So bleiben Sie im Alter finanziell flexibel

Wer sich nach der Pensionierung etwas gönnen will, sollte sein Geld nicht zu lange binden. So klappt das.

Mit steigendem Alter sollte man finanziell flexibel auf Geschehnisse im Leben reagieren können. Foto: Keystone

Mein Partner erhält mit der Pensionierung eine Versicherung von rund 180’000 Franken ausbezahlt. Die Versicherung schlägt ihm vor, das Geld bei ihr während zehn weiteren Jahren stehen zu lassen, mit einer Verzinsung von 0,25 Prozent. Ich glaube, das Beste wäre, wenn mein Partner sich selber einen Auszahlungsplan erstellt. Mein Partner denkt auch daran, 50’000 Franken direkt in Dividendenperlen zu investieren. Das Ausfallrisiko nähme er in Kauf. Was würden Sie machen? J.B.

Ich würde das Geld beziehen und nicht so lange bei der Versicherung stehen lassen. Die Verzinsung ist bescheiden. Vor allem aber ist Ihr Partner nicht flexibel. Vielleicht möchte er sich nach seiner Pensionierung etwas Besonderes gönnen? Oder braucht für Anschaffungen oder Reparaturen einen Geldbetrag. Dafür braucht er finanzielle Flexibilität.

Genau diese hat er mit der Versicherung indes nicht. Weil man mit steigendem Alter immer weniger Lebenszeit zur Verfügung hat und sich etwas gönnen will, sollte man seine finanzielle Flexibilität erhöhen und sicher nicht einschränken.

Wenn er sich den im Rahmen der 3a-Police in den letzten Jahren angesparte Betrag im Zuge der Pensionierung auszahlen lässt, stellt sich allerdings die Frage, wie er das Geld investiert. Denn es wäre aus meiner Sicht ebenso ein Fehler, wenn er das viele Geld einfach auf ein Bankkonto legt, zumal Sie mir schreiben, dass er weitere 200’000 Franken auf drei Banken parkiert hat.

Je nach seiner finanziellen Situation könnte er sich von seiner Bank einen Auszahlungsplan erstellen lassen. Er könnte jeden Monat einen bestimmten Betrag von seinem Vermögen beziehen und so seine Rente aufbessern. Auch dann bleibt ihm noch einiges Geld, das er investieren könnte.

Hier stellt sich allerdings die Frage, wie viel Risiken er bereit ist, einzugehen. Die höchsten Renditechancen bieten zwar tatsächlich Aktien. Gleichzeitig muss Ihr Partner aber bei Aktien mit starken Kursschwankungen rechnen. Angesichts der vielen Unsicherheitsfaktoren wie Brexit, Italienkrise, Handelsstreit und Konjunkturabschwächung muss man in nächster Zeit mit einigen Korrekturen an den Finanzmärkten rechnen. Darum muss er sich gut überlegen, wie viel Risiko er im Alter nach der Pensionierung tragen möchte und kann.

Immerhin schreiben Sie mir, dass Ihr Partner daran denkt, Dividendenperlen zu erwerben und auch das mit Aktien immer verbundene Ausfallrisiko zu tragen bereit ist. Wenn er sich bewusst ist, dass Aktien mit höheren Risiken verbunden sind, und diese Aktien wirklich auf lange Sicht über mindestens zehn oder mehr Jahre nicht verkaufen muss, halte ich sein Vorhaben für sinnvoll.

Dividendenperlen wie Zurich Versicherung, Nestlé, Roche, Novartis, Swiss Life oder Swisscom bieten hohe Dividendenrenditen von 2 bis 6 Prozent. Allerdings sind diese Dividenden nie garantiert. Darum würde ich nur einen Teil des Geldes in Aktien anlegen, da diese einen langen Anlagehorizont erfordern und er sonst seine Flexibilität verliert.

Darüber hinaus könnte er einen Teil des Geldes als liquide Mittel für Unvorhergesehenes behalten und einen weiteren Teil breit diversifiziert in verschiedene Anlageklassen wie Obligationen, Aktien, Rohstoffe und Immobilien investieren. Das ist einfach möglich über Anlagefonds.

Auch über günstige, passiv verwaltete Indexfonds oder an der Börse gehandelt Exchange Traded Funds kann er sich von seiner Bank ein breit diversifiziertes Portfolio zusammenstellen lassen. Damit hat er eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass er eine deutlich höhere Rendite erzielt, als wenn er die Police verlängert, und verfügt nach der Pensionierung finanziell über deutlich mehr Flexibilität, was ich gerade mit steigendem Alter für wichtig halte.

6 Kommentare zu «So bleiben Sie im Alter finanziell flexibel»

  • Peter Rohner sagt:

    Dividendenperlen zu kaufen ist eine feine Sache für Leute, die regelmässig ein Einkommen generieren wollen, ohne sich gross um die Einzelheiten kümmern zu müssen. Aber hier keine Einzelaktien kaufen, sondern natürlich ETFs (z.B. iShares Swiss Dividend), denn ETFs sind bekanntlich günstig, pflegeleicht, Selbstläufer, vergleichsweise sicher. — Man kauft sie einmal und erfreut sich ewig an den Dividenden.

    Wichtig zu wissen: Dividenden sind steuerpflichtig, Kurssteigerungen hingegen nicht (in der Schweiz). Deshalb ist eine Dividendenstrategie vom Standpunkt „Steuern“ her nicht unbedingt empfehlenswert. Dafür ist diese Strategie sehr einfach und bequem.

  • Peter Rohner sagt:

    Es ist auch möglich, einmalig einen Welt-ETF (z.B. ACWI, VWRL, MVOL) zu kaufen, um dann pro Monat 0.5% zu verkaufen und zu verbrauchen. Eine Geldmaschine, die ewig läuft. — Hier natürlich einen günstigen Online-Broker wählen (z.B. Swissquote oder PostFinance).

    Oder man wendet die 4%-Regel an. Man kauft sich einen Weltfonds und bezieht jährlich 4% des Startkapitals. Dieser Betrag wird jährlich um die Inflation erhöht. Auf diese Weise sollte das Geld lange reichen (30 Jahre und mehr). Bei Avadis lässt sich eine solche Strategie hervorragend umsetzen (mit den Fonds „Wachstum“, „Aggressiv“ oder „Aktien“).

    • Kurt Seiler sagt:

      Mache etwas ähnliches.
      … und warte schon JAHRZEHNTE dass die Courtagen sinken.
      Ich kann mich einfach nicht überwinden grosse Summen zu einem ausländischen Broker zu transferieren.

      • Kurt Seiler sagt:

        OK, das machen sie wohl mit der CHF 9-Courtage für ETF bei SQ.
        Mit Aktien direkt wird das dann auch bei SQ zu teuer.

      • Peter Rohner sagt:

        @Kurt Seiler
        Ja, bei Swissquote kostet eine Transaktion mit ETFs „nur“ ca. 10.—. Dazu kommen noch Börsenabgaben und Steuern. Bei einer Transaktion von 2’500.— fallen somit ca. 16.— an, bei einer Transaktion von 17’000 etwa 40.— (das sind Beispiele aus meinem Alltag). — Insgesamt sind diese Kosten für Schweizer Verhältnisse sehr gut.

      • Julian H. sagt:

        @Rohner und Seiler
        Danke vielmals für Ihre Erfahrungen. Ja, solche Kosten sind vertretbar. Die gestaffelte Entnahme im erwähnten Mass wäre sinnvoll. Die Person scheint ja zumindest etwas Risikobereitschaft zu besitzen.
        Im Plan des Fragenden wäre zwar nur 50/180, also knapp 28%, dem Schwankungsrisiko/chance der Börse ausgesetzt, der Rest der Inflation. Die Entnhamen würden jedoch durch die Dividenden getätigt, die aber bei, sagen wir, 3% dann auch nur 1.5kchf (abzüglich Steuern) wären. Entnhamen (auch mit Verkäufen) von 4% von 180kchf wären immerhin 7.2kchf.

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