So passen die Anlagen zu Ihrem Lebensabschnitt

Je nach Lebensphase ändern sich die Finanzbedürfnisse – das sollte zwingend in die Vermögensplanung einfliessen.

Neue Lebensphase, neue Prioritäten: Die Finanzbedürfnisse verändern sich ein Leben lang. Foto: iStock

Von den Banken wird immer empfohlen, man müsse Aktien kaufen, sonst könne man nicht verdienen. Ich kann diese generelle Empfehlung nicht nachvollziehen. Man muss doch schauen, wie alt jemand ist und was seine Bedürfnisse sind. Wie sehen Sie das? R.H.

Generelle Empfehlungen greifen immer zu kurz. Ich teile den grundsätzlichen Ratschlag, dass man mit Aktien eine gute Wahrscheinlichkeit hat, dass man auf lange Sicht eine höhere Rendite erzielt als mit Obligationen oder wenn man sein Geld einfach auf dem Sparkonto liegen lässt, wo es ohnehin keinen Zins mehr gibt.

Doch ich teile Ihre Meinung, dass man nie nur einfach generalisieren, sondern die individuellen Umstände einer Anlegerin oder eines Anlegers genau prüfen und berücksichtigen sollte. Wichtig dabei: Man sollte gemäss den verschiedenen Lebensphasen investieren.

Offensichtlich wird das, wenn ich es anhand von Beispielen aufzeige. Eigentlich ist es sonnenklar, dass eine junge Frau ihr Geld ganz anders anlegen sollte als ein 70-jähriger Rentner. In der Praxis allerdings achten viele bei der Festlegung ihrer Anlagestrategie viel zu wenig auf ihre tatsächlichen Lebensumstände und ihren Anlagehorizont.

Aus Anlegersicht kann man sein Leben vereinfacht in drei Phasen unterteilen: Als Junger steht man nach der Ausbildung am Anfang seiner Karriere und muss zuerst überhaupt Vermögen aufbauen, wenn man nicht bereits geerbt hat. In dieser Zeit kann ein hoher Aktienanteil Sinn machen – besonders dann, wenn man mit seinem Geld auch den Grundstock für seine spätere Altersvorsorge legen möchte und in die steuerbegünstigte Säule 3a einzahlt.

Da bringen Vorsorgefonds mit möglichst hohem Aktienanteil auf zwanzig bis dreissig Jahre hinaus am meisten. Auch wenn man auf zehn oder fünfzehn Jahre hinaus auf ein Haus spart, erreicht man mit einem höheren Aktienanteil in der Regel schneller sein Ziel.

Später folgt oft die Familiengründung, die Zeit mit den Kindern und dem Berufsleben. In dieser Phase haben viele Mühe, noch im grossen Stil zu sparen. Genau in dieser Zeit ist es aber wichtig, dass man seine Altersvorsorge nicht vernachlässigt und wenigstens die erlaubten Maximalbeträge für die Säule 3a möglichst jedes Jahr voll ausschöpft und falls möglich auch noch freiwillige Einzahlungen in die 2. Säule tätigt, wenn man Lücken hat.

Je langfristiger und systematischer man für sein eigenes Alter spart und investiert, desto mehr hat man später nach der Pensionierung auf der hohen Kante. Dank einem langen Anlagehorizont kann man beim Vorsorgesparen Anlageklassen wie Aktien, die mehr Kursschwankungen, aber auch höhere Renditechancen aufweisen, im Depot stärker gewichten und profitiert so über viele Jahre hinweg überdurchschnittlich vom Zinseszinseffekt.

Mit der späteren Pensionierung und dem Alter verschiebt sich in der Regel auch der Fokus bei den Finanzen wieder stark. Oft kommt man dann nicht mehr um einen teilweisen Vermögensverzehr herum, weil die Renten der AHV und der Pensionskasse nicht reichen, um den Lebensstandard zu bestreiten.

Dann ist man darauf angewiesen, dass man aus seinem Vermögen einen Ertrag hat. Der Anlagehorizont verkürzt sich automatisch. Neben Obligationen, die einen regelmässigen Zins abwerfen, sind in dieser Lebensphase auch Dividendenperlen mit hoher Dividendenrendite hilfreich.

All diese Beispiele zeigen: Je nach Lebensphase hat man punkto Finanzen unterschiedliche Bedürfnisse und Ziele. Wenn man diese Erkenntnis berücksichtigt und immer langfristig auch einen Schritt vorausschaut, ist man mit seiner Vermögensplanung deutlich erfolgreicher.

7 Kommentare zu «So passen die Anlagen zu Ihrem Lebensabschnitt»

  • Alain Surlemur sagt:

    Es gab mal die Faustregel

    100 – Alter = Aktienquote in Prozent

    Durch die steigende Lebenserwartung kann man heute 100 durch 120 ersetzen. Aber jeder Anleger muss selber wissen wieviel Risiko er tragen kann.

  • Markus Lüthi sagt:

    Für viele Anleger mit Nachkommen, greift die Optik mit der eigenen Lebenserwartung zu kurz: Wenn die Nachkommen und künftigen Erben auch für die Anlageform Aktien zu gewinnen sind, so kann deren Perspektive in die Festlegung der Aktienquote einbezogen werden.
    Wer Liegenschaften oder ein eigenes Unternehmen besitzt, wird in der Regel ja auch nicht seinen mutmasslichen Todeszeitpunkt als massgeblich für Investitionsentscheide nehmen.

  • Martin Leu sagt:

    „Doch ich teile Ihre Meinung, dass man nie nur einfach generalisieren … sollte.“
    Und sogleich folgt eine Generalisierung: „Oft kommt man dann nicht mehr um einen teilweisen Vermögensverzehr herum…Dann ist man darauf angewiesen, dass man aus seinem Vermögen einen Ertrag hat.“
    Was soll jetzt der Vermögensverzehr mit einem Zwang zum Ertrag zu tun haben? Ist genug Vermögen zur Deckung des Lebensunterhaltes während der verbleibenden Lebenserwartung plus angemessener Reserve inkl. Berücksichtigung der Teuerung vorhanden, kann es vernünftiger sein, keine unnötigen Risiken (bei immer kürzer werdender Rest-Anlagedauer) einzugehen und dafür auf nicht notwendigen Ertrag zu verzichten. Es kommt eben auf die individuelle Situation an. Gier muss ja nicht unbedingt Hirn fressen.

  • andy sagt:

    Für „rentable“ Geldanlagen führt bis auf weiteres tatsächlich kaum ein Weg an den Börsen vorbei. Egal welches Alter sie haben.
    Ihre Grundbedürfnisse müssen selbstverständlich mindestens gedeckt sein.
    Aktuell schwirrt der „sagenumworbene“ Virus Trip in den Köpfen der Anleger und auch vielen anderen umher und löst somit tendenziell Angst bis Panik Verkäufe aus.
    Die Korrekturen an den Märkten bilden das Fundament für die nächste Hausse.
    Wenn sich der mediale Virus Sturm im Wasserglas gelegt hat, wird es teilweise doch eher „günstig“ bewertete Aktien (Unternehmensanteile) geben. Ich vermute, dass es in einigen Wochen wieder ruhigere (normalere) Gewässer an den Börsen gibt. Relax, take it easy.

  • Thomas Abderhalden sagt:

    Ich sehe das Problem darin, dass die meisten Leute praktisch kein Interesse daran haben, sich mit Anlagethemen zu beschäftigen, und wenn sie es dann punktuell tun müssen, weil irgend ein Entscheid ansteht, können sie das Wissensdefizit nicht innert Kürze beseitigen, und sind dann entsprechend verunsichert ab der Fülle der Informationen und tun dann oft einfach nichts. Das sehe ich in meinem Umfeld oft. Ich weiss gar nicht, ob das dümmer ist als meine Freunde, die alles verjubeln, und somit nichts zum Anlegen haben.

  • Oil of Olaf sagt:

    Anlegen (ehemals sparen 😁) ist viel zu oft mit zu grossen Erwartungen an Rendite in kürzester Zeit verknüpft.

    Anlagen kann man sehr gezielt und seriös evaluieren. Sie investieren immer in die Zukunft. Bei Kauf von Aktien (grossartiges Unternehmen mit möglichst konkurrenzlosen nachhaltigen Produkten) sollten Sie sich (gemäss W. Buffett) mindestens einen Horizont von 10 Jahren und mehr geben. Kaufen im Prinzip wenn Kurs fällt. Um ihre Werte zu mehren ignorieren Sie am Besten jegliche Nachrichten, Analysen und überhaupt allen medialen Müll. 1 Coca Cola Inc. Aktie hat den 1. Weltkrieg, den 29er Crash, den 2. Weltkrieg und jedes weitere Welt Boboli durch 250’000 fache Vermehrung des Wertes bis im Jahr 2000 quittiert. Es gibt weitere Klassiker Beispiele.

  • Oil of Olaf sagt:

    Sorry, ein Fehler. 25’000 fache Vermehrung.
    Von 40 USD auf 1’000’000 USD stieg die Zabeliwasser AG aus USA.

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