Wie eine App die Vorsorge revolutioniert

Unser Geldberater ist überzeugt, dass die ZKB-Vorsorge-App Frankly den 3.-Säule-Markt kräftig aufmischen wird.

Über neue Apps kann die Entwicklung von Vorsorgefonds täglich verfolgt werden. Foto: Getty Images

Ich habe gelesen, dass die 3.-Säule-Gebühren bei der CS einiges höher sind als bei der ZKB. Bei der CS habe ich einen Teil des Geldes in Fonds angelegt. Ist es von grossem Nachteil wegen Gebühren und Verkauf der Aktien, wenn ich das Geld nun dort herausnehme und ein neues Depot bei der ZKB anlege? W. H.

Wenn Sie Ihre bisherigen Vorsorgefonds bei der CS verkaufen, realisieren Sie die Buchverluste, die Sie auf diesen aufgrund des Corona-Crashs der letzten Wochen erlitten haben. Je nach Aktienanteil in Ihren bisherigen Fonds dürften die Buchverluste mehr oder weniger stark ausfallen. Auch andere Anlageklassen haben allerdings nachgegeben, sodass die Fonds trotz breiter Diversifikation deutlich tiefer notieren als noch vor zwei Monaten.

Falls Sie nach einem Verkauf und einem Wechsel gleich wieder in Vorsorgefonds investieren und nicht eine spätere Erholung abwarten, dürften sich die effektive Kursverluste für Sie in engen Grenzen halten. Denn Sie verkaufen auf tiefem Niveau, würden aber die neuen Fonds auch auf tiefem Niveau erwerben.

Wichtiger ist meines Erachtens der Langzeiteffekt bei den Gebühren. Indem Sie bei der ZKB zur kürzlich lancierten neuen Vorsorge-App Frankly wechseln, bezahlen Sie weniger Gebühren. Diese digitale Lösung verrechnet nämlich lediglich eine All-in-Fee von 0,48 Prozent. Dabei sind alle Kosten inbegriffen, und es spielt keine Rolle, ob Sie aktiv geführte Anlagefonds nutzen, die üblicherweise klar teurer sind, oder passiv geführte Instrumente, die an einen Index gekoppelt sind und entsprechend günstiger sind. Mit der All-in-Fee fahren Sie deutlich billiger als bei Ihrer 3.-Säule-Lösung bei der CS.

Tiefere Gebühren haben den Pluspunkt, dass Ihre Rendite unter dem Strich höher ausfällt, denn hohe Gebühren schmälern die Rendite. Weil Gebühren nicht einmalig anfallen, sondern jedes Jahr, macht ein Gebührenunterschied über viele Jahre hinweg einiges aus. Der Zinseszinseffekt sorgt dafür, dass man dank weniger Gebühren nach zehn oder zwanzig Jahren mehr auf der hohen Kante hat. Nachteilig ist, dass Ihnen bei einem Verkauf Ihrer bisherigen Fonds bei der CS Gebühren belastet werden.

Potential zum Branchenwandler: Die neue App Frankly der Zürcher Kantonalbank. Foto: ZKB

Immerhin: Gemäss Werbeinseraten verspricht die ZKB, dass die Kosten des Transfers einer bisherigen Säule 3a von der Bank übernommen werden. Die App ist selbst für wenig Technikaffine einfach zu installieren und zu nutzen, und Sie können anhand von fünf verschiedenen Risikostufen unkompliziert passende Vorsorgefonds auswählen.

Über die App haben Sie auch Transparenz und können die Entwicklung ihrer Vorsorgefonds täglich verfolgen, was Sie allerdings nicht dazu verleiten sollte, bei weiteren Marktturbulenzen aus Nervosität gleich wieder zu verkaufen.

Denn investieren in Vorsorgefonds sollte man generell nur, wenn man einen langen Anlagehorizont von zehn oder mehr Jahren hat und bereit und in der Lage ist, die stärkeren Kursschwankungen zu tragen, die mit Wertschriften wie Fonds immer verbunden sind. Dafür haben Sie bei einer Wertschriftenlösung auf lange Sicht deutlich höhere Renditechancen, als wenn Sie das Geld einfach auf dem Säule-3a-Konto liegen lassen.

Nach der Lancierung der Vorsorge-App Frankly durch die ZKB bin ich überzeugt, dass der 3.-Säule-Markt in Bewegung kommt. Die attraktive All-in-Fee von Frankly dürfte Konkurrenten zwingen, ihre Gebühren ebenfalls zu überprüfen und zu senken, was im Interesse aller Vorsorgesparer ist, da einige Anbieter bislang völlig übertriebene und aus meiner Sicht nicht gerechtfertigt hohe Gebühren verrechneten und die Säule 3a für sich nutzten, um kräftig abzusahnen.