Warteck-Aktien: Verkaufen oder abwarten?

Lohnt es sich, Aktien einer der grösseren Immobiliengesellschaften der Schweiz zu besitzen?

Die Immobiliengesellschaft Warteck Invest ging aus der Basler Brauerei Warteck hervor. Foto: Georgios Kefalas (Keystone)

Ich habe Aktien von Warteck im Depot, mit denen ich im Plus bin. Ich muss die Aktien nicht unbedingt verkaufen. Soll ich die Aktien verkaufen oder abwarten? T.C.

Die Warteck Invest gehört zu den grösseren Immobiliengesellschaften in der Schweiz und ist an der Schweizer Börse kotiert. Ursprünglich ging die Firma aus der früheren Basler Traditionsbrauerei Warteck hervor.

Der Liegenschaftenteil wurde vor rund 30 Jahren abgespalten und bildete die Basis für das Portfolio der heutigen Warteck Invest. Zu diesem zählen heute rund 55 Liegenschaften oder Entwicklungsareale mit einem Marktwert von fast 800 Millionen Franken. Rund die Hälfte entfällt auf Wohnliegenschaften, 42 Prozent auf Geschäftsimmobilien und der Rest auf gemischt genutzte Liegenschaften und Entwicklungsprojekte. Der Fokus der Immobilienbeteiligungen liegt in den Regionen Basel und Zürich. Das gesamte Portfolio umfasst aber Objekte in elf Kantonen.

Erst kürzlich hatte Warteck Invest eine Kapitalerhöhung vorgenommen und daraus brutto 76,8 Millionen Franken gelöst, um mit dem Portfolio weiterwachsen zu können. Vorgesehen sind mit dem Geld laut Firmenangaben Investitionen in die bestehende Liegenschaftsprojektpipeline im Umfang von rund 229 Millionen Franken in den kommenden Jahren.

Weil 49’500 neue Namenaktien mit einem Nennwert von je 10 Franken angeboten wurden, kam der Kurs an der Börse phasenweise unter Druck. In der Zwischenzeit hat sich der Kurs aber wieder deutlich erholt.

Grossaktionärin bei Warteck Invest ist die Aktionärsgruppe Familie Christoph M. Müller, die rund ein Drittel am Unternehmen besitzt. Sie hatte sämtliche ihrer im Rahmen der Transaktion zugeteilten Bezugsrechte ausgeübt und somit ihre proportionale Beteiligung gehalten.

Aus meiner Sicht ist Warteck Invest finanziell robust aufgestellt und operativ gut geführt. Als Aktionärin profitieren Sie bei der Firma von einer attraktiven Dividende. Die Dividendenrendite lag in den letzten Jahren zwischen rund 3,5 bis knapp 4 Prozent, wobei das Unternehmen seit 1993 die Dividende jedes Jahr entweder erhöht oder konstant gehalten hat.

Zwar ist die Dividende nie garantiert. Sie haben aber eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass Sie auch künftig eine ähnlich gute Dividende erhalten. Angesichts der rekordtiefen Zinsen ist nur schon dies ein Argument, um die Papiere von Warteck Invest im Depot zu behalten.

Ein Risiko sehe ich einerseits in der stattlichen Bewertung des Schweizer Immobilienmarkts und in den steigenden Leerstandsquoten. Das dürfte auch Warteck Invest zu spüren bekommen. Da angesichts der tiefen Zinsen und des Anlagenotstands viele zusätzliche Investoren in den Immobilienmarkt gedrängt sind, dürfte es auch für Warteck härter werden, die bisherigen Renditen zu halten oder sogar zu steigern.

Auch ein Immobiliencrash würde sich negativ auf die Aktie auswirken. Einen solchen erwarte ich derzeit aber nicht. Solange die Zinsen tief bleiben, dürfte die Nachfrage nach Immobilien in der Schweiz anhalten. Und ein Zinsanstieg ist nicht in Sicht. Im Gegenteil: Wenn die Europäische Zentralbank die Zinsen noch mehr senkt, dürfte auch die Schweizerische Nationalbank die Negativzinsen noch weiter ausweiten.

Vor diesem Hintergrund stufe ich Ihre Warteck-Aktien als solides Investment mit attraktiver Dividendenrendite ein und würde sie behalten. Allerdings müssen Sie auch bei diesen Papieren wie bei allen anderen an der Börse kotierten Aktien mit stärkeren Kursschwankungen rechnen, falls es in nächster Zeit aufgrund der vielen Unsicherheitsfaktoren an den Finanzmärkten zu Korrekturen kommt.

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