Tecan-Produkte sind gefragter denn je

Tecan: Innerhalb von zwölf Monaten haben sich die Aktien des auf medizinische Laborgeräte spezialisierten Unternehmens 70 Prozent verteuert. Foto: Gaetan Bally/Keystone

Vor 40 Jahren in der Zürcher Provinz von vier Ingenieuren gegründet, ist Tecan heute an der Börse fast 5 Milliarden Franken wert. Innerhalb von zwölf Monaten haben sich die Aktien des auf medizinische Laborgeräte spezialisierten Unternehmens 70 Prozent verteuert. Seit mehreren Jahren überzeugt mich Tecan mit aussergewöhnlich stetem Wachstum über dem Markt und im Trend steigenden Gewinnmargen. In den vergangenen neun Monaten gaben den Valoren zwei externe Faktoren einen Zusatzschub. Zunächst verdeutlichte das Angebot des US-Konzerns Thermo Fisher an die deutsche Qiagen, dass für Diagnos­tikunternehmen sehr hohe Preise, sogenannte Multiples, bezahlt werden. Mit dem globalen Ausbruch der Pandemie im März geriet die Branche erst recht in den Anlegerfokus. Virustest-Geräte sind mehr denn je gefragt. Tecan verbuchte im ersten Halbjahr ein Viertel mehr Aufträge als im Vorjahr und hob die Jahresprognose an. Doch kaufen würde ich die Aktien nun nicht mehr. Sie sind mehr als doppelt so teuer wie der Durchschnitt an der Schweizer Börse. Halten

Geschäft mit Röntgentechnologie harzt

Es hätte so schön sein können. Ein Drittel mehr Umsatz, hohe Profitabilität, beste Aussichten für die kommenden Quartale. Doch leider gilt das zurzeit nur für etwas mehr als die Hälfte des Geschäfts, über das Comet im Halbjahres­bericht Rechenschaft ablegte. Diese Hälfte produziert Hochfrequenz­technologie für die Produktion von Halbleitern und ist ideal positioniert für den von der allumfassenden Digitalisierung vorangetriebenen Markt. Hier hält das Technologieunternehmen locker mit den Erfolgen anderer Zulieferer mit, zum Beispiel mit VAT, dem Anbieter von Hochvakuumprodukten. Doch dann ist da noch die Röntgentechnologie, die vor allem pandemiegeplagte Märkte bedient: Luftfahrt, Automobil und Sicherheit. Hier bewegten sich die Kennzahlen deutlich bachab. Das ist nicht schön, aber aus meiner Sicht kein Grund, sich enttäuscht abzuwenden. Denn einerseits sollten die darbenden Märkte den Boden erreicht haben, und andererseits entwickelt das Management das Röntgenportfolio in Richtung Halbleiter- und Elektronikindustrie weiter. Mit deutlich steigenden Gewinnen ist daher ab 2021 zu rechnen. Halten

Expansion verzögert sich

Mit Aktien aus der Finanzbranche ist momentan kein Blumentopf zu gewinnen. Titel der VZ Holding sind die Ausnahme, welche die Regel bestätigen. Nach einem Taucher Mitte März stehen die Aktien der Zürcher Finanzgruppe mittlerweile fast 40 Prozent über ihrem Kurs von Anfang Jahr. Das Potenzial ist noch nicht erschöpft. Auch in Zeiten von Corona treibt die Frage nach ihrer Altersvorsorge die Menschen um. Im ersten Halbjahr haben die verwalteten Vermögen zugelegt, VZ hat den Gewinn gesteigert. Völlig spurlos ist die Pandemie an der Finanzgruppe jedoch nicht vorübergegangen. Während des Lockdown mussten Beratungsgespräche verschoben werden, auch verzögert sich die Expansion nach Grossbritannien, wo VZ einen unabhängigen Finanzberater übernehmen will. Das Institut schlägt sich in der Krise aber stärker als andere Schweizer Banken. Zwar sind die Titel stattlich bewertet. Mit Blick auf den stetig wachsenden Gewinn und die hohe Rentabilität ist das Niveau für mich aber gerechtfertigt. Kaufen

Schub dank China und Japan

Die Wachstumsgeschichte Vifor Pharma hat durch die Corona-­Krise einen Dämpfer erhalten. Ich glaube aber nach wie vor an das grosse Potenzial des Unternehmens. Es ist auf Eisenpräparate sowie Nierentherapien spezialisiert und hegt Ambitionen im Bereich Herz-Kreislauferkrankungen. In den nächsten zwei Jahren könnte Vifor vier neue Medikamente auf den Markt bringen, die für weiteres Wachstum sorgen werden. Zusätzlichen Schub werden die Markteintritte in China und Japan generieren. 2022 werden dann die Resultate einer Studie erwartet, die den Durchbruch bei den kardiovaskulären Erkrankungen bringen könnten. Die Aktien sind volatil und deshalb nichts für schwache Nerven. Gut möglich, dass sie sich noch eine Weile seitwärts bewegen. Doch die Entwicklung des Geschäftserfolgs stimmt, und die Titel notieren nach dem allgemeinen Absturz im Zug der Corona-Krise immer noch deutlich unter ihrem Höchststand. Mit einem für das kommende Jahr geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnis von 20 sind sie historisch gesehen günstig. Kaufen

Giftiger Mix

Feintool hat im ersten Halbjahr einen herben Rückschlag erlitten. Überrascht hat mich das nicht. Die hohe Abhängigkeit von der Autoindustrie, ein kapitalintensives Geschäft und hohe Abschreibungen als Folge hoher Investitionen ergeben in Krisenzeiten einen giftigen Mix. Wie giftig, das zeigen der Umsatzeinbruch um ein Drittel und das tiefrote Ergebnis. Dank einer gesunden Bilanz kann die ­Industriegruppe diese Schwäche­phase jedoch überstehen. Zudem ist sie auf ihrem Gebiet Markt- und Technologieführerin. Sie stellt Feinschneidanlagen her und fertigt in grossen Volumen präzise Feinschneid-, Umform- und Elektroblechteile. Diese gehen in den Antriebsstrang von Autos, umfassen aber auch Sitzversteller und ­Sicherheitskomponenten. Die Talsohle ist inzwischen wohl durchschritten. Das zweite Semester soll etwas mehr Umsatz und eine deutlich verbesserte Profitabilität bringen. Für nächstes Jahr rechne ich mit einer Fortsetzung der Erholung. Die Aktien zeigen davon aber noch wenig. Sie notieren fast ein Viertel unter dem bereits gedrückten Niveau von Anfang Jahr. Als Anleger sehe ich eine Chance. Für Risikofähige gilt in dosiertem Masse: Kaufen