Setzen Sie nicht alles auf eine Karte!

Anleger sollten in verschiedene Fonds investieren – und nur so viel Risiken eingehen, wie sie wirklich tragen können.

All das kostet im Leben: Deshalb sollte man auch die Finanzen diversifizieren. Foto: iStock

Wir sind pensioniert, wohnen günstig in einer Eigentumswohnung mit niedriger Hypothek. Unser Vermögen benötigen wir nur für grössere Reisen oder Renovationen. Nach dem Verkauf unserer Ferienwohnung betragen unsere liquiden Mittel 400’000 Franken. Daneben haben wir jahrzehntelang investiert im UBS (Lux) Strategy Fund Yield (CHF) P, ungefähr 200’000 Franken. Und neuerdings für 30’000 Franken in einem konservativen Fonds der Postfinance, um Gebühren zu umgehen. Wäre eine Investition in die Sokrates-Fonds der Globalance Bank eine Alternative? U.R.

Der von Ihnen gehaltene UBS Strategy Yield (CHF) P ist ein aktiv verwalteter Fonds, der die Anlagestrategie der UBS umsetzt und weltweit breit diversifiziert in verschiedene Anlageklassen wie Aktien und Anleihen investiert. Er eignet sich für eher konservative Investoren, die an Zins- und Dividendeneinnahmen interessiert sind, aber in beschränktem Umfang auch bereit sind, Risiken und Kursschwankungen einzugehen, um das höhere Ertragspotenzial von Aktien zu nutzen.

Zu den grössten Positionen des Fonds zählen die bekannten Schweizer Blue Chips wie Nestlé, Roche, Novartis, Zurich, Richemont und Swiss Re, aber auch Microsoft, CS oder UBS. Bei den Anleihen gehören der US-Staat, Deutschland, die Europäische Investitionsbank, die Pfandbriefbank schweizerischer Hypothekarinstitute sowie die Pfandbriefzentrale der schweizerischen Kantonalbanken zu den grössten Schuldnern.

Obwohl der Fonds selbst eine breite Diversifizierung bietet, gehen Sie ein Klumpenrisiko ein.

Trotz breiter Diversifikation ist es im Zuge des Corona-Crashs auch bei diesem Vehikel zu erheblichen Buchverlusten gekommen. Der Fonds ist aber robust aufgestellt, hat sich in den letzten Jahren mehrheitlich gut geschlagen, ist aber nicht günstig. Dem Fonds wird eine Verwaltungsgebühr von 1,15 Prozent pro Jahr verrechnet. Die laufenden Kosten betragen 1,52 Prozent. Das ist Geld, das von Ihrer Rendite weggeht.

Aus meiner Sicht gewichten Sie mit einem Engagement von 200’000 Franken diesen Fonds in Ihrem Depot zu stark. Obwohl der Fonds selbst eine breite Diversifizierung bietet, gehen Sie meines Erachtens ein Klumpenrisiko ein. Wenn der Fonds schlecht läuft, sind Sie diesem voll ausgesetzt.

Daher würde ich sicher nicht noch zusätzliches Geld in genau diesen einen Fonds einschiessen, sondern generell auf mehr verschiedene Fonds auch von anderen Anbietern wie Swisscanto, CS, Pictet, Vontobel oder eben den von Ihnen angesprochenen Sokrates-Fonds der Globalance Bank diversifizieren. Dieses Anlagevehikel setzt ähnlich wie Ihr UBS-Fonds die Hausstrategie der kleinen Globalance Bank um, legt aber hohen Wert auf Nachhaltigkeit und soziale und ökologische Aspekte.

Er weist gemäss Bankangaben einen «positiven Footprint» auf, setzt auf langfristig nachhaltige, zukunftsorientierte Megatrends und liefert einen eigenen Footprint-Report zur Wirkung der getätigten Anlagen in Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt.

Punkto Gebühren ist der Fonds günstiger als der UBS-Fonds und belastet jährliche Management- und Vertriebsgebühren von 0,8 Prozent. Der Fonds investiert BVV2-konform und kann daher auch für die Anlage von Vorsorgevermögen eingesetzt werden, was in Ihrem Fall aber keine Rolle spielt.

Rund 42 Prozent des Kapitals legt der Fonds in Aktien, 32 Prozent in Obligationen, 10 Prozent in tief korrelierte Anlagen, 9,3 Prozent in Absicherung mit Aktien und Futures, 6,7 Prozent in Realwerte und 2,2 Prozent in Liquidität an. Damit ist der Fonds bisher recht gut gefahren und durchaus eine Alternative zum UBS-Fonds.

Auch da kam es im Zuge des Corona-Crashs zu starken Buchverlusten, und Sie müssen weiter mit erhöhten Kursschwankungen und Buchverlusten rechnen, falls es an den Finanzmärkten noch lange turbulent zu- und hergeht.

Allerdings würde ich auch nicht zu viel Geld nur allein in diesen Fonds investieren, sondern auch bei der Fondsauswahl auf eine breite Diversifikation achten, nicht zu hohe Beträge nur auf eine Karte setzen und nur so viel Risiken eingehen, wie Sie wirklich tragen können.

7 Kommentare zu «Setzen Sie nicht alles auf eine Karte!»

  • Anh Toàn sagt:

    Warum soll man in den Aktiven Anleihen haben (Diversifikation), wenn man Schulden (Hypotheken) hat? Das macht keinen Sinn, ohne grosse Risiken (Junk Bonds oder Hochzinswährungen) kann man die Hypozinsen die man zahlt nicht mit Zinsanlagen schlagen:

    Eine Hypo behalten und in Wertschriften anlegen macht nur Sinn, wenn auf die Wertschriften mehr Ertrag zu erwarten ist, idealerweise mit Steuervorteil, also mit Aktien und Kursgewinnen, nicht mit Zinsen: Ob die individuelle Risikofähigkeit dies empfiehlt, hängt vor allem vom Alter ab, die meisten mit entsprechend grossem Vermögen sind zu alt dafür.

    Entweder Hypo in den Passiven und Aktien oder Immobilien in den Aktiven oder keine Hypo, aber nie Hypo in den Passiven und Zinsanlagen in den Aktiven: daran verdient nur die Bank.

    • Anh Toàn sagt:

      Ich vereinfache es jetzt noch, damit auch einfache Gemüter es nachvollziehen können:

      Wer Kredit aufnimmt (Hypo hat) um das Geld jemandem zu leihen (Zinsanlagen kauft), ist doof! (Der Grund für die Dummheit kann Verliebtheit, Emotionen sein, wenn man es seinen Nächsten leiht, dann ist es nicht wirklich doof, leiht man es einer Kapitalgesellschaft, einem fremden Staat oder so, ist es absolut bescheuert oder hochgradig spekulativ. (Carry Trade)

  • Paul Müller sagt:

    Wenn ich je in einen ETF MSCI World plus MSCI Emerging Markets investiere, bin ich doch aktientechnisch maximal diversifiziert. 1.) Was spricht dagegen, mein ganzes Aktieninvestment in diese zu stecken? 2) Gibt es da nebst dem Kursrisiko (und ggf. Währungsrisiko?) weitere Risiken, die ich bei direkten Aktieninvestments nicht hätte?
    3) wie gefährlich sind synthetische Replikation Wertpapierleihe für den Anleger?

    • Peter Maurer sagt:

      Bei synthetitschen ETFs haben Sie zusätzlich das Risiko, dass Sie Ihr Geld verlieren falls der Emitent zahlungsunfähig wird. Auf der anderen Seite bieten synthetische ETF bisweilen niedrigere Gebühren, da sie keine zugrundeliegenden Wertpapiere handeln müssen.

    • Zufferey Marcel sagt:

      Bei der synthetischen Replikation besteht via Swaps / Security Lending ein Gegenparteienrisiko. Was das bedeuten kann, hat man nach der Lehman-Pleite gut beobachten können. Also im Termsheet des ETF immer auch noch die jeweilige(n) Gegenparteie(n) überprüfen! Synthetisch replizierte ETF werden a) meist für eher kleine- und tendentiell illiquide Nischenmärkte (z. B. Türkei, Brasilien, Saudiarabien)- oder b) für Rohstoffindizes, die nur über entsprechende Futures gehandelt werden können, emittiert.

  • Marcel Zufferey sagt:

    Cash ist zur Zeit auch eine gute Option! Wer genug Gewinn gemacht hat in letzter Zeit- und diese optimalerweise auch schon vor Wochen komplett realisiert hat, darf sich ruhig einmal ein Weilchen auf seinen Lorbeeren ausruhen und den Lockdown (sowie die Ausgangssperre, je nach Domizil) dazu nutzen, die gegenwärtige Ausnahmesituation an den Märkten eingehendst (!) zu analysieren: Wir schreiben schliesslich gerade Wirtschaftsgeschichte und die Chicagoer Schule wird jetzt voraussichtlich endlich! und endgültig! zu Grabe getragen: Das sollte man gebührend feiern!

  • Markus Zumkeller sagt:

    Beim aktuellen Zinsumfeld sollte man generell in keine Fonds mit Obligationen investieren, sondern entsprechend der eigenen Risikoneigung nur in reine Aktienfonds. Bei obigem Beispiel mit 200 000 CHF im UBS SF Yield (ca. 25 % Aktienanteil) würde man somit gescheiter lediglich 50 000 CHF in einen Aktienfonds investieren und die restlichen 150 000 CHF dann eben zinslos auf dem Konto liegen lassen. Denn keine Obligation bietet z.Zt. eine Rendite, welche höher ist als die Fondsgebühren zuzüglich der Depotgebühren. Nicht einmal bei allfälligem Negativzins. Zusätzlich ist eine negative Kursentwicklung dieser Obligationen bei einmal wieder steigenden Zinsen vorprogrammiert.

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