Aryzta: Verlust realisieren oder hoffen?

Warum beim Backwarenkonzern Aryzta nach dem Absturz durchaus auf eine Erholung gesetzt werden darf.

Starke Marktposition: Das Geschäft mit Tiefkühlbackwaren verspricht auch künftig Wachstum. Foto: Keystone

Ich habe eine Tranche der Anleihe von Aryzta und sitze auf beträchtlichen Buchverlusten. Soll ich diese Verluste realisieren, oder gibt es doch noch eine Chance für eine Erholung? W.O.

Der Backwarenkonzern Aryzta gehört zu den Sorgenfirmen an der Schweizer Börse. Das Unternehmen hat eine 5,2784%-Anleihe im Umfang von fast 600 Millionen Franken ausstehend.

Nachdem sich das operative Geschäft enttäuschend entwickelte und mehrmals Gewinnwarnungen herausgegeben werden mussten, brach die Aktie dramatisch ein, und auch der Kurs der Aryzta-Anleihe ging in den Keller. Zeitweise ging der Kurs auf unter 60 Prozent zurück, weil man einen Zusammenbruch befürchten musste; er hat sich inzwischen aber auf gut 78 Prozent erholt.

Das Unternehmen produziert in erster Linie vorgebackene Tiefkühlbackwaren für den Detailhandel in Supermärkten mit Backstationen oder Convenience-Shops und verfügt international über eine starke Marktposition. Dieses Geschäft verspricht auch künftig einiges an Wachstum.

In der Vergangenheit war Aryzta aber zu wild gewachsen und hatte mehrere Akquisitionen getätigt, die sich letztendlich nicht bezahlt machten. Im Zuge der aggressiven Wachstumsstrategie wuchsen auch die Schulden, während die Margen zurückgingen und sich immer mehr Probleme im operativen Geschäft abzeichneten.

Vor allem in Nordamerika ist Aryzta mit Gegenwind konfrontiert und dürfte in diesem hart umkämpften Markt nur schwer vorankommen, wie auch die im Oktober publizierten Jahreszahlen für das Geschäftsjahr 2018/19 zeigten. Immerhin konnte der Konzern gesamthaft die Profitabilität etwas verbessern. Dank Kostenreduktionen konnten die Margen gestärkt werden. Der Umsatz indes enttäuschte.

Für Sie als Inhaber der Aryzta-Anleihe ist vor allem auch die Verschuldungssituation entscheidend. Die vor einem Jahr erfolgreich durchgeführte Kapitalerhöhung hat die Lage deutlich verbessert. Positiv ist auch, dass die Firma durch den Verkauf des Grossteils ihrer Beteiligung am französischen Tiefkühlprodukte-Hersteller Picard, die für 156 Millionen Euro die Hand wechselte, die Verschuldungslage weiter entschärft hat. Noch ist Aryzta aber nicht aus dem Schneider, sondern geht durch einen klassischen Turnaround-Prozess. Die Risiken sind nach wie vor beträchtlich.

Wenn Sie dieses Risiko tragen können, würde ich die Buchverluste nicht realisieren, sondern auf eine Erholung setzen. Allerdings sollten Sie solche Firmen auf der Intensivstation besonders genau verfolgen. Aryzta hat im vergangenen Geschäftsjahr die Zinszahlung für alle drei ausstehenden Hybridanleihen ein weiteres Mal aufgeschoben. Per Ende Juli 2019 lagen die aufgelaufenen Schuldzinsen für die Hybridanleihen bei 82 Millionen Euro.

Auch im laufenden Geschäftsjahr sind keine Zinszahlungen auf den Hybridanleihen geplant. Laut Patrick Hasenböhler, Analyst bei der Zürcher Kantonalbank, bleibt die finanzielle Lage bei Aryzta angespannt, und der Verschuldungsgrad ist weiterhin substanziell. Dennoch hat die ZKB das Rating für Aryzta von B auf B+ hochgestuft und den stabilen Outlook beibehalten.

Patrick Hasenböhler: «Die Höherstufung reflektiert die Stabilisierung des operativen Gewinns, die Reduktion der Nettoverschuldung durch die Kapitalerhöhung und den Mittelzufluss durch den Beteiligungsverkauf an Picard. Der Turnaround ist jedoch weiterhin eine anspruchsvolle Aufgabe, wie unter anderem der Rückgang der organischen Umsatzentwicklung im vierten Quartal widerspiegelt.»

5 Kommentare zu «Aryzta: Verlust realisieren oder hoffen?»

  • Rolf Rothacher sagt:

    Aryzta standen vor 11 Jahren auf knapp 600 Franken pro Aktie, dümpeln heute bei unter 1 Franken herum. Die Aktie ist auch von Januar 2018 bis heute von über 8 Franken auf unter 1 Franken gefallen. Aryzta wird von unfähigen Managern geleitet, die sich selber unerhört bereichern. Der Vergütungsbericht wurde von nicht einmal 78% der Stimmen abgesegnet. Ich finde es unverantwortlich, wenn Martin Spieler für eine solche Aktie Werbung betreibt.

    • Michael sagt:

      Anleihen != Aktien. Aber in der Schweiz ist das Finanz-Knowhow seiner Einwohner trotz aller Finanzinstitute auf dem Niveau einer Bananenrepublik… Kings Club, Madoff usw. lassen grüssen

  • Christian Wäfler sagt:

    «Noch ist Aryzta aber nicht aus dem Schneider, sondern geht durch einen klassischen Turnaround-Prozess. Die Risiken sind nach wie vor beträchtlich.
    Wenn Sie dieses Risiko tragen können, würde ich die Buchverluste nicht realisieren, sondern auf eine Erholung setzen.»

    @Rothacher: Habe ich einen anderen Text als Sie gelesen? Herr Spieler schreibt von beträchtlichen Risiken und wenn man diese tragen kann auf ein HALTEN. Zumindest ICH kann die von Ihnen genannte «Werbung» im Artikel nirgends finden. Ev. eine allgemeine Unzufriedenheit ihrerseits?

    • Tobi sagt:

      Die Aryzta Aktie notierte nie Sfr. 600 (Sie meinen die alte Hiestandaktie, die aber durch Aktiensplit nicht mehr mit der heutigen Aryztaaktie verglichen werden kann). 2015 war Aryzta umgerechnet ca. 8 Franken, im Januar 2018 war die Aryzta Aktie 3 Franken wert, heute 1. ABB, der Top Schweizer Industriewert schwankte schon zwischen 45 und 2 Franken. Selbst top Firmen kann dies passieren, wenn der Markt überreagiert. Aryzta ist der Markführer im Tiefkühlmarkt und die Aktie sollte sich deutlich erholen, nachdem die Finanzierung stabilisiert wurde, ebenso die Hybridanleihen.

  • Tobi sagt:

    Ergänzung: Der rückgerechnete Aryztachart, z.B. auf Swissquote ist falsch. Die Marktkapitalisierung von Aryzta war Anfang 2018 ziemlich genau 3 Milliarden, was heute einem absoluten Wert von 3 Franken entspricht. Damals entsprachen diese 3 Franken etwa Sfr. 30. Die Kapitalerhöhung führte ziemlich genau zu einer Zehnteilung des alten absoluten Kurses. Gegenwärtige Börsenkapitalisierung ist ca. 1 Milliarde, dies entspricht einem Aktienkurs von ziemlich genau Sfr. 1.

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