Warum darf mich die PK ausspionieren?

Ohne Hintergedanken: Vorsorgeeinrichtungen müssen Versicherte auch nach anderen Vorsorgeguthaben fragen.

Die Kundenberaterin tut nur ihre Pflicht, wenn sie den Kunden nach seiner finanziellen Situation fragt. Foto: iStock

Mein Sohn arbeitet bei einer Industriefirma, ist verheiratet und kinderlos. Er möchte einen freiwilligen Einkauf in die Pensionskasse tätigen. Nun fragt ihn die PK, ob er eine 3. Säule habe, und wie viel gespartes Geld er dort habe. Muss das wirklich offengelegt werden? Das ist doch ein Eingriff in die Privatsphäre des Arbeitnehmers? Mein Sohn befürchtet auch, dass, wenn alles offengelegt werden muss und es sich zeigt, dass er und seine Frau finanziell gut dastehen, dies später vielleicht ein Grund sein könnte, ihm bei einem Stellenabbau eher zu kündigen als jemandem, der finanziell schlecht dasteht. V.K.

Ich kann Sie beruhigen: Die Frage der Pensionskasse hat mit solchen Aspekten gar nichts zu tun. Indem die Pensionskasse Ihren Sohn auf dem Formular für freiwillige Einzahlungen nach anderen Vorsorgeguthaben fragt, tut sie lediglich ihre Pflicht.

Sie will weder Ihren Sohn ausspionieren noch hegt sie sonst irgendwelche Hintergedanken. Die Frage nach Guthaben der Säule 3a ist auf diesen Formularen Standard und wird auch von anderen Pensionskassen gestellt.

Ich kann schon verstehen, dass man sich im ersten Moment fragt, was es denn die Pensionskasse angehe, ob und wie viel man in der Säule 3a gespart hat, weil man davon ausgeht, dass die Pensionskasse mit der Säule 3a nichts zu tun hat, zumal die Gelder auch an unterschiedlichen Stellen parkiert sind.

Pensionskassen verletzen jedoch keineswegs die Privatsphäre ihrer Versicherten, wenn sie nach den 3.-Säule-Guthaben fragen, vielmehr sind sie dazu verpflichtet, damit sie überhaupt die korrekte Einkaufssumme ermitteln können.

Solche freiwilligen Einkäufe haben den Zweck, Beitragslücken zu schliessen. Bei der Berechnung der Einkaufssumme sind sämtliche Vorsorgeguthaben des Vorsorgenehmers miteinzubeziehen – also nicht nur das Geld, das Ihr Sohn bereits in der Pensionskasse hat, sondern auch Freizügigkeitskonti und Freizügigkeitspolicen, bisher getätigte und noch nicht zurückbezahlte Vorbezüge für Wohneigentum und jene Guthaben aus der Säule 3a, die anstelle der 2. Säule gebildet wurden.

Es könnte ja sein, dass Ihr Sohn in früheren Jahren zeitweise selbstständig tätig gewesen ist und deshalb den Maximalbetrag für Selbstständige in die Säule 3a einzahlen durfte. In diesem Fall müsste er sich die Differenz zwischen dem bestehenden Guthaben der grossen Säule 3a für Selbstständige und dem Guthaben, das er im Rahmen der kleinen Säule 3a für Angestellte mit PK in den entsprechenden Jahren hätte bilden können, als vorhandenes Altersguthaben anrechnen lassen.

Das Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) veröffentlicht jährlich eine Tabelle zur Berechnung des grösstmöglichen Säule-3a-Guthabens. Dieser Betrag wird bei Bestehen einer grossen Säule 3a pauschal berücksichtigt. Wenn Ihr Sohn einen sehr hohen Betrag in der Säule 3a hätte, der das auf dieser Tabelle ausgewiesene grösstmögliche Säule-3a-Guthaben übersteigt, würde der Einkaufsbetrag gekürzt.

Die Vorsorgeeinrichtung ist aus diesem Grund verpflichtet, die Angaben über weitere Vorsorgeguthaben zu erfragen. Gleichzeitig ist man als Versicherter verpflichtet, die Angaben über weitere Vorsorgeguthaben wahrheitsgemäss zu liefern.

Damit haben Sie die Antwort, warum Pensionskassen nach anderen Vorsorgeguthaben fragen. Es ist eine rein finanztechnische Abklärung und hat keinen Zusammenhang mit allfälligen anderen personaltechnischen Erwägungen im Betrieb Ihres Sohnes.

21 Kommentare zu «Warum darf mich die PK ausspionieren?»

  • Anh Toàn sagt:

    Angesichts all dieser unklaren und teilweise absurden Regeln frage ich mich, wie jemand freiwillige Einzahlungen in 2te oder 3te Säule empfehlen kann, ausser es ist schon höchst wahrscheinlich, dass Geld da innert weniger Jahre wieder raus zu bekommen? Man steckt das Geld in ein schwarzes Loch und hofft es komme in ein paar Jahrzehnten mehr raus, die Regeln sind undurchsachaubar: Jetzt ist die Säule 3a ist eigentlich Säule 2a, bei Selbständigerwerbenden, das ist dann die grosse Säule 3a, die unterscheidet sich von der kleinen Säule 3a nicht nur in der Höhe, sondern in den Bedingungen: Die grosse Säule 3a ist eigentlich eine Säule 2a, der Gesetzgeber war zu doof, dies zu formulieren, und die Verwaltung (Ba für Sozialversicherung, Eidg Steuerverw.) macht jetzt die richtigen Gesetze.

    • Anh Toàn sagt:

      Das Gesetz sagt, Selbständigerwerbende können höhere Beträge in die Säule 3a einzahlen, die Verwaltung sagt nun, dies seien keine Einzahlungen in die dritte Säule, also schon aber nur formell, materiell aber sei dieser Teil der 3ten Säule 2te Säule, also obligatorische kollektive Versicherung, auch wenn sie freiwillig individuell und vielleicht auch ohne Versicherung, nur mit Sparteil war.

      Wir schaffen die Gesetze ab, die sind nutzlos: dfsa steht nichts von einer kleinen und einer grossen Säule 3a, der Gesetzgeber hat nicht gemerkt, dass da wesentliche Unterschiede sind, zum Glück steht die Verwaltung über dem Gesetz und kann es viel besser regeln alleine. Und niemand redet rein.

      • Anh Toàn sagt:

        Lustig ist vor allem, dass das Gesetz dem Selbständigen mit Angestellten die Wahl lässt, sich mit den Angestellten in der 2ten Säule zu versichern oder individuell in der dritten: Die Verwaltung sagt nun, das geht nicht, die dritte Säule ist auch 2te Säule: Hätte der Gesetzgeber dies gewollt, hätte der Selbständige mit Angestellten verpflichtet, sich mit diesen in der 2ten Säule zu versichern.

        Und wenn dies so ist: Müsste die PK dann nicht immer nach Säule 3a Gelder fragen und wenn dies „grosse Säule 3a“ ist, verlangen, dass diese als Freizügigkeitsleistung in die aktuelle PK eingebracht wird? Wahrscheinlich kommt dies noch, mal sehen wie lange die Verwaltung noch braucht, dies als Gesetz zu verkünden.

      • Anh Toàn sagt:

        3 jahre Null Einkommen, im 4.ten 200’000, so könnten die Zahlen eines selbständigen aussehen:

        3 Jahre konnte er also, mangels Erwerbseinkommen nichts einzahlen, weder in zweite oder dritte Säule, weder gross noch klein, im, vierten zahlt er den Maximalbetrag in die dritte:

        Was ist in diesem Fall der Maximalbetrag den er in der „kleinen dritten Säule“ haben kann? Ein oder vier Beiträge? Ich vermute nur einer, die ersten drei Jahre hätte er ja nichts einzahlen dürfen, und genau dem wollte der Gesetzgeber Rechnung tragen mit der besonderen Regelung: Säule 3a ist etwas anderes als Säule 2. In der Qualität, nicht der Höhe: Das Gesetz kennt keine kleine und grosse Säule 3a, das ist eine Erfindung der Verwaltung.

      • Anh Toàn sagt:

        Wichtig ist“ Es reicht der Bank nicht, die Höhe des 3 Säule Guthabens eines Selbständigen zu kennen, sie muss die Abschlüsse für jedes Jahr kennen, um zu berechnen, was er hätte im Rahmen der kleinen 3. Säule einzahlen dürfen.

      • Anh Toàn sagt:

        Meines Erachtens setzt sich die Verwaltung über den klaren Wortlaut des Gesetzes:

        BVV 3 Artzik3el 3 b:“wenn der Vorsorgenehmer die ausgerichtete Leistung für den Einkauf in eine steuerbefreite Vorsorgeeinrichtung oder für eine andere anerkannte Vorsorgeform verwendet;“

        KANN die Leistung vorher bezogen werden, steht davor im Gesetz: Die Verwaltung macht daraus: Um Einkäufe in die PK zu zahlen, MUSS das Geld aus der 3 Säule vorzeitig bezogen werden, es darf kein anderes Geld dazu verwenden werden. Und die PK muss sogar verlangen, dass das Geld vorzeitig aus der 3. Säule genommen wird.

        Das Gesetz sagt allenfalls (ich lege dies ganz anders aus, aber der Wortlaut zumindest deckt so viel einigermassen), man darf dies, bestimmt sagt es nicht, man müsse, es sagt, man hätte Wahl!

      • Anh Toàn sagt:

        Müssten die Vorsorgeeinrichtungen bei vorzeitigem Bezug für Wohneigentum aus der Säule 3a nicht auch prüfen, welcher Teil davon eigentlich grosse Säule 3a ist, und für diesen Teil die Restriktionen des Bezugs aus der 2ten Säule anwenden?

        Wahrscheinlich werden die das irgendwann tun müssen, die Verwaltung wird es denen sagen und die dann uns.

  • Peter Waldner sagt:

    Ein typisches Beipiel der Bürokratie und der Reglementierung im höchstmöglichen Detaillierungsgrad. Unüberschaubar – und letztlich nicht durchsetzbar, weil gar nicht zu kontrollieren. Wir erleben eine Politik der höchst-möglichen, längst nicht mehr der nötigen Reglementierung!

  • Werner Würmli sagt:

    Warum hat man bei dieser Thematik ein ungutes Gefühl?
    Könnte es sein, dass das Sozialistische Einheitsregelungen sind?
    Die Schweiz regelt vieles mit Verordnungen, ausserhalb der Gesetze.
    Mein alter Jugendfreund (Cleverer Kaufmann) mahnte schon zu Beginn der 3.-Säule-Ära: „Sie holen sich das, was du gespart geglaubtes rechtzeitig wieder“. Kapitalsteuer. (ende Zitat). Und du warst dann blöd genug, ein hedonisches Leben zu unterdrücken.
    Wenigstens freut das den Staat. (Wobei Askese, a priori nichts schlechtes ist).

  • Kurt Scheidegger sagt:

    Sämtliche Kommentare von Anh Toàn sind FALSCH! Er oder sie verbreitet hier Unwahrheiten!

    • Anh Toàn sagt:

      Auslegung von Gesetzen lässt sich nicht an einer Wahrheit messen.

      • Paul Kellenberger sagt:

        Aber man muss nicht unbedingt in einem Blog zu einem Thema schreiben, wo man selbst kein Ahnung oder persönliche Erfahrung hat.

      • Anh Toàn sagt:

        Die allerwenigstens haben keine Erfahrung mit 2ter oder 3ter Säule.

      • Anh Toàn sagt:

        Warum glauben Sie, wird dies, der Transfer von Geldern aus der dritten in die zweite Säule derart unterschiedlich behandelt? Warum sagen Bankjuristen das ginge nicht, Herr Spieler in einem anderen Beitrag das ginge und hier sogar das müsse sein. Zumindest ist das Gesetz nicht eindeutig, sonst wären sich die meisten einig. (Irgendwo gibt es immer einen mit abweichender Meinung). Meines Erachtens hat der Gesetzgeber berufliche Vorsorge (Volksmund 2te Säule) klar getrennt von der steuerlich privilegierten individuellen Vorsorge (Volksmund Säule 3a). Ich sage hätte BVV 3 3b den Übertrag schon nur erlauben wollen, müssten da die zwei Wörter „berufliche Vorsorge“ stehen. Aber zumindest kann ich (Sie auch nicht, aber Herr Spieler und die Vorsorgeeinrichtung hier anscheinend)…

      • Anh Toàn sagt:

        …keine gesetzliche Grundlage finden, eine Vorsorgevereinbarung im Rahmen der Säule 3a vorzeitig aufzulösen um die Gelder in die dritte Säule zu zahlen.

        Die PK welches es hier verlangt, die Juristen der Bank, welche es im anderen Fall verweigerten, haben wohl beide Ahnung von der Materie, aber eine ziemlich gegensätzliche Meinung.

      • Anh Toàn sagt:

        …keine gesetzliche Grundlage für eine Verpflichtung, vorzeitig aufzulösen, kann ich finden, und die Einzahlung in eine PK mit Mittel der Säule 3a, ist eine vorzeitige Auflösung des Säule 3a Vorsorgeverhältnisses.

  • Paul Kellenberger sagt:

    Mir kommen die Antworten vom Blog wie auch die Antwort von Herr Spielmann etwas suspekt vor. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen:
    Obwohl ich schon mehrmals Gelder in die 2. Säule einbezahlt habe, wurde ich von der Pensionskasse nie nach dem Säule 3a Vermögen gefragt. Ob und wieviel ich in die 2. Säule einzahlen kann, dafür ist die maximale Einkaufssumme, welche auf dem Pensionskassenausweis steht, verbindlich. Und die auf dem Pensionskassenausweis aufgeführte maximale Einkaufssumme hat nichts zu tun mit dem angesparten Kapital der Säule 3a.

  • Paul Kellenberger sagt:

    Entstehung von Einkaufspotential
    Einkaufspotentiale können durch Lohnentwicklung, Stellenwechsel, den verspäteten Einstieg ins Berufsleben bei Akademikern oder durch Mutterschaft sowie Arbeitslosigkeit entstehen. Weiter auch durch einen Ausbau des Vorsorgeplanes. Das angesparte Kapital in der Säule 3a hat damit nichts zu tun.

  • Dorian Meili sagt:

    Wie verhält es sich denn mit dem Einkaufspotential bei mehreren aktiven PK-Policen von mehreren gleichzeitigen Arbeitgebern?

Kommentar

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