So vermeiden Sie Negativzinsen

Ist es sinnvoll, liquide Mittel auf mehrere Banken zu verteilen, um Guthabengebühren zu vermeiden? Unser Geldexperte weiss Rat.

Sparkontobesitzer aufgepasst: Postfinance senkt die Schwelle für Negativzinsen. Foto: Keystone

Die Postfinance erhebt ab Dezember 2019 für Einlagen höher als 250’000 Franken einen Negativzins von 1%. Ist es sinnvoll, das Kapital, das die Grenze von 250’000 Franken übersteigt, bei einer anderen Bank zu platzieren? Oder ist damit zu rechnen, dass früher oder später alle Banken Negativzinsen erheben werden? T.G.

Die Postfinance nennt die Kosten «Guthabengebühr» – faktisch sind es natürlich Negativzinsen. Indem das Institut die Schwelle von bisher einer halben Million Franken auf nur noch 250’000 Franken halbierte, sind mehr Kunden von den Negativzinsen auf liquiden Mitteln betroffen.

Die Gebühr von einem Prozent ist aus meiner Sicht happig, zumal die Negativzinsen der Nationalbank derzeit bei lediglich 0,75 Prozent liegen. Die Postfinance gibt somit nicht nur die Negativzinsen der SNB weiter, sondern erhebt zusätzlich für sich selbst noch eine Gebühr.

Immerhin lassen sich die Kosten einfach umgehen. Erstens betont die Postfinance, dass die Guthabengebühren nur für jene Kunden anfallen, die ausser einem Sparkonto keine weiteren Dienstleistungen der Postfinance in Anspruch nehmen und mehr als 250’000 Franken auf dem Konto liegen lassen. Die Bank will die Kundschaft somit über die Gebühr zwingen, weitere Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen.

Wenn Sie also Anlagefonds der Postfinance erwerben, können Sie sich die Negativzinsen sparen. Oder aber Sie ziehen einen Teil der liquiden Mittel, die Sie jetzt noch bei der Postfinance haben, ab und parkieren diese bei anderen Banken. Das würde ich Ihnen ohnehin empfehlen. Auch bei liquiden Mitteln sollte man unbedingt diversifizieren.

Würde nämlich die Postfinance Konkurs gehen, was ich nicht erwarte, aber was man wie bei jeder anderen Bank nie hundertprozentig ausschliessen darf, wären im Rahmen der gesetzlichen Einlagensicherung nur Einlagen bis maximal 100’000 Franken je Kunde und Bank gesichert. Alles, was darüber liegt, wäre unter Umständen gefährdet. Eine Staatsgarantie hat die Postfinance schon lange nicht mehr.

Unabhängig von der Guthabengebühr und dem Sicherheitsaspekt würde ich ohnehin nicht so hohe Mittel bei der Postfinance oder auch bei anderen Banken parkieren. Denn Sie sind ab einer bestimmten Schwelle nicht nur mit Negativzinsen konfrontiert, sondern verzichten auch generell auf Rendite. Auch ohne die hohe Guthabengebühr verlieren Sie auf den liquiden Mitteln unter Berücksichtigung der Teuerung und der üblichen Kontogebühren faktisch Geld.

Aus meiner Sicht ist es besser, wenn Sie den Grossteil Ihres Geldes in Wertschriften wie Fonds, Aktien oder Obligationen investieren. Damit haben Sie die Chance, eine mehr oder weniger hohe Rendite zu erzielen. Gleichzeitig tragen Sie zwar auch ein mehr oder weniger hohes Anlagerisiko. Je nach Art der Wertschriften und der Strategie, die Sie wählen, können Sie das Anlagerisiko aber in Grenzen halten.

Abfedern können Sie das Anlagerisiko durch eine breite Diversifikation und eine Anlagestrategie, die Ihrem allenfalls konservativen Risikoprofil Rechnung trägt. Nur schon wenn Sie mit einer konservativen Strategie eine Rendite von einem oder vielleicht 2 Prozent erzielen, fahren Sie weit besser als wenn das Geld einfach auf einem oder auch mehreren Konten brachliegt. Denn auf liquiden Mitteln verlieren Sie Geld und riskieren je nach Höhe der parkierten Mittel auch noch Negativzinsen.

Ich gehe davon aus, dass auch andere Banken die Schwelle für Negativzinsen in nächster Zeit senken werden. Erst recht salonfähig werden Negativzinsen bei immer mehr Banken, wenn die Schweizerische Nationalbank die heutigen Negativsätze von 0,75 Prozent auf allenfalls minus 1 Prozent ausweitet.

Das ist nicht unrealistisch. Schon jetzt weist SNB-Präsident Thomas Jordan regelmässig auf diese Möglichkeit hin. Sollte die Europäische Zentralbank ihre Geldpolitik noch weiter lockern, muss man mit Negativzinsen von minus 1 Prozent rechnen. Dann werden noch viel mehr Banken ihren Kunden auch auf tieferen Cash-Beträgen Negativzinsen verrechnen.

11 Kommentare zu «So vermeiden Sie Negativzinsen»

  • Herbert Rieder sagt:

    wieder mal sinnloses gebrabbel.

    auf mehrere Banken verteilen und dafür dann grossartige kosten bezahlen!!!

    und warum empfielt der herr money-guru nich ETF’S, die sind breit gestreut und unterliegen keinerlei grossartigen schwankungen und verwaltungsgebühren

    • Dietmar sagt:

      sehr konstruktiv.!Herr Spieler empfiehlt ETF’s die ganze Zeit, nur Sie haben es nie gelesen. Versuchen Sie es mit Daytrading, vielleicht klappt es besser.

    • J.Oppliger sagt:

      Falsch, Herr Rieder, das ist gar nicht sinnlos. Ausserdem ist eine Verteilung des Geldes auf mehrere Banken grundsätzlich okay, weil viele Banken keine Kosten verlangen für Sparkonten und Anlagekonten. Grossartige Kosten, wie von Ihnen erwähnt, sowieso nicht. Schliesslich kann man im jetztigen Moment bei den relativ sportlich bewerteten SMI und Dow Jones nicht fast alles in Aktien anlegen.

  • Hans Glutz sagt:

    Sind die Banken gezwungen, bei der SNB Geld zu hinterlegen? Sie könnten das Geld quasi kostenfrei in ihren Safes einlagern. Wenn ja, in welchem Umfang

  • Stefan Meier sagt:

    Herr Rieder, auch bei ETF’s bezahlt man an die Bank Depot- und Transaktionsgebühren.

  • Alain Surlemur sagt:

    Warum sollte jemand >250.000 auf dem Sparkonto haben? OK, wenn man ein Haus kaufen will, dann vieleicht. Aber auch dann dürfte es nicht lange da liegen.

    BTW: Wer Fonds kauft hat neben dem Risiko auch noch die Verwaltungsgebühr. Bei aktiv gemanagten Aktienfonds so 1-2%, und die Transaktionskosten noch obendrauf.
    Obligationenfonds sind irrelevant da sie entweder eine negative Rendite bringen oder aber in hoch riskante Schuldner investieren…

  • Thomas Burckhardt sagt:

    Sie Herr Spieler, wollen Sie die Leute für dumm verkaufen, oder ?

  • Beat Stebler sagt:

    „…. damit haben Sie die Chance, eine mehr oder weniger hohe Rendite zu erzielen“. Die einzigen welche wenigstens noch eine minimale Rendite erzielen ist die Finanzindustrie, aber sicher nicht der Kleinsparer. Nach meinem kleinen Lehman Exkurs bin ich davon geheilt. Mir doch egal ob die Negativzinsen verlangen. Immer noch besser als 100% Verlust. Und um nachzuforschen wo im Moment wer wie mit was den anderen am wenigsten über den Tisch zieht, was dann morgen aber vielleicht schon nicht mehr gilt, ist mir meine Zeit zu schade.

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