So finden Sie den richtigen Anlageberater

Neben harten Kriterien sollten Sie bei der Wahl eines Vermögensverwalters auch auf menschliche Faktoren achten – und kritisch sein.

Zahlen und Sympathie: Die Wahl eines Vermögensverwalters ist letztlich Vertrauenssache. Foto: iStock

Bis heute verwalte ich nach Enttäuschungen mit den Grossbanken mein Vermögen selber. Mit bald 80 Jahren möchte ich nun mindestens zu einem Teil diese Verwaltung in professionelle Hände abtreten. Welche Schritte können Sie mir empfehlen, um einen seriösen und kompetenten Anlageberater zu finden? U.G.

Sein Vermögen verwalten zu lassen, hat den Pluspunkt, dass das Kapital nach professionellen Kriterien gemäss Ihrem persönlichen Risikoprofil investiert wird und Sie eine breite Diversifikation auf verschiedene Anlageklassen und Anlageinstrumente erreichen.

Dabei wird Ihr Vermögen auch laufend überwacht und, falls nötig, bei veränderten Rahmenbedingungen abgestimmt auf Ihre Risikovorgaben angepasst. Sie können die Expertise von Profis nutzen und sparen sich viel Zeit. Im positiven Fall erzielen Sie mittels einer professionellen Vermögensverwaltung eine höhere Rendite, als wenn Sie das Geld selbst anlegen.

Leider gibt es dafür aber keine Garantie. Wenn Sie Pech haben, ist die von Ihrem Vermögensverwalter gewählte Strategie nicht oder nur bedingt erfolgreich. Die Verwaltungsgebühr bezahlen Sie allerdings auch dann. Umso wichtiger sind vor diesem Hintergrund die Wahl des richtigen Vermögensverwalters und deren Expertise. Dabei müssen Sie entscheiden, ob Sie einen unabhängigen Vermögensverwalter nutzen möchten oder eine Vermögensverwaltung einer Bank. Eine generelle Aussage, welcher Weg besser ist, lässt sich nicht machen.

Über die Basisvoraussetzungen wie die Zulassung als Vermögensverwalter durch die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht Finma und die ausgewiesene fachliche Expertise hinaus sollten Sie sich von einem möglichen Vermögensverwalter im Detail informieren lassen, welche strategische Ansätze er verfolgt, wie transparent er ist, welche Prozesse genutzt werden. Und welche Resultate mit seiner Anlagestrategie in verschiedenen Marktphasen erzielt wurden. Zu prüfen ist weiter, ob für Sie die Strategie nachvollziehbar ist.

Die Performance in der Vergangenheit ist für Sie zwar keine Garantie für die Zukunft, stellt aber immerhin eines von mehreren Entscheidungskriterien dar. Vor allem sollte die Performance in Relation zur Performance von Konkurrenten oder Marktindizes verglichen werden.

Eine schöne Brutto-Performance bringt Ihnen zudem nichts, wenn ein Grossteil davon von den Gebühren weggefressen wird. Darum sollten Sie sich immer die Netto-Performance anschauen und sich detailliert über die zu erwartenden Gebühren sowohl für die Verwaltung als auch für die gewählten Anlageinstrumente und allfällige Retrozessionen informieren lassen.

Über die harten Kriterien wie Expertise und Kosten hinaus würde ich unbedingt auch auf menschliche Faktoren achten: Geht Ihr potenzieller Vermögensverwalter wirklich auf Ihre Bedürfnisse ein? Oder fühlen Sie sich nur wie eine Milchkuh, die mittels der Vermögensverwaltung für das Gebühren-Melken genutzt werden soll? Jeder Vermögensverwalter verspricht Ihnen, dass Sie und Ihre Bedürfnisse ganz im Zentrum stehen – bei einigen aber steht später die Generierung von Gebühren im Vordergrund.

Kritisch nachzufragen lohnt sich doppelt. Die Wahl eines Vermögensverwalters ist über die rein sachlichen Aspekte hinaus immer auch Vertrauenssache. Wie die Wahl eines Arztes oder Anwaltes. Sie vertrauen dem Vermögensverwalter Ihr Geld an. Daher sollten Sie sich auch menschlich wohlfühlen und Vertrauen aufbauen können.

Vor diesem Hintergrund rate ich Ihnen, mit mehreren Banken und Vermögensverwaltern das Gespräch zu suchen sowie anhand einer Checkliste die harten Aspekte zu prüfen und die Soft-Faktoren abzutasten.

Das beinhaltet zwar einigen Aufwand, gibt Ihnen aber eher die Möglichkeit, sich selbst ein Urteil zu bilden und aufgrund der gewonnenen Eindrücke zu entscheiden.

9 Kommentare zu «So finden Sie den richtigen Anlageberater»

  • Peter Rohner sagt:

    Vermögensverwaltungen hört sich für mich immer nach hektischem Kaufen und Verkaufen an, nach dem Hinterherrennen von verpassten Chancen. Dieses Verhalten verursacht hohe Kosten und Verluste.

    Die nachweislich beste Anlagestrategie heisst „Kaufen und Halten“ mit einen gelegentlichen Rebalancing. Wenn man das nicht mehr selbst tun möchte, geht man zu einem Anbieter, der das automatisiert (z.B. Vermögenszentrum oder TrueWealth).

    Oder man kauft sich einen einzigen globalen ETF (FTSE All-World, ACWI, ComStage Vermögensstrategie, Avadis-Fonds) und gut ist. Wenig Aufwand, viel Erfolg.

  • Noah Heusser sagt:

    Artikel: „Dabei müssen Sie entscheiden, ob Sie einen unabhängigen Vermögensverwalter nutzen möchten oder eine Vermögensverwaltung einer Bank.“

    Dieser Satz ist voller Euphemismen.
    „Vermögensverwalter“: Hier könnte der Eindruck entstehen, es gehe um das Verwalten des Vermögens in ihrem Sinne. Es sind aber Finanzprodukte Verkäufer. Ihr Auftrag ist es so viel Geld wie möglich von ihrem Vermögen in die Kassen der Produkteanbieter zu verschieben. Dafür werden sie mittels Kickbacks oder direktem Lohn bezahlt. Je weniger die Bank profitiert, desto kleiner wird der Lohn des Verkäufers.
    „unabhängig“: Bedeutet in der Praxis, dass diese nicht nur die Produkte einer Bank verkaufen. Sie leben aber von den Kickbacks der Produkte die sie verkaufen. Sie sind also nicht unabhängig.

    • Daniel Ballmer sagt:

      Nun es kommt immer darauf an, was der Kunde will – die Independent Capital Group Basel und Zürich verwaltet Vermögen im Sinne des Kunden gepaart mit der Expertise der Firma. Retros werden sofern erzielt dem Kunden zurückvergütet und dabei nur so viele Transaktionen wie nötig getätigt. Das hat seinen Preis aber das ist es dann auch Wert, denn die historische Performance beweist das.
      Daniel Ballmer

  • sepp z. sagt:

    Vermögensberater für Menschen mit Vermögen im tiefen 6 stelligen Bereich sind überflüssig wenn nicht sogar gefährlich. Da werden junge dumme Banker in Ausbildung vorgesetzt, die stupid und frech die Produkte ihrer Banken verkaufen. Mit ein bisschen Intelligenz kann man diese „Beratung“ selbst besser erledigen.
    Für Multimillionenvermögen mags ein bisschen anders sein, aber das ist dann definitiv ein Probem einer kleinen privilegierten Minderheit.

  • Lucas Wyrsch sagt:

    Globale Immobilien sind eine wertvollere Anlageklasse als alle Aktien, Wertschriften und Anleihen kombiniert, die zusammen im Jahr 2016 lediglich US$170 Billionen betrugen.
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    Beim „Global Real Estate: Trends in the world’s largest asset class“ der HSBC von 2016 geht man von einem Erstellungswert der globalen Immobilien von US$228 Billionen aus..
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    Das globale BIP des CIA Factbooks 2016 belief sich auf US$123.3 Billionen.
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    Der globale Immobilienerstellungswert ist 1.8 Mal höher als das globale BIP.
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    In der Schweiz gab es 2011 rund 2.5 Millionen Immobilien mit einem Erstellungswert von CHF 2.5 Billionen und einem BIP von CHF 621.26 Milliarden war dies 4 Mal mehr in der Schweiz!
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    Da US REIT die weltweit beste und sicherste Anlageklasse sind, sollte man die vorziehen!

  • Lucas Wyrsch sagt:

    Da in der Schweiz kein Anlageberater eine Ahnung von der weltweit wertvollsten Anlageklasse, den US REITs, hat, kann auch kein Anlageberater dafür sinnvoll genutzt werden!
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    Erkläre ich einem Schweizer, dass die 25 besten US REITs zwischen dem 2. Januar 2019 und dem 31. Oktober 2019 eine Rendite von 60.48% erzielt hätten, ernte ich ein religiöses, dem Ablasshandel ähnliches Argument des Unglaubens!
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    Gebe ich dann die 25 besten US REIT Börsenticker bekannt, welche diese 10 monatige Performance von 60.48% erreicht hatten, werden viele plötzlich leiser!
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    Hier sind die 25 besten US REIT Ticker: UHT, CHCT, SNR, REXR, SUI, CTT, EQIX, UBP, BRX, PLD, HASI, IRET, QTS, EGP, KIM, MAA, FR, STOR, OUT, ELS, SBAC, DEA, CORR, BRT, WPC
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    Man prüfe nach und werde reich!
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    Sapere aude!

    • Pan Flöte sagt:

      Interessant wären auch die 25 schlechtesten US-Reits im Jahre 2008 😉

      • Lucas Wyrsch sagt:

        Alle US REITs waren auch im Jahr 2008 resistenter als Aktien, weil REITs viel weniger volatil sind.
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        Übrigens ging es auch Schweizerischen Immobilien ähnlich, die überstanden das Jahr 2008 ohne nennenswerte Verluste!

  • Daniel Ballmer sagt:

    Nun es kommt immer darauf an, was der Kunde will – die Independent Capital Group Basel und Zürich verwaltet Vermögen im Sinne des Kunden gepaart mit der Expertise der Firma. Retros werden sofern erzielt dem Kunden zurückvergütet und dabei nur so viele Transaktionen wie nötig getätigt. Das hat seinen Preis aber das ist es dann auch Wert, denn die historische Performance beweist das.
    Daniel Ballmer

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