Wie sicher sind Anlagefonds?

Das in Fonds deponierte Geld gilt als Sondervermögen. Geht die Fondsfirma in Konkurs, ist man dadurch gut geschützt.

Kursverluste muss man verkraften können, vor einem Konkurs des Fondsherausgebers braucht man sich jedoch nicht zu fürchten. Foto: iStock

Die Bank rät mir immer wieder, in Anlagefonds zu investieren. Doch ich bin konservativ. Welchen Schutz habe ich, wenn mit dem Fonds etwas grob schiefgeht? Y.M.

Anlagefonds haben den grossen Pluspunkt, dass man auch mit kleinen Beträgen breit diversifiziert in verschiedene Anlageklassen wie Aktien, Obligationen, Immobilien oder Rohstoffe investieren kann. Man geht so kein Klumpenrisiko ein und profitiert etwa bei einem aktiv verwalteten Fonds von der Expertise der Fondsleitung. Dafür bezahlt man Gebühren.

Eine Garantie auf Erfolg bekommen Sie dennoch nicht. Eine breite Diversifikation senkt zwar Ihre Risiken, schützt Sie aber nicht zwingend vor Buchverlusten. Wenn Sie, so wie es Ihnen Ihre Bank empfiehlt, Anteile von Anlagefonds erwerben, tragen Sie in erster Linie das Anlagerisiko. Je nach Strategie und genutzten Anlageklassen ist das mehr oder weniger gross.

Wenn Sie einen Fonds mit einer konservativen Strategie kaufen, halten sich die Kursschwankungen in der Regel in Grenzen. Eine Garantie, keine Buchverluste einzufahren, haben sie selbst bei solchen konservativen Vehikeln nicht.

Ich habe den Eindruck, Ihre Frage zielt nicht nur auf das eigentliche Anlagerisiko, sondern auch auf die Sicherheit von Fonds, wenn diese in Schieflage geraten. Hier kann ich Sie beruhigen: Das in Fonds deponierte Vermögen gilt als sogenanntes Sondervermögen. Das bedeutet, dass Sie als Anleger in den Genuss eines erhöhten Schutzes kommen und im Falle eines Zusammenbruchs der Fondsfirma besser geschützt sind.

Damit die Anleger nicht zu Schaden kommen, sind diese Vehikel, aber auch die Firmen, die Fonds führen, durch die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (Finma) sowie durch gesetzliche Vorschriften eng überwacht.

Die Grundlage für den Anlegerschutz bietet neben der Finanzmarktaufsicht das Bundesgesetz über die kollektiven Kapitalanlagen (KAG). Ein Anlagefonds und die in die Fondsleitung und Wertschriftenverwahrung involvierten Gesellschaften brauchen in der Schweiz eine Zulassung durch die Finma.

Gesetzlich geregelt ist auch, dass Sie jederzeit wieder aus dem Fonds aussteigen können. Das Gesetz schreibt vor, dass die Fondsfirmen Anteile zurückkaufen müssen. Da der Wert der Fondsanteile schwankt, kann es dennoch zu Verlusten kommen. Immerhin können Sie aber verkaufen. Zudem müssen Fonds transparent sein und wichtige Anlegerinformationen zur Strategie, den wichtigsten Positionen, der Entwicklung, Kennzahlen und Gebühren mittels eines Factsheets und des Kundeninformationsdokuments den Investoren zugänglich machen.

Sollte dennoch bei einem Fonds etwas grob schiefgehen, wie Sie schreiben, und dieser in Schräglage geraten, sorgt die Tatsache, dass das im Fonds parkierte Geld als Sondervermögen gilt, dafür, dass Sie als Anleger vom Zusammenbruch der Fondsfirma nicht betroffen sind. Das Fondsvermögen wird im Konkursfall zugunsten der Anleger rechtlich abgesondert und fällt damit nicht in die Konkursmasse.

Die Finanzmarktaufsicht Finma weist darauf hin, dass die Vermögenswerte eines Fonds bei einer Depotbank strikt vom restlichen Vermögen zu trennen sind: «Im Konkurs einer Fondsleitung wird das sich im Anlagefonds befindliche Vermögen vom Konkursverfahren abgesondert und den Anlegern ausbezahlt. Die Anleger erhalten hier eine Vorzugsstellung gegenüber den übrigen Gläubigern.»

Das Konkursrisiko stufe ich daher bei Fonds als sehr gering ein. Je nach Strategie bleibt aber das eigentliche Anlagerisiko gross. Doch dieses können Sie durch die Wahl der Fonds und deren Strategie selber massgeblich reduzieren.

13 Kommentare zu «Wie sicher sind Anlagefonds?»

  • Christoph sagt:

    Nicht vergessen: unter Umständen kann ein Fonds geschlossen werden und man wartet dann auf sein Geld

    • Panja Flöte sagt:

      Bei der Fondsschliessung werden die Fondsanteile rasch ausbezahlt (sollte innert weniger Tage passiert sein). Eine Fondsschliessung wird angekündigt (ca. 30 Tage vorher), man kann also schon vor der Schliessung verkaufen (muss man aber nicht). Das gilt für offene Fonds (= normal) und ETFs. Geschlossene und seltsam anmutende Fonds einfach gar nicht kaufen. Wenn man nicht schnell an sein Geld rankommen kann, ist da sowieso was faul.

      • fredy berger sagt:

        Ich warte sei ca. 5-6 Jahren auf die Rückzahlung aus dem geschlossenen CS Euroreal Immobilienfonds welcher liquidiert wird. Die Immobilien werden seit Jahren Stück für Stück verschachert und hin und wieder erhalte ich einen Teilbetrag ausbezahlt. Wie die Veräusserungen vorgenommen werden ist völlig unklar. Hinzu kommt noch, dass Immobilien in den letzten 6 Jahren erheblich an Wert gewonnen haben. Als Fondanleger hat man hier nur verloren.
        Diese schlechte Erfahrung mit einem bankeigenen Fond hat mich dazu veranlasst nie wieder einen Bankenfond zu kaufen und nur noch in ETF’s zu investieren.

  • Panja Flöte sagt:

    Mit einem Fonds kann nichts „grob schiefgehen“. Ein Fonds kann massiv an Wert verlieren, aber er geht nicht in Konkurs. Bei der Firma, die den Fonds herausgibt, kann aber alles „grob schiefgehen“. Dennoch ist der Fonds (oder ETF) sicher, da Sondervermögen, da kein Bestandteil der Konkursmasse. Dasselbe gilt übrigens auch für das Aktiendepot oder das Schliessfach eines Anlegers.

    Probleme kann es nur mit Zertifikaten oder strukturierten Produkten geben. Geht da der Emittent (Herausgeber) vor die Hunde, zieht er auch diese Wertpapiere in den Abgrund. Der Anleger verliert sein schönes Geld (passierte z.B. 2008 bei der Lehman-Brothers-Pleite).

    Fonds (inkl. ETFs) sind sehr sicher.

    • Andreas sagt:

      Sind wirklich alle ETFs sicher? Auch die synthetisch replizierenden ETFs?

      • Peter Rohner sagt:

        Auch ein synthetischer ETF (= Swap-basierter ETF) enthält Aktien, oft aber nicht diejenigen des abzubildenden Index’ (z.B. kann ein synthetischer World-ETF nur die Aktien vom SPI enthalten). Mit einem Swap wird dann die Differenz zwischen World und SPI geregelt (der Kurs-Unterschiede darf höchstens 10% betragen, spätestens dann muss ein Ausgleich erfolgen). Somit besteht höchstens das Risiko eines Verlustes von 10% des ETF-Wertes, was aber durch diverse verlangte Sicherheiten weiter reduziert wird.

        Gutes YouTube-Video hier:
        https://youtu.be/2jpfBv-gQ4o

    • Rolf Rothacher sagt:

      Bei Fonds oder ETFs von „sicher“ zu schreiben, ist höchst fragwürdig. „Sicher“ sind zur zwei Dinge. Gewinne werden zwischen Verwaltung und Anleger geteilt. Verluste trägt einzig der Anleger und zwar zu 100%.

      • Panja Flöte sagt:

        Fonds, ETFs … „sicher“ im Sinne von verlustfrei sind sie natürlich nicht, da sie Aktien, Immobilien, Obligationen, Rohstoffe etc. enthalten, die natürlich auch nicht „sicher“ im Sinne von verlustfrei sind. Aber Fonds und ETFs sind breit diversifiziert, deshalb sind sie sicherer als einzelne Aktien etc. und natürlich sicher (= nicht bedroht) bei einem Konkurs der Depot-Bank.

        Geld auf Bankkonten ist jedoch ziemlich unsicher, nur 100K sind bekanntlich geschützt, der Rest geht bei einem Konkurs der kontoführenden Bank verloren.

  • Peter Rotscher sagt:

    Ein bisschen „off topic“, aber ich erlaube mir die Bemerkung trotzdem: Herr Spieler hat hier auch im 2020 immer wieder empfohlen, auf jeden Fall das Geld zu investieren und nicht Cash zu halten. Auch er kocht nur mit Wasser. Wer auf ihn hörte, hat mittlerweile viel Geld verloren, auch bei sehr guter Diversifikation. Ja, ich weiss schon, langfristig und Buchverlust undsoweiter… aber das Geld ist trotzdem nüchtern betrachtet futsch.

    • Panja Flöte sagt:

      Klar kocht Herr Spieler nur mit normalen Wasser, wie 99.99% aller Anleger. Seine Anlagetipps können nur grobe Richtungen vorgeben, uns zum Nachdenken anregen, unser Know-how vergrössern. Langfristig betrachtet sind Spielers Tipps sicher erfolgreich, kurzfristig tappt auch er in Überraschungsfallen. Verantwortlich für unser Tun sind sowieso wir selbst.

    • Anh Toàn sagt:

      @Peter Rotscher: Beim Beitrag „wo-gibt-es-guenstige-boersenauftraege“ habe ich meine Strategie bei der Verwaltung der ererbten CHF 25’000 meines Kindes beschrieben: Habe Anfang Jahr mit dem Aufbau des Depots begonnen, kaufen in die lange Hausse, die Aktien der Firmen, die ich für grundsätzlich gut halte (gut geführt, interessante Branche), wenn deren Aktien auch stärker steigen als der Markt: Habe gekauft, in dieser Reihenefolge, jede Woche eine Position um die CHF 1’000: swissquote, hmbn, roche, 2 Tranche hbmn, bachen, nestle, Zürich: Letztes Wochende war mir klar, jetzt geht’s abwärts, am Montag früh habe ich die Hälfte der swissquote (mit Gewinn von über 15% nach Spesen) noch verkauft:

      Jetzt bin ich CHF 318 in den Miesen, das sind nicht mal 5% auf das investierte Kapital.

      • Anh Toàn sagt:

        Oh je, wäre ich all in Anfang Jahr in einen ETF gegangen!

        Am Montag werde ich noch die Zürich verkaufen. Zürich, weil ich da die grössten Verluste erlitt. Ich habe nicht den Eindruck, dass eine deutliche Erholung in nächster Zeit ansteht, bald ist ohnehin schon Frühjahr, Sommer ist nicht die Jahreszeit für Aktien: Und ich habe grosse Befürchtungen für die US Wahlen: Obwohl ein entschiedener Gegner Trumps sehe ich die grösste Gefahr dann, wenn er die Wahl verliert: Er wird das Ergebnis nicht akzeptieren! Ich kann mir nicht vorstellen, dass Trump seinem Gegner gratuliert und geht? Eine Rezession in den USA wegen Corona oder was auch immer, die Zinskurve ist wieder deutlich invers, würden seine Chancen auf Wiederwahl massiv beeinträchtigen: Was macht er dann?

  • Paul Müller sagt:

    Ist nicht die größte Gefahr von ETF, wenn diese die im Fonds enthaltenen Wertpapiere verleihen (Wertpapierleihe: praktizieren sehr viele ETFs, um zusätzliche Gewinne zu erzielen)? Der Leiher spekuliert mit diesen Aktien des ETF. In diesem Fall besteht doch wie z.B. Bei Zertifikaten ein Gegenparteirisiko, weil der Leiher die Aktien ev. nicht an den ETF zurückgeben kann. Oder verstehe ich das falsch??

Kommentar

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