Kühne + Nagel will ­klimaneutral werden

Kühne + Nagel: Das Logistik- und Gütertransportunternehmen lässt in Myanmar, Indonesien und Peru Bäume pflanzen. Foto: PD

Transportlogistiker wie etwa Kühne + Nagel bewegen Tausende Tonnen Material via Flugzeug, Lastwagen, Schiff und Eisenbahn. «Es gibt keinen Transport, der nicht CO2 erzeugt», sagte Detlef Trefz­ger, Chef von Kühne + Nagel, kürzlich. Somit gehört die Branche zu den ganz grossen Klimasündern. Das möchte der Konzern aus Schindellegi SZ ändern. Kommendes Jahr will er die Klimaneutralität erreichen für alle Emissionen, die er selbst erzeugt, und bis 2030 für alle Emissionen, die durch Zulieferer erzeugt werden. Zur Kompensation lässt das Unternehmen mithilfe von Partnern in Myanmar, Indonesien und Peru Bäume pflanzen. Das macht Kühne + Nagel für Investoren, die an ökologischer Nachhaltigkeit interessiert sind, attraktiver. Obwohl mich das Unternehmen auch sonst grundsätzlich überzeugt, würde ich vom Kauf der Aktien derzeit absehen. Die Titel sind seit Jahres­beginn um knapp ein Drittel teurer geworden und bereits stattlich bewertet. ­Zudem schlägt der Handelskonflikt zwischen den USA und China auf die Stimmung in der Logistikbranche. Halten

Grösster Privataktionär macht Lärm

Das Management der Messebetreiberin MCH Group beneide ich derzeit nicht – und nun kommt eine weitere Baustelle hinzu. Der mit mehr als 10 Prozent Anteil grösste Privataktionär, die AMG Fondsverwaltung, macht Lärm und fordert eine ausserordentliche Ge­neralversammlung. Der Schritt kommt für mich nicht überraschend, hatten AMG-Vertreter doch schon früher mit einer ausserordentlichen GV kokettiert. Sie opponieren in erster Linie gegen den im September gefällten Entscheid, den Dienstleistungsbereich zu verkaufen. Viel eher sollen die Messehallen abgestossen werden. MCH befindet sich in einem Restrukturierungsprozess, weil das Geschäft mit Messen mehr schlecht als recht läuft und der Konzern in die roten Zahlen gerutscht ist. Die Aktien sind zwischen Mai 2017 und März 2019 von 83 auf 15 Franken gefallen. Das von Städten und Kantonen dominierte Aktionariat ist ein weiterer Knackpunkt: Der Kanton Basel-Landschaft möchte aussteigen, noch ist aber unklar, wer dessen Aktien übernimmt. Zudem hat der tiefe Aktienkurs neue Investoren angelockt, die primär an der renommierten Art Basel interessiert sind. Das hinterlässt bei mir den Eindruck, dass die altehrwürdige Messe Schweiz zu einem Spekulationsobjekt verkommen könnte. Meiden

Über eine Milliarde Franken

Am Freitag blätterte ich etwas lustlos im Magazin «Bilanz» zu den 300 reichsten Schweizern. Aufgefallen ist mir dabei die Tessiner Familie Siccardi. Der Börsengang «ihrer» Medacta im April hat dafür gesorgt, dass das vor 20 Jahren gegründete Orthopädieunternehmen ein öffentliches Preisetikett von deutlich über einer Milliarde Franken erhalten hat. Immerhin, aus dem Bericht wird klar, dass es sich bei den Siccardis um eine echte Unternehmerfamilie handelt, die das Unternehmen in einem weiteren Sinn als «Familie» betrachtet, und nicht um blosse Manager. Nun, den Investoren hat Medacta bislang keine Freude bereitet. Von der guten Stimmung am breiten Markt sind die Aktien nicht mitgerissen worden. Im Gegenteil, sie haben fast 15 Prozent verloren. Der Grund ist banal. Medacta hat die Prognose für das erste Halbjahr nur knapp erfüllt. Das hat Finanzanalysten bewogen, ihre Gewinnschätzung zu stutzen. Zudem ist das Unternehmen mit einer hohen Bewertung an die Börse gekommen, und da braucht es dann in einem wenig liquiden Handel nicht viel für bröckelnde Kurse. Unterdessen ist der Aktienkurs aber, gemessen an den grossen Konkurrenten aus den USA, auf attraktivem Niveau, zumal Medacta auf absehbare Zeit viel dynamischer wächst. Kaufen

Feindliche Offerte

Bald sind wohl die Aktionäre am Zug: Die Führung von HP will das Übernahmeangebot von Xerox nicht akzeptieren. Xerox bietet 22 Dollar in bar zuzüglich 0,137 Xerox-Papiere pro HP-Aktie. Einig sind sich die beiden Dinosaurier, dass eine Konsolidierung vor allem in der Druckerindustrie, in der beide tätig sind, durchaus sinnvoll sein kann. Uneinigkeit herrscht darüber, wer nun wen übernehmen sollte. Xerox hat nach dem Aus­laufen einer letzten Frist schon eine feindliche Offerte angekündigt – in der Thanksgiving-Woche ist aber erst einmal wenig passiert. Dass das so bleibt, ist unwahrscheinlich: Der aktivistische US-Investor Carl Icahn ist an beiden Unternehmen beteiligt und nicht bekannt dafür, Dinge auszusitzen. Wie sollten sich Aktionäre verhalten? Der neue Konzernchef tut den Xerox-Papieren auf jeden Fall gut. Seit dem ­Antritt von John Visentin im Mai 2018 haben Aktien des Traditionsunternehmens 40 Prozent zugelegt, seit Anfang Jahr hat sich ihr Wert fast verdoppelt. HP-Inc.-­Titel kommen in denselben Zeit­räumen auf ein Minus von 10 respektive 4 Prozent. Mittel- bis langfristig orientierte Anleger können mit einer Parti­zipation an Xerox-Titeln das Momentum und die Aussicht auf eine Konsolidierung der Industrie nutzen. Kaufen

 

2 Kommentare zu «Kühne + Nagel will ­klimaneutral werden»

  • Köbi Löwe sagt:

    „Kommendes Jahr will K+N die Klimaneutralität erreichen für alle Emissionen, die K+N selbst erzeugt, und bis 2030 für alle Emissionen, die durch Zulieferer erzeugt werden“:
    Grossartiges Ziel. Wenn es dazu kommt: Man darf gratulieren!
    Man sieht, der Wettbewerb macht es möglich. Andere werden nachziehen.
    Und zurück bleiben werden die Ewiggestrigen. und diejenigen, welche die Zeichen der Zeit um’s Jota nicht erkennen wollen.

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