Sie trauen dem Börsen-Hoch nicht? So gewinnen Sie beim Crash

Wer glaubt, die grosse Party gehe bald zu Ende, kann darauf spekulieren. Ein Leser tut das – und fragt sich, ob das gut geht.

Wann es einen Crash gibt, weiss keiner: Passanten verfolgen die Kurse an der Schweizer Börse. Foto: Keystone

Den allgemeinen Unkenrufen folgend, habe ich mich mit LYSSL eingedeckt, wesentlich über den 10 bis 15 Prozent des Gesamtvermögens, wie ich das üblicherweise halte. Einstand 8.18 Franken, bei einem SMI-Stand nahe bei 9200 Punkten. Wie sehen Sie es: Weiterhin mit Kassandra heulen oder die Position zumindest auf mein normales Niveau absenken? J.T.

Mit dem von Ihnen gehaltenen Produkt spekulieren Sie auf einen Crash an der Schweizer Börse. Würde der Swiss-Market-Index stark einbrechen, könnten Sie Kasse machen.

Der hinter dem Börsenkürzel LYSSL stehende Exchange Traded Fund (ETF) der französischen Lyxor Asset Management ist an den SMI-Daily-Short-Leverage-Index gekoppelt und weist einen Hebel von minus 2 auf. Damit kann man auch als Privatinvestor unkompliziert und einigermassen kostengünstig auf einen sinkenden SMI spekulieren.

Der ETF verfügt über eine Gesamtkostenquote (Total Expense Ratio, TER) von 0,6 Prozent.

Short-Indizes bilden die umgekehrte Entwicklung eines in Relation stehenden Index ab. Beim SMI-Daily-Short-Leverage-Index gewinnt man, wenn der Swiss-Market-Index nachgibt, und profitiert dank dem doppelten Hebel überdurchschnittlich von einem Kurseinbruch. Sinkt der SMI um ein Prozent, klettert das Produkt dank dem doppelten Hebel um zwei Prozent in die Höhe.

Wenn man auf Baisse spekulieren will, muss man das damit nicht zwingend mit Puts oder anderen Derivaten tun, sondern kann dafür auch einen ETF ohne begrenzte Laufzeit einsetzen.

Für all jene, die der Börsenentwicklung nach fast zehn Jahren Hausse nicht mehr trauen und damit rechnen, dass die Börsenparty bald vorbei sein könnte, wäre das eigentlich ein attraktives Investment. Natürlich hat die Sache einen Haken, wie Sie selbst feststellen mussten. Der Crash kommt an der Börse meistens nicht dann, wenn man ihn erwartet, sondern in der Regel völlig überraschend.

Alleine die Tatsache, dass die wichtigsten Börsenindizes der Welt wie der S&P-500-Index oder der SMI seit rund zehn Jahren mehrheitlich in die Höhe geklettert sind, bedeutet keineswegs, dass wir kurz vor einem Einbruch stehen. Auslöser von Börseneinbrüchen sind oft brüske Änderungen in der Geldpolitik der grossen Notenbanken oder Rezessionen. Beides ist momentan noch nicht gegeben.

Zwar schwächt sich die Wirtschaft vor allem in Europa aufgrund des internationalen Handelsstreits merklich ab, und in Deutschland wird zumindest eine technische Rezession wahrscheinlicher. Auch in den USA und China verliert das Wirtschaftswachstum an Tempo. Dennoch sind wir noch weit von einer eigentlichen Rezession entfernt.

Dazu kommt, dass die Notenbanken der USA und Europa ihre Geldpolitik weiter lockern. Dieses spotbillige Geld stützt die Wirtschaft und die Aktien.

Zu Recht fragen sich vermehrt Investoren, wie lange das gut gehen kann. Aus meiner Sicht gibt es zahlreiche Untersicherheitsfaktoren wie den Handelsstreit, die Konjunktur, geopolitische Risiken und die steigende Verschuldung weltweit, die eine Fortsetzung der langen Hausse infrage stellen. Ich bin überzeugt, dass wir angesichts all der Unsicherheitsfaktoren und Unwägbarkeiten über kurz oder lang heftige Korrekturen an den Aktienmärkten erleben werden.

Wann genau dieser Einbruch kommen wird, ist kaum voraussehbar. Dass Sie sich mit dem auf Baisse spekulierenden ETF gegen einen Crash absichern möchten, erachte ich grundsätzlich schon für sinnvoll. Aus meiner Sicht sollte man aber einen nicht zu grossen Anteil seines Vermögens in solche Instrumente investieren, da man, so wie Sie, sonst ein erhebliches Klumpenrisiko eingeht.

In Ihrem Fall halte ich den Anteil klar für zu hoch, ausser Sie sind selbst wirklich überzeugt, dass der grosse Crash gleich bevorsteht. Leider wissen wir das alle nicht. Bei diesem Instrument gehen Sie aufgrund des doppelten Hebels zudem ein beträchtliches Zusatzrisiko ein, wie die Negativperformance in diesem Jahr brutal vor Augen führt.

Ich würde es mit solchen Instrumenten ähnlich halten wie mit Gold: Sie eignen sich nicht als Kernanlage, sondern lediglich als Abrundung eines Portfolios für Anleger, die der guten Börsenstimmung nicht mehr trauen. Und sind eine Absicherung für wirklich schlechte Zeiten.

12 Kommentare zu «Sie trauen dem Börsen-Hoch nicht? So gewinnen Sie beim Crash»

  • Bernhard Piller sagt:

    „Ich bin überzeugt, dass wir angesichts all der Unsicherheitsfaktoren und Unwägbarkeiten über kurz oder lang heftige Korrekturen an den Aktienmärkten erleben werden.“
    Warum arbeiten Sie denn noch ? Warum nicht einfach Job kündigen, Geld ausleihen, damit ETF kaufen und auf den Gewinn warten?
    Die hohen Aktienkurse sind ja nicht zuletzt das Resultat von fehlenden Alternativen. Bargeld wird weginflationiert und man muss Negativzinsen zahlen, Obligationen haben keine Rendite mehr, trotzdem aber ein Ausfallrisiko. Was bleibt den Investoren noch übrig? Und wenn die ganze Welt verschuldet ist, ist das Risiko auch klein, dass die Zentralbanken die Zinsen anheben.

    • Claude Fontana sagt:

      Die Zentralbanken werden früher oder Später mit dem drucken beginnen. Die FED tut das schon länger. Geplant sind auch noch 390 tage zu 1 Mrd pro Tag. 107 Mrd hat sie vorher schon gedruckt. Powell nennt das natürlich „nicht QE“ Aber es ist Quantitative erleichterung „für den REPO Markt“ Weil sich die Banken zurecht nicht mehr trauen, und nichts mehr Ausleihen.

    • Josef Marti sagt:

      Wer zu wenig Kapitaleinkünfte hat muss halt arbeiten damit andere die Kapitaleinkünfte kriegen. Mit einem genug hohen Kapitalstock und entsprechenden regelmässigen Kapitaleinkünften würde ich mich nicht um die Börse kümmern sondern wie der legendäre Kostolany gesagt hat ein paar Jahre schlafen legen, oder dann halt sich mit schöneren Dingen befassen wie zB ein Gedicht von Ovid lesen. Noch besser wäre das Kapital zu verkonsumieren für Nutten und Alkohol anstatt fürs Pflegheim zu sparen oder krampfhaft in die nächste Generation hinüberretten wollen.

      • Pan Flöte sagt:

        Haha! — Nutten finde ich gut, Alkohol auch … aber mit Mass und Ziel, damit man die Nutten auch wirklich geniesse kann 🙂

  • Anh Toàn sagt:

    Kostolani schrieb, man verdiene mehr auf der Short Seite, da die Mehrheit der Anleger grundsätzlich optimistisch und damit long sei. Das Problem sei nur, man sei frustriert, wenn sich die Anderen freuen, und das geht oft lange, und feiere alleine und nur kurze Zeit (Baissen sind heftiger aber kürzer als Haussen). Anzahlmässig dürfte auch heute die Mehrheit der Anleger long sein, ich frage mich, ob mit der Vermögenskonzentration, den Hedge Fonds und Family Offices, und den vereinfachten Möglichkeiten für Kleinanleger (oder Zocker) die Mehrheit des Geldes noch grundsätzlich long ist. Kostolani ist schon eine ganze Weile tot, und the times they are a changin‘. Irgendwer hat das bestimmt untersucht.

  • Anh Toàn sagt:

    „Die Konjunkturbeobachter sind sich in ihren jüngst erschienenen Prognosen einig: Was auf uns zukommt, ist ein weltweiter Abschwung der Wirtschaftsaktivitäten. Eine echte Rezession drohe nicht.“

    Was hier übernommen wird, kritisierte ein Beitrag bei Never Mind the Markets vor kurzem:

    „Ihre Prognosen ergänzen die Konjunkturbeobachter mit dem Hinweis auf Risiken, die zu einem schlimmeren Wirtschaftsverlauf führen können. Diese Bemerkung hat weit mehr Bedeutung als die Pro­gnosen selbst.“

    Risiko 1: Handelskrieg
    Risiko 2: „ausgeschossene“ Notenbanken
    Als Risiko 3 sehe ich, dass Trump sich weigert, das Weisse Haus zu verlassen, egal ob impeached oder abgewählt, worst case einen Bürgerkrieg in den USA.

    Ich bleibe bei Bob Dylan: „A hard rain’s a gonna fall“

  • Daniel Wigger sagt:

    Die Zahl der Short-ETFs ist gross. Sie befinden sich alle auf rekordtiefen Kursen – logisch, die Börsen befinden sich auf Allzeithochs.
    Nun könnte sich der eine oder andere überlegen, das wäre ein idealer Einsteigspunkt für eine lohnende Investition. Man sollte sich jedoch klar darüber sein, dass man auch bei tiefsten Kursen eines Short-ETFs immer noch 10, 20, 30% oder mehr verlieren kann!

  • Dominik Peters sagt:

    Kann jemand eine Seite nennen wo man einen Überblick hat, was es im Bereich Hebelprodukte überhaupt alles gibt. Also Hebel, Laufzeiten, Kosten etc.? Ein Chart wäre super.

  • Karl Knapp sagt:

    Das Schöne an echten Puts ist, dass sie „früher oder später“ wertlos verfallen, wenn der Crash nicht stattfindet. Ein ETF gaukelt eine Ewigkeit vor, die auch jemand bezahlen muss.

Kommentar

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