Wie Sie ein Trader werden

Wer selber mit Aktien handeln will, muss einige Tipps und Tricks beherrschen. Ohne die wird keiner zum «Wolf of Wall Street».

Ich möchte mit einem Teil meines Kapitals auf dem Aktienmarkt tätig werden. Davon habe ich allerdings keine Ahnung. Nun bin ich 72 und hätte die Zeit, mich mit aktiver Geldanlage zu beschäftigen. Darum suche ich auch nicht irgendeine gute Aktie oder einen Fonds, um einen Teil meines Geldes zu parkieren. Ich möchte täglich aktiv mein Kapital verwalten. Ist das realistisch? Dafür würde ich den Betrag von 100’000 Franken einsetzen. P.B.

Aktien zu handeln, ist spannend und kann viel Freude machen, wenn man die nötige Zeit dazu hat. Ihren Zeilen entnehme ich, dass dies bei Ihnen gegeben ist, da Sie pensioniert sind und somit auch einige Zeit dem Aktienstudium widmen können. Das nämlich ist eine wichtige Voraussetzung, wenn Sie Aktien nicht nur kaufen und dann liegenlassen möchten, sondern, wie Sie es beschreiben, aktiv traden wollen.

Bevor Sie einzelne Aktien oder auch andere Wertschriften erwerben, sollten Sie sich intensiv mit den Märkten und Unternehmen, auf die Sie fokussieren möchten, beschäftigen. Sie sollten die verschiedenen Wirtschaftsmedien im Internet, am TV und in den Zeitungen genau verfolgen und auch Geschäftsberichte von Firmen und deren Informationen auf den für die Investoren ausgerichteten Investor-Relations-Rubriken im Internet anschauen.

Wenn Sie traden möchten, müssen Sie wichtige Wirtschaftsinformationen wie Konjunkturdaten, Firmennachrichten und Analyseberichte von Banken und anderen Finanzgesellschaften täglich verfolgen. Das braucht sehr viel Zeit, ist aber auch interessant. Nach einer gewissen Zeit nimmt Ihr Wissen immer mehr zu, und Sie verstehen die Zusammenhänge besser.

Wichtig ist auch, dass Sie sich genau überlegen, auf welche Segmente Sie sich konzentrieren möchten. Sie können nicht alle Bereiche überblicken und tradingmässig abdecken. Es braucht schon einiges an Aufwand, wenn Sie sich entschliessen, die Schweizer Blue Chips abzudecken, die im Swiss Market Index vertreten sind. Das würde bedeuten, dass Sie neben der allgemeinen Wirtschaftslage immerhin zwanzig Unternehmen möglichst genau verfolgen müssten. Das ist in einer ersten Phase unrealistisch, zumal Sie mir schreiben, dass Sie derzeit noch keine grosse Ahnung haben.

Sie können aber anfangen, systematisch Informationen zu verfolgen und Ihr Wissen aufzubauen. Auch können Sie bei einigen Anbietern entsprechende Kurse besuchen. Und Sie können sich im Internet über Chats mit anderen aktiven Anlegern austauschen. So können Sie sich nach einer gewissen Zeit und viel Fleiss ein Basiswissen aufbauen, das es für ein aktives Trading unbedingt braucht.

Damit Sie nicht zu viel Gebühren zahlen, würde ich einen Onlinebroker wählen, der Käufe und Verkäufe auch schon zu tiefen Courtagen anbietet. Im Sinne der Wissenserweiterung würde ich auch die verschiedenen Onlinebroker detailliert anschauen und deren Systeme testen, bevor Sie über einen davon aktiv handeln.

Sie können bei diesen Brokern Musterportefeuilles zusammenstellen und deren Entwicklung verfolgen, ohne dass Sie bereits aktiv Geld investieren. Dann sehen Sie bereits ein wenig, wie es funktioniert, verlieren aber noch kein Geld. Solche Trockenübungen sind unbedingt empfehlenswert.

Auf keinen Fall sollten Sie meines Erachtens gleich mit den von Ihnen ins Auge gefassten 100’000 Franken einsteigen. Wenn Sie das tun, gehen Sie das Risiko ein, dass Sie sehr viel oder im schlimmsten Fall sogar alles verlieren. Denn Sie müssen nicht nur zuerst viel Wissen ansammeln, sondern vor allem selbst viele Erfahrungen machen.

Am meisten lernen Sie mit Misserfolgen. Jeder Anleger hat mit Fehlkäufen schon Erfahrungen gemacht. Sie müssen realistische Erwartungen haben: Wenn Sie Glück haben, gelingen Ihnen gute Transaktionen, und Sie verdienen Geld. Sie werden aber schnell auch Transaktionen machen, bei denen Sie Geld verlieren, weil Sie die Firmen oder die Marktsituation falsch eingeschätzt hatten. Das ist normal.

Darum ist es wichtig, dass Sie nicht gleich mit dem ganzen Geld einsteigen, sondern nur mit sehr kleinen Beträgen, die Sie problemlos verlieren können, wenn es schiefgeht. Dann wäre es einfach Lehrgeld gewesen.

Oft überschätzen sich Leute, die neu einsteigen. Darum mein Rat: Bevor Sie überhaupt starten, müssen Sie sich bewusst sein, dass aktiv zu traden sehr hohe Risiken beinhaltet, und sich genau überlegen, ob Sie diese hohen Risiken wirklich eingehen können und wollen.

26 Kommentare zu «Wie Sie ein Trader werden»

  • Peter Rohner sagt:

    Aktives Trading ist sehr nervenaufreibend und in vielen Fällen nicht von Erfolg gekrönt, weil sich die Börse nicht immer logisch verhält und Überraschungen einem die Suppe versalzen. Das sollte man einfach wissen, bevor man ein aktiver Trader werden will.

    Aber das Trading hat viele spanne Momente zu bieten, man lernt viel, tauscht sich mit Gleichgesinnten aus etc. Ist also ein prima Hobby (oder Beruf). Aber man sollte damit wieder aufhören, wenn man kaum mehr schlafen kann und sich die Gesundheit ruiniert.

    Ich war früher sehr aktiv an der Börse unterwegs (mit diversen Erfolgen und Tiefschlägen), heute investiere ich nur noch passiv, erfolgreich und völlig entspannt mit ETFs.

    • Dr. Börse sagt:

      Dann geht es Ihnen genau gleich wie mir, Herr Rohner. Das Traden bringts einfach nicht, ist nervenaufreibend und am Schluss in den meisten Fällen ein Nullsummenspiel. (Die Freunde erzählen einem ja lediglich, wo es wieder super gelaufen ist…) Das sage ich nach 20 Jahren Börsenerfahrung, erfolgreich abgeschlossener Banklehre und ebensolchem Medizinstudium. Bin 70 nun und will meine Ruhe haben und mich nicht pausenlos um „mein Geld“ kümmern da ich auch noch andere Interessen habe. Kurz: den Hauptanteil in ETF, dann kann man immer noch einige wenige Titel kaufen, an die man glaubt….

  • Stephan Fehlmann sagt:

    Daytrayding funktioniert vorallem in der Theorie Ich kenne niemanden der damit reich geworden ist, denn Daytrading ist reines Wunschdenken. In Las Vegas in den Spielhöllen wäre wenigstens noch der Spasseffekt vorhanden, und man ist die 100000 Franken auch schnell los.

  • Philipp M. Rittermann sagt:

    ist es erstrebenswert zum „wolf of wallstreet“ zu werden?

  • Frank Rosebrock sagt:

    Es ist wichtig, unbedingt eine gute (Online-) Ausbildung zu machen. Ich kann diejenigen von Koko Petkov empfehlen. Ohne Traderausbildung ist man chancenlos. Dabei lernt man auch, die Risiken klein zu halten und anhand von Analysen mit einem Chancenplus zu traden. Ansonsten gewinnt nur der Broker.

  • Anne Randt sagt:

    [Wie Sie ein Trader werden] nun das ist einfach: Entledige dich Ethische&Moralische Grundwerten sowie Empathie, Verantwortungsgefühl, Selbstwert, den Respekt für „Law&Order“. Behandele deine Mitmenschen, Tiere und den Umwelt De­s­pek­tier­lich, rücksichtslos, Skrupellos, und sei nur auf deine eigener Vorteil aus. Dieses Verhalten garantiert Erfolg, hat aber ein Hacken, neben „Gleichgesinnte“ werden dir Familie-Angehörige und [wenn man sie überhaupt gehabt hat] Freunden leider irgendwann nicht mehr zur sich nach Hause einladen. Ein Trostpflaster gibt es, bist du erfolgreich genug, lassen sich Gesellschaft etc kaufen..Bedenke: Kaufst du zB Nestlé Aktien, bist du Mitverantwortlich für deren Aktionen, or lack there off…

  • Tümmlers Heinz sagt:

    Vielleicht sollte man als erstes mal das wichtigste Werkzeug, den „stop loss“ erklären. Damit kann man die Zeit bis zum Totalverlust deutlich verlängern.

    • Christoph Bögli sagt:

      Das ist natürlich sinnvoll. Aber selbst bei einem „stop loss“-Auftrag braucht es immer noch jemanden, der kauft. Und wenn eine Aktie wirklich in den Totalverlust stürzen sollte, dann muss schon so viel aus dem Ruder gelaufen sein, dass das nicht mehr zwangsweise gegeben ist. Totalverluste an (regulären) Aktienmärkten sind aber sowieso sehr selten. Viel typischer ist, dass zu teuer gekauft wird und man dann ewig mit Buchverlusten und Opportunitätskosten rumdümpelt..

  • Alain Surlemur sagt:

    Die einzigen die beim Daytraden reich werden sind die Broker…

  • Thomas Kraus sagt:

    Hin und Her macht Tasche leer….

  • Mick sagt:

    Ich würde als Einstiegslektüre den Klassiker von John Bogle (Vanguard) „The little book of common sense investing“ empfehlen.

  • Olivier Fuchs sagt:

    Es ist geradeso interessant, aktive Fonds zu analysieren und dann dort zu investieren. Vorteile: es ist einfacher, gute Fonds zu finden. Zeitersparnis. Weniger Kosten.

    • Paul Kellenberger sagt:

      Oder gleich auf Indexfonds und ETF‘s setzen.
      Buchempfehlungen: „Souverän investieren mit Indexfonds und ETF‘s“ von Gerd Kommer und „Der einfache Weg zum Wohlstand – Mehr verdienen, weniger riskieren und besser schlafen“ von Gottfried Heller.

  • Roman Günter sagt:

    Vorgängig sollte der zukünftige Trader vielleicht auch noch die Steuersituation prüfen (z.B. Kreisschreiben Nr. 36), um unliebsame Überraschungen zu vermeiden.

  • Johnny Cash sagt:

    Es ist schon sehr seltsam, dass hier niemand die Bedeutung und Wichtigkeit einer guten Trading-Plattform mit einer entsprechenden Infrastruktur und einer zuverlässigen Netz-Anbindung erwähnt. Diese ist viel wichtiger als die Auswahl der Handelsprodukte. Dem guten Senior würde ich empfehlen möglichst viele unterschiedliche Trading-Plattformen auch Profi-Plattformen (wie Saxobank, eToro, MetaTrader etc.) und nicht nur jene von der Hausbank angebotene, auszuprobieren. Ausserdem gilt es auch noch möglichst viele Tradingformen (Day-, Swing-, Social-Trading etc.) und -Produkte (Aktien, CFDs, Rohstoffe, Währungen, Futures, Optionen etc.) „trocken“ zu testen. Erst wenn man mit den Trockenübungen gut gelernt hat und man sich seiner Sache, Software und Infrastruktur sicher ist, kann man loslegen!

  • Wolf Street sagt:

    ETF, ETF, ETF!! Trading ist Spekulation, nicht investieren. Wenn es Ihnen Spaß macht Geld zu verjubeln können Sie auch gerne ins Casino oder nach Las Vegas. In Ihrem Alter ohne Ausbildung mit Investmentbanken, Hedge Fonds und institutionellen Anlegern zu konkurrieren ist Wahnsinn! Wie sollten Sie Informationen finden die andere nicht bereits schon haben…. Meine persönliche Meinung als Interessierter mit Erfahrung im Investmentbanking und Central Banking 😉

  • Hansueli Overturf sagt:

    Sorry Herr Dr. Spieler, aber Ihre Ratschläge funktionierten villeicht in den 80er Jahren als es noch kein Internet gab. Peter Lynch von Fidelity zeigte in den 80er und 90er Jahre, wie man mit Produkt und Firmenkentnissen den Index schlagen kann. Im Zeitalter des Internets wo jegliche Infos sofort für jederman verfügbar sind und die Algos und sonstige Hochleistungscomputer millionen von Datenpunkten ständig analysieren bringt es genau null, als Amateur irgendwelche Volkswirtschaftliche Zusammenhänge zu verstehen. Niemand kann voraussehen wo die Börse hingeht und auch nicht einzelne Aktien. Entweder passiv investieren oder mit Fundamentalanalyse (nur Zahlen, nicht Artikel lesen) kombiniert mir Charting, Aktien auslesen. Kann darum nur Investors Business Daily, CAN SLIM Methode empfehlen

  • Pan Flöte sagt:

    Sehe ich auch so. — Wenn Ihnen mit Ihren 70 Jahren langweilig ist und Sie nur deshalb an der Börse traden wollen, dann sollten Sie erst einmal die ganze Literatur über das passive Investieren lesen. Wenn Sie dann immer noch aktiv traden wollen, wissen Sie wenigstens, worauf Sie sich da einlassen. Jeder kann sein Geld verjubeln, wie er will. Aber es gibt sicher schönere Arten des Verjubelns als an der Börse.

  • Anh Toàn sagt:

    „Sie sollten die verschiedenen Wirtschaftsmedien im Internet, am TV und in den Zeitungen genau verfolgen und auch Geschäftsberichte von Firmen und deren Informationen auf den für die Investoren ausgerichteten Investor-Relations-Rubriken im Internet anschauen.“

    Und dann weiss er, was der Markt bereits weiss, also was bereits im Preis berücksichtigt ist. Um den Markt zu schlagen, muss man etwas wissen, das der Markt nicht weiss, dies zu nutzen, ist aber verboten.

    Es gibt nichts unnützeres beim Aktienhandel als Geschäftsberichte.

    • Anh Toàn sagt:

      Für kurzfristiges traden (Daytrading mit Aktien direkt, also nicht Optionen, lohnt nicht innerhalb eines Tages) halte ich Markttechnik für das Mittel, welches das besten Chancen / Risikoverhältns aufweist, den besten „track record“ ergibt. Aber da müssen Sie entweder einem Markttechniker glauben, oder Mathe mindestens bis zu einem Bachelorabschluss studieren: Das ist immerhin ein bisschen interessanter, als Geschäftsberichte lesen.

      • Anh Toàn sagt:

        Kostolani hat geschrieben, Gespräche mit Taxifahrern seien nützlicher beim Investieren als Geschäftsberichte.

Kommentar

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