Warum Dividende allein nicht selig macht

Unser Geldexperte verrät, welche Kriterien Sie beim Aktienkauf im Auge behalten sollten.

Von riskanten Titeln bis Klumpenrisiko: Ein Portfolio mit breiter Diversifizierung macht Sinn. Foto: iStock

Ich habe eben eine Liegenschaft verkauft und habe den grössten Teil in die Schweizer Titel Baloise, BCV, Kühne + Nagel, LafargeHolcim, Nestlé, Swisscom, Swiss Life, Swiss Re und Zurich investiert. Würden Sie mir empfehlen, in die Titel BB Biotech, Flughafen Zürich, Dufry, SGS und Ems-Chemie einen kleineren Betrag von je circa 30’000 bis 40’000 Franken zusätzlich auch noch zu investieren? Oder ist der eine oder andere der unten aufgeführten Titel unsicher in der Entwicklung? J.W.

Unsicher ist die Entwicklung grundsätzlich bei allen von Ihnen erwähnten Aktien. Bei einzelnen sind die Risiken lediglich noch etwas höher – so etwa bei der SGS und der Ems-Chemie, die stark konjunkturabhängig sind und unter der sich wahrscheinlich verschärfenden Konjunkturabschwächung und den negativen Folgen des Handelsstreits zwischen den USA und China leiden dürften.

Auch bei der Dividendenperle Flughafen Zürich trüben neue regulatorische Vorschriften des Bundesamts für Zivilluftfahrt die operativen Perspektiven ein. Und selbst bei der BB Biotech müssen Sie sektorbedingt mit starken Kursschwankungen rechnen.

Schlecht finde ich alle erwähnten Titel keineswegs, aber sie sind auch nicht risikolos. Bei den bestehenden Titeln, die Sie bereits im Depot haben, fällt mir auf, dass Sie mit vier Assekuranzaktien ein Klumpenrisiko im Versicherungssektor aufweisen, während etwa die Pharmabranche mit Dividendenperlen wie Roche und Novartis fehlt.

Unabhängig davon weist Ihr Portfolio gleich in mehrfacher Hinsicht ein hohes Klumpenrisiko auf. Einerseits fokussieren Sie sich auf Schweizer Aktien. Das war in diesem Jahr, als der Schweizer Markt überdurchschnittlich gut performte, ein Vorteil. In anderen Jahren dürfte der Schweizer Aktienmarkt aber wieder schlechter abschneiden. Dann ist Ihr Schweiz-Fokus ein Nachteil.

Anderseits setzen Sie stark auf Aktien. Solange die Hausse im Zuge der rekordtiefen Zinsen und des damit verbundenen Anlagenotstands noch anhält, zahlt sich das aus. Sie müssen sich aber darauf einstellen, dass die Märkte über kurz oder lang wieder stärker korrigieren, zumal die Finanzmärkte mit zahlreichen Unsicherheitsfaktoren wie dem Handelsstreit, Schuldenbergen bei Staaten und Firmen, dem Brexit, dem Konjunkturabschwung sowie vielen geopolitischen Risiken konfrontiert sind. Sie müssen sich gut überlegen, ob Sie auch mit beträchtlichen Buchverlusten noch gut schlafen können.

Ein zusätzliches Klumpenrisiko ergibt sich auch aus der Tatsache, dass Sie sich stark auf die Dividendenrendite fokussieren. Eine hohe Dividende ist in der Tat wichtig, bei der Aktienselektion allerdings nur ein Kriterium unter vielen. Um das zu verdeutlichen: Auch die UBS bringt es auf eine hohe Dividendenrendite von rund 6 Prozent, dennoch würde ich Ihnen die Aktie nicht empfehlen.

Solange es den Firmen einigermassen gut geht und Sie ohnehin nicht verkaufen wollen, spielen die zu erwartenden Buchverluste auf ihrem Depot abgesehen von der Psychologie keine grosse Rolle, da Sie in erster Linie an den attraktiven Dividenden interessiert sind. Doch auch die Dividenden sind nie garantiert. Diese können auch sinken.

Vor diesem Hintergrund empfehle ich Ihnen eine breitere Diversifikation sowohl in der Anlageklasse Aktien international als auch bezogen auf die verschiedenen Anlageklassen wie Aktien, Anleihen, Immobilien, Rohstoffe usw.

Natürlich könnten Sie die Klumpenrisiken durchaus in Kauf nehmen, weil Ihnen die obigen Dividendenperlen tatsächlich attraktive Erträge versprechen. Wichtig scheint mir dann aber, dass Sie die damit verbundenen Risiken wirklich kennen und sich darauf einstellen, dass Sie früher oder später mit erheblichen Buchverlusten konfrontiert sein werden. Wenn Sie sicher sind, dass Sie damit gut leben können, gibt es keinen weiteren Einwand, warum Sie nicht zusätzlich in die aufgeführten Dividendenperlen investieren könnten.

Abgesehen von der schönen Dividende besonders interessant finde ich in Ihrer Liste übrigens die Aktien von Dufry. Denn diese zeichnen sich auch durch eine recht günstige Bewertung aus, was bei den meisten Schweizer Aktien mit attraktiver Dividende leider nicht mehr der Fall ist.

5 Kommentare zu «Warum Dividende allein nicht selig macht»

  • erich schweizer sagt:

    Dufry und Flughafen Zürich sind zu empfehlen, ich würde dazu noch Mobilezone, Burkhalter, APG nehmen.
    Englische Aktien sind spottbillig momentan:
    HSBC, Vodafone, Royal Dutch Shell, BP, Glencore, Kingfisher, Sainsburry, BHP, Prudential, Pearson da verdienen Sie im Durchschnitt um die 6 Prozent Dividende plus in ein bis zwei Jahren werden diese Aktien wohl um die 30 Prozent höher stehen. Zusätzlich ist die Chance für Währungsgewinne dank dem tiefen Pfundkurs auch noch gross.

  • Rolf Schultheiss sagt:

    Generell: Gute Empfehlungen des Autors, allerdings bin ich mit der Kritik am Fokus auf Schweizer Aktien nicht ganz einverstanden. Die Unternehmen sind -mit Ausnahme von Swisscom – international sehr gut aufgestellt und partizipieren daher auch in Auslandsmärkten gut mit. Im Vergleich mit US- GB- und EUR-Aktien ist das Kursrisiko aus Sicht des Schweizer Anlegers nicht zu vernachlässigen, langfristige Währungsentwicklungen zeigen dies klar auf. Ich selbst bin seit langen Jahren in CHEVRON investiert, diese haben sich gut entwickelt, nach Währungsverlusten des USD gegenüber CHF hat sich die Gesamtrendite allerdings halbiert…

  • Zufferey Marcel sagt:

    Im Vergleich zu allen US- und europäischen Indices ist der SMI in den letzten 10 Jahren mit Abstand am schlechtesten gelaufen. Erst seit einem Jahr hat sich das geändert. Gut möglich, dass sich der SMI auch in Zukunft zumindest ähnlich (stark) entwickelt, wie die anderen Indices: Die Schweiz gilt ja als sicherer Hafen, was nicht nur bei Anleihen, sonder zunehmend auch bei schweizer Aktien zu spüren sein dürfte. Insofern glaube ich nicht, dass man bei schweizer Dividendentiteln jetzt vorsichtiger sein sollte, nur weil sie für einmal ein Jahr lang besser gelaufen sind, als viele ihrer Äquivalente in Europa oder den USA.

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