200 Franken, Versicherungsdauer 44 Jahre. Garantierte Erlebensfallsumme circa 40’000 Franken. Das ist unseres Erachtens ein Verlustgeschäft. Wir als Eltern sind skeptisch. Welche Alternativen empfehlen Sie? S.M.

Grundsätzlich dürfen Sie sich darüber freuen, dass sich Ihr Sohn mit sehr jungen Jahren überhaupt für seine Altersvorsorge interessiert und bereit ist, sich im Sinne der Selbstverantwortung finanziell dafür zu engagieren.

Angesichts der Probleme in der AHV und der 2. Säule und der Schwierigkeit, Reformen zu erreichen, dürfte es für die junge Generation noch viel wichtiger werden, dass Sie möglichst frühzeitig damit beginnt, für Ihr eigenes Alter zu sparen. Das tut Ihr Sohn und das finde ich positiv.

Eine andere Frage ist, mit welchen Instrumenten man als Junger für sein Alter spart. Beim Versicherungsprodukt der Fortuna, das Ihr Sohn gewählt hat, wird eine Lebensversicherung mit Anlagefonds kombiniert – im konkreten Fall mit den Fondsvehikeln Fortuna Risk Control 5 und 6. Beides sind klassische Strategiefonds, die das Kapital breit diversifiziert in verschiedene Anlageklassen wie Aktien, Obligationen und liquide Mittel investieren.

Der erste Fonds fokussiert laut letztem Marktbericht mit leicht über 50 Prozent auf Anleihen und je zu rund einem Viertel auf Aktien und flüssige Mittel. Je nach Marktsituation können sich die Gewichtungen ändern. Der zweite Fonds ist punkto Strategie auch eher vorsichtig. Beides sind aktiv geführte Fonds mit einer Gesamtkostenkennziffer (Total Expense Ratio, TER) von leicht über einem Prozent, was für aktive Fonds durchschnittlich ist. Zwar könnte Ihr Sohn passiv geführte Fonds nutzen und damit Gebühren sparen, doch sehe ich weniger da das Kernproblem.

Ich verstehe nicht, warum Ihr Sohn Fonds mit einem derart hohen Anleihen- und einem eher geringen Aktienanteil hat, obwohl er einen sehr langen Anlagehorizont von mehr als 40 Jahren aufweist. Bei einem solch langen Anlagehorizont könnte er aus meiner Sicht einen Aktienanteil von hundert Prozent wählen, da sich die mit Aktien verbundenen starken Kursschwankungen auf eine solch lange Zeit relativieren, unter dem Strich aber deutlich höhere Gewinnchancen bieten.

Warum ein derart geringer Aktienanteil, obwohl der Anlagehorizont über 40 Jahre beträgt?

Jedes Prozent mehr Rendite sorgt über die Jahre hinaus dafür, dass Ihr Sohn bei der Pensionierung mehr Geld auf der hohen Kante hat. Kurzfristig hätte er wegen der Coronakrise Buchverluste erlitten, doch mit der Erholung seit dem Crash hätte sich dies selbst kurzfristig rasch wieder ausgeglichen.

Das zweite Problem sehe ich in der Lebensversicherung: ich frage mich, warum Ihr Sohn in jungen Jahren überhaupt eine Lebensversicherung braucht. Dafür bezahlt er der Versicherung eine Prämie.

Eine Lebensversicherung ist durchaus sinnvoll, wenn man Familie hat und beispielsweise seine Ehefrau und die Kinder zusätzlich absichern möchte oder wenn man eine hohe Hypothek auf Wohneigentum hat. Beides ist bei Ihrem Sohn nicht der Fall. Daher sehe ich den Nutzen der Police vorderhand jedenfalls nicht.

Eine Lebensversicherung ist sinnvoll, wenn man Familie oder eine hohe Hypothek auf Wohneigentum hat.

Besser wäre es aus meiner Sicht gewesen, wenn Ihr Sohn den Jahresbetrag über die Säule 3a bei einer Bank in passiv verwaltete Vorsorgefonds mit hohem Aktienanteil investiert hätte. So hätte er nach 40 Jahren wohl mehr Rendite erzielt und deutlich weniger Gebühren bezahlt. Falls er später den Bedarf für eine Lebensversicherung gehabt hätte, wäre dies über eine günstige, reine Risikolebenspolice ebenfalls möglich gewesen.

Aus meiner Sicht wurde Ihrem Sohn gemäss den mir vorliegenden Angaben definitiv nicht das für seine Bedürfnisse passende Produkt verkauft. Ich rate Ihnen, zusammen mit Ihrem Sohn mit der Versicherung das Gespräch zu suchen. Eine Vertragsauflösung dürfte kaum locker möglich sein, aber wenigstens könnte das Produkt so ausgerichtet werden, dass es der Lebenssituation Ihres Sohnes besser Rechnung trägt und weniger Gebühren verschlingt, die in der aktuellen Konstellation zu wenig Nutzen bringen.