Was kostet mich ein AHV-Vorbezug?

Wer aus Ärger im Job kurz vor der Pensionierung die AHV vorbezieht, bezahlt das teuer. Es gibt bessere Lösungen.

Aus Ärger den Bettel frühzeitig hinschmeissen? Ein AHV-Vorbezug hat einschneidende finanzielle Konsequenzen. Foto: iStock

Ich bin 63-jährig und habe viel Ärger im Beruf. Das tut mir nicht gut. Jetzt überlege ich mir einen Vorbezug der AHV und früher in Pension zu gehen. Finanziell sind wir etwas abgesichert, da auch meine Frau arbeitet. Was kostet mich ein AHV-Vorbezug? R.J.

Ein AHV-Vorbezug hat einschneidende finanzielle Konsequenzen. Pro Jahr, das Sie Ihre AHV früher beziehen, wird Ihre Rente um 6,8 Prozent reduziert. Bei zwei Jahren, so wie Sie es planen, wäre es also eine Kürzung um 13,6 Prozent. Das Problem dabei: Die Kürzung ist nicht einmalig oder zeitlich befristet, sondern lebenslang. Sie bekommen somit bis an Ihr Lebensende 13,6 Prozent weniger Rente, wenn Sie als Mann bereits mit 63 in Pension gehen.

Nun verstehe ich, dass Sie die Probleme an Ihrem Arbeitsplatz belasten. Wenn eine schlechte Situation lange anhält, kann sich das negativ auf Ihre Gesundheit auswirken. Oft lohnt sich bei einer solchen Ausgangslange das Gespräch mit dem Arbeitgeber. Meist sind beide Seiten über die Konstellation nicht mehr glücklich, da der Arbeitgeber wohl auch spürt, dass Sie unglücklich sind in Ihrem Job.

Je nach Unternehmen kommt man Ihnen entgegen und findet zusammen mit Ihnen eine Lösung für eine finanziell tragbare Frühpensionierung. Eine solche ist meist für beide Seiten sinnvoll. Das hätte für Sie allenfalls den Pluspunkt, dass Sie mit Ihrer Pensionskassenrente die zwei Jahre von 63 bis zur ordentlichen Pension mit 65 überbrücken und auf den Vorbezug der AHV verzichten könnten. Dann hätten Sie trotzdem die ungekürzte AHV-Rente bis ans Lebensende.

Unabhängig vom Gespräch über die schwierige Situation mit Ihrem Arbeitgeber müssen Sie im Detail die finanziellen Folgen einer Frühpensionierung prüfen. Unterstützung bekommen Sie dabei von Ihrer Pensionskasse, die Ihnen genau ausrechnen kann, wie viel Rente Sie erhalten würden, wenn Sie mit 63 in Pension gehen. Ebenso von der AHV, die Ihnen die Konsequenzen in den effektiv für Sie geltenden Zahlen ausrechnen kann.

Meines Erachtens dürfte es sich für Sie auch lohnen, wenn Sie bei Ihrer Bank oder Versicherung zusätzlich eine Pensionsplanung in Anspruch nehmen. Denn es geht nicht nur darum, abzuklären, wie viel Rente und generell wie viel Geld Sie nach einer vorzeitigen Pensionierung tatsächlich zur Verfügung haben. Es gilt auch die steuerlichen Konsequenzen der verschiedenen Schritte zu prüfen. Möglicherweise haben Sie noch Konten der steuerbegünstigten Säule 3a, die es zu beziehen gilt. Mit einer umsichtigen Planung können Sie in den meisten Kantonen einiges an Steuern sparen.

Auch beim AHV-Vorbezug gilt es, die steuerlichen Folgen auszurechnen, da Ihre Frau, wie Sie mir schreiben, noch erwerbstätig ist. Immerhin können Sie sich dank der Erwerbstätigkeit Ihrer Frau selbst bei einem Vorbezug der AHV von der weiterhin bestehenden AHV-Beitragspflicht befreien.

Ohne die Erwerbstätigkeit Ihrer Frau müssten Sie bei einer Frühpensionierung bis zum ordentlichen Pensionierungsalter von 65 weiterhin Beiträge an die AHV leisten. Je nach Vermögenssituation sollten diese fälligen AHV-Beiträge nicht unterschätzt werden, zumal die Bandbreite für die jährlichen Beiträge von rund 500 Franken bis über 20’000 Franken reicht.