Reisedetailhändler Dufry wächst wieder richtig

Dufry im Euro-Airport Basel: Eine Dividende von 4 Franken liegt drin. Foto: Pierre Stoffel

Im Mai empfahl ich Aktien von Dufry an dieser Stelle zum Kauf. Seither haben sie rund 12 Prozent an Wert gewonnen, den Grossteil davon in den vergangenen Tagen. Ich will mir hier nicht auf die Schulter klopfen, sondern Ihnen die ­Titel weiterhin nahelegen. Denn die jüngsten Quartalszahlen zeigen allgemein eine Beschleunigung des Geschäfts und – was zusätzlich positiv ist – nach mehr als zwei Jahren eine Rückkehr zu richtigem Wachstum. Das heisst, zwischen Juli und September wurde das Verkaufsvolumen gesteigert und nicht bloss mehr Verkaufs­fläche erstellt. Was mir auch gefällt: Die Cashflow-Ziele sind mit Blick auf das Gesamtjahr erreichbar, und eine Dividende von 4 Franken liegt drin. Täuscht mein Eindruck nicht, dürfte zudem die Talsohle im Problemmarkt Brasilien erreicht sein. Durch neue Shops und die Verdoppelung der brasilianischen Zollfreimenge ab 2020 ist Dufry bereit, von einem Aufschwung in Südamerika zu profitieren. All das gibt es zu einem attraktiven Kurs-Gewinn-Verhältnis von 12 für das kommende Jahr. Kaufen

Erfolgreiche Immobiliendienste

Auch der Versicherer Swiss Life hat einen guten Lauf. Bis September hat er das Geschäftsvolumen um 25 Prozent gesteigert. Dazu haben besonders Vorsorgeverträge für KMU beigetragen, die beim Konkurrenten Axa abgesprungen sind. Richtig erfolgreich ist Swiss Life auch im Bankgeschäft mit Anlagefonds und Investmentmandaten. Hier flossen dieses Jahr netto 6,5 Milliarden Franken von institutionellen Investoren zu. Das Unternehmen ist ausserdem erfolgreich mit Immobiliendiensten. Die Tochtergesellschaft Livit verwaltet auf Gebührenbasis eine zunehmende Zahl von Mehrfamilien­häusern Dritter. Aus dem günstigen Zwischenbericht lässt sich ableiten, dass Swiss Life den Jahresgewinn vergrössern wird. Ich schätze, dass der Überschuss je Aktie im laufenden Jahr um etwa 15 Prozent und 2020 um weitere 5 Prozent steigt. Auch wegen des im Frühling publizierten Entscheids des Managements, künftig einen grösseren Teil des Überschusses als Dividende auszuschütten, sind die Aktien attraktiv. Kaufen

Neues Allzeithoch

An Barry Callebaut einen Makel zu finden, ist nicht leicht. Der Kakao- und Schokoladenhersteller ist weltweit führend, wächst zuverlässig schneller als der globale Schokoladenmarkt und versüsst damit den Aktionären das Leben mit satten Kursgewinnen: Vor zwei Wochen erreichten die Titel ein neues Allzeithoch von 2100 Franken. Und doch gibt es ein Problem: zu optimistische Erwartungen der Finanzgemeinde. Eine leichte Enttäuschung aus Anlass der Jahreszahlen reichte am Mittwoch aus für eine verschnupfte Reaktion der Börse. In den letzten Monaten hat die Dynamik auf hohem Niveau etwas nachgelassen. Barry Callebaut wird auch in Zukunft solide Resultate abliefern und innova­tive Produkte entwickeln. Doch die bereits gut laufenden Aktien (2019: +36 Prozent) nehmen viel vorweg und sind stattlich bewertet. Sind Sie Aktionär, nehmen Sie einen Teil der Gewinne mit. Liebäugeln Sie mit einem Einstieg, warten Sie einen Kursrückschlag auf markant unter 2000 Franken ab. Halten

Weiterhin allein

Beim Kommunikationstechniker Ascom stehen die Zeichen wieder einmal auf Neustart. Die ehemalige SBB-Managerin Jeannine Pilloud will sich nun definitiv auf ihren neuen Job als Chefin konzentrieren, ihre Präsidentenfunktion übernimmt Valentin Chapero. Chapero ist ein Vertreter des Grossaktionärs Veraison und stand bis 2011 an der Spitze des Hör­geräteherstellers Sonova. Einen Käufer für die angeblich so attraktive Ascom konnte bisher nicht gefunden werden, und so muss der Minikonzern vorläufig allein weitermachen. Nach Jahren der Schrumpfung will er im laufenden Geschäftsjahr einen Umsatz von 300 Millionen Franken erreichen und ab dem kommenden Jahr wieder wachsen. Dass die Digitalisierung von Spitälern ein attraktives Geschäftsfeld ist, ist unbestritten. Dass Ascom Probleme an der Verkaufsfront hat, auch. Ich traue dem Tandem Chapero/Pilloud zu, dass es die Probleme erkannt hat und den Laden wieder auf Vordermann bringen kann. Dann wird Ascom für einen Käufer auch wieder attraktiv. Doch das wird einmal mehr Zeit beanspruchen und die Nerven der gebeutelten Ascom-Aktionäre weiter strapazieren, zumal der Kurs der Aktien eine operative Trendwende bereits vorwegnimmt. Ich würde an der Seitenlinie bleiben. Halten

Lukrative Insulinpumpen

Fast 14 Millionen Menschen haben Diabetes. Ihr Körper produziert das für die Regulierung des Blutzuckerspiegels notwendige Insulin nicht. Eine besondere Form ist Diabetes Typ 1, die etwa zehn Prozent aller Fälle ausmacht und meist schon im Kindesalter beginnt. Von diesen 1,5 Millionen wiederum trägt erst jeder Zehnte eine Pumpe für die Zufuhr von künstlichem Insulin, obschon die Vorteile des Geräts auf der Hand liegen. Das Marktpotenzial für Insulinpumpen ist also beträchtlich. Neben grossen Medizinaltechnikfirmen wie dem US-Konzern Medtronic tummelt sich auch Ypsomed in diesem vielversprechenden Geschäft. Derzeit durchläuft das Burgdorfer Unternehmen eine schwierige Phase. Ex-Partner Insulet hat einen Vertriebsvertrag gekündigt. Ypsomed fällt dadurch ein Drittel des Umsatzes und die Hälfte des Betriebsgewinns weg. Die Lücke mit eigenen Produkten zu füllen, ist nicht einfach. Frühestens im Geschäftsjahr 2020/21 wird das der Fall sein. Zwar läuft das andere Geschäft von Ypsomed, Systeme für die Selbstmedikation, wie geschmiert. Doch die Umsetzung des neuen Geschäftsmodells wird mehr Zeit brauchen als gedacht. Halten

 

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