Fürstliche Anlagen mit Potenzial

Mit Fonds von LGT kann man sein Geld anlegen wie das Fürstenhaus von Liechtenstein – risikolos ist das aber nicht.

Es funkelt fast wie Gold: Das Schloss Vaduz in der Dämmerung. Foto: Gian Ehrenzeller (Keystone)

Mein Berater schlug mir vor, einen Teil meines Vermögens in die Fonds Fürstliche Strategie GIM (B CHF) zu investieren. Diese Fonds seien gebührenfrei, und man könne so auch Negativzinsen umgehen. Diese Fonds machen mir keinen schlechten Eindruck, sind gut diversifiziert, ich bin aber trotzdem verunsichert. Ich würde mich sehr freuen, von Ihnen zu hören, was Sie von diesen Fonds halten. S.C.

Wenn Sie in die LGT-GIM-Fonds investieren, können Sie Ihr Geld anlegen wie der Fürst von Liechtenstein. Das Fürstenhaus von Liechtenstein hat die Verwaltung seines fürstlichen Portfolios der LGT übertragen, was naheliegend ist, da die Bank dem Fürstenhaus gehört und so etwas wie ein deutlich erweitertes Family Office darstellt, bei dem auch andere Kunden ihr Vermögen parkieren können.

Vermarktet wird das alles unter dem Titel «Anlegen wie der Fürst», was in erster Linie eine wunderbare Marketingstory ist, aber per se keine Garantie darstellt, dass Sie Ihr Geld tatsächlich erfolgreich investieren. Immerhin sorgt die Tatsache, dass die Eigner der LGT-Bank selbst Geld in diesen Fonds haben, dafür, dass einige Augen zusätzlich genau hinschauen, was mit dem Kapital passiert, was ich für einen Vorteil halte.

Doch selbst das bietet nicht zwingend eine Erfolgsgarantie. Die im Rahmen der fürstlichen Strategie vermarkteten Fonds setzen sowohl auf traditionelle Anlageklassen, wie Aktien oder Obligationen, als auch auf alternative Anlagen wie Private Equity. Unter der LGT-GIM-Fonds-Palette gibt es verschiedene Vehikel, die in verschiedenen Währungen wie Franken, Euro oder Dollar geführt werden und auch unterschiedliche Strategien verfolgen.

Der LGT GIM Balanced (CHF) B beispielsweise weist unter anderem einen Aktienanteil von rund 40 Prozent auf; rund 38 Prozent Anleihen verschiedener Segmente, Immobilien und rund 3 Prozent Private-Equity-Anlagen.

Der LGT GIM Growth (CHF) B hingegen hat über 50 Prozent Aktien, mit rund 24 Prozent deutlich weniger Anleihen, dafür neben anderen Anlageklassen mit 5 Prozent auch deutlich mehr Private-Equity-Anlagen. Damit müssen Sie bei diesem Vehikel mit stärkeren Schwankungen rechnen als beim etwas konservativeren Balanced-Vehikel.

Nicht richtig ist die Information, dass diese Fonds gebührenfrei sind. Möglicherweise fallen keine Depotgebühren an, was die Bank selbst bestimmen kann. Die Fonds selbst belasten indes durchaus Gebühren – beim LGT GIM Growth (CHF) B zusätzlich zu einer jährlichen Verwaltungsgebühr von 1,50 Prozent noch nicht weiter definierte Verwaltungskosten von 0,30 Prozent pro Jahr, was alles in allem durchaus fürstliche Gebühren ergibt. Falls die Fonds eine starke Performance erreichen, spielen die Gebühren eine geringere Rolle – entscheidend für Sie ist letztlich die Nettorendite nach Gebühren.

Die Fonds sind aus meiner Sicht professionell geführt, bieten eine breite Diversifikation und eine gute Wahrscheinlichkeit, dass Sie auf lange Sicht von mehreren Jahren eine positive Rendite erwirtschaften. Je nach Vehikel mit mehr oder weniger hohem Aktienanteil haben Sie kleinere oder grössere Renditechancen.

Bei allen diesen Fonds tragen Sie aber ein erhöhtes Anlagerisiko und müssen in einzelnen Börsenjahren auch damit rechnen, dass Sie einmal auf Buchverlusten sitzen. Darum finde ich den Ratschlag, dass Sie mit diesen Fonds Negativzinsen verhindern können, die Sie auch bei LGT auf hohen liquiden Mitteln verrechnet bekommen, etwas heikel. Bei liquiden Mitteln verzichten Sie bewusst auf einen Ertrag, sind der Teuerung ausgesetzt, die an Ihrem Geld nagt, und nehmen in Kauf, dass Sie ab einer bestimmten Schwelle Negativzinsen haben.

Das eigentliche Schwankungsrisiko, das Sie bei jedem Fonds und jeder Anlage haben, tragen Sie bei liquiden Mitteln aber nicht. Bei den fürstlichen Fonds, die Ihnen Ihr Bankberater vorgeschlagen hat, sind die Anlagerisiken somit weit höher als bei liquiden Mitteln, dafür haben Sie auf lange Sicht deutlich höhere Ertragschancen.

Sie sollten sich allerdings genau überlegen, ob Sie bereit sind, diese erhöhten Risiken für sich zu tragen, ohne dass Sie während turbulenteren Börsenphasen, die uns künftig wohl bevorstehen, schlaflose Nächte haben.

13 Kommentare zu «Fürstliche Anlagen mit Potenzial»

  • Peter Rohner sagt:

    Hier handelt es sich um normale, aktive Misch- oder Strategiefonds, die bei einer Anlagedauer ab 5 Jahren in jedem Fall eine positive Gesamtperformance erreichen sollten (Buy-and-Hold ist natürlich Voraussetzung).

    Wenn man einen Fonds kauft, dann vorher unbedingt bei „morningstar.ch“ schauen, wie sich dieser Fonds gegenüber anderen schlägt. 3 Sterne = Mittelmass, 4 Sterne = gut, 5 Sterne = sehr gut.

    Der „LGT GIM Balanced“ kommt auf 3 Sterne, hat einen Ausgabeaufschlag von 5% und jährliche Gebühren von 1.89% … Ist das also ein kaufenswerter Fonds? Nö, um es kurz zu machen.

    • Peter Rohner sagt:

      Bei „avadis.ch“ geht das viel besser. Hier die Mischfonds „Basis“ oder „Wachstum“ anschauen (oder natürlich „Aggressiv“ oder „Aktien“).

  • Matthias Schärer sagt:

    Um im globalen Trend zu liegen: Könnten Sie noch etwas zur Nachhaltigkeit dieser Fonds sagen?

  • Daniel von Trub sagt:

    Wer unbedingt sein hart verdientes Geld einem Fondsmanager überlassen will, soll dies ruhig machen……………….
    Mir jedenfalls wird es nie in den Sinn kommen, mein hart verdientes Geld auch nur einem Fondsmanager anzuvertrauen.
    Aber wer sich zu Schade ist, sich selber mit dem Thema Geld zu beschäftigen, der soll ruhig eine schlechtere Rendite bekommen, als jene die ihr eigen hart verdientes Geld selber verwalten.

  • Vetter Reto sagt:

    Ich erhalte nächstens ein Erbe ausbezahlt, in der Höhe von rund 350’000 Fr., und möchte sehr gerne etwa die Hälfte davon investieren, so dass mir auf längere Sicht etwas nachhaltiges davon auch die nächsten Jahre übrig bleibt. Was ratet, empfiehlt ihr da mir? Wie gehe ich da am besten vor? Fonds, Aktien, Obligationen, fremdwährungen, pensionskasse, gold? Bei wem lasse ich mich da am besten beraten? Banken, finanzplaner, Börsenzocker? Danke für die Infos und Hilfe.

    • Pan Flöte sagt:

      Lies hier im Geldblog mit, dann weisst du Bescheid …

    • Daniel von Trub sagt:

      Lesen Sie Bücher. Bilden Sie sich in finanziellen Fragen weiter. Abonnieren Sie bekannte youtube Kanäle.
      Nehmen Sie an Seminaren teil.

    • Oil of Olaf sagt:

      Warten Sie solange, bis Ihnen 90% der Spezialisten abraten zu investieren.
      Dann ist die beste Zeit einzusteigen.

      Vorerst würde ich Ihnen raten geduldig zu warten.

      Geld ist rascher verloren als schlau vermehrt.

      Sei cleverer als die meisten geldgierigen Hetzer.
      Du willst doch deren Geld, oder willst Du Ihnen Dein Geld geben?

  • Konfuzius sagt:

    Gerd Kommer – Souverän investieren für Einsteiger

  • Oil of Olaf sagt:

    Ich melde mich auch noch.
    Bei den LGT Fonds sehe ich spontan zwei Aspekte.
    Erstens, das negative Argument bei Fonds. Sie bezahlen immer auch an die gesamten Verwaltungskosten der Fonds Vetreiber mit, mit Ihrer Investition.
    Gerade schlecht sind diese Räumlichkeiten, Mitarbeiter und Infrastruktur auch nicht bezahlt.
    Zweitens, ein positives Argument, die Liechtensteiner mit unbeschränktem EU Zugang und bester Vernetzung international sind finanztechnisch keineswegs auf den Kopf gefallen und können durchwegs auch in Zukunft mit akzeptabler Rendite brillieren.
    Fonds bevorzuge ich als Bündner Gersten Suppe. Kohlen anlegen, mache ich selber besser und günstiger.

Kommentar

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