Nestlé enttäuscht den Markt

Nestlé: Im Jahresverlauf hat sich der Kurs der Aktien um ein Drittel erhöht. Foto: Denis Balibouse/Reuters

Die Reaktion an der Börse war harsch: Knapp 2 Prozent verloren die Aktien von Nestlé am Donnerstag. Davor hatte der weltgrösste Nahrungsmittelkonzern Neun­monatszahlen präsentiert. Das organische Wachstum lag leicht unter den Erwartungen. Doch gerechtfertigt war die Reaktion nicht, insbesondere weil Nestlé auch das nächste Aktienrückkaufprogramm angekündigt hatte. Vielmehr ist das Minus Ausdruck der Fallhöhe, auf der sich die Aktien befinden: Im Jahresverlauf hat sich der Kurs um ein Drittel erhöht. Das Erreichen der Mittelfristziele bis 2020 wurde bereits eingepreist – am Donnerstag kamen darob plötzlich wieder Zweifel auf. Ich bin überzeugt, dass sich der Konzern und Chef Mark Schneider weiter auf Kurs befinden. Zwar sind Kursausbrüche nach oben unwahrscheinlicher geworden, aber ich würde die Schwäche nutzen. Kaufen

Wachstum wie bei Tamiflu

Erinnern Sie sich an die 2009 weltweit grassierende Schweinegrippe? Roche profitierte damals kolossal vom Medikament Tamiflu: Zeitweise war es für die Hälfte des Wachstums der Pharmasparte verantwortlich, der Gesamtumsatz wuchs dank des Grippemittels um 13 bis 14 Prozent. Genau zehn Jahre hat es gedauert, bis Roche wieder ein solches Wachstum in einem Quartal bekannt geben konnte – ohne massenhafte Infektionskrankheiten. Zum Plus beigetragen hat die Tatsache, dass die «alten» Umsatzrenner bei den Krebsmitteln wegen Nachahmerprodukten weniger Umsatz einbüssten als befürchtet. Zudem feiert Roche mit neuen Medikamenten, auch ausserhalb des Krebsgebiets, grosse Erfolge. Die Anleger honorierten die starke Leistung des Pharma- und Diagnostikkonzerns nicht. Die Roche-Titel verloren am Tag der Publikation der Neunmonatszahlen 1,5 Prozent – es ist wohl ein klassischer Fall von «Sell on Good News». Ich glaube aber, dass ­Roche auch in den nächsten Jahren überraschen und die Patentklippe umschiffen wird. Kaufen

Grundsolid, dividendenstark

Anders als Roche oder Nestlé ist Inficon wahrscheinlich den wenigsten ein Begriff. Doch auch der Hersteller von Analyse-, Mess- und Kontrollinstrumenten für anspruchsvolle Vakuumprozesse ist ein tolles Unternehmen, grund-
solid, profitabel und dividendenstark. Momentan fehlt es allerdings an Schwung. Ein wesentlicher Grund liegt im wichtigsten Zielmarkt der Gesellschaft: in der Halbleiter- und der Displayindustrie. Da wie dort wurde von 2016 bis Mitte 2018 überinvestiert, nun herrscht – vorübergehend – Investitionsflaute. Obwohl Inficon dank einer breiten Aufstellung nicht allein von Anlagenherstellern für die Halbleiter- und Displayindustrie abhängt, hinterlässt die dortige Flaute Spuren: Umsatz und Marge liegen klar unter Vorjahr. Und obwohl besagter Zielmarkt langfristig ein enormes Potenzial hat, verharrt er länger in der Talsohle als ursprünglich gedacht. «Die erhoffte Erholung ist noch nicht eingetroffen», musste Chef Lukas Winkler erst vergangene Woche eingestehen. Die Hoffnungen ruhen nun auf 2020. Der Aktienkurs nimmt einen sanften Aufschwung im Markt für Halbleiter- und Displayausrüstung bereits vorweg. Solange keine Anzeichen für eine kräftiger einsetzende Erholung erkennbar sind, gilt deshalb bis auf weiteres: Abwarten

Stabiles Blech

Auch Conzzeta hat mit den vorgelegten Neunmonatszahlen den Markt etwas enttäuscht. Der Umsatz ist auf vergleichbarer Basis um 7 Prozent gefallen. Die Lage hat sich im dritten Quartal verschlechtert. Alle drei Sparten weisen auf Quartalsbasis Rückgänge auf, auch die Sparte Outdoor mit der bekannten Marke Mammut. Trotz dieser Bremsspuren hält der Mischkonzern an der Jahresprognose fest. Ein Indiz für ein besseres viertes Quartal ist der im Vergleich zum Vorjahr stabile Auftragseingang in der grössten Sparte Blechbearbeitung. Ein wichtiger Treiber aber dürfte auch sein, dass Conzzetas Chemiegeschäft im vierten Quartal des letzten Jahres wegen rückläufiger Lieferungen an die Autoindustrie bereits eine Einbusse von 20 Prozent hinzunehmen hatte. Die Basis, an der das diesjährige vierte Quartal gemessen wird, ist demnach niedrig. Das macht die Prognose von Conz­zeta eben doch realistisch. Kaufen

 

 

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