Mobilezone-Konsumenten auf Handy-Entzug

Mobilezone: Die Dividende, für welche die Papiere des Smartphone-Verkäufers bekannt sind, ist sicher. Foto: Imago Images/Chromorange

Der Corona-Lockdown war für Läden, die auf Laufkundschaft angewiesen sind, brutal. Auch für den Handyverkäufer Mobilezone sah es schlecht aus. Im Frühjahr musste er die Gewinnerwartung fürs Jahr drastisch reduzieren. Tempi passati. Seit dem 11. Mai strömen die Kunden wieder in die 123 Schweizer Shops und decken sich wie auf Entzug mit Handys und Mobil­abos ein. Der Umsatz im ersten Semester übertraf gar jenen des Vorjahres, auch dank eines Akquisitionseffekts. Der Gewinn liegt noch immer deutlich unter dem Vorjahreswert; aber hält der Schwung an, sollte er sich im zweiten Halbjahr deutlich verbessern. Im wichtigen Grosshandels- und Onlinegeschäft in Deutschland hat Mobilezone zwar noch einiges an Konsolidierungsarbeit zu leisten, doch die Dividende, für die die Mobilezone-Papiere bekannt sind, ist sicher. Ob es wie in den Vorjahren für 60 Rappen pro Aktie reicht, ist offen. Doch wenn das Unternehmen wie gehabt drei Viertel des Gewinns ausschüttet, werden mindestens 50 Rappen drinliegen – was nach dem Kurssprung vom Freitag, als die Papiere zeitweise fast ein Zehntel gewannen, immer noch einer attraktiven Rendite von 5,6 Prozent entspricht. Kaufen

Gutes Hypothekargeschäft

Kaum jemand hätte vor einigen Wochen gedacht, dass die Schweizer Geldhäuser fast unbeschadet durch die Krise kommen. Doch viele Halbjahresabschlüsse belegen genau das. Nehmen wir als Beispiel die Luzerner Kantonalbank (LUKB). Da kämpft das Staatsinstitut mit hauchdünnen Zinsmargen, hat Kredite an Corona-geplagte Tourismus- und Gastrounternehmen in den Büchern, sah im Frühjahr die Ertragsbasis im Kommissionsgeschäft bröckeln – und schreibt trotzdem mehr Gewinn. Wie das geht? Die nervösen Märkte haben doppelt positiv gewirkt: Zum einen stieg der Kommissionsertrag zum dritten Mal in Folge, zum anderen zog der bankeigene Handel mit Wertschriften an, wodurch der Handelserfolg mehr als 70 Prozent höher ausfiel. Auch im Hypothekargeschäft hat die LUKB gut gearbeitet. Vorausgesetzt, sie muss nicht doch noch hohe Rückstellungen bilden, fährt die Bank 2020 einen hohen Gewinn ein. Für Anleger sind das gute Aussichten. Die Aktien hinken dem breiten Markt seit langem hinterher und sind günstig bewertet. Und das, obschon die LUKB eine der wenigen Banken ist, die anständig rentabel wirtschaftet. Kaufen

Gefragter Infektionsschutz

Ich mag Schweiter. Das Unternehmen, das Kunststoffplatten, Fassadenelemente, Bauteile für Züge und Busse sowie Materialien für Windturbinen herstellt, überzeugt durch Leistung, ohne viel Aufhebens zu machen. Eindrücklich war auch, wie sich das Unternehmen während der Corona-Krise schlug. Klar: Als einer der zwei grössten Hersteller von transparenten Platten in Europa hatte Schweiter Glück. Diese Platten waren als Infektionsschutz extrem gefragt. Also stellte Schweiter kurzerhand Produktionslinien, die sonst farbige Platten herstellen, auf transparente Platten um. Das Resultat: nicht perfekt, aber gut genug. Im zweiten Halbjahr dürfte sich diese Nachfrage normalisieren. Gleichzeitig sollten sich aber Geschäftsbereiche, die wegen Covid-19 gelitten haben, wie etwa das Geschäft mit Plattenmaterialien für andere Anwendungen, wieder erholen. Günstig sind die Aktien indes nicht mehr. Wer auf dem heutigen Kursniveau einsteigen will, muss das strategisch und mit längerem Anlagehorizont tun. Halten

Umsatz um 32 Prozent gesteigert

Bachem ist eine Wucht. Der Auftragsfertiger ist Weltmarktführer in der Nische der Peptide, einer Wirkstoffklasse, die in immer mehr Medikamenten eingesetzt wird. Während andere von der Pandemie gebremst wurden, hat Bachem den Umsatz um 32 Prozent gesteigert. Dabei schätzt das Unternehmen den positiven Corona-Effekt auf lediglich 2 bis 3 Prozent. Es erwartet weiteres ­rasantes Wachstum und will schon in drei Jahren einen Umsatz von 500 Millionen Franken generieren statt wie zuvor ­frühestens in vier Jahren. Solche Wachstumsgeschichten ziehen Investoren an. Die Aktien sind denn auch teuer. Doch die Story gefällt mir so gut, dass ich hier zukaufen würde. Mittelfristig soll das zweite Standbein der Oligonukleotide, das Bachem erst seit vergangenem Jahr aufbaut, 100 Millionen Franken beisteuern. Diese Moleküle werden unter anderem für Gen­therapien nachgefragt. Diese befinden sich erst am Anfang. In den nächsten Jahren dürften immer mehr davon auf den Markt kommen. Kaufen

Auslagerung an Subunternehmen

Implenia wandelt sich. Der Baukonzern will zu einem integrierten, multinational führenden Baudienstleister werden. Die gesamte Wertschöpfungskette eines Bauwerks soll künftig abgedeckt werden – vom Bauentscheid bis zur Nutzung eines fertigen Gebäudes, überall will Implenia dabei sein. Nur nicht, wenn es um das eigentliche Bauen geht. Arbeiten, die nicht zum Kerngeschäft gehören, sollten zunehmend an Subunternehmen vergeben werden, sagte Konzernchef André Wyss. Das erste Halbjahr lief nicht besonders gut, denn die Gesamtbauleistung in Europa hat sich abgeschwächt und Implenia einen Umsatzrückgang von 11,8 Prozent beschert. Schutzregeln auf Baustellen und Störungen in der Lieferkette erhöhten gleichzeitig die Kosten. Trotzdem stieg der Betriebsgewinn um 39 Prozent, denn der Baukonzern hat die Hälfte seiner Immobilien der neu gegründeten Ina Invest übertragen, an der er 42 Prozent hält. Mehr als 100 Millionen Franken Transaktionsgewinn flossen in die Kasse und bewahrten das Unternehmen vor roten Zahlen. Ich würde erst einsteigen, wenn die Wandlung vollzogen ist. Halten