Was es bei Anlagefonds zu beachten gibt

Passive Produkte boomen. Unser Geldexperte erklärt, warum es für eine erfolgreiche Anlagestrategie auch aktive Fonds braucht.

Ob aktive oder passive Produkte: Entscheidend sind die Qualität des Managers und die Wahl des Fonds. Foto: iStock

In den letzten Jahren haben passiv gemanagte Indexfonds an Popularität gewonnen. Fast egal, wo man sich beraten lässt, wird einem dazu geraten, in passive Produkte zu investieren, da die Kosten der aktiven Fonds meist nicht gerechtfertigt sind. Ich frage mich allerdings, ob wir damit nicht die nächste Blase generieren. Schliesslich belohnt man mit dieser Strategie Unternehmen, die schon eine gewisse Grösse haben und in einem Index vertreten sind. Müsste man mit diesen passiv verwalteten Produkten vorsichtiger vorgehen? T.B.

Ich teile Ihre Meinung. Wie auch sonst im Leben ist die Fondswelt nicht einfach nur schwarzweiss – sprich: passive Fonds sind gut und aktive Fonds sind schlecht. Wenn man die öffentliche Meinung als Gradmesser nimmt, bekommt man den Eindruck, dass man als Anleger das finanzielle Glück nur mit passiven Instrumenten findet.

Das ist natürlich Blödsinn und eine gefährliche Simplifizierung. Aus meiner Sicht braucht es für eine erfolgreiche Anlagestrategie sowohl aktive als auch passive Fonds. Beide haben Pluspunkte – beide haben aber auch Nachteile.

Offensichtlich sind die Nachteile bei aktiven Fonds punkto Gebühren. Hier gibt es je nach Anbieter und Fonds riesige Unterschiede nur schon unter den aktiven Instrumenten. Längst nicht immer sind Gebühren von einem und mehr Prozent gerechtfertigt. Wenn ein angeblich aktiv gemanagter Schweizer Aktienfonds mehr oder weniger eins zu eins den Swiss-Market-Index gewichtet, erhält man als Investor keinen Mehrwert, zahlt aber happige Gebühren.

Wenn hingegen ein guter Fondsmanager ebenfalls bei einem Schweizer Bluechips-Fonds in diesem Jahr Top-Titel wie Nestlé, Lonza oder Sika übergewichtet und Flop-Aktien wie UBS, CS oder Swatch Group tiefer gewichtet hat, bekomme ich als Anleger einen echten Mehrwert. In diesem Fall bezahle ich auch gern die höhere Gebühr, weil ich dank dem aktiven Management eine deutlich bessere Performance als mit dem reinen Indexvehikel erreicht habe.

Den Ruf von aktiven Fonds ramponiert haben allerdings jene Institute, die auf lange Sicht den Index kaum jemals schlagen, aber dennoch jedes Jahr horrende Gebühren abkassieren. Auf Gebühren sollte man auf jeden Fall achten, da Sie einen Teil der Rendite wegfressen, aber sie sollten, wie etwa beim täglichen Lebensmitteleinkauf, nicht das alleinige Auswahlkriterium sein.

Genau hinblicken sollte man indes bei der Nettorendite – also der effektiv erreichten Performance des Fonds nach Abzug der Gebühren. Da sieht man, was ein Fonds wirklich wert ist. Entscheidend sind die Qualität des Fondsmanagers und die Wahl des Fonds, was bei der riesigen Auswahl an Produkten aber schwierig ist.

Letzteres lässt sich allerdings auch bei den passiven Instrumenten sagen. Hier trifft man nur schon mit der Festlegung eines bestimmten Indexes, an dem der Fonds gekoppelt ist, eine wichtige Auswahl. Wenn man den falschen Index nutzt, bleibt der Anlageerfolg unter Umständen aus.

Wie bei einer Einzelaktie sollte man auch einen Fonds nicht nur auf wenige Monate hinaus beurteilen, ausser man will kurzfristig traden, was mit Fonds aber wenig Sinn ergibt. Selbst der beste Fondsmanager schlägt den Index nicht jedes Jahr. Wenn er es aber in fünf von sieben Jahren tut, ist er sein Geld wert.

Wichtiger als die Ranglisten, welcher Fonds im entsprechenden Jahr am besten performt, ist eine Mehrjahresperspektive, die man auch als Privatanleger anhand von Fondscharts im Internet bekommt. Aktive Fonds, die über mehrere Jahre ihren Vergleichsindex nicht schlagen, sollte man meiden.

Mit passiven Instrumenten kann man heute sehr vieles abdecken, aber längst nicht alles. Das ist aus meiner Sicht mit ein Argument, dass man mittels Fonds sowohl aktiv als auch passiv investieren sollte, so wie das auch die meisten institutionellen Anleger tun. Der Boom bei den passiven Instrumenten führt meines Erachtens auch zu gewissen Marktverzerrungen und zur Gefahr einer Blasenbildung, da Anreize falsch gesetzt sind.

Die härteste Strafe, die man als Anleger gegenüber Börsenfirmen einsetzen kann, ist eigentlich, deren Aktie zu verkaufen. Solange eine Firma aber in einem Index ist, wird von passiven Fonds immer gehalten oder gekauft – ganz egal, ob die Firma schlecht oder gut arbeitet. Zudem dürften reine passive Strategien Markttrends nach oben und unten verstärken.

Was das angesichts des stark gestiegenen Volumens bei passiven Produkten bei einem dramatischen Crash bedeutet, wissen wir noch nicht. Ich befürchte aber, dass der Boom bei den passiven Fonds den nächsten grossen Abschwung noch verstärken dürfte, was dann die Debatte über aktiv und passiv in ein neues Licht rückt.

3 Kommentare zu «Was es bei Anlagefonds zu beachten gibt»

  • Peter Rohner sagt:

    Es wird immer wieder versucht, die ETFs oder Indexfonds zu dämonisieren. Siehe auch den ausgezeichneten Blog-Beitrag von Gerd Kommer:
    https://www.gerd-kommer-invest.de/daemonisierung-von-etfs/

    ETFs und Indexfonds wirken auf das System eher stabilisierend. Zudem gelten viele Vorwürfe an ETFs und Indexfonds auch für aktive Fonds.

    Aktive Fonds sind genau dann gut, wenn sie über Jahre hinweg besser abschneiden als passive Fonds (nach Abzug der Gebühren). Inzwischen wissen wir, dass dies nur den allerwenigsten aktiven Fonds gelingt.

    Aktives Anlegen kann sich natürlich lohnen (Warren Buffett hat es bewiesen). Aber werden diese Profis auch in Zukunft besser abschneiden als der Markt?

    • MoreETF sagt:

      „Aber werden diese Profis auch in Zukunft besser abschneiden als der Markt?“ Die Kritik geht ja auch dahin, dass wenn alle nur ETFs haben, dieser Markt irgendwann nicht mehr existiert oder zu wenig effizient wird. Im Moment sind wir wohl noch nicht so weit. Stellt sich die Frage, ab welchem ETF-Anteil der Markt (noch) ineffizienter wird.

  • Thomas Berli sagt:

    Entscheidende Frage ist wohl, wie gross der Anteil von passiv investierten Aktien ist, z. B. innerhalb des SPI oder S&P500. Sind das 0,5% 5% oder 50%? Und sie stark ist dies in den letzten Jahren gewachsen? Gibt es da verlässliche Daten? Oder eigentlich müsste man nicht die Anzahl der Aktien sondern wohl eher die Anzahl der Trades anschauen.

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