Dufry könnte noch länger leiden

Dutyfree-Shop von Dufry im Flughafen: Die Aktien des Retailers sind 70 Prozent günstiger als zu Jahresbeginn. Foto: Thomas White/Reuters

Wer auf riskante Wetten steht, schaut sich nun Dufry an. Die Aktien des Airport-Retailers sind die Corona-Opfer schlechthin. Sie sind mittlerweile 70 Prozent günstiger als zu Jahresbeginn. Letztmals weniger als 30 Franken kosteten sie gleich nach Ausbruch der Finanzkrise. Anders als die meisten Titel leiden Dufry-Papiere nicht nur aufgrund der miserablen Marktstimmung, sondern weil sich die Folgen der Corona-Pandemie bereits in der Geschäftsentwicklung niederschlagen. Im Februar ging die organische Umsatzentwicklung um 7,3 Prozent zurück. Mit jeder weiteren Reiseblockade brechen Einnahmen weg, und ein Ende ist nicht in Sicht. Ich erachte das Unternehmen dennoch als genügend robust, um die kommenden Monate zu überstehen. Die Basler verfügen über liquide Mittel in der Höhe von einer halben Milliarde Franken. Im Winter 2008 stürzten die Dufry-Aktien auf 16 Franken ab, gleichzeitig waren deutlich weniger Flugpassagiere unterwegs. Vieles spricht dafür, dass die Reise­freude nun noch mehr leiden wird. Ich würde deshalb einen neuer­lichen Kursrückgang auf dieses Allzeittief nicht ausschliessen. Abwarten

40 Millionen Franken Verlust

Die Gewinn- beziehungsweise Verlustrechnung von Meyer Burger zum vergangenen Jahr wird schon weit oben rot. Einkommen minus Ausgaben, das ergibt einen Fehlbetrag von 13 Millionen Franken, unter dem Strich resultieren 40 Millionen Franken Verlust. Trotz Verkäufen mehrerer Geschäftseinheiten und des Haupt­gebäudes in Thun schmolzen die flüssigen Mittel um 53 Millionen Franken. Es bleiben noch 36 Millionen in der Kasse, um den laufenden Betrieb zu finanzieren. Wie lange das noch reicht, will Finanzchef Manfred Häner nicht sagen. In den kommenden drei Monaten erwarte Meyer Burger von der Kundin REC für eine längst erfolgte ­Bestellung 30 Millionen Franken. Doch es sei klar, dass weitere Aufträge reinkommen müssten, zumal im September eine Anleihe fällig wird, von der noch 27 Millionen Franken ausstehend sind. Die Prüfgesellschaft PWC schreibt in ihrem Bericht zum Jahresergebnis von erheblicher Unsicherheit bezüglich der Fähigkeit der Solarzulieferin, das Geschäft fortzuführen. Der Chef Hans Brändle und der Präsident Remo Lütolf verlassen das Schiff. Das sollten Sie auch tun. Verkaufen

Doppelt so viel Risikokapital wie gefordert

Der Versicherer Baloise präsentierte vergangene Woche gute Geschäftszahlen: mehr Kunden, grösseres Geschäftsvolumen, höhere Dividende. Doch viele Investoren ängstigen sich wegen möglicher Belastungen durch die Corona-­Krise. Das Management schätzt, dass deswegen Kosten im niedrigen zweistelligen Millionenbetrag anfallen könnten. Nicht verlässlich einstufen lässt sich die Gefahr, dass wegen der Börsenkorrektur ein Teil der rund 60 Milliarden Franken Konzerninvestments zur Jahresmitte oder Ende 2020 wertberichtigt werden müssen. Immerhin ist Baloise kapitalkräftig. Der Konzern hielt zu Beginn dieses Jahres rund doppelt so viel Risiko­kapital, wie gemäss dem Solvenztest der Finanzmarktaufsicht minimal verlangt ist. Ergänzend zu den traditionellen Aktivitäten verbreitert das Management den Onlineabsatz von Fahrzeugversicherungen und Deckungen für wertvolle Gegenstände wie Uhren oder Kommunikationselektronik. Diese innovative Geschäftsstrategie und die soliden Fundamental­werte des Konzerns machen die Aktien bei einer Beruhigung der Börsenlage kaufenswert. Kaufen

Keine nützliche Rolle

Die Kryptowährung Bitcoin ist unter starkem Druck: Mit einem Preis von 5600 Dollar kostet sie so wenig wie im Mai 2019 – zeitweise wurde sie um 4000 Dollar gehandelt. Die Währung ist hoch volatil: Im Februar notierte der Preis noch über 10’000 Dollar. Alle, die geglaubt haben, dass Kryptowährungen sich vom Verlauf der Börsen abkoppeln können, werden eines Besseren belehrt. Denn wenn die Liquidität austrocknet und Anleger nur noch Cash halten wollen, werden auch Bitcoins abgestossen. Nach einem Kursrutsch gibt es an den Aktienmärkten oft Einstiegsmöglichkeiten. Aber während man bei Aktien langfristig darauf hoffen darf, dass sie mit ihrem fairen Wert gehandelt werden, ist das bei Bitcoin kein Versprechen, sondern eine Drohung, denn die Kryptowährung spielt keine nützliche Rolle. Nur ganz vereinzelt wird sie als Zahlungsmittel verwendet. Zur Wertaufbewahrung ist sie wegen ihrer Volatilität völlig ungeeignet. Der faire Wert tendiert gegen null. Steigt der Wert doch, gründet das auf reiner Spekulation. Meiden

Profiteur der Corona-Krise

Die Aktien von IVF Hartmann haben in der letzten Woche 10 Prozent verloren. Aber immer noch notieren sie höher als zu Jahres­beginn, was nicht mehr auf viele Titel zutrifft. Die überdurchschnittliche Performance 2020 hat zwei Gründe. Zum einen been­deten die zwischenzeitlichen Kursgewinne eine dreijährige Baisse. Zum andern gehen Investoren davon aus, dass das Unternehmen in Neuhausen am Rheinfall von der Corona-Krise profitiert. Etwa 38 Prozent des Umsatzes werden im Geschäft mit der Infektionskontrolle erwirtschaftet. In der Tat ist die Nachfrage nach Desinfektionsmitteln seit Januar derart in die Höhe geschnellt, dass IVF Hartmann teilweise mit der Produktion nicht mehr nachkommt. Doch die Beschaffung von Rohmaterial und medizinischen Bedarfsartikeln ist schwieriger geworden. Zudem machen der Schweizer Tochter des deutschen Hartmann-Konzerns die neuen Steuerregeln der OECD zu schaffen. Per Saldo belasten sie die Ertragslage. Über alles gesehen, sind mir die Aktien mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 32 zu teuer. Meiden

 

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