Warum gibt es diese Abweichungen?

An der Börse kommt es in diesen Tagen zu extremen Kursschwankungen. Das hat auch Auswirkungen auf die Exchange Traded Funds (ETFs). Was es damit auf sich hat.

Turbulenzen überall wegen der Corona-Krise: Die Schweizer Börse in Zürich. Foto: Keystone

Mir ist Folgendes aufgefallen: Der SMI ging am Freitag, 13. März von ca. 8300 auf über 9000 und wieder runter auf circa 8360 Punkte. In der gleichen Zeit ist der SMI ETF SMICHA zwar auch rauf und runter wie der SMI, in Prozenten gerechnet aber nie in diesem Umfang. In der gleichen Zeit gingen die anderen zwei ETF SWICHA und SPICHA ziemlich genau in Prozenten hoch und runter wie die Indices, an die sie gekoppelt sind. Warum ist das so? R.M.

Während der dramatischen Kurseinbrüche als Folge der Corona-Krise und angesichts der nach wie vor schwer abschätzbaren Folgen für die Weltwirtschaft und die Unternehmen ist es auch bei den Exchange Traded Funds (ETFs) zu extremen Kursschwankungen gekommen. Viele hatten dieses Risiko vor der Krise wohl etwas unterschätzt.

Ein Index und damit auch der Exchange Traded Fund bietet zwar pro Markt, der abgedeckt wird, eine recht gute Diversifikation. Der ETF macht aber mehr oder weniger eins zu eins die Bewegung des Index mit. Wenn der Basisindex, so wie wir das in der Corona-Krise erleben, mal fünf oder sogar bis zu zehn Prozent in den Keller geht, wie es selbst beim Dow Jones Index, aber auch beim Swiss Market Index an den besonders hektischen Tagen vorkam, ist man auch mit einem ETF, der an solche Indices gekoppelt ist, auf einer Achterbahn.

In der Regel bilden die ETFs einen Index ziemlich genau ab, und diese folgen recht nahe der Indexentwicklung. Gerade in sehr hektischen Zeiten gibt es aber durchaus Abweichungen, wie Sie selbst festgestellt hatten. Ich habe die von Ihnen in der Frage erwähnten ETF-Produkte SMICHA, SWICHA und SPICHA und deren Kursverläufe von der auf ETF spezialisierten Hinder Asset Management prüfen lassen. Deren Spezialisten haben die Tagesbewegungen vom 13. März 2020 der drei ETFs im Detail angeschaut.

Claudine Sydler, Head Portfolio Management bei der Hinder Asset Management, kommt dabei zum Schluss: «Gemäss unserer Analyse auf Bloomberg war die Abweichung des ETFs auf den SMI – also beim Produkt SMICHA – nur bei der Börseneröffnung extrem gross. Die beiden ETFs auf den MSCI Switzerland (SWICHA) und SPI (SPICHA) verzeichneten über den ganzen Tag aber grössere Abweichungen von ihrem jeweiligen Index.»

Der Freitag, 13. März, gehört zu den besonders turbulenten Börsentagen.

Solche Abweichungen sind allerdings nicht ein Einzelfall, sondern kommen immer wieder vor. Der Grund dafür liegt darin, dass diese beiden ETFs ein geringeres Handelsvolumen aufweisen. Claudine Sydler: «Es werden in den Kursgrafiken nur jeweils die bezahlten Kurse dargestellt und nicht die von den Market-Makern gestellten Kurse. Bei weniger liquiden ETFs kann der zuletzt bezahlte Kurs somit stark vom Indexwert abweichen.»

Der von Ihnen angesprochene Freitag, 13. März, gehört zu den besonders turbulenten Börsentagen, als die Kurse wegen der Ängste der Anleger infolge der Corona-Krise steile Berg- und Talfahrten vollzogen. Der SMI stürzte damals schon bei der Eröffnung kurzfristig auf 8300 Punkte ab.

«Diese Bewegung machte der ETF nicht mit, beziehungsweise es wurden keine Trades zu diesen tiefen Kursen ausgeführt», so Claudine Sydler. Solche kurzfristigen, extremen Bewegungen würden von ETFs nicht immer nachvollzogen. «Die Market Maker, die die Kurse der von Ihnen betreuten ETFs stellen, bauen in solch hochvolatilen Zeiten Sicherheitspuffer ein, entsprechend steigen die Spreads – die Geld-und Briefspannen – und somit die Abweichung der bezahlten Preise vom Index.»

Generell sind die Abweichungen und die Geld- und Briefspannen gering. Je einfacher ein Index abzubilden ist, wie dies etwa beim Swiss Market Index der Fall ist, desto geringer fallen auch die Spreads aus. Bei wesentlich breiteren Indices wie dem MSCI Switzerland oder dem SPI sind die Geld- und Briefspannen höher, zumal es aufwendiger ist, den Index nachzubilden.

16 Kommentare zu «Warum gibt es diese Abweichungen?»

  • Rolf Rothacher sagt:

    Das Wichtigste wird im Beitrag ausgelassen. Während Aktien und Obligationen von den Banken auf eigene Rechnung gekauft und verkauft werden, weshalb in jeder Sekunde Dutzende von Abschlüssen zu stande kommen, kauft keine Bank der Welt auf eigene Rechnung. Die sind ja nicht so blöd wie ihre Kunden, die glauben, mit ETF’s hätten sie mehr Sicherheit gekauft.

  • Max Blatter sagt:

    Warum es solche Kursschwankungen gibt?
    Als jemand, der zwar die Vorzüge der Freien Marktwirtschaft anerkennt und genießt, mit dem Kapitalismus und den Aktienmärkten aber nicht das Geringste am Hut hat, habe ich darauf eine einfache Antwort: Weil die Teilnehmerinnen und Teilnehmer eben dieser Aktienmärkte sich extrem schreckhaft und irrational verhalten!

  • Johnny sagt:

    Bieten sich an der Börse endlich paradiesische Kurse kann der potentielle ETF-Käufer daran nicht teilhaben…
    Auch bei diesen Schönwetter-Produkten verdient garantiert immer nur einer.
    Die Bank.
    Finger weg
    Wenn Börse dann aber richtig mit Einzelwerten und allem drum und dran.

    • Panja Flöte sagt:

      Einfach nur falsch. Einzelwerte bergen viel zu grosse Risiken für unerfahrene Anleger. Diversifikation ist das „Geheimrezept“.

    • Pascal sagt:

      Entschuldigen Sie, aber ich glaube, Sie haben den Artikel nicht ganz verstanden. Worum es im Artikel geht ist, angenommen die angebotenen Preise einer Aktie (egal ob ETF oder nicht) schwanken 10% an einem Tag. Wenn niemand die Aktie zum höchsten oder tiefsten Preis handelt, dann zeigt das Preis Chart eine kleinere Preisspanne an, da Preis-Charts nur die effektiv gehandelten Preise berücksichtigen. Das heisst aber nicht, dass deshalb die Aktie nicht zum höchsten oder tiefsten Preis hätte gehandelt werden können. Das ist übrigens bei allen Aktien so, nur fällt es bei ETFs mehr auf da man eben einen Index zum Vergleich hat und weil viele ETFs nur geringe Handelsvolumen haben.

  • Oil of Olaf sagt:

    Immer wieder erstaunlich wie wenig die TA Börseler von Börse verstehen, geschweige sich irgendwas zusammen dichten ohne Fakten Einsicht zu nehmen.

    Die grossen Kursschwankungen kommen einzig und allein aus dem Fehlen der gewohnten Anzahl Marktteilnehmer. Wenn Wenige Angebote und Nachfrage darstellen, sind eben flotte teilweise eher als irrational zu betrachtende Kurse drin.

    Glaube zwar nicht, dass es geklingelt hat, aber bemuttern musste ich Euch nun einfach auch. ?

    • Johnny sagt:

      Wie?
      Die Gründe für nicht gestellte/schlechte Kurse interessieren doch keinen.
      Fakt ist: will ich von der immensen Volatilität mal via ETF profitieren ist es mir nicht möglich.
      Oder darf ich einen ETF nur kaufen wenn es der Bank genehm ist?

      • Oil of Olaf sagt:

        @Johnny
        Hä?
        ETF’s sind wie geschaffen für Leute aus dem ersten Teil meines oberen Kommentars.
        Zum ausserbörslichen Handel gehört schon ein gewisses Know How und Netzwerk Erfahrung.
        Verstehe das Bank taub wird wenn Du am Schalter die Hände verwirfst.

  • Anh Toàn sagt:

    Wie bei jedem Investment, ist auch bei ETF’s der Ausstieg zu bedenken: Ich würde bei ETF’s immer darauf achten, dass ausreichend Marktliquidität besteht, vermutlich gilt dies anzahlmässig nur für ganz wenige ETF’s.

    Diesem Beitrag entnehme ich ein grundsätzliches Problem von ETFs, ich würde sogar sagen Dilemma: Der Vorteil gegenüber anderen passiven Fonds liegt in der Handelbarkeit, wenn die aber mangels Marktliquidität gar nicht gut handelbar sind, wo liegt dann noch deren Vorteil? Was hier beschrieben wird, stört einen langfristig orientierten Anleger nicht wirklich, aber warum sollte ein solcher überhaupt ETF’s kaufen? Sind die Gebühren günstiger als bei anderen passiven Fonds auf 10 Jahre gehalten? Wenn ja, warum?

    • Peter Rohner sagt:

      Bei allen börsengehandelten Titeln (Aktien, ETFs, Warrants etc.) gibt es sog. Marketmaker, die jederzeit einen Kauf- und Verkaufskurs stellen (= Geld- und Briefkurs). Bei volatilem Markt wird die Preisspanne (= Spread) zwischen Kauf- und Verkaufskurs grösser, bei ruhigem Markt kleiner (das alles hat Martin Spieler bereits erwähnt).

      Wichtig ist immer, dass man beim Kauf und Verkauf von Wertpapieren (inkl. ETFs) mit Limiten arbeitet und nie „bestens“ kauft bzw. verkauft, um zu vermeiden, dass man über den Tisch gezogen wird.

      Passive Fonds werden von den Banken 1x täglich gehandelt. Ausgabenaufschlag und Rüchnahmegebühren sind üblich. Der Käufer und Verkäufer muss die Preise nehmen, die von den Banken vorgegeben werden und hat null Einfluss.

      • Anh Toàn sagt:

        Wer ist der Marketmaker für
        Nestle? Nestle selber? Warum soll es ein anderer (Bank) tun? Was hätte der davon?

      • Oil of Olaf sagt:

        @Anh Toan
        Wie kommst Du darauf, dass Nestle besonders gepusht werden muss?
        Was verstehst Du unter Marketmaker?
        Der Markt sind grundsätzlich wir alle.
        Nahrungsmittel insbesondere die Grosskonzerne sind so krisenfest, da mag nur noch Pharma und Biotech knapp mithalten und verkaufen tun sich solche Papiere beinahe allein. Zudem sind es meist langweilige teure Werte mit allenfalls etwas höheren Dividenden Aktienrückkauf Programme der Konzerne sind stützende Kurspflege. Ansonsten gibt es wenig weiteren Bedarf derer die Mehrheiten noch mehr auszubauen.

      • Anh Toàn sagt:

        Der Herr Rohner hat gesagt, alle, insbesondere auch Aktien brauchen eine Marketmaker. Ich halte dies für Nonsense. Marketmaker gibt’s für von Banken (evtl & Co) herausgegebenen Wertpapieren, insbesondere bei Optionen und ETF’s: Aber wenn etwas einen Marketmaker braucht, traue ich dem nicht, denn wie Sie sagen, der Markt sind wir alle, aber wenn nur wenige von uns diesen ETF haben, ist halt kein eigentlicher Markt, und dann befürchte ich, schutzlos dem Marketmaker ausgeliefert zu sein. Wird’s ruppig, stellt der ganz vorsichtige Kurse für ihn, also miese für mich.

  • Oil of Olaf sagt:

    Also ETF’s sind mir zu 0815 in jeder Hinsicht als Anlage.
    Im Prinzip sind die Aktienanlage im Auge und Sinn zu behalten, von denen unser unterbezahlter Guru Martin Spieler davon abraten tut im Moment.

    Keine Ahnung ob Ihr Euch antizyklisches Verhalten als Erfolgsrezept für mittel- bis langfristige Anlagen schon zu Gemüte geführt und umgesetzt habt.

    Salopp ausgedrückt: Achte die Herden und Unternehmen und platziere Deine Orders so, dass die Herden den besonders erfolgreichen Gewinn bringen.

    Know risk, know dynamics, know buisness, know people.

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