Wer auf den SMI-Crash wettet, riskiert viel

Short-ETFs eignen sich nur kurzfristig für risikofreudige Privatanleger. Auf lange Sicht droht ein starker Kurszerfall.

Beim SMI-Daily-Short-Leverage-Index gewinnt man, wenn der Swiss-Market-Index nachgibt: Blick ins Finanzmuseum in Zürich. Foto: Samuel Schalch

Sie haben kürzlich einen interessanten Artikel darüber gebracht, wie man Geld verdienen kann, wenn der SMI sinkt. In diesem Kontext hatte der Leser in seiner Frage auch das ETF-Produkt Lyssl erwähnt. Das finde ich auch interessant, staune aber über den brutalen Kurseinbruch in den letzten zehn Monaten. Ist das nur der Effekt der steigenden Börsen? S.A.

Nein. Wie ich in meinem damaligen Blogbeitrag aufgezeigt hatte, ist der unter dem Börsenkürzel LYSSL gehandelte Exchange Traded Fund (ETF) der französischen Lyxor Asset Management an den SMI-Daily-Short-Leverage-Index gekoppelt und weist einen Hebel von minus 2 auf. Der Pluspunkt dieses Instruments ist es, dass man damit auch als Privatinvestor unkompliziert und einigermassen kostengünstig auf einen sinkenden SMI spekulieren kann.

Dass der Kurs dieses Instruments, wie Sie richtig gesehen haben, in den letzten zehn Monaten richtiggehend abgestürzt ist, hat zwei Gründe. Der Hauptgrund liegt darin, dass der Swiss-Market-Index nicht etwa nachgegeben hat, sondern in diesem Jahr laufend neue Rekordstände erreicht hat.

Doch beim SMI-Daily-Short-Leverage-Index gewinnt man nur, wenn der Swiss-Market-Index nachgibt. Bei einem Kurseinbruch würde man dank dem doppelten Hebel überdurchschnittlich profitieren: Sinkt der SMI um ein Prozent, klettert das Produkt dank dem doppelten Hebel um zwei Prozent in die Höhe.

Leider greift dieser Effekt auch im umgekehrten Sinne: Steigt der SMI um ein Prozent, verliert das Produkt zwei Prozent. Wer in diesem Jahr auf eine Baisse spekuliert hat, sieht alt aus – der Crash lässt auf sich warten, und die Baissiers haben massiv Geld verloren.

Nun gilt es aber bei solchen Short-ETFs oder inversen ETFs noch einen anderen, rein technischen Effekt zu beachten. Leider wird der beschriebene Mechanismus bei diesen Instrumenten auf längere Sicht stark verzerrt. Die Wertentwicklung dieser ETFs ist nicht nur vom an das Produkt gekoppelten Index abhängig, sondern zusätzlich auch von weiteren Faktoren wie den Kosten für den Leerverkauf und den Geldmarktsätzen.

Das eigentliche Problem dieser an sich spannenden und für kurzfristige Absicherung sinnvollen Instrumente besteht meines Erachtens darin, dass die inverse Indexabbildung nur auf täglicher Basis funktioniert. Obwohl ein Short-ETF anders als Optionen keine beschränkte Laufzeit hat, sollte man diese nicht auf lange Sicht im Depot haben, da der Kurs des Short-ETFs, der auf täglicher Basis berechnet wird, sich auf lange Sicht stark vom Verlauf des gekoppelten Index unterscheiden kann.

Verantwortlich dafür ist das «compounding risk» – das Diskontierungs- oder Abzinsungsrisiko. Durch die tägliche Verrechnung von Gewinnen und Verlusten kommt es bei einer Haltedauer über einem Tag zu kumulativen Effekten. Je länger man die Produkte hält, desto mehr kumuliert dieser Effekt. Bei einem stetigen Crash auf Raten hilft dieser Effekt, aber vor allem bei deutlich schwankenden Märkten und steigenden Märkten hinterlässt er bei Short-ETFs klar negative Spuren.

Darum gilt es aus meiner Sicht unbedingt zu beachten, dass sich solche – letztlich spekulativen – Short-ETFs mit einem kurzen Anlagehorizont lediglich für eine kurzfristige Absicherung und nur für risikofreudige Privatanleger eignen. Denn sie sind aufgrund der antizyklischen Markteinschätzung, der oft verwendeten Hebelwirkung und der auf längere Sicht technischen Verzerrung besonders risikoreich.