Lonza hält das Versprechen

Lonza: Die Zusammenarbeit mit dem US-Unternehmen Moderna hat dem Aktienkurs Schub verliehen. Foto: Dominic Steinmann/Keystone

Lonza macht Nägel mit Köpfen: Am Donnerstag hat der Verwaltungsrat beschlossen, die Spezialchemiesparte LSI zu verkaufen. ­Einige Dinge müssen zuvor noch geregelt werden, doch der Verkaufsprozess soll bald starten. Ich hatte den Schritt erwartet, auch wenn ich am Tag der Präsentation der Halbjahreszahlen doch etwas überrascht wurde. Lonza wird danach weitgehend auf Produkte für die Pharmaindustrie fokussiert sein. Diese Sparte (LBPN) hat im ersten Halbjahr eine beneidens­werte Kernbetriebsgewinnmarge von 34,1 Prozent erreicht. Die hohe Profitabilität und die guten Wachstumsaussichten für die nächsten Jahre sind der Hauptgrund für den ausserordentlichen Lauf der Lonza-Aktie. Sie hat in diesem Jahr wieder 60 Prozent zugelegt. Die Luft ist damit dünner geworden. Wer jetzt einsteigt, muss auch mit Rückschlägen rechnen – etwa wenn der Corona-Impfstoff von Moderna scheitern würde. Die Zusammenarbeit mit dem US-Unternehmen hat dem Kurs in den letzten Wochen Schub verliehen. Mit einem mittel- bis längerfristigen Horizont sind die Aktien aber nach wie vor eine empfehlenswerte Anlage. Dosiert kaufen

6 Prozent weniger Gewinn

Ob Markusplatz, Eiffelturm oder London Bridge: Schweizerdeutsch ist an den Tourismus-Hotspots Europas diesen Sommer wenig zu hören. Das spürt auch Cembra. Die Konsumkreditbank macht einen ansehnlichen Teil ihres Ertrags mit Kreditkartengebühren. Dass ihre Kunden heuer nicht im Ausland konsumieren, hat ihr bereits im ersten Halbjahr die Zahlen durcheinandergewirbelt. Die Gebühreneinnahmen brachen ein, es resultierten knapp 6 Prozent weniger Gewinn. Allerdings: Die Erwartungen lagen tiefer. Zugute kommt der Bank, dass ihr Kreditbuch von der Krise bislang nicht betroffen ist. So kann sie sich gewinnschmälernde Wertberichtigungen sparen. Auch den Anlegern gefällt das. Der Aktienkurs gewann nach Publikation der Zahlen deutlich. Für die Titel spricht, dass Cembra, verglichen mit anderen Banken, eine hohe Eigenkapitalrendite erwirtschaftet, zudem überzeugt die Aussicht auf höhere Gewinne, die der Neuzugang Cashgate verspricht. Und: Die Chancen, dass Cembra 2021 wieder auf den Wachstumspfad zurückfindet, sind gross. Kaufen

30 Prozent Betriebsgewinnmarge

Im Medizinaltechnikbereich sah die Welt im Frühjahr weniger rosig aus. So auch für den Implantate-Hersteller Medacta. Zum ersten Mal überhaupt seit der Unternehmensgründung vor mehr als zwanzig Jahren sind die Einnahmen im ersten Halbjahr 2020 zurückgegangen. Nach einem guten Start ins Jahr mit prozentual zweistelligem Wachstum in den beiden ersten Monaten brach die Nachfrage im März ein. Wie andere Orthopädiespezialisten war Medacta davon betroffen, dass nicht lebensnotwendige chirurgische Eingriffe in Spitälern aufgeschoben wurden. Mit minus 11 Prozent ist die Einbusse weniger heftig als befürchtet. Ich gehe davon aus, dass der Tiefpunkt im April erreicht worden ist. Im Juni verbuchten die Tessiner bereits wieder ein prozentual zweistelliges Wachstum des Auftragsbestands. Angaben zur Profitabilität gab es keine. Zuletzt erwirtschaftete Medacta eine Betriebsgewinnmarge von ca. 30 Prozent. Dieses Jahr erwarte ich eine geringere Marge. Die überraschend rasche Geschäftserholung hat der Aktienkurs bereits vorweggenommen. Die Papiere notieren mehr als doppelt so hoch wie im März. Halten

Florierendes Cloud-Geschäft

Für mich kaum überraschend manövriert Also gut durch die Wirtschaftskrise: Der Trend zu Home­office und die stärkere Nachfrage nach Geräten, um die Angestellten dafür auszurüsten, kommen dem IT-Logistiker zupass. Die Stärke von Also ist traditionell das Verteilen von Tech-Produkten hin zum Endkunden, etwa von iPhone-­Geräten über Filialen der Telecom­anbieterin Swisscom. Noch immer kommen knapp 80 Prozent des Umsatzes aus diesem angestammten Supply-Bereich. Das frühzei­tige Forcieren des Cloud-Geschäfts zahlt sich nun aus. Der Umsatz mit der Unternehmensplattform stieg im ersten Halbjahr um beachtliche 43 Prozent auf 140 Millionen Euro. Diesen Ausblick bestätigt das Unternehmen – und ist damit aus meiner Sicht eher konservativ unterwegs. Die Wachstumstreiber wie das Internet der Dinge und ­Cybersicherheit sind intakt. Die Aktien gehören im laufenden Jahr zwar zu den grössten Gewinnern an der Schweizer Börse – ihr Wert ist seit Anfang 2020 um mehr als die Hälfte gestiegen. Dennoch laden gerade Rücksetzer zum Neuengagement ein. Dosiert kaufen

Zuwachs im Nahen Osten, in Brasilien und China

Sulzer hat sich im ersten Halbjahr viel besser geschlagen, als ich erwartet hatte. Der Bestellungseingang erreichte organisch trotz Corona-Krise knapp das Vorjahresniveau. Der Umsatz ging in Franken um ein Zehntel zurück, die bereinigte Betriebsmarge vor Amortisationen sank von 9,1 auf 7,5 Prozent. Das schmerzt. Doch der zwischenzeitlich starke Rückgang des Ölpreises hat die Investitionstätigkeit der Kunden von Sulzer nur partiell beeinträchtigt. So konnte beispielsweise ein deutlicher Auftragsrückgang im Energiebereich in den USA durch einen Zuwachs im Nahen Osten, in Brasilien und China mehr als wettgemacht werden. Gut gelaufen ist auch das Wartungs- und Service-Business, trotz partieller Einschränkungen wegen Covid-19. Der Auftragsbestand stieg auf einen neuen Rekordwert. Die Kostensparmassnahmen kommen planmässig voran, nächstes Jahr will Sulzer bereits wieder ein Margenniveau erreichen wie vor der Pandemie. Da die Aktien noch immer deutlich unter dem Kursniveau von vor Ausbruch der Corona-Krise notieren, besteht aus meiner Sicht Erholungspotenzial. Kaufen

 

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