Adecco hat das Schlimmste hinter sich

Adecco: Im besten Wachstumsszenario – und dank rigoroser Kostendisziplin – könnte der Personalvermittler im laufenden Jahr einen Minigewinn schreiben. Foto: Dominic Favre/Keystone

Es sind schwierige Zeiten für Personalvermittler: Fabriken stehen still, Restaurants sind nur zur ­Hälfte ausgelastet, Touristen kommen keine. In dieser Situation stellt niemand neue Arbeitskräfte an. Das hat Adecco mit voller Wucht zu spüren bekommen. Das Unternehmen, das weltweit vor allem Temporärstellen vermittelt, ist im zweiten Halbjahr organisch um 28 Prozent geschrumpft. Allerdings hat der Konzern bei der Profitabilität positiv überrascht. Bis zur Rückkehr auf das Niveau von 2019 wird es jedoch dauern. Die wirtschaftliche Aktivität bleibt gedämpft – insbesondere angesichts der nun wieder steigenden Corona-Fallzahlen. Im besten Wachstumsszenario – und dank rigoroser Kostendisziplin – könnte Adecco im laufenden Jahr einen Minigewinn schreiben. Interessierte Anleger müssen aber über 2020 hinausschauen. Und da ist die Unsicherheit gross. Wer also noch immer dabei ist, sollte die Delle aussitzen. Mir sind die Aussichten derzeit zu wenig attraktiv. Halten

Grundsolide Bilanz

Ich gebs zu, ganz geheuer ist mir die hohe Bewertung von VAT nicht. Die Titel des Anbieters von Hochvakuumtechnologie kosten das 36-Fache des für 2021 geschätzten Gewinns je Aktie. So hoch ist das vorausschauende Kurs-Gewinn-Verhältnis nie gewesen. Und doch: Der Zulieferer für die Halbleiter- und Digitaldisplayindustrie sowie andere Hochpräzisionsbranchen bietet in unsicheren Zeiten eine rare Kombination: Er ist ein sicherer Hafen mit erfreulichem Ausblick. Die Bilanz ist grundsolide, die Profitabilität über den ganzen Zyklus hoch, der freie Cashflow stark. Vor allem aber befindet sich der Halbleitersektor trotz Covid-19 in einem branchenzyklischen Aufschwung. VAT wächst. Dazu kommt, dass die Erholung am Aktienmarkt für meinen Geschmack gar optimistisch ausgefallen ist. Die Lage vieler Unternehmen bleibt schwierig, und sichere Häfen sind gesucht, besonders solche, die auch noch einen guten Ausblick bieten. Das spricht für die Aktien von VAT. Trotz gewisser Vorbehalte wegen der hohen Bewertung bleibe ich deshalb optimistisch. Kaufen

Kursrückschlag

Galenica hat gute Halbjahreszahlen geliefert. Umsatz und Gewinn übertrafen die Erwartung, nur der Betriebsgewinn nicht. Zum ersten Mal seit 2011 ging die operative Marge leicht zurück. Auf dieser ­Basis passte der Gesundheitsdienstleister die Prognose für das Gesamtjahr an – mehr Umsatz als vorher, aber nur noch einen mehr oder  weniger unveränderten Betriebsgewinn. Als Folge nahmen Finanzanalysten ihre Gewinnschätzung leicht zurück. Das reichte für einen Kursrückschlag. Innerhalb einer Woche verloren die Aktien fast zehn Prozent. Auch der bedeutendste Medikamentenverteiler der Schweiz, der überdies das grösste Apothekennetz betreibt, ist also nicht ganz Corona-immun. Immerhin hat das Unternehmen angekündigt, für 2020 eine Dividende mindestens in Vorjahres­höhe auszuzahlen. Das macht fast drei Prozent Rendite. Zudem ist die Bewertung nun im Lot. Die Valoren handeln nur noch wenig über dem Durchschnitt eines Kurs-Gewinn-Verhältnisses von 20, mit dem sie seit dem Börsengang 2017 gehandelt wurden. Kaufen

Lukrative Kunstfasern

An der Industriegruppe Oerlikon gefällt mir, dass eines der beiden Geschäftssegmente praktisch ungeschoren durch die Corona-Krise kommt. Das Geschäft mit Kunstfaseranlagen läuft unverändert gut. Die Produzenten von Kunstfasern (viele davon in China) stecken in einer gross angelegten Erneuerungsphase und investieren trotz Corona. Oerlikon hat in diesem Segment volle Auftragsbücher bis 2023. Klar, es gab auch hier temporäre Produktionsunterbrüche. Diese haben auf Umsatz und Marge gedrückt. Doch die Ausfälle will das Unternehmen schnell aufholen; schon jetzt ist ein gutes 2021 und 2022 absehbar. Derweil kann Oerlikon das langfristig interessantere Geschäft, die Oberflächentechnik (Surface Solutions), trotz eines Corona-bedingt hohen Ergebniseinbruchs strategisch weiter ausbauen. Mit Oberflächenbehandlungen können Produkte dauerhafter und präziser gemacht werden. Das Wachstumspotenzial bleibt hoch, allerdings muss Oerlikon die Abhängigkeit von der Auto- und Flugzeugindustrie reduzieren und in neue Anwendungsgebiete diversifizieren. Kaufen

Aufpreis bis zu 20 Prozent

Im Windschatten der bekannteren BB Biotech hat die Investment­gesellschaft HBM Healthcare lange ein Mauerblümchendasein an der Börse gefristet. Noch letztes Jahr wurden die Aktien mit einem Abschlag gehandelt. Mittlerweile müssen Anleger einen Aufpreis von bis zu 20 Prozent bezahlen, um an dem Vehikel teilzunehmen, das an der Börse mit annähernd zwei Milliarden Franken bewertet ist. Im Unterschied zu den meisten anderen investiert HBM auch in privat gehaltene Gesellschaften. Per Ende Juni betrug der Anteil knapp ein Drittel am Portefeuille. Die grösste Beteiligung überhaupt, Cathay Biotech, geht kommenden Mittwoch an die Technologiebörse in Shanghai. HBM erwartet, dass der innere Wert ihrer Beteiligungen auf einen Schlag um zehn Prozent zunimmt. Das chinesische Unternehmen ist auf seinem Gebiet eines der weltweit führenden und hochprofitabel. Es stellt mit biotechnologischen Verfahren in erster Linie Moleküle für die Polyamidindustrie her. Die auf erneuerbaren Rohstoffen basierenden Produkte können solche auf Erdölbasis ersetzen. Unter anderem werden sie in Parfümen, Kleb­stoffen, Schmieröl und Farben eingesetzt. Auch wenn das breit gestreute HBM-Portefeuille gewisse Sicher­heit bietet, ist es gegen Abstürze nicht gefeit, wie etwa zu Beginn der Corona-Krise. Mir gefallen die Aktien aber. Kaufen