Wo kann ich noch rentabel investieren?

Langfristiges Kurswachstum oder regelmässige Erträge? Anleger müssen hier Prioritäten setzen.

Keine Angst vor Kursschwankungen? Dann sind Dividendenperlen wie Nestlé oder Swisscom lukrativ. Foto: Keystone

Sie schreiben, es sei besser, Geld zu investieren, anstatt Bargeld zu halten. Im Prinzip einverstanden. Aber wo soll man denn konkret investieren? In überbewertete Aktien, die bei einem zu erwartenden Wirtschaftsrückgang massiv an Wert verlieren? In Obligationen, die keinen Zins bringen? In Obligationenfonds, die bei einer Zinswende im Wert zusammenfallen? In überbewertete Immobilien, die bei einer Zinswende auch an Wert verlieren? Oder in Gold, dessen Entwicklung unberechenbar ist? Oder in Rohstoffe, deren Entwicklung genau so unberechenbar ist? In Altersvorsorge kann ich nicht, weil ich seit kurzem pensioniert bin. Weitere Ideen habe ich leider nicht. L.S.

Ihre Bedenken kann ich gut verstehen. Dennoch: Wenn man gar nicht investiert, verliert man faktisch Geld. Ja, Sie haben recht, dass die Aktienmärkte keineswegs mehr günstig und viele Papiere in der Tat hoch bewertet sind. Das Gleiche gilt für Immobilien. Und ich gebe Ihnen auch recht, dass viele Obligationen schlicht unattraktiv sind.

Und doch lohnt es sich, die einzelnen Anlageklassen etwas vertieft anzuschauen. Bei den Aktien muss man nach dem schönen Anstieg in diesem Jahr jederzeit mit einer Korrektur rechnen.

Zwar stützen die historisch tiefen Zinsen und die neusten Zinssenkungen der Notenbanken in den USA und Europa die Börsen auch künftig. Mit dem weiter ungelösten Handelsstreit zwischen den USA und China, dem Austritt von Grossbritannien aus der EU, der Konjunkturabschwächung in Europa und vielen geopolitischen Risiken bestehen aber etliche Unsicherheitsfaktoren, die jederzeit zu Turbulenzen an den Märkten führen können.

Das spricht alles gegen Aktien. Das Problem ist, dass es kaum überzeugende Alternativen zu den Aktien gibt. Sehr sichere Frankenanleihen bringen kaum mehr Zins, oder man verliert sogar Geld.

Immerhin können Sie in Fremdwährungsanleihen gehen, die wenigstens etwas Rendite bringen. Dafür aber tragen Sie dann ein Währungsrisiko. Im Sinne der Diversifikation könnten Sie einen Obligationenfonds nutzen, der verschiedene Fremdwährungsanleihen enthält und somit etwas Ertrag abwirft.

Aus meiner Sicht müssen Sie sich überlegen, welche Ziele Sie mit Ihrem Geld in den nächsten Jahren verfolgen. Sind Sie an einem Kurswachstum etwa bei Aktien interessiert? Wenn ja, müssten Sie für einen Einstieg eine Korrektur mit deutlich tieferen Kursen abwarten.

Falls Sie aber einfach an regelmässigen Erträgen interessiert sind und für Sie Kursschwankungen eine geringere Rolle spielen, können Sie durchaus Dividendenperlen wie Nestlé, Swisscom, Zürich, Swiss Re, Novartis oder Roche kaufen.

Deren Kurse werden zwar in der zu erwartenden Korrektur tauchen. Wenn Sie aber bereit sind, die Kursschwankungen in Kauf zu nehmen, und bewusst einen Anlagehorizont für diese Titel von zehn Jahren wählen, weil Sie ja an den Dividenden interessiert sind, verlieren die Kursschwankungen aus meiner Sicht deutlich an Bedeutung, denn Sie wollen ja nicht spekulieren.

Ähnliches lässt sich zu den Immobilien sagen: Auch Immobilienaktien und Immobilienfonds sind teuer bewertet. Immerhin aber bringen diese Vehikel schöne regelmässige Erträge. Wenn Sie auch da Kursschwankungen tragen können und einen langen Anlagehorizont haben, dürften Sie wohl einige Jahre lang von attraktiven Erträgen profitieren. Solange die Zinsen extrem tief bleiben, rechne ich nicht mit einem starken Einbruch bei den Immobilien.

Das ebenfalls von Ihnen erwähnte Gold würde ich nur als Abrundung Ihres Depots verwenden. Gold ist eine Absicherung gegen die grosse Krise, bringt aber keinen Zins und keine Dividenden. Darum würde ich Gold nur als Diversifikation halten.

19 Kommentare zu «Wo kann ich noch rentabel investieren?»

  • Fritz Kunz sagt:

    Die Welt hat genug für jedermanns Bedürfnisse, aber nicht für jedermanns Gier.
    Mahatma Gandhi

  • Pan Flöte sagt:

    Und ewig ruft das Murmeltier …

  • Manuel Goss sagt:

    Wenn man die letzten Jahrzehnte zurückschaut; Es herrscht permanenter Anlagenotstand!
    .
    Das ist auch kein Wunder, verdient? eine Branche mit 90% „ungedeckten“ Forderungen (Giralgeld) durch innovative Neuschöpfungen wie Derivate, CDS und Co leistungslosen „Luxus“ ….. – verschiebt eine Begleichung der Schulden von Jahr zu Jahr um Jahrzehnte – Jahrhunderte durch Neuverschuldung und Negativzinsen ….
    .
    und diskontiert damit die Zukunft …..
    .
    Dieses kranke System der leistungslosen Umverteilung gehört in die Tonne!

    Deshalb benutze ich nur noch Bargeld und keine „Giralbankschuldscheine“ – das Bankenzahlungsmittel“

  • Anh Toàn sagt:

    Es gibt keinen Gewinn ohne Risiko.

    Früher, als es noch hohe Zinsen gab, wurde man auch ärmer mit Sparen ohne Risiken, die Inflation war noch höher als die Zinsen. Man wurde da reich mit Schulden machen, je mehr Schulden, umso reicher wurde man, die realen Zinsen waren nämlich negativ, aber man konnte sogar die nominalen von den Steuern absetzen und musste die Abwertung der Verbindlichkeiten nicht versteuern, bzw. die Aufwertung der entsprechenden Investition, in der Breite vor allem des Eigenheims, nicht versteuern.

    Mit Schulden wird man reich im Kapitalismus, mit der Passivseite der persönlichen Bilanz, nicht mit Anlegen der Aktiven.

  • Stephan Fehlmann sagt:

    Wenn man längerfristig und gestaffelt in Weltmarktführer und in CH- Aktien investiert, die regelmässig und seit X-Jahren auch noch Dividenden ausschütten, kann man kaum etwas falsch machen. Aber was ist längerfristig in der heutigen Zeit, drei Tage, drei Monate oder doch eher 10-20 Jahre? Das Problem ist, man will heute reich sein und nicht erst morgen…….und da fängt das Problem halt schon an!

  • Anh Toàn sagt:

    „längerfristig in Weltmarktführer und in CH-Aktien… investiert“

    Ein ziemlich schlauer Ansatz sagt, investiere in die zukünftigen Weltmarktführer, die Nummer zwei strängt sich stärker an, die Nummer eins wird satt und träge.

    Also sollte man längerfristig in Schwellenländern statt der Schweiz investieren, da rennen die noch, die haben Ambitionen.

    • Josef Marti sagt:

      Bei den Chinesen und Asiaten schon, die anderen hingegen gehen lieber den ganzen Tag pimpern anstatt zu arbeiten und sich weiterzubilden.

      • Anh Toàn sagt:

        Vielleicht liegt die Zukunft ja im pimpern, singen, tanzen, Sport, alles andere machen Maschinen, die sind stärker und bald auch schlauer als wir alle zusammen.

  • Lucas Wyrsch sagt:

    Auf die Frage von Martin Spieler, „Wo kann ich noch rentabel investieren?“
    gäbe es nur eine Antwort und die wäre, in die rentabelste Anlageklasse der Welt!
    .
    Wie verhalten sich Immobilien zu Aktien, Beteiligungen und Anleihen?

    Globale Immobilien sind mit US$228 Bio eine wertvollere Anlageklasse als alle Aktien, Wertschriften und Anleihen kombiniert, die zusammen im Jahr 2016 lediglich US$170 Bio betrugen.
    Quelle: Global Real Estate: Trends in the world’s largest asset class, HSBC
    .
    Wer in globale Immobilien investieren will kaufe sich beispielsweise AMT oder American Tower, eine REIT die über 171,000 Sendemasten in 17 Ländern besitzt und diese an Telecom, Radio- und Fernsehstationen vermietet!
    .
    REITs sind die profitabelsten und sichersten Anlagen der Welt!

  • DerRealist sagt:

    Also lassen wir die 0.4% oder wie viel auch immer an Inflation und negativ Zinsen mal weg und haben 1 Mio CHF auf dem Konto oder in Bar (egal) und wissen im Moment nicht wohin damit und warten auf eine Aktienkorrektur, um dann zu investieren.
    Frage an die Runde:
    Was könnte mit dem Geld passieren, wenn z.B. der Euro crasht oder einer auf die Idee kommt es gibt nur noch den Digitalen CHF oder sonst so eine komische Sache. Was ist relaistisch in den nächsten 3-5 Jahren.
    Oder bleibt die 1 Mio CHF einfach eine Mio?
    Was denken die Denker hier?

    • Peter Schneider sagt:

      Es könnte durchaus sein, dass in den nächsten 3-5 Jahren keine Korrektur kommt. Selbst wenn eine Korrektur von -30% kommt: das hat der SPI in diesem Jahr vorwärtsgemacht. Wie fühlen Sie Sich hierbei aus Aussenstehender? Hätten Sie Ihre Mio bereits beim letztjährigen „Crash“ investiert. Und der war nur um -10%.
      Ihr Problem ist insofern schlicht und ergreifend, dass Sie die richtigen Zeitpunkte eh verpassen. Statt von einer jährlichen Durchschnittsrendite von 7% zu profitieren, philosophieren Sie von irgendetwas herum, dass im Prinzip reines Glück ist. Den richtige Zeitpunkt erwischen oder mit System investiert bleiben und vor allem reinvestieren. Wer gewinnt? Ich bin mir sicher, dass es letzteres ist. Und das sage ich, weil ich bei Internet Bubble 1.0, 9/11 austieg.

      • DerRealist sagt:

        Die Frage ist eher so gemeint, kann dem CHF überhaupt etwas gravierendes passieren? ausser Inflation, die nicht da ist.
        Die Frage im Text geht ja darum, warum nicht einfach Bargeld halten, zumindest im Moment?

      • Anh Toàn sagt:

        Nichts ist unmöglich, aber es ist nur schwer vorstellbar und die Frage wäre, falls der CHF nicht mehr in relativ kurzer Zeit einen grossen Teil seiner Kaufkraft verliert, in der Schweiz und auch im Ausland, oder Bankguthaben konfisziert werden, welche Welt darum herum wäre: Wohin man hätte laufen sollen mit dem Geld (und sich): Fahrradreifen wären dann vielleicht wertvoller pro Kg als Gold, aber es besteht keine Dringlichkeit, Fahrradreifen zu horten, Restrisiken bleiben immer.
        Die Million CHF wird auch in drei oder fünf Jahren mit etwa der gleichen Kaufkraft und Liquidität da sein, ein wenig Schwund ist halt immer beim lagern.

      • DerRealist sagt:

        @Anh Toàn
        So sehe ich das eben auch, nur wird halt oft dazu geraten, kein „Bar-Geld“ zu horten. Ich sehe eben darin im Moment kein Problem und keine Dringlichkeit zu Investieren in Aktien, die aus meiner Sicht zu hoch sind.

  • Thomas Nowak sagt:

    Wie kann man den Menschen nur dazu raten in z.B. Nestle zu investieren ?
    Damit noch mehr Schweinefutter auf den Markt kommt und noch mehr Wasser privatisiert wird ?

    Aber was solls, die Rendite wirds schon richten !

    • Belinda Sutter sagt:

      Nestle fungiert in den „nachhaltigen“ Fonds meiner Bank. Das hat mich schon ziemlich erschüttert, und mich veranlasst, mit der Alternativen Bank Kontakt aufzunehmen.

Kommentar

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