Eine Million Cash abheben? Geht nicht!

Die Zeiten, als man bei der Bank einen Koffer Geld holen konnte, sind vorbei. Grosse Summen gibt es nur noch digital.

Bye-bye, Aktenkoffer: Mehr als 100’000 Franken bekommen Sie bei keiner Bank ausbezahlt. Foto: Keystone/Martin Ruetschi

Mit den Leistungen meiner Hausbank bin ich sehr unzufrieden und möchte mich nicht mehr in neue Anlagen engagieren. Ich bin mir bewusst, dass ein gewisses Risiko bei Bargeld – sowie bei Anlagen – besteht, aber bei Ersterem hätte ich bestimmt ruhigere Nächte! Könnten Sie mir einen Weg aufzeigen, wie ich den Kaufbetrag aus einem Hausverkauf von über einer Million Franken in bar beziehen kann? A.M.

Bargeld zu beziehen, wird generell immer komplizierter. Selbst bei kleinen Beträgen verlangen einige Banken heute bereits Zusatzgebühren – so etwa die UBS, die 2 Franken Gebühren verrechnet, falls ein Kunde am Schalter Geld abheben will.

Bei kleinen Beträgen kann man problemlos auf den Bancomaten ausweichen. Weit komplexer wird es indes, wenn man grössere Beträge in Cash beziehen will. Bereits wenn man mehrere Zehntausend Franken in Noten abheben will, stösst man je nach Bank auf Widerstand. Am Bancomaten hat man Limiten, und am Schalter muss man sich ab höheren Summen unter Umständen erklären.

Bei den meisten Banken in der Schweiz erhalten Sie hohe Beträge überhaupt nicht mehr in Bar ausbezahlt. Die Zeiten, als man, wie es noch in alten Spielfilmen zu sehen ist, mit dem Aktenkoffer bei der Bank vorbeigehen und diesen mit Noten füllen lassen kann, sind definitiv vorbei.

Grundsätzlich darf man zwar über sein eigenes Geld verfügen, aber man darf dieses nur in beschränktem Umfang in Cash beziehen. Stattdessen muss man höhere Beträge elektronisch transferieren. Der Grund: Mit Bargeld kann man eher Steuern hinterziehen oder Geld aus unseriöser Quelle waschen. Die deutlich verschärften Geldwäschereibestimmungen verhindern, dass man grosse Geldsummen wie früher im Aktienkoffer aus der Bank tragen darf.

Auch würde eine Bank aus demselben Grund nie mehr einen Koffer voll Geld annehmen und auf ein Konto verbuchen, ohne dass die genaue Quelle des Geldes detailliert belegt wird. Anders als Bargeld hinterlassen elektronische Geldtransfers Spuren, die genau zurückverfolgt werden können.

Nun ist es bei Ihnen so, dass die Quelle des Geldes aus dem Hausverkauf belegt werden könnte, und Sie haben mir geschrieben, dass Sie den Cash-Betrag auch in der Steuererklärung als Barbetrag aufführen würden. Dennoch habe ich grösste Zweifel, dass Ihnen eine Bank den gewünschten Betrag in Cash auszahlen wird.

Einheitliche Limiten für den Barbezug bei den Schweizer Banken gibt es nicht. Die einzelnen Banken verfolgen punkto Höhe der ausbezahlten Cashbeträge eine unterschiedliche Praxis. Während es bei vielen Instituten ab Beträgen von 30’000 bis 50’000 Franken schon schwierig wird, sind Institute, die sich auf reiche Kunden fokussieren, grosszügiger. Mehr als 100’000 Franken bekommen Sie aber auch bei solchen Banken kaum in Cash ausbezahlt.

Wie viel wirklich in Bar ausgegeben wird, hängt auch von der Kundenbeziehung, von den gesamten Vermögenswerten in Relation zum gewünschten Barbezug und von der belegbaren Begründung und Umständen für den Barbezug ab. Sie könnten also einzelne Teilbeträge in Cash über eine längere Zeit hinweg beziehen, sicher aber nicht den gesamten Betrag von einer Million Franken.

Abgesehen davon rate ich Ihnen ausdrücklich von Ihrem Vorhaben ab. Sie gehen mit dem Bargeld ein erhöhtes Sicherheitsrisiko ein, angefangen vom Transport bis zur Aufbewahrung. Natürlich könnten Sie die Noten in einem Bankfach bunkern. Hier haben Sie aber den Nachteil, dass Sie zusätzlich zu den Kosten für das Bankfach auf dem Geld eine Negativrendite erzielen: Aufgrund der zugegebenermassen kleinen Teuerung nimmt der Wert Ihres Geldes stetig ab.

Besser wäre es, wenn Sie das Geld investieren und eine Rendite erzielen. Wenn Sie mit Ihrer Hausbank unzufrieden sind, würde ich dennoch mit anderen Banken sprechen und dann das Geld elektronisch auf diese transferieren. Den mit einem Bankwechsel verbundenen administrativen Aufwand erledigt für Sie die neue Bank. Und je nach Ihrer Depotgrösse übernimmt sie auch die Transferkosten.

Dieser Weg ist aus meiner Sicht immer noch besser, als wenn Sie einfach viel Bargeld horten. Wenn Sie doch auf dem Konto viel liquide Mittel parkieren möchten, könnten Sie auch Teilbeträge von 100’000 bis 200’000 Franken auf mehrere Banken verteilen und so vorderhand Negativzinsen vermeiden. Auch das erachte ich noch als besser und sicherer als sehr viel Bargeld.