Nestlé-Aktien brauchen einen Impuls

Wertvernichter MCH Group +++ Löwenhafte Autoneum +++ BASF hat einiges gutzumachen
Mark Schneider, CEO Nestlé

Vom «geschäftigen Jahr» bei Nestlé, wie es CEO Mark Schneider ankündigte, ist bisher wenig zu spüren. Das wirkt sich auf den Aktienkurs aus. Foto: Yvain Genevay

Regelmässige Leser dieser Kolumne wissen: Ich mag Nestlé-­Aktien, seit ihnen Mark Schneider als ­Konzernchef neues Leben eingehaucht hat. Sein Vorgehen überzeugt mich. Das profitable ­Geschäft mit Tiernahrung und ­Kaffee zum Beispiel wird sukzessive ausgebaut, schlecht laufende Produkte wie etwa Wurstwaren von Herta ­werden verkauft. So ist es Nestlé in den vergangenen knapp drei­einhalb Jahren ­gelungen, sowohl Wachstum als auch Profitabilität zu steigern. Doch seit Anfang 2020 ist es ruhig geblieben. Die Westschweizer ­haben bisher nur kleinere Übernahmen getätigt. Vom «geschäftigen Jahr», wie es Schneider noch im Februar ankündigte, ist bisher wenig zu spüren. Das wirkt sich auf den Aktienkurs aus. Zwar haben die Titel in der Corona-Krise weit weniger gelitten als ­andere. Gegessen wird immer, und im Lockdown kauften viele Menschen gar noch mehr Lebensmittel ein als sonst. Aber seit ein paar ­Wochen stagnieren sie bei knapp über 100 Fr. je Aktie. Dazu bei trägt sicher auch die wieder zunehmende Risikofreudigkeit der Anleger. Doch für Kurssprünge fehlt es Nestlé derzeit an Impulsen. Ich warte deshalb ab. Halten

Anders als Nestlé interessieren mich die Aktien der MCH Group normalerweise nur am Rand. Doch nun sieht es ganz danach aus, als ob der kriselnde Messekonzern wichtige Weichen für die Zukunft stellt und für Anleger möglicherweise wieder attraktiver wird. ­Hintergrund ist ein Teilausstieg der dominierenden Politik, um Platz zu machen für einen neuen, noch unbekannten Investor. ­Zudem soll eine zeitgemässere Corporate Governance eingeführt werden. Die MCH Group ist in den letzten Jahren ins Schlingern geraten. Einerseits weil die ­Nachfrage nach herkömmlichen ­Messen und Events rückläufig ist, andererseits weil sich die Unternehmensführung strategische ­Fehler geleistet hat. Vor drei ­Jahren kosteten die Aktien noch 83 Franken, ­heute sind sie noch 16 Franken wert: eine imposante Wert­vernichtung. Nun sollen frisches Geld und neue ­Köpfe die Perspektive verbessern. Was mir aber nicht gefällt, ist die weiterhin grosse Macht der öffentlichen Hand, die ein Drittel der Aktien behalten möchte. Ich bin gespannt, wer bei dieser eingeschränkten unternehmerischen Freiheit Geld investiert. Ich ­gehöre vorerst nicht dazu. Meiden

Autoneum ist nicht zu beneiden. Die langen Produktionsausfälle der Automobilindustrie haben den Zulieferer zum dümmsten Zeitpunkt getroffen – als er wegen ­Fehlern in den USA bereits geschwächt war. 78 Millionen Franken Verlust kamen deshalb schon 2019 zusammen, der grösste Teil durch Wertberichtigungen. Nun sollen es im ersten Halbjahr aufgrund des Kollapses im Auto­mobilsektor nochmals 60 bis 75 Millionen werden. Für Autoneum sind das enorme Beträge, die auch das Eigenkapital stark ­reduzieren. Doch am Sitz in Winterthur kämpfen sie wie die Löwen, und aus der Aussensicht kämpfen sie gut. Die Liquidität haben sie gesichert, der Turnaround in Nordamerika läuft nach Plan. Vorausgesetzt, Weltwirtschaft und Automobilkonjunktur erholen sich langsam wieder, sei auch eine Kapitalerhöhung kein Thema. Eine solche wäre aus meiner Sicht mit Blick auf die Aktien nicht einmal zwingend negativ; die schwache Bilanz belastet. So oder so sehe ich im Ergebnis wie im Kurs noch viel Steigerungspotenzial. Dass dieses erschlossen wird, ist natürlich unsicher. Anleger nehmen mit Autoneum viel Risiko. Wer es tragen kann, kann sich ein Engagement überlegen. Dosiert kaufen

BASF hat bei den Aktionären auch einiges gutzumachen: Der Kursverlauf der letzten Jahre ­enttäuscht. Der Aktienmarkt insgesamt, aber auch das europäische Chemiesegment hat klar besser ­abgeschnitten. Das Vertrauen ist nach mehreren Gewinnwarnungen lädiert. Dennoch hat sich der Chemiekonzern als zuverlässiger und generöser ­Dividendenzahler einen Namen gemacht. Und für mich ist das nicht das einzige Argument für die Aktien. BASF-Veteran Brudermüller hat im Herbst 2018 als frischgebackener CEO eine neue Strategie vorgestellt. Die Organisation ist neu ausgerichtet, die Verwaltung gestrafft und Vereinfachung zu einem Leitthema ernannt worden. So soll der Riese wendiger, kundendienlicher und besser werden. Wichtige Pfeiler sind ausserdem China und Batteriematerialien. Im asiatischen Land, wo BASF schon lange präsent und gut positioniert ist, stand 2019 für 43 Prozent des globalen Chemiemarktes. Batterie­materialien sind ein neuer, dank Elektromobilität potenziell wachstumsstarker und grosser Markt. Wenn die Massnahmen greifen, Wachstum und Ertragskraft fördern, dann sind die Titel heute günstig und mehr als nur eine ­Dividendenverlockung. Geduld wird aber nötig sein. BASF stösst unter Anlegern aber offenbar auf überdurchschnittlich viele ­Zweifel. Zu Recht? Aus meiner Sicht nicht unbedingt. Dosiert kaufen