Für 12 Prozent Zins müssen Sie viel riskieren

Reverse-Convertible-Produkte bieten hohe Renditen, sind aber nur für Anleger geeignet, die auch Verluste verkraften können.

Dass es an der Börse nicht nur aufwärtsgeht, liegt in der Natur der Sache. Foto: iStock

Ich habe bei der Luzerner Kantonalbank mehrere Multi-Barrier-Reverse-Convertible-Produkte gesehen. Eines auf Adecco, Lonza, Straumann und Swatch wirft 9.40 Prozent Zins ab. Ein anderes auf AMS, Sonova und Vifor Pharma sogar 12,6 Prozent. Ist das sicher, oder wo liegt der Haken? M.C.

Bei diesen Instrumenten handelt es sich um strukturierte Produkte. Sicher im Sinne von hoher Anlagesicherheit für konservative Privatanleger sind diese definitiv nicht. Im Gegenteil: Multi-Barrier-Reverse-Convertible-Produkte sind ziemlich riskant.

Die hohen Zinsen sind immerhin garantiert, was in Zeiten rekordtiefer Sparzinsen verlockend ist. Wo bekommt man denn schon 9 oder 12 Prozent pro Jahr, während auf dem Sparkonto nichts mehr zu holen ist und auch klassische Frankenanleihen meist weniger als ein Prozent Zins abwerfen?

Sie ahnen es: Den hohen Zins gibt es nicht gratis. Das Produkt mit 12,6 Prozent Zins hat zwar eine tiefe Barriere von 55 Prozent. Das heisst, die mit dem Instrument gekoppelten Aktien können wenigstens 44,9 Prozent tauchen, ohne dass Sie ein Problem haben. Selbst bei einem Crash geht der Gesamtmarkt nicht gleich in Kürze so stark in die Knie.

Die an das Produkt gekoppelten Aktien von AMS, Sonova und Vifor Pharma weisen allerdings stärkere Schwankungen aus. Vor allem die Papiere der Techfirma AMS waren in der Vergangenheit eigentlichen Berg- und Talfahrten ausgesetzt, wie Sie schnell sehen, wenn Sie die Kursgrafik von AMS vor Augen halten.

Vor diesem Hintergrund halte ich es durchaus für möglich, dass einer der drei Titel während der Laufzeit derart stark nachgeben wird, dass die Barriere verletzt wird. In diesem Fall würde Ihnen am Ende der Laufzeit nicht etwa das investierte Geld zurückbezahlt, sondern jene Aktie, die sich am schlechtesten entwickelt hat – also genau der Titel, der von den Anlegern besonders verschmäht wird.

Heikel finde ich auch die lange Laufzeit bis Ende Juli 2021. Je länger die Laufzeit andauert, desto eher riskieren Sie, dass einer der drei Titel die Barriere verletzt. Die Bank hingegen hat sich eine vorzeitige Rückzahlungsmöglichkeit ausbedungen.

Aus meiner Sicht dürfen Sie trotz hohem Zins nur in dieses Produkt investieren, wenn Sie problemlos in Kauf nehmen können, dass Ihnen eine der drei Aktien nach einem massiven Kurseinbruch ausgeliefert würde und Sie diese wohl längere Zeit im Depot behalten müssten. Denn erfahrungsgemäss dauert es längere Zeit, bis sich eine Aktie nach einem derart starken Kurstaucher wieder erholt. Manchmal lässt die Erholung auch nach vielen Jahren noch auf sich warten, wie wir es von den Grossbankenaktien UBS und CS kennen.

Nicht viel weniger riskant stufe ich das zweite von Ihnen erwähnte Produkt ein, das an die Papiere von Adecco, Straumann, Lonza und Swatch Group gekoppelt ist. Hier dauert die Laufzeit sogar noch länger – bis im Januar 2022 – und es sind sogar vier Aktien involviert. Die Wahrscheinlichkeit, dass in dieser langen Zeit eine der vier Papiere die Barriere von 59 Prozent verletzt, ist keineswegs gering.

Kein Problem sehe ich in diesem Fall beim Emittentenrisiko, da die Luzerner Kantonalbank ein Top-Rating aufweist. Solche Instrumente bieten zugegebenermassen attraktive Ertragsmöglichkeiten, eignen sich meines Erachtens aber nur für Investoren, die ein erhöhtes Risiko tragen können und wollen und den Mechanismus der Instrumente verstehen.

Wer nur die verlockenden hohen Zinsen im Auge hat, muss damit rechnen, dass er später eine böse Überraschung erlebt.

20 Kommentare zu «Für 12 Prozent Zins müssen Sie viel riskieren»

  • Hans Meier sagt:

    Wenn jemand wie hier M.C. die nach dem „Haken“ eines Multi-Barrier-Reverse-Convertible-Produktes fragt (und somit das Produkt nicht versteht), sollte tunlichst die Finger von solchen Produkten lassen.

    • Pan Flöte sagt:

      Absolut gleicher Meinung! — Ich gehe davon aus, dass bei diesen Produkten in der aktuellen Börsensituation (= unruhige Märkte) garantiert die Barriere unterschritten wird. Ein typisches Lockvogelangebot für Anleger, die sich von der hohen Rendite blenden lassen und die Gefahren nicht einschätzen können.

      Wenn die Börse im Jahr 2020-2022 gut läuft, sind schnell mal 20-30% Performance drin (= massiv höher als 12%), wenn sie schlecht läuft, hat man halt seine Lieblingsaktie für längere Zeit im Depot. Bei diesem Produkt bekommt man aber den Verlierer aller Verlierer ins Depot, und den will nun wirklich keiner haben.

  • Rolf Rothacher sagt:

    „Die hohen Zinsen sind immerhin garantiert…“
    Sind sie eben nicht. Denn Herausgeber dieser Papiere sind stets kleine Tochtergesellschaften der Multis. Und gehen deren Wetten schief, wird der Laden dicht gemacht und der Anleger verliert alles, während der Mutterkonzern „nichts“ damit zu tun hat.
    Ich finde, wenn mir ein Kundenberater diese Papiere anbietet, sollte ich ihn von der Liste der vertrauenswürdigen Personen einfach streichen, denn er will mich zu einer Wette überreden. Geht sie auf, verdienen beide Seiten. Geht sie nicht auf, verliere nur ich, während die Bank noch mehr verdient. Eine Chance von 1:3 gehen nur Idioten ein.

    • Peter Schneider sagt:

      Die Bank erhält nicht per se „mehr“ und sie „wettet“ auch nicht, weil sie als Vermittler arbeitet und gleichzeitig Optionen emittiert. Banken sind nicht so dumm, irgendwelche Wetten einzugehen, denen reicht die Provision.

  • Peter Müller sagt:

    Grundsätzlich ist es wie im Casino: Man hat vielleicht eibe Zeit lang Glück; das Haus gewinnt auf lange Sicht aber immer.
    Banken haben schlicht mehr Ressourcen als Kleinanleger zur Verfügung, um das Risiko abzuschätzen.

    • Peter Schneider sagt:

      Die Bank gewinnt eh immer an Provision. Die Bank hat doch das kleinste Risiko, weil sie gleichzeitig neben der Emission des Strukis noch Termingeschäfte eingeht. Von drei Parteien, die daher involviert sind sind zwei eher grossen Risiken ausgesetzt und der Vermittler eher kleinen.

  • Robert Karlen sagt:

    Multi-Reverse-Barrier Produkte machen im Schnitt für den Anleger keinen Gewinn, denn sie sind eine Wette auf die Kursentwicklung, und der Emmitent
    wird darauf schauen, dass er seine Kosten und einen Gewinn für sich realisieren wird. D.h. der Anleger verliert.

    C. Célérier und B. Vallée (Quarterly Journal of Economics“ untersuchten 50’000 „Strukies“ und zogen folgende Schlussfolgerung: „Je höher der versprochene Zinssatz, und je komplexer das Produkt, umso risikanter sind die Produkte für den Anleger und umso profitabler für die Banken“.

  • Stefan Meier sagt:

    Aus eigener leidvoller Erfahrung kann ich nur empfehlen: Finger weg von strukturierten Produkten!

  • Anh Toàn sagt:

    „Die Wahrscheinlichkeit, dass in dieser langen Zeit eine der vier Papiere die Barriere von 59 Prozent verletzt, ist keineswegs gering.“

    sagt in seiner Ungenauigkeit exakt das Richtige: Das können wenn überhaupt Supercomputer berechnen, das Risiko ist unberechenbar, darum nennt man das Zeugs auch „toxisch“.

    • Anh Toàn sagt:

      Aber machen Sie sich keine Sorgen, leben Sie das Leben, lassen Sie sich nicht von meinen Ängsten beeinflussen, kaufen Sie, es gibt zweistellige Zinsen geschenkt da!

      • Oil of Olaf sagt:

        Ab Deiner Paranoidität muss ich regelmässig grinsen. 🙂

        Ein Investment ist immer eine Investion in die Zukunft, erschrockener AnhToan.

        Man kann einige sehr sinnvolle Abklärungen treffen und so das Risiko minimieren, z.B. wie Buffett es rät. Ein Restrisiko bleibr immer und auch Warren Buffett mit seinem Kumpel Charly Munger von Berkshire Headaway haben schon hunderte von Millionen in den Sand gesetzt.

        Aladin, die KI von Blackrock ist in der Lage, faktisch alle Finanztransaktionen weltweit zu erfassen und in höchster Geschwindigkeit um- und auszurechnen, welche Handlung jetzt gerade richtig sein könnte, um die Rendite der Blackrocker zu erhöhen.
        Zukunft voraussagen kann die KI nicht, aber sie hat alles was man braucht um Erster zu sein. 😉

      • Peter Rohner sagt:

        Ich denke
        Ich denke, @Anh Toàn war da ziemlich ironisch bzw. sarkastisch unterwegs 😜

      • Oil of Olaf sagt:

        @Rohner

        Ja, er ist ein besonderes Exemplar.
        Ohne ihn wäre der Blog nur halb so lebendig. Cheers….🤠

  • Anh Toàn sagt:

    Bei einem Rückgang des gesamten Marktes um 25% (etwa die Grenze zwischen Korrektur und Baisse, es geht bei der Unterscheidung auch um die Dauer des Rückgangs), ist die Wahrscheinlichkeit gross, ich würde sagen fast sicher, dass einer von drei oder gar vier Titeln mehr als 50% verliert. Nach Wahrscheinlichkeit verliert einer nichts oder gewinnt ein wenig, einer verliert mit dem Markt und einer mehr als der Markt, so grob aus dem Bauch gefühlt ohne Supercomputer…

  • Karl Knapp sagt:

    Abgesehen von den im Blog erwähnten Hinweisen: man kann versuchen, diese Titel vor Ablauf der Laufzeit zu verhökern (nachdem man vielleicht zweimal Zins einkassiert hat). Dieser Test zeigt dann schnell mal, was das Zeug auf dem Markt tatsächlich wert ist.

  • Josef Marti sagt:

    Aus Sicht des Emittenten (KB Luzern) sind das immer super Finanzierungsprodukte, aus der teuren Verzinsung kann der Emittent resp. Schuldner jederzeit aussteigen wenn die Wette schlecht läuft. Im anderen Fall lockt ein hoher Buchgewinn aus dem Teilwegfall der Schuld, resp. Ablieferung des schwarzen Peters an den Investor.

  • Oil of Olaf sagt:

    Das Risiko, dass einer der genannten Titel in der Laufzeit bis zur Barriere abschifft ist relativ gering. Wir sind bis auf weiteres ohne Ende in Sicht in bestem Börsenumfeld und diese renommierten etablierten Unternehmen werden weiterhin gute Geschäfte machen.
    Dennoch würde ich kein erwähntes strukturiertes Produkt kaufen, sondern wenn schon, die Titel gleich selbst als Anlage bunkern. Wer als Anleger auf hohe Prozente scharf ist, arbeitet sicher nicht mit Barrier Reverse-Convertible-Produkten.

  • Stefan sagt:

    Und die Dividende gibt es, im Gegensatz zur Direktanlage, auch nicht.

  • Lucas Wyrsch sagt:

    Halte nichts von Reverse-Convertible-Produkten, zudem ist die Rendite mit einem Zins von 12% zu klein!
    .
    Globale Immobilien sind mit umgerechnet US$228 Billionen eine wertvollere Anlageklasse als alle Aktien, Wertschriften und Anleihen kombiniert, die zusammen im Jahr 2016 lediglich US$170 Billionen betrugen.
    .
    Und nun zeigen wir drei ETFs und drei ETNs von drei mREITs und drei eREITs, drei von BlackRock und drei von der UBS, alle völlig unbekannt in der Schweiz und alle performten über 20% im letzten Jahr, als Alternativen der Absicherung gegen den Handelskrieg und die kommende Rezession (2019-nCoV):

    REM: 21.35% BR mREIT
    USRT: 25.88% BR eREIT US
    REET: 23.89% BR eREIT Welt
    MORL: 27.73% UBS mREIT
    MRRL: 27.73% UBS mREIT
    LRET: 37.12% UBS eREIT

    • Meieriesli sagt:

      Aaalso…..
      REM -50% YTD
      USRT -20% YTD
      REET -25% YTD
      MORL, MRRL -99% YTD, werden wohl aufgelöst
      LRET -70% YTD

      There is no free lunch!

Kommentar

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