So setzen Sie auf Börsentaucher

Im Zuge der Corona-Krise wird es an den Börsen weiterhin Turbulenzen geben. Unser Geldberater erklärt, wie Sie von Kurseinbrüchen profitieren.

Triggerlimite statt Klumpenrisiko: Das Depot sollte für weitere Börsenturbulenzen gerüstet sein. Foto: Keystone

Ich bin mit 3 Millionen Franken vor allem in Schweizer Aktien investiert. Rund 2 Millionen habe ich zusätzlich cash. Ich glaube, dass es in den nächsten Monaten noch einige Rückschläge geben wird. Ich denke an Absicherungen via Puts, ETFs, eventuell TZA Direxion Daily Small Cap Bear 3X Shares oder Produkte auf den Volatility Index (VIX)? Was denken Sie? K.R.

Mit Ihrer starken Aktiengewichtung tragen Sie ein erhebliches Klumpenrisiko – erst recht, wenn ein Grossteil Ihrer Positionen nur auf den Schweizer Aktienmarkt entfällt. Ich müsste Ihnen somit zu mehr Diversifikation auf verschiedene Anlageklassen und auch innerhalb diesen raten.

Doch dass Sie ein Klumpenrisiko eingehen, dürften Sie sich angesichts Ihrer Depotgrösse wohl bewusst sein. Zudem bildet die ebenfalls sehr hohe Cash-Position ein konservatives Gegengewicht zu den Aktien. Allerdings können Sie auf dieser keine Rendite erzielen und verlieren darauf nach Teuerung leicht Geld.

Ich teile Ihre Einschätzung, dass wir aufgrund der Corona-Krise auch künftig starke Turbulenzen an den Finanzmärkten erleben und dass die Aktienbörsen trotz temporärer Erholungen zwischendurch immer wieder mal tauchen werden. Vor diesem Hintergrund kann ich Ihre Frage nach möglichen Absicherungsstrategien gut verstehen.

Eine einfache Möglichkeit, um Verluste zu begrenzen, sind Stop-Loss-Aufträge. Diese Verkaufsaufträge werden dann ausgeführt, wenn ein bezahlter Kurs die Triggerlimite erreicht oder unterschreitet. Wichtig ist, dass Sie dabei eine Limite festlegen.

Absichern können Sie Ihre Positionen auch über Put-Optionen. Diese geben Ihnen das Recht, aber nicht die Pflicht, einen damit verbundenen Wert – etwa eine Einzelaktie oder einen Index – zu einem zuvor festgelegten Preis und Ausübungszeitpunkt zu verkaufen. Der Vorteil: Der Wert Ihrer Put-Option klettert in die Höhe, falls der mit der Option verbundene Basiswert sinkt.

Da Sie mir schreiben, dass Sie mit solchen Instrumenten absolut keine Erfahrung haben, rate ich Ihnen von dieser Absicherungsstrategie ab oder würde sie nur zusammen mit Ihrer Bank in Anspruch nehmen. Kompakte Instrumente, um sich entweder abzusichern oder auf sinkende Märkte zu spekulieren, bieten verschiedene Exchange Traded Funds (ETFs). Ein Beispiel sind die von Ihnen aufgeführten TZA Direxion Daily Small Cap Bear 3X Shares. Diese sind an die Entwicklung des amerikanischen Russell-2000-Index gekoppelt.

Ohne Erfahrung rate ich bei solchen Instrumenten generell zur Zurückhaltung.

Da Sie offenbar vor allem auf Schweizer Blue Chips setzen, scheint mir dieses Instrument nicht optimal. Stattdessen würde ich ein Vehikel nutzen, das an den Swiss-Market-Index, dem die punkto Börsenkapitalisierung 20 grössten Firmen der Schweiz angehören, gekoppelt ist. Ein Beispiel dafür ist der Lyxor SMI Daily (-2x) Inverse UCITS ETF mit Börsenkürzel LYSSL. Dieser börsengehandelte Fonds hat das Ziel, den Referenzindex SMI Daily Short Leverage so genau wie möglich abzubilden.

Der SMI Daily Short Leverage bildet mit Faktor 2 die gehebelte, inverse Performance des SMI ab. Mit einer Gesamtkostenkennziffer (Total Expense Ratio, TER) von 0,6 Prozent können Sie mit relativ geringen Gebühren den gesamten SMI absichern oder eben auf sinkende Märkte spekulieren. In Ihrem Fall würde ich wohl eher ein solches Instrument vorziehen.

Eine weitere Möglichkeit bieten Produkte, die an den Angstbarometer CBOE Volatility Index (VIX) gekoppelt sind. VIX ist ein kurzfristig orientierter Volatilitätsindex, der von der Terminbörse Chicago Board Options Exchange (CBOE) berechnet wird. Sobald der VIX in die Höhe geht, rechnen die Investoren damit, dass die Märkte volatil werden. Steigende Volatilität drückt erhöhte Unsicherheit, Angst und Risiko aus. Auch gibt es ETFs, die den CBOE Volatility Index abbilden.

Alle diese Instrumente sind aus meiner Sicht aber hoch riskant und bedürfen im Umgang einiger Erfahrung. Ohne Erfahrung rate ich bei solchen Instrumenten generell zur Zurückhaltung.

Geringe Risiken sehe ich indes bei Stop-Loss-Aufträgen. Hier riskieren Sie lediglich, dass Ihre Aktien allenfalls doch nicht zu einem optimalen Zeitpunkt verkauft werden und Sie diese dann wieder neu kaufen müssen, weil Sie sonst auf zu viel Bargeld sitzen.