Geberit trotzt dem schwierigen Umfeld

Geberit: Das Wachstumstempo konnte im dritten Quartal beschleunigt werden, die Margen sind weiter gestiegen, die Erwartungen wurden übertroffen. Foto: Sabine Rock/ZSZ

Ich bin mir vom Sanitärtechniker Geberit einiges gewohnt – im positiven Sinne. Das Unternehmen ist hervorragend geführt und generiert für ein Industrieunternehmen ausnehmend hohe Margen. Es ist dennoch überraschend, wie stark Geberit in den ersten neun Monaten in einem zum Teil schwierigen Marktumfeld gearbeitet hat. Das Wachstumstempo konnte im dritten Quartal noch beschleunigt werden, die Margen sind weiter gestiegen, und die Erwartungen wurden übertroffen. Wenn nicht alles täuscht, wird Geberit die Gui­dance für das laufende Jahr, die eine Fortsetzung des Trends verspricht, einhalten. Davon geht offenbar auch die Börse aus: Obwohl der Kurs seit einem Monat gestiegen war, erreichte er nach der Publikation der Zahlen ein neues Allzeithöchst. Geberit ist äusserst solid und bietet überdurchschnittlich viel Anlagequalität. Kaufen

Neues Implantat ist ein Renner

Niemand geht gern zum Zahnarzt. Deswegen keine Aktien von Straumann zu kaufen, war jedoch in den vergangenen Jahren ein Versäumnis. Allein seit Anfang Januar haben die Valoren des Dentalunternehmens 40 Prozent gewonnen. Auch der neuste Quartalsbericht überzeugte. Eine Umsatzzunahme aus eigener Kraft von 19 Prozent ist ausserordentlich. Das Jahresziel wurde auf etwa 15 Prozent angehoben. Die Wachstumsrate nimmt ab, weil das Schlussquartal 2018 die Messlatte mit einem Plus von mehr als 20 Prozent unüberwindbar hoch gelegt hat. Aber auch, weil Straumann teilweise nicht so viel absetzen kann wie gewünscht. Ich denke, dass das Unternehmen auch im kommenden Jahr prozentual zweistellig wächst. Die Produktionsengpässe werden spätestens im zweiten Quartal behoben sein, und das neue Implantatprodukt scheint ein Renner zu sein. Am meisten gespannt bin ich, wie sich der Wechsel auf dem Chefposten auswirkt. Der Franzose Guillaume Daniellot tritt in grosse Fussstapfen. Doch als Chef von Straumann Nordamerika hat er das Wachstum der vergangenen Jahre mitgeprägt. Trotz hoher Bewertung: Kaufen

Chinesische Eigentümer

Remo Lütolf, der Präsident von Meyer Burger, strahlte vor Erleichterung, nachdem die Aktionäre an der ausserordentlichen Generalversammlung die Wahl von Mark ­Kerekes in den Verwaltungsrat abgelehnt hatten. Man hätte meinen können, jetzt seien alle Probleme der Solarzulieferin gelöst. Doch Zurücklehnen wäre fatal, denn, so sagte es der Oberst der Firma selbst: «Der Hauptkrieg findet am Markt statt.» Gemeint ist, dass Meyer Burger nach wie vor ums Überleben kämpft. Es ist erstaunlich, dass die Aktionäre dem Unternehmen trotz komatösem Aktienkurs weiterhin die Treue halten. Dass Meyer Burger liefern muss, gilt schon seit einer Weile, und nach der neuer­lichen Unterstützung durch die Anleger mehr denn je. Meyer Burger will am Verkauf von Solarmodulen der Kundin REC mitverdienen. Die Produktion bei REC läuft schon, jetzt müssen schleunigst die Details der Partnerschaft geregelt werden. Dazu gehören auch heikle Fragen. REC ist zwar ursprünglich norwegisch, mittlerweile aber operativ in Singapur, und vor allem hat sie mit Chemchina letztlich chinesische Eigentümer. Wie verhindert Meyer Burger, dass nicht wieder Know-how nach China abfliesst? Zudem ist zu hoffen, dass das Management und die Aktionärin Sentis wieder einen zivilisierten Umgang finden – trotz «Krieg» auf dem Markt. Aktionäre sollten es halten wie an der GV im Stade de Suisse: weiter zuschauen und hoffen, dass sich der Optimismus in den Geschäftszahlen niederschlägt. Halten

30 Prozent Marktanteil weltweit

Im Frühling habe ich an dieser Stelle die Aktien des Spinnmaschinenherstellers Rieter zum Kauf empfohlen. Letzte Woche meldete das Winterthurer Unternehmen nun erneut einen Auftragsrückgang, und zwar mit minus 30 Prozent einen empfindlichen. Soll ein Anleger trotzdem in den Rieter-Titeln engagiert bleiben? Ja. Rieters Geschäft ist hochzyklischer Natur. Das heisst, die Nachfrage nach Spinnmaschinen schwankt generell stark. Derzeit sind in den grossen Märkten wie China und Indien zu viele Spinnkapazitäten vorhanden. Dazu kommt die Unsicherheit wegen des Handelskonflikts zwischen den USA und China. Beides lässt die Spinnereien mit Investitionen zögern. Doch über kurz oder lang wird sich Ersatzbedarf bemerkbar machen. Dazu werden Länder wie die innerasiatischen Staaten oder Südamerika ihre Spinnereiindustrie weiter ausbauen. Die Nachfrage nach Spinnereitechnik wird wieder steigen. Rieter ist gut positioniert und hält, auch jetzt im Abschwung, weltweit rund 30 Prozent Marktanteil. Die Bilanz ist mit Liquidität gut gepolstert, Kostensenkungsmassnahmen beginnen zu greifen. Auch eine längere Durststrecke könnte durchgestanden werden. Die Aktien notieren 45 Prozent unter dem Höchst von Anfang 2018 – was eine Idee gibt, wohin der Kurs gehen könnte, wenn der Spinnereimarkt dreht. Für Geduldige gilt jetzt: Kaufen

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