Clariant-Papiere versprechen Kursavancen

Clariant: Was weder hohes Wachstum noch hohe Margen verspricht, wird verkauft. Foto: Arnd Wiegmann/Reuters

Der Muttenzer Chemiekonzern Clariant will sich auf die Geschäfte konzentrieren, die Wachstum und hohe Margen versprechen. Der Rest wird verkauft. Verkündet wurde das im Herbst 2018 anlässlich des damals geplanten Zusammengehens mit der Spezialchemiesparte des Clariant-Grossaktionärs Sabic. Die Verbindung kam dann doch nicht zustande, doch Clariant hielt an der Fokussierungsstrategie fest und kann jetzt den Verkauf des grössten der zur Devestition bestimmten Bereiche, Masterbatches, melden – und wie ich finde, zu einem guten Preis. Zuvor wurde schon das kleine Geschäft mit Chemikalien für den Gesundheitsbereich veräussert. Für Masterbatches konnte das 12-Fache des Betriebsgewinns vor Amortisationen und Abschreibungen (Ebitda) gelöst werden, für die Gesundheitschemie das 13-Fache. Wenn für das noch zu verkaufende Pigmentgeschäft nur schon der 10-fache Ebitda gelöst wird, dann ist die Rest-Clariant, die die besten Geschäftsteile umfasst und bereinigt um die Nettoliquidität, nur gerade mit dem 7,5-fachen Ebitda bewertet. Ich denke, das verspricht weitere Kursavancen. Kaufen

Gute Wachstumsaussichten

Ich bin ja grundsätzlich kein zögerlicher Investor. Aber vergangene Woche haben mich die Verwaltungsräte des Liftherstellers Schindler richtiggehend verunsichert. Der langjährige Patron Alfred N. Schindler und Verwaltungsratspräsident Silvio Napoli haben devestiert. Bei den Paketen handelt es sich zwar um kleine Anteile ihrer gesamten Beteiligungen. Dennoch habe ich mich gefragt, ob man nachziehen soll. Die Partizipationsscheine sind nämlich hoch bewertet. Seit Anfang Jahr haben sie 26 Prozent zugelegt. Anfang der letzten Woche erreichten sie gar ein Allzeithoch. Seither haben die Papiere wieder leicht an Wert eingebüsst, wohl auch, weil einige Publikumsaktionäre den Verwaltungsräten bei ihrem Verkaufsentscheid gefolgt sind. Zwar ist der Preis, der jetzt bei einem Verkauf erzielt wird, hoch. Aber Schindler ist ein gut geführtes Unternehmen mit sehr guten Wachstumsaussichten. Langfristig gibt es da durchaus noch Luft nach oben. Halten

Ungesunde Wurst

Nestlé hat kurz vor Weihnachten noch ein Versprechen eingelöst: Der Nahrungsmittelkonzern lagert Herta in ein Joint Venture aus. Das Geschäft mit Wurst- und Fleischwaren wirft im Vergleich mit anderen Produkten wenig ab, das Wachstumspotenzial ist beschränkt. Zudem ist gesund anders – und Chef Mark Schneider hat sich noch stärker als seine Vorgänger dem Gesundheitstrend verschrieben. Vor diesem Hintergrund halte ich die Massnahme für richtig, auch wenn ich einen kompletten Verkauf präferiert hätte. Aber es scheint, als hätte Nestlé auf dem Markt keinen ansprechenden Preis für das Geschäft angeboten bekommen. Gut möglich, dass Interessenten wegen der Schweinegrippe abgesprungen sind. Die Preise für Schweinefleisch sind in den vergangenen Monaten explodiert. Das schmälert die ohnehin schon dünne Marge. Der Konzern zeigt sich unter Schneider kreativ, die Strategie wird konsequent vorangetrieben. Das hat die Aktien dieses Jahr bereits beflügelt und macht sie kurzfristig etwas teuer, aber Investoren mit einem langen Anlagehorizont sollten: Kaufen

Behutsam vorgehen

Die Apotheke kommt in den Supermarkt. Zur Rose, die in Europa führende Onlineapotheke aus der Schweiz, und die Migros-Tochter Medgate erweitern ihre im Juli angekündigte Kooperation. Sie gründen zwei Joint Ventures. Eines wird einen Onlineshop betreiben, ein zweites Shop-in-Shop-Apotheken in Migros-Filialen. Es startet im Januar mit vier Angeboten in Bern, Basel und Zürich. Für Zur Rose, die seit Juli bereits exklusiv die Gesundheitszentren von Medbase mit 450 000 Patienten beliefert, bieten die Gemeinschaftsunternehmen mittelfristig zusätzliches Umsatzpotenzial. Allerdings dürfte die Migros behutsam vorgehen, denn häufig sind Apotheken in ihren Einkaufszentren eingemietet. Zur Rose hat in letzter Zeit mehrere Unternehmen übernommen. Auch der Ausbau der Aktivitäten in Deutschland absorbiert Mittel, was die Rentabilität kurzfristig drückt. Es ist auch keine ausgemachte Sache, dass der Onlinehandel mit Medikamenten so rasch abhebt wie in anderen Bereichen – oder ob Zur Rose längerfristig vorne mitmischen kann. Mir gefällt das Modell, ich kann die Aktien aber nur risikofreudigen Anlegern empfehlen. Halten

Solide sieht anders aus

Dass bei Asmallworld (ASW), dem Netzwerk für Reiche, alles funkelt und glänzt, gehört zum Geschäftsmodell. Nichts soll die Partylaune der ASW-Mitglieder auf der Jacht in St. Tropez oder im Luxusresort auf den Seychellen trüben. Und so sieht es auf den ersten Blick toll aus, dass das Management von Jet­setter Patrick Liotard-Vogt die Umsatzerwartung für das Geschäftsjahr 2019 angehoben hat und ASW auch das Ziel von bis zu 58 000 Mitgliedern erreichen wird. Es gibt aber eine Kehrseite. Den Ausbau zu einem Luxusreise­anbieter hat ASW hauptsächlich über Zukäufe bewältigt, mit Folgen für die Bilanz: Schulden und Rückstellungen übersteigen den Umsatz deutlich, das Eigenkapital ist wegen Goodwillabschreibungen negativ – solide sieht anders aus. Immerhin erwartet ASW für das Jahr auf allen Stufen schwarze Zahlen. Für eine Mikrofirma mit weniger als 13 Millionen Franken Umsatz und Wachstumsfantasien ist das nicht selbstverständlich. Für die Aktionäre bleibt bei ASW derweil nicht viel übrig. Die Titel haben seit Jahresanfang ein Drittel ihres Werts verloren, Dividende gibts keine. Party machen können die Jungs um Liotard-Vogt offenbar schon, Aktionärswert generieren müssen sie noch lernen. Meiden

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