Steigt das Risiko einer Inflation?

Momentan ist eine hohe Inflation bei uns fast nicht denkbar. Warum und wie sich Anleger dennoch absichern sollten.

Investoren sollten das Inflationsrisiko gut absichern: Möglich ist das zum Beispiel mit Goldanlagen. Foto: Keystone

Wegen dem Coronavirus pumpen die Notenbanken wieder viel Geld in die Wirtschaft, um diese zu stützen. Das machen sie seit Jahren und gleichzeitig steigen die Schulden. Führt das nicht irgendwann zu einer Inflation? L.C.

Vorderhand ist Inflation definitiv kein Problem. Die Teuerung ist in Europa und den USA noch tiefer als es die Notenbanken anstreben. Auch bei uns. Die Unsicherheit rund um die Coronakrise und die globale Rezession, aber auch viele weitere Risikofaktoren für die Märkte wie der immer wieder aufflackernde internationale Handelsstreit und geopolitische Gefahren sprechen ebenfalls gegen einen raschen Inflationsanstieg.

Gerade die Unsicherheitsfaktoren aufgrund der Coronakrise dürften dazu führen, dass die wichtigsten Notenbanken der Welt die Zinsen noch lange auf einem rekordtiefen Niveau halten und noch mehr spotbilliges Geld in die Märkte fliesst. Geld hat nur noch bedingt einen realen Wert: Schulden zu machen lohnt sich – besonders für Staaten. Die Eidgenossenschaft macht Profit, wenn sie Geld aufnimmt.

Auch sonst setzt das billige Geld aus meiner Sicht gefährliche Anreize zum Schuldenmachen. Die Politik des billigen Geldes hat denn auch dazu geführt, dass die Schuldenberge global immer mehr ansteigen. Wie diese irgendwann abgebaut und all die Kredite zurückbezahlt werden sollten, bleibt ein Rätsel.

Wenn Notenbanken während langer Zeit Geld druckten, kam es in der Vergangenheit irgendwann fast immer zu einer Inflation.

Seit rund zwanzig Jahren sind die Notenbanken mehr oder weniger im Krisenmodus und drucken munter Geld. Kein Wunder kommt bei jeder neuen Krise gleich die Forderung nach einer Unterstützung der Märkte durch die Notenbanken auf. Ein Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik ist nicht absehbar.

Im Gegenteil: Sowohl in den USA als auch in Europa verlangen viele, der Staat solle statt zu sparen kräftig investieren und die Wirtschaft mittels steigender Staatsausgaben ankurbeln. Selbst die Idee, die Notenbanken sollten direkt Gelder an die Bürger auszahlen, damit mehr konsumiert würde, macht die Runde. Wenn die Notenbanken mehr Geld drucken, sei jederzeit genügend Kapital vorhanden und Staaten könnten auch nicht zusammenbrechen, weil sie immer mehr Geld drucken könnten, wird dabei argumentiert.

Ich kann mich mit solchen Ideen definitiv nicht anfreunden und bin sehr skeptisch. Wenn Notenbanken während langer Zeit intensiv Geld druckten, kam es in der Vergangenheit irgendwann in der Regel fast immer zu einer Inflation oder sogar einer Hyperinflation. Eine solche hatte Deutschland in den 1920er-Jahren im Griff und führte zum wirtschaftlichen Kollaps, in dessen Kontext der Aufstieg der Nationalsozialisten wohl erst möglich war.

Ohne gleich schwarz malen zu wollen, würde ich als langfristig orientierter Investor die Inflationsrisiken nicht unterschätzen. Wenn der Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik nicht gelingt, die Schulden weiter ansteigen und die Staaten immer mehr Geld drucken, ist es aus meiner Sicht nur eine Frage der Zeit, bis die Inflation nach vielen Jahren mit Null- oder sogar Negativteuerung irgendwann wieder anzieht.

Momentan ist eine hohe Inflation bei uns fast nicht denkbar. Dennoch würde ich ein breit diversifiziertes Depot so ausrichten, dass das Inflationsrisiko gut abgesichert ist. Möglich ist das mit Gold- und Edelmetallanlagen, die man mittels Exchange Traded Funds gut abdecken kann, mit Aktien sowie Immobilien.

Inflationsschutz bieten auch Treasury Inflation-Protected Security (TIPS). Das sind inflationsgeschützte Anleihen, die man dem Depot beimischen kann. Auch da gilt: Ein guter Mix und breite Diversifikation bringen Erfolg.

6 Kommentare zu «Steigt das Risiko einer Inflation?»

  • Peter Rohner sagt:

    Wer solche TIPS kaufen will, dann natürlich nur in Form eines ETFs:
    https://www.justetf.com/ch/find-etf.html?query=Tips

  • U. Evert sagt:

    Es gibt ja bereits eine Inflation, nämlich die Vermögenspreisinflation. Deshalb sind Aktien, Immobilien und andere Sachwerte ziemlich überteuert. Ich zweifle, ob man da noch einsteigenn sollte. Ein substanzieller Anteil Bargeld schadet sicher nicht. Einstiegsmöglichkeiten werden noch kommen.

  • Josef Marti sagt:

    Die asset Inflation ist nicht gemeint, die ist ja allgegenwärtig. Eine hohe Konsumpreisinflation oder Hyperinflation kommt va dann zustande wenn der Staat Löhne zahlt für immer mehr unproduktive Staatsangestellte bei stagnierendem oder sinkendem BIP, oder wie im Falle 1923 wenn er sogar die Löhne der Industrie übernimmt bei ausbleibendem output infolge Generalstreik. Auch echtes Helikoptergeld wäre somit wie Zusatzlohn ohne output zu betrachten
    Die entscheidenden Grössen sind gesamtwirtschaftlich auf lange Sicht deshalb die Lohnstückkosten und der output. Die anderen Elemente wie Rohstoffe Energie etc. führen zwar auch zu Inflation, treiben mittelfristig aber auch die Löhne an. Praktisch in jedem Betrieb bilden die Löhne den grössten Kostenblock.

    • Claire sagt:

      Nein Marti die kommt zustande wenn ein Land viel zu stark in Fremdwährungen verschuldet ist und das war D mit der Goldmark, denn dafür hätte sie Gold haben müssen.
      Es hyperinflationierte die Mark (auch Papiermark genannt und nicht zu verwechseln mit der Reichsmark die kam erst ab August 1924)
      Die Uebergangswährung war die Rentenmark, wo man dem Volk etwas vorgaukelte, dass die Grundstückgesichert sei und siehe da – die Hyperinflation hörte Mitte November 1923 praktisch sofort auf!
      Von den heute aktuellen Devisenwährungen hat noch keine eine Hyperinflation durchgemacht.
      Die höchsten Inflationen hatten Japan und USA in den 70er resp. frühen 80er Jahren mit rund 20% pa.
      Hyperinflationiert haben ausschliesslich Länder mit hohen Fremdwährungsschulden wie Argentinien, Brasilien, Zimbabwe

  • R. Baumann sagt:

    Wir haben schon lange eine Inflation, nur wird sie mit dem bestehenden Index nicht erfasst. Offenbar sind einige Kreise daran interessiert, dass das so bleibt.

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