Warum bin ich trotz Traumbörsenjahr im Minus?

Wer beim Aktienkauf ein schlechtes Timing erwischt, kann Buchverluste kaum noch aufholen.

Enttäuschende Performance und hohe Gebühren: Das ist für Anleger fatal. Foto: Getty Images

Am 30. Oktober 2000 liess ich mich von Swiss Life überzeugen, in den Aktienfonds DWS (CH) Aktien weltweit, Valor 353197, zu investieren, den ich zum Kurs von 343.26 Franken kaufte. Fast 20 Jahre später steht der Kurs heute bei rund 332 Franken und meine Anlage damit im Minus. Gleichzeitig erleben wir an den Börsen eine langjährige Hausse mit laufend neuen Höchstständen. Ist der DWS-Aktienfonds derart schlecht geführt, oder fressen die Provisionen allfällige Gewinne weg? Was raten Sie? M.W.

Ich kann Ihre Enttäuschung und Ihren Ärger gut verstehen. Da hört man immer wieder, dass man mit Aktienanlagen und Aktienfonds auf lange Sicht Geld verdiene, und Sie sitzen mit Ihrem Fonds selbst nach 20 Jahren auf Buchverlusten.

An Ihrem Anlagehorizont liegt es definitiv nicht. Ihr Beispiel zeigt vielmehr, dass es selbst mit einem langen Anlagehorizont keine Garantie für Gewinne an den Aktienmärkten gibt. Grundsätzlich hat man eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass man nach so vielen Jahren mit Aktien deutlich mehr verdient, als wenn man das Geld auf dem Sparkonto liegen lässt oder in Anleihen investiert. Die Garantie hat man dennoch nicht, weil der Anlageerfolg auch vom spezifischen Anlagezeitpunkt abhängt.

Sie hatten das Pech, dass Sie am Ende der Hausse – kurz vor dem Platzen der grossen Techblase an den Börsen – im Herbst 2000 die Fondsanteile praktisch zum Höchstpreis erworben hatten. Noch höher kletterte der Fonds lediglich vor der Finanzkrise, bevor er 2008 zum zweiten Mal in den Keller rauschte. Sie haben in den zwanzig Jahren nicht nur zum Höchstkurs gekauft, sondern auch zwei Crashs ausgestanden.

Das Positive ist, dass sich Ihr Fonds wieder langsam in Richtung Ihres Einstandskurses bewegt. Das Negative indes besteht darin, dass Sie 20 Jahre verloren haben. Immerhin haben Sie in dieser Zeit von der kleinen Ausschüttung profitiert. Punkto Wert Ihrer Anlage haben Sie indes verloren, erst recht, wenn Sie auch noch die Teuerung mitberücksichtigen, die allerdings tief war.

Der von Ihnen gehaltene DWS (CH) I World Equities SmartFactor investiert weltweit breit diversifiziert in Aktien, wobei über 98 Prozent des Kapitals in Aktien fliessen und weniger als zwei Prozent in liquide Mittel. Der hohe Aktienanteil würde theoretisch Gewähr bieten für eine langfristig attraktive Rendite.

In Ihrem Fall hat sich aus meiner Sicht nicht nur das unglückliche Timing negativ auf Ihre Anlage ausgewirkt, sondern auch die enttäuschende Performance des Fonds: Denn in mehreren Jahren hat sich der Fonds deutlich schlechter entwickelt als der von der Fondsfirma eingesetzte Vergleichsindex MSCI World TR net ex CH. Dazu kommt, dass der Fonds mit einer Gesamtkostenkennziffer (Total Expense Ratio, TER) von 1,50 Prozent alles andere als günstig ist.

Enttäuschende Performance und hohe Gebühren: Das ist für Sie als Anleger fatal. Ich würde den Fonds verkaufen und stattdessen mit einem Anlagehorizont von zehn Jahren einen weit günstigeren, passiv verwalteten Indexfonds nutzen, der an den Weltaktienindex MSCI gekoppelt ist. Bei solchen Instrumenten zahlen Sie im Vergleich zu Ihrem bisherigen Produkt maximal ein Drittel der Gebühren.

Etwas allerdings sollten Sie sich bewusst sein: Das Anlagerisiko tragen Sie auch in diesem Fall, und eine Garantie auf Kursgewinne gibt es nie.

11 Kommentare zu «Warum bin ich trotz Traumbörsenjahr im Minus?»

  • Peter Rohner sagt:

    Es ist natürlich bitter, wenn selbst nach 20 Jahren ein Fonds noch immer im Minus steht. Der Vergleichsindex (MSCI World) hat sich auf Dollarbasis inzwischen trotz aller Wirren verdoppelt (siehe Wikipedia), was auch nicht gerade umwerfend ist.

    Die Probleme bei aktiven Fonds sind immer die hohen Kosten und das aktive Handeln der Fondsmanager. 1.5% TER ergibt nach 20 Jahren schon 34.7% Perfomanceverlust gegenüber dem Index. Das aktive Handeln der Fondsmanager kostet nochmals viel Performance, der Ausgabenaufschlag von 5% auch … alles in allem eine schöne Geldmaschine für die Finanzinstitute.

    Morningstar vergibt den Fonds Sterne (1 = schlecht, 3 = ok, 5 = super). Der hier besprochene DWS-Fonds hat nur 2 Sterne. Wenn schon aktive Fonds, dann nur solche mit 4 oder 5 Sternen kaufen.

    • Anh Toàn sagt:

      @Peter Rohner: Wenn schon aktive Fonds, dann auch nur für eng definierte Nischen, ich glaube nicht, dass es Fondsmanager gibt, welche gleich die Aktien der ganzen Welt verstehen. In Nischenmärkten, ob Schwellenländer oder Branchen, kann ein Fondsmanager vielleicht seine Nische wirklich besser verstehen, als die Masse, der Markt. Aber vielleicht wechselt der gute Manager auch: Aktive Fonds auszuwählen braucht ähnlich viel Informationsbeschaffung wie aktive Titelselektion.

      Aber noch zum konkreten Fall: Darum weise ich immer wieder auf die gerne vergessene zeitliche Diversifikation hin: Gestaffelt ein- und austeigen!

  • Hans Meier sagt:

    @ Anh Toàn: „Gestaffelt ein- und austeigen“, Sie brigen es auf den Punkt, wobei das gestaffelte Einsteigen noch mehr beachtet werden sollte aus das Aussteigen. Anderseits ist es schon erstaunlich, wie hier und auch andernorts fast Gebetsmühlenartig immer wieder kundgetan wird der Einstiegszeitpunkt sei unbedeutend. Was so einfach nicht stimmt.

    • Leue sagt:

      Herr HM,
      Das stimmt nicht ganz. Nehmen wir an:
      – Sie haben 1 Mio cash auf Konto zum investieren
      – Sie wollen breit diversifiziert und langfristig investieren
      – Sie wissen nicht wie die Markets sich kurzfristig entwickelt (market timing), nehmen an, die wird langfristig weiter steigen.
      Dann haben Sie statistisch gesehen eine erhöhte Erfolgschance wenn Sie morgen alles investieren, weil 1) market up > down; 2) return investiert > Sparkonto. Wenn Sie damit nichts umgehen koennen, dann sollten Sie verteilt investieren (anstatt aus Angst gar nicht). Wuerde von Studien gezeigt (beispiel: https://personal.vanguard.com/pdf/ISGDCA.pdf ), oder google: “lump sum vs dollar cost average investing”. Grösste Problem hier war der Fond selber!!!

    • Leue sagt:

      Ps: man kann eben einfach Pech haben, in diesem Fall wäre natürlich eine verteilte Investition besser gewesen…im nachhinein. Aber man koennte noch mehr Pech haben: verteilt investieren, jeweils bei einem Peak, und danach ein Crash…und doch geld verdienen (https://awealthofcommonsense.com/2014/02/worlds-worst-market-timer/).
      Deswegen investieren 1) weltweit 2) low cost index 3) langfristig.

      • Anh Toàn sagt:

        „Aber man koennte noch mehr Pech haben: verteilt investieren, jeweils bei einem Peak,“

        aber nicht alles auf dem höchsten von den dreien. Und auch gerade drei Peaks zu erwischen, wenn man seinen drittelt, ist höchst unwahrscheinlich. Unwahrscheinlicher als gerade den Peak zu erwischen, wenn man aufs Mal all-in geht.

      • Leue sagt:

        Eben nicht.

  • Gino Ramsch sagt:

    Naja dieser Beitrag… Dieser Fond schüttet die Dividende aus. Ohne den genauen Betrag der letzten 20 Jahren kann man schwer sagen ob der Herr mi minus ist. Ich will damit den Fond nicht schönreden, war sicher kein gutes Investment aber wenigsten die Fakten und genauen Zahlen sollte man schon bringen.

  • Martin Leu sagt:

    Herr Spieler erwähnt Teuerung und Fondgebühren. Dass der Anleger zusätzlich auch durch Bankspesen (hier v.a. jährliche Depotgebühren als Spezialität der meisten CH-Banken!) wie auch die Besteuerung von Dividenden und Vermögen Geld verloren hat, verschweigt er. Da läppert sich in 20 Jahren zusätzlich noch ganz schön was zusammen.

  • Thomas sagt:

    Mit Swiss Life sollte man ohnehin nicht geschäften. Nur schlechte Erfahrungen gemacht.

  • Manuel sagt:

    Januar und Februar 2020 eingestiegen – Aktuell durchschnittlich 15% im Minus, mit u.a. Apple, J&J, Tesla, ABB, Novartis, Disney (-21%) … Können solche Verluste noch aufgeholt werden?

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