Wie umgehen mit den Währungsrisiken?

Warum man Fremdwährungsobligationen nicht nur bezüglich Schuldnerqualität gut prüfen sollte.

Von Privatanlegern oft unterschätzt: Bei Fremdwährungsanleihen trägt man über das reine Schuldnerrisiko hinaus zusätzlich ein erhöhtes Währungsrisiko. Foto: iStock

In den nächsten Tagen werden je eine NOK- und eine NZD-Obligation zur Rückzahlung fällig. Leider haben sich die Wechselkurse ungünstig entwickelt. Soll ich den Verlust realisieren, oder sehen Sie Gründe für eine positive Entwicklung der beiden Währungen? H.A.

Angesichts der rekordtiefen Zinsen und der Minusrenditen bei sehr sicheren Schweizer-Franken-Anleihen weichen viele Anleger, die Wert auf Sicherheit legen, auf Fremdwährungsobligationen aus. Faktisch hat man bei den Obligationen zwei Möglichkeiten: Entweder man bleibt im Schweizer Franken und macht Abstriche bei der Schuldnerbonität, weil man mit Top-Schuldnern nichts mehr verdient – oder sogar Geld verliert, wie bei den Bundesobligationen. Oder aber man flüchtet in Obligationen in anderen Währungen, die noch immer höhere Zinsen bieten, selbst wenn man auf Schuldner mit guter Bonität setzt.

Was viele Privatanleger bei beiden Schritten zu wenig beachten, sind die damit verbundenen Konsequenzen. Bei schlechteren Schuldnern ist die Folge naheliegend: Man trägt ein höheres Ausfallrisiko. Bei Fremdwährungsanleihen trägt man über das reine Schuldnerrisiko hinaus zusätzlich ein erhöhtes Währungsrisiko. Leider stelle ich fest, dass Privatanleger Letzteres oft unterschätzen. Auch Währungsprognosen bringen da wenig, denn sie sind meistens falsch. Meines Erachtens sind sich auch etwas vom Schwierigsten, da die Währungsentwicklung von sehr vielen Faktoren abhängig ist.

Ebenso wichtig wie die Frage nach der Währung ist für mich die Frage, was Sie denn mit dem Geld machen, wenn Sie Ihre Buchverluste jetzt realisieren würden. Sie müssen ja das Geld wieder anlegen, und da stellt sich die Frage nach den Alternativen. Wenn jemand wie Sie bereits in norwegischen Kronen und neuseeländischen Dollars investiert ist, würde ich derzeit Ihre Buchverluste nicht realisieren, sondern neue Anleihen in den entsprechenden Währungen zeichnen. Damit erreichen Sie bei vergleichbarer Schuldnerqualität eine wesentliche höhere Rendite, als wenn Sie das Geld wechseln und dann im Schweizer Franken in Obligationen investieren.

Voraussetzung dafür ist natürlich, dass Sie das Geld längere Zeit nicht brauchen, was ich aus Ihrem Schreiben schliesse. Gerade Norwegen dürfte künftig für Anleihen eher noch attraktiver werden. Denn anders als die meisten Notenbanken der Welt strafft die norwegische Notenbank ihre Geldpolitik weiter und hat die Zinsen erhöht, zumal Norwegens Wirtschaft gut läuft und die Teuerung angezogen hat. Der Leitsatz stieg im Juni um 0,25 Prozentpunkte auf 1,25 Prozent. Notenbankchef Oystein Olsen hat für die nächsten Monate sogar weitere Zinserhöhungen in Aussicht gestellt.

Wenn Sie dann auf dem höheren Zinsniveau Obligationen kaufen können, profitieren Sie direkt von den gestiegenen Zinsen. Ich würde also genau darauf achten, was die norwegische Notenbank weiter macht. Jedenfalls haben Sie aus meiner Sicht gute Chancen, dass Sie mit Anleihen aus Norwegen und Neuseeland mehr verdienen als mit vergleichbaren Papieren in Schweizer Franken. Wichtig ist allerdings, dass Sie Ihr Depot genügend diversifiziert haben.

Um Währungsrisiken und damit auch Währungsverluste zu vermeiden, würde ich als Privatanleger für die Anlage in Fremdwährungsanleihen generell eher auf Fonds setzen, die in solche investieren. Diese sichern das Währungsrisiko oft ab. Zusätzlich ist das Schuldnerrisiko breiter diversifiziert. Wenn man aber bereits in der Währung positioniert ist und das Kapital lange nicht braucht, kann es aus meiner Sicht Sinn machen, in dieser zu bleiben und von höheren Zinsen zu profitieren.

1 Kommentar zu «Wie umgehen mit den Währungsrisiken?»

  • Ralf sagt:

    Wer weiss in welche Richtung sich der Wechselkurs entwickeln wird. Schwer zu sagen in Bezug auf solche Währungen wie NDZ und NOK, aber auch bei der wichtigsten Währung aus Schweizer Sicht, dem Euro ist die Zukunft absolut unvorhersehbar. Viele Analysten meinen, dass es nicht eine Frage ob sondern wann der Franken wieder Parität zum Euro erreicht. Meines Erachtens ist ein Beibehalten einer Währung weitere Spekulation. Wicht ist aber vor allem, dass man beim Geld wechseln an sich spart. Ich wechsle regulär Euro bei ExchangeMarket.ch und nicht bei der Bank. So spät ich gleich mal 2 Prozent meines Betrages. Wie lange müsste ich heutzutage Investieren um die 2 Prozent mit Investitionen zu verdienen.

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