Soll ich die Rente oder das Kapital beziehen?

Bezüglich Steuern macht es einen grossen Unterschied, wie Sie mit dem angesparten Pensionskassengeld umgehen.

Die eigene Gesundheit ist ein Faktor, der bei der Pensionsplanung mit einbezogen werden muss: Seniorengruppe auf einer Velotour. Foto: Christian Beutler (Keystone)

Ich bin 63 und werde in zwei Jahren pensioniert. Nun mache ich mir Gedanken, ob ich die Rente oder das Kapital von der Pensionskasse nehmen soll. Vor allem interessieren mich auch die steuerlichen Folgen: Gibt es – je nachdem, ob ich Rente oder Kapital wähle –, steuerlich eine Differenz? F. N.

Steuerlich macht es einen grossen Unterschied, für welche Variante Sie sich in Hinblick auf Ihre Pensionierung mit 65 entscheiden. Sie können es auf einen einfachen Nenner bringen: Renten müssen Sie immer im Rahmen der ordentlichen Einkommenssteuer versteuern. Besteuert werden somit die AHV-Rente, die Sie nach 65 beziehen, aber ebenso die allfällige Rente Ihrer Pensionskasse.

Ganz anders ist es beim Kapitalbezug. Hier versteuern Sie das bei Ihrer Pensionierung allenfalls bezogene Kapital gleich nach dem Bezug. Anders als die Rente wird der Kapitalbezug aus der 2. Säule zu einem privilegierten Vorsorgetarif besteuert. Zudem wird dieses Geld separat von Ihrem übrigen Einkommen besteuert. Dennoch fällt beim Kapitalbezug ein hoher Steuerbetrag an, den man an den Fiskus abliefern muss.

Damit ist das Thema für Sie steuerlich dann aber fast abgeschlossen. Ich schreibe fast, weil Sie das bezogene Geld, anders als die Rente, später nicht als Einkommen versteuern müssen. Sie müssen jedoch das Kapital als Vermögen ausweisen und bezahlen darauf eine Vermögenssteuer, die allerdings deutlich geringer ist als die Einkommenssteuer. Und ein schrittweiser Vermögensverzehr ist steuerfrei.

Bei der Rente ist die Steuer auf den ersten Blick tiefer, weil die Steuer jährlich bezahlt wird. Da die Rente in der Regel über viele Jahre bezogen wird und damit auch jedes Jahr Steuern anfallen, fährt man aber mit dem Kapitalbezug zum privilegierten Vorsorgetarif rein steuerlich oft günstiger.

Mit einem Kapitalbezug zum privilegierten Vorsorgetarif fährt man rein steuerlich oft günstiger.

Falls Sie einen Kapitalbezug wählen, empfehle ich Ihnen, allfällig vorhandene Konten der Säule 3a gestaffelt zu beziehen. Wenn Sie zwei Konten haben, können Sie eines noch in diesem Jahr beziehen und das zweite im nächsten Jahr, also mit 64. Das Kapital könnten Sie dann mit 65 beziehen. Dank dieser Staffelung können Sie in den meisten Kantonen Steuern sparen. Allerdings ist die diesbezügliche Regelung und Praxis in den Kantonen unterschiedlich. Ich rate Ihnen, die genauen Vorschriften in Ihrem Kanton zu prüfen. Falls Sie verheiratet sind, sollten Sie auch die Pensionierung Ihrer Frau miteinbeziehen. Wenn beide die Rente beziehen, müssen Sie unter Umständen mit einer hohen Steuer rechnen.

Auch bei einem Kapitalbezug gilt es, den Zeitpunkt der Bezüge optimal abzustimmen. Erkundigen Sie sich diesbezüglich auch bei Ihrer Bank, bei der Sie ein Konto der Säule 3a haben. Je nach Variante, die Sie in Hinblick auf Ihre Pensionierung wählen, bezahlen Sie unter dem Strich deutlich mehr oder weniger Steuern.

Unabhängig davon sollten Sie aber bei Ihrer Entscheidungsfindung nicht alleine nur auf die Steuern achten. Wichtiger als die Steuern sind meines Erachtens Ihre Lebenssituation und Ihre Ziele und Möglichkeiten, Ihre Gesundheitssituation, erbrechtliche Aspekte und Ihre familiäre Situation, die es beim Entscheid Rente oder Kapital genau zu berücksichtigen gilt.

Ich empfehle Ihnen, im Hinblick auf Ihre Pensionierung so rasch wie möglich eine Pensionsplanung bei Ihrer Bank oder Versicherung vornehmen zu lassen, die Ihnen alle für Sie relevanten Aspekte anhand Ihrer konkreten Zahlen aufzeigt und Ihnen die nötigen Grundlagen gibt für den wichtigen Entscheid Rente oder Kapital.