Barry Callebaut ist zuversichtlich

Sonova spart +++ Kaum Corona-Effekt bei der Hypothekarbank Lenzburg +++ Bell Food Group sattelt um +++ SFS hat noch Potenzial

Barry Callebaut zeigt sich von der Schokoladenseite: Dank dem weltweit verzweigten Produktionsnetz kann das Unternehmen rasch auf die Nach­frage des Kundenstamms reagieren. Foto: Steffen Schmidt (Keystone)

Der Schokoladenproduzent Barry Callebaut verbreitet Zuversicht. Nicht mit den Umsatzzahlen im Frühjahrsquartal, aber mit höheren Mittelfristzielen und einer neuen Lieferpartnerschaft im Industriegeschäft. Dort bedient der Konzern namhafte Markenhersteller etwa mit Flüssigschokolade. Der Lockdown hatte vor allem den zweiten Geschäftsbereich mit Restaurants, Hotels und Läden als Abnehmern beeinträchtigt und einen empfindlichen Rückschlag der Verkaufsmenge bewirkt. Im Juni verzeichnete Barry Callebaut erste Anzeichen der Erholung. Dank dem weltweit verzweigten Produktionsnetz besitzt das Unternehmen eine gute Lieferfähigkeit und kann rasch auf eine wachsende Nach­frage des Kundenstamms reagieren. Es sind die bewährten Beziehungen und die neue Partnerschaft, auf denen die höheren Mittelfristziele von jährlich 5 bis 7 Prozent mehr Verkaufsvolumina und einem noch rascher wachsenden Betriebsgewinn beruhen. Von diesen Perspektiven dürften über kurz oder lang auch Anleger profitieren. Kaufen

Es braucht einen langen Schnauf

Bislang haben sich die Chefs vieler Unternehmen leider gescheut, in Corona-Zeiten eine Geschäftsprognose zu machen. Umso erfreu­licher ist die Meldung von Sonova vergangene Woche: Der Hörgeräte­hersteller hat gemeldet, der Umsatz werde zwischen April und ­September im Vergleich zum Vorjahressemester 25 bis 35 Prozent zurückgehen. Die Betriebsgewinnmarge dürfte sich mehr als halbieren. Das Tief vom April mit 65 Prozent Umsatzrückgang hat Sonova hinter sich gelassen, doch nun verläuft die Erholung gemächlicher. Das Unternehmen hat etwa zwei Jahre auf dem Weg nach vorn eingebüsst. Daher setzt es Massnahmen zur Steigerung der Effizienz rascher um als erwartet. Eine Straffung des Filialnetzes und ein Stellenabbau von 4 bis 5 Prozent des Gesamtbestandes werden zunächst 40 bis 60 Millionen Franken kosten. Dafür wird die Kostenbasis der kommenden Jahre um 50 bis 70 Millionen Franken entlastet. Auf das Vor-Corona-Niveau wird die Nachfrage nach Hörgeräten erst 2021 zurückkehren. Investoren müssen mit Blick auf die bereits wieder hohe Bewertung einen langen Schnauf mitbringen. Kaufen

Investition in die Digitalstrategie

Von Bankaktien halte ich bekanntlich wenig – und auch an der ­Börse ist es nicht gut um sie bestellt. Weil die Corona-Krise zwangsläufig zu Kreditausfällen führen wird, ­haben viele Geldhäuser in den ­ersten beiden Quartalen den Wert ihrer Kredite nach unten angepasst, was zulasten des Gewinns geht. Die Aktienkurse haben diese ­Entwicklung früh vorweggenommen und zum Markt überdurchschnittlich eingebüsst. Nun hat die Hypothekarbank Lenzburg (Hypi) als erste kotierte Bank ihren Halb­jahres­abschluss vorgelegt. Und ich war etwas überrascht: Der Corona-­Effekt ist überschaubar. Die Werte ihrer eigenen Finanzanlagen hat die Hypi zwar berichtigen müssen. Dass der Gewinn um über 13,5 Prozent tiefer ausfällt, liegt aber auch daran, dass die Bank deutlich kräftiger in ihre Digitalstrategie investiert hat. Wertberichtigungen auf Kredite wegen Corona? Fehlanzeige. Aller­dings rechnet die Hypi für das zweite Halbjahr damit, dass dieser Schritt nötig wird. Den konkurrierenden Retailbanken, für deren Abschluss das Ergebnis der Hypi jeweils als Gradmesser dient, ­dürfte es nicht anders ergehen. ­Dadurch werden Bankaktien nicht attraktiver. Halten

Ravioli und Salate statt Fleisch

In einem schwierigen Markt agiert auch die Bell Food Group. Die Schweizer werden beim Essen anspruchsvoller – so auch ich: Traditionelle Fleischgerichte sind weniger gefragt, stattdessen wollen wir mehr Vegetarisches und Frisches – am liebsten sofort. Der Lebensmittelhersteller erwirtschaftet noch einen Grossteil des Umsatzes mit Fleischprodukten. In den letzten Jahren hat er das Geschäft  mit Ravioli, Salaten und anderen sogenannten Convenience-Produkten aber stetig ausgebaut und dafür kräftig investiert. Davon erhofft sich Bell ein schnelleres Wachstum und vor allem auch attraktivere Margen. Gleichzeitig passt die Gruppe das verbleibende Fleischgeschäft an auf hochwertigere Produkte – insbesondere in hart umkämpften Märkten wie Frankreich und Deutschland. Weniger Wurst, dafür mehr Serranoschinken. Das ist wichtig, denn gerade das Auslandsgeschäft ist nie wirklich auf Touren gekommen. Die Aktio­näre spürten von den positiven Veränderungen bisher wenig. Der Kurs notiert auf dem tiefsten Stand seit fast fünf Jahren – zu Recht. Halten

Weiter schrauben am Erfolg

Die SFS Group stellt Produkte für die verschiedensten Branchen her: Schrauben für die Befestigung von Gebäudefassaden, Komponenten für das ABS in Autos, Knochenschrauben oder winzige Schrauben, die Smartphones zusammenhalten. Dass das Ostschweizer Unternehmen so breit aufgestellt ist, hilft in der aktuellen Krise. Ebenso die Tatsache, dass es über eine hohe Liquidität verfügt. Deshalb erwarte ich, dass SFS als ­Gewinnerin aus der Corona-Pandemie hervorgehen wird. Der Aktienkurs bildet diese Erwartung ­allerdings bereits vollständig ab: Die Titel werden auf Vorkrisenniveau gehandelt. Das ist gerechtfertigt, auch wenn die Folgen von Corona das Unternehmen noch länger als die nächsten sechs ­Monate beschäftigen werden. Aber gibt es noch mehr Raum nach oben? Wer etwas weiter zurückblickt, sieht, dass die Titel 2017 und 2018 zu deutlich höheren ­Kursen gehandelt wurden als heute. Ende 2018 verloren die ­Aktien ­wegen des schlechteren Markt­umfelds in der Auto- und Elektronikindustrie erheblich an Wert. Aufwärtspotenzial gibt es demnach, sobald sich dieses Umfeld verbessert. Halten